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  enable2start Gründertagebuch: Abotic FTD-Serie: Türen auf für Rollstuhlfahrer

Eine Tür aufzuklinken, scheint so einfach - nicht für einen Rollstuhlfahrer. Nick Manseder und Albrecht Karlusch haben nun einen automatischen Türöffner entwickelt, in Behindertenhaushalten, Krankenhäusern und Behörden für Abhilfe sorgen soll.

Merken   Drucken   31.05.2010, 09:00 Schriftgröße: AAA

enable2start Gründertagebuch: Wir wären soweit - die 2. Quartalsreportage von Abotic

31.05.2010 - Abotic: Die Abotic-Gründer können die ersten Türöffner ausliefern. Fast hätten sie die Deadline gerissen. Sie wissen nun: Man sollte nicht alles selbst machen von Claus Hornung
Nick Manseder kann sich an der Szene nicht sattsehen. Wie ein Kind an Heiligabend steht er vor den 20 Geräten, die in Zweierreihen gestaffelt vor ihm liegen. Abwechselnd blinken pfeilförmige Leuchten auf: Blau. Blau. Blau. Zufrieden lächelnd schaut er dem Lichtspiel zu: "Es funktioniert alles."
Sein verfrühtes Weihnachts­geschenk ist die erste Kleinserie des Genesis plus, kurz: G+, die neueste Version des Türöffners, den sein ­Unternehmen Abotic produziert. Der hilft, Wohnungs- und Haustüren an Orten zu öffnen, an denen sie eine Barriere darstellen, etwa in Pflege- oder Altersheimen. Einfach eine Aufhängung mit Klebestreifen an der Tür anbringen, das Gerät einklinken - fertig.
Abotic-Geschäftsführer Nick Manseder   Abotic-Geschäftsführer Nick Manseder
Ein akkubetriebener Motor treibt ein Rädchen an, das die Tür aufzieht, ausgelöst durch Antippen der Tür, Drücken der Klinke oder per Fernbedienung. Läuft der Motor, leuchtet das blaue Licht - so wie jetzt. Gut zwei Jahre ist es her, dass Manseder den ersten Öffner zusammenschraubte, das Modell A. Mit G+ will er den großen Schritt wagen: raus aus der Werkstatt, rein in den Markt.
Der Zeitplan war eng. Anfang März sollten die Geräte fertig sein, um sie vor der Auslieferung im Mai noch durch einen Belastungstest zu schicken. Fast hätte ein zwei Millimeter großes Stück Plastik diese Deadline zerschossen.
AUSGABEN, EINNAHMEN, KAPITAL, SCHULDENSTAND
Hier steht die Bilanz von Abotic für Februar bis April 2010
Verzweifelt suchte Manseder vor dem Märztermin nach Resetbausteinen - sie verhindern, dass die Türöffner funktionsunfähig werden, falls die Software abstürzt. Solche Teile werden eigentlich in Hunderttausenderpacks verkauft. Manseder aber brauchte nur eine Handvoll. Schwierig. "Unter 18 Wochen Lieferzeit geht da gar nichts", sagte ihm ein Händler: Erst in letzter Minute fand Manseder einen Lieferanten, der die Dinger vorrätig hat.
Auch mit den Funkmodulen, die für die Fernbedienung gebraucht werden, gab es Probleme. Einige waren so sensibel eingestellt, dass sie Brandmelder oder Feuerlöscher auslösen könnten, andere funktionierten gar nicht. Mit Sonntags- und Nachtschichten schafften es die Abotic-Techniker, rechtzeitig fertig zu werden.
Aber sie merkten: Das muss anders laufen. "Wenn schon 20 Geräte so einen Aufwand bedeuten, können wir nur zusammenbauen und haben keine Zeit, die Technik weiterzuentwickeln", sagt Produktionschef Martin Pelikan. "So kommen wir auf keinen grünen Zweig."
Ein Abotic-Türöffner   Ein Abotic-Türöffner
Er rennt offene Türen ein. Denn auf Dauer würden Manseder auch die Bauteile, die Abotic selbst herstellt, nicht ausreichen. Er greift eine Kunststoffgussform, deutet auf haarfeine Risse, fährt mit dem Finger über kaum sichtbare Kanten. "Der Kunde sieht das nicht", sagt er. Die Produkte seien schon gut. Aber gut ist eben nicht perfekt: "Ein 90-Grad-Winkel muss 90 Grad haben und nicht 89,9 Grad."
Ein externer Produzent muss her. Die Eigenproduktion hatten sie ohnehin nur aus Geldmangel aufgezogen. Lange arbeiteten die Abotic-Techniker ohne Bezahlung - darauf vertrauend, dass sie ihr Gehalt erhalten, wenn Geld da ist. "Anfangs hatten wir keine Wahl", sagt Manseder. Ende 2009 aber bewilligten eine Bank und eine Forschungsförderung insgesamt 1,25 Mio. Euro. Jetzt hat er die Wahl - und sucht eine Firma, die die nächste Serie produzieren soll.
Jede Menge Baustellen
Als gäbe es sonst nichts zu tun. Schließlich braucht ein marktreifes Unternehmen einen marktreifen Auftritt. Dazu gehört ein aussagekräftiges Logo. Das erste hatten Manseder und sein Mitgründer Albrecht Karlusch in der Gründungsphase für 29 Euro im Internet erstanden. Damals reichte ein einziges Kriterium: blau. "Die Farbe ist auch auf Schwarz-Weiß-Kopien noch gut erkennbar", sagt Manseder, "außerdem habe ich gelesen, dass Blau bei Männern und Frauen gleich gut ankommt."
Jetzt soll es professioneller werden. Sie beauftragen eine Werbeagentur, ein neues Logo zu entwickeln - und haben auf zwei DIN-A4-Seiten zusammengefasst, welche Assoziationen dieses wecken soll, etwa "Menschlichkeit", "Barrierefreiheit" und "innovativer Geist".
Die beiden Gründer legen sich ein Customer-Relationship-Management-System zu, mit dem sie den Überblick behalten, welcher Kunde wann eine Mail an Abotic geschrieben hat und wer wann wie darauf geantwortet hat. Sie stellen eine Juristin in Teilzeit ein, die allgemeine Geschäftsbedingungen entwickeln soll sowie Verträge für Produzenten und Käufer der Geräte.
Die Abotic-Geschäftsführer Albrecht Karlusch und Nick Manseder ...   Die Abotic-Geschäftsführer Albrecht Karlusch und Nick Manseder (v.l.)
Und sie melden auf vier Komponenten ihres Türöffners Patente an. Das wäre schon viel früher gegangen, sagt Manseder. Aber so gewinnt er Zeit: Das Patentamt veröffentlicht erst nach 18 Monaten, welche Bauteile geschützt sind - in dieser Zeit wissen mögliche Nachahmer nicht, was sie eins zu eins nachbauen dürfen und bei welchen Teilen sie sich etwas anderes einfallen lassen müssen. "Es gibt immer Wege, ein Patent zu umgehen", sagt Nick Manseder, "aber wir wollen es so schwer wie möglich machen."
Kurz vor dem Markteintritt
Anfang Mai sind die wichtigsten Vorbereitungen abgeschlossen. Manseder hat erste Kandidaten für die Serienproduktion gefunden. Und ein Dauertest an der Tür des firmeneigenen Serverraums hat gezeigt, dass der Genesis plus selbst nach mehreren Tausend Einsätzen reibungslos läuft.
Jetzt können die ersten Prototypen an Heime und Kliniken ausgeliefert werden. Von denen erhofft sich Manseder wichtige Rückmeldungen dazu, wie sie den Genesis plus noch verändern sollten, bevor eine größere Serie gefertigt wird. Ob die Bedienung einfach genug ist, ob das Motorengeräusch leiser sein müsste - und natürlich auch, ob das Design so bleiben kann. "Wer weiß", sagt er, "vielleicht wollen die Kunden ja lieber, dass die Geräte rot leuchten."
"Den kenne ich doch?!" Robert Pruggnaller vom Abotic-Finanzteam staunte nicht schlecht, als er vergangenen Mittwoch auf dem Flur von Abotic den österreichischen Generalrepräsentanten der Firma Hoffmann-Krippner traf. Der hatte einen Termin, um ein Produkt seines Unternehmens vorzustellen: Eine Tastatur, die in eine glatte Folie integriert ist. Denn so etwas will Gründer Nick Manseder in das nächste Modell seines automatischen Türöffners einbauen.
Niemand, der bei der Terminplanung berücksichtigt war, schien sich jedoch mit Fußball auszukennen. Pruggnaller schon: "Das ist doch Otto Konrad!", sagt er. Der war nämlich Torwart in der österreichischen Fußball-Bundesliga und vor seinem Vertriebsjob Torwartrainer der Nationalmannschaft.
Autogrammstunde: Otto Konrad (l.) und Abotic-Gründer Nick Manseder ...   Autogrammstunde: Otto Konrad (l.) und Abotic-Gründer Nick Manseder (r.)
"Den haben wir gleich auf einem Gerät unterschreiben lassen", sagt Manseder. Neben dem Autogramm gab es auch noch einen guten Kontakt. Konrad nämlich ist befreundet mit dem österreichischen Rollstuhlsportler Thomas Geierspichler. "Der interessiert sich sicher für euer Gerät", sagte er. Noch am selben Tag meldete sich Geierspichler.
Manseder hofft, ihn zur Markteinführung der nächsten Abotic-Serie am 14. September als Ehrengast zu gewinnen. Auch, wenn es zeitlich schwierig werde: "Er trainiert gerade für die Weltmeisterschaft."
Ebenfalls unsicher ist übrigens noch, ob Abotic die Folientastaturen von Hoffmann-Kipper bestellt. Erst werde man Vergleichsprodukte testen. "Wir nehmen das beste Produkt", sagt Manseder, "da gibt's keinen Promi-Bonus."
Das zweite enable2start-Quartal von Abotic
Am 31. Mai erscheint an dieser Stelle die zweite Quartalsreportage von Abotic - inklusive aller wichtigen Zahlen wie Ausgaben, Umsätze und Kontostand.
Freude in Bonn, Enttäuschung in Wien. Ebenso wie enable2start-Sieger Captcha-Ad war Abotic für den Gründerwettbewerb Global Entrepreneurship Competition nominiert. Anders als das Web.2.0-Star-up schaffte es das Türöffner-Unternehmen jedoch nicht in die Gruppe der 22 Finalisten. Gründer Nick Manseder hatte sich gute Chancen ausgerechnet, aber gibt sich pragmatisch: "Wir haben eine Einladung für die Veranstaltung - also fahren wir auch hin", sagt er. "Dort sind ja auch viele Investoren".
Aber Abotic ist doch für die nächsten zwei Jahre finanziert? "Investoren sind immer relevant" meint Manseder und grinst: "Geld erhöht die Wahrscheinlichkeit für Erfolg."
Zum ersten Mal verkauft: Ein Türöffner von Abotic   Zum ersten Mal verkauft: Ein Türöffner von Abotic
Erfolgserlebnisse gibt es dafür anderswo. Das Marketing-Team von Abotic reist seit zwei Wochen quer durch Österreich, und stellt den Türöffner in Pflegeheimen, Krankenhäusern und bei Verbänden wie Achtung Stufe und Bizpes. Dort stößt das Team auf großes Interesse. Und es lernt. "Man kennt sich in der Branche", sagt Marketing-Mitarbeiterin Karin Sommer. "Bei jeder Präsentation erfahren wir mehr: Mit wem wir reden müssen, wessen Meinung in der Branche zählt oder welche Messen wichtig sind."
Aber es blieb nicht bei Interessensbekundungen und Informationen. Ein Heimleiter sagte nach der Präsentation: "Jetzt müssen wir nur noch überlegen, wie viele wir nehmen." Einen Vertrag gebe es noch nicht, sagt Manseder. "Aber ich zähle das als den ersten Verkauf", sagt er und grinst: "Wer hätte gedacht, dass das so einfach geht."
Als erfolgreiches Unternehmen braucht man heutzutage nicht nur ein gutes Produkt, sondern auch ein gutes Image. Und zum Image braucht es auch einen Image-Film. Den hat Abotic jetzt. Und das Beste: er kostet nichts.
Denn das Gründerzentrum Inits Inits richtete vergangene Woche einen Kongress aus. Dort durften sich mehrere Start-ups präsentieren, die von Inits gefördert wurden, darunter Abotic. Und allen spendierte Inits eben jenen Imagefilm.
Hier gibt es das Abotic-Video zu sehen, das dabei entstand:
"Das ist super geworden", freut sich Nick Manseder. Soll er auch wohl, nachdem ein Kamerateam sechs Stunden lang in den Räumen des Start-ups herumwuselte.
Dass der Film nicht vorrangig die Zielgruppe "Rollstuhlfahrer" anspricht, liegt übrigens an ersten Erfahrungswerten, die das Abotic-Team inzwischen einsammelte. Es sei besser, alle Anwendungsmöglichkeiten des Türöffners zu zeigen, sagt Rudolf Langbauer vom Abotic-Marketingteam. Auch solche für Nicht-Behinderte oder für Menschen, die nur kurzfristig im Rollstuhl sitzen, etwa wegen eines Gipsbeins. "Dass der Türöffner auch behinderten Menschen hilft, wissen diese auch so."
Abotic hat Patente auf seinen Türöffner angemeldet. Warum erst jetzt?
Aus strategischen Gründen. Die Prüfung der Abotic-Patente durch das österreichischen Patentamt dauert etwa ein halbes bis ein Dreivierteljahr. Offengelegt werden die Patente jedoch erst 18 Monate ab Antragstellung. Dadurch wissen die Mitbewerber bis zu diesem Zeitpunkt nicht, was bei unserem Gerät alles patentiert ist.
Was war der größte Erfolg für Abotic im April?
Das war die Fertigstellung der Kleinserie. Seit vergangener Woche stehen 20 Türöffner für Tests zur Verfügung. Die Qualität der Geräte kommt der Qualität einer Serienfertigung schon sehr nahe. Damit haben wir einen hervorragenden Ausgangspunkt für die Industrialisierung der Produktion.
Bald gehts raus. Die Abotic-Gründer Albrecht Karlusch und Nick ...   Bald gehts raus. Die Abotic-Gründer Albrecht Karlusch und Nick Manseder (v.l.) wollen auf den Markt
Wir werden die Geräte zum einen bei Abotic anspruchsvollen Belastungstests unterziehen. Zum anderen geben wir einen Teil der Geräte Institutionen, Interessensvertretern und Privatleuten zum Testen. Wir haben die neue Version des Türöffners mit einem Menüdisplay versehen, wodurch nun viele zusätzliche Einstellungen, wie etwa das Aktivieren und Desaktivieren von optischen und akustischen Signalen, möglich werden. Wir freuen uns schon darauf zu sehen, wie die Testpersonen mit der Türautomatik umgehen und wie ihnen Bedienungsfeld gefällt.
Gab es auch Niederlagen?
Kleinere Niederlagen gibt’s natürlich manchmal. Insgesamt läuft aber alles nach Plan.
Welche Herausforderungen stehen in Zukunft an?
Jetzt geht es vor allem darum, die Abotic-Türautomatik fit für die Serienproduktion zu machen. Wir sind bereits mit einem etablierten Produktionsunternehmen im Gespräch und hoffen, die Verhandlungen bald abschließen zu können. Daneben laufen die Vorbereitungen für den Markteintritt. Werbematerial wird gestaltet, Interessenten und Kunden werden besucht und mit Vertriebspartnern wird verhandelt. Es gibt also nach wie vor jede Menge zu tun.
Die Fragen beantwortete Abotic-Gründer Philipp Nick Manseder
Wer war gleich noch mal Herr Müller? Hatten wir mit dem schon mal Kontakt? Und falls ja: Haben wir eine Handynummer von ihm?
Immer, wenn bisher ein Abotic-Mitarbeiter eine solche Frage hatte, musste er sich die Antworten aus den kleinen Kästchen langer Excel-Tabellen heraussuchen. Das will Nick Manseder nun ändern. Schließlich will sein Unternehmen Ende dieses Monats die ersten Türöffner für Testläufe ausliefern und bald darauf in die Serienproduktion gehen. Spätestens dann reichen Tabellen nicht mehr.
Wer war das nochmal gleich? Abotic-Gründer Nick Manseder braucht ...   Wer war das nochmal gleich? Abotic-Gründer Nick Manseder braucht ein CRM-System
Ein Customer-Relation-Management-System, kurz CRM muss her. Einen Probeaccount beim Anbieter Salesforce hat Manseder bereits einrichten lassen. Und er ist begeistert von dem, was damit alles möglich ist: Wenn ein Kunde anruft, kann man sehen, welche Mails wir ausgetauscht haben, wann er das letzte Mal bestellt hat, ob er schon einmal ein Gerät zurückgegeben hat und warum." Sogar, mit welchen anderen Firmen der Kunde vernetzt ist, sei feststellbar, sagt Manseder. Woher genau sich die Software diese Daten besorgt, weiß er auch nicht, aber praktisch ist es ja in jedem Fall.
27 Euro im Monat kostet das CRM-System pro Arbeitsplatz. Manseder hat erst einmal fünf Pakete bestellt. Er selbst gehört nicht dazu. "Das bekommt erst einmal nur die Marketingabteilung", sagt er, "wenn ich etwas wissen will, gehe ich zu denen."
Das erste enable2start-Quartal von Abotic
Was bei Abotic von November 2009 bis Januar 2010 passierte - inklusive aller wichtigen Zahlen wie Ausgaben, Einnahmen und Kontostand.
Produktion, Personalsuche und Marketing sind nicht die einzigen Stichworte, die in Nick Manseders Terminkalender auftauchen. Ein weiteres ist Netzwerken. "Man könnte es auch Bierpsychologie nennen", sagt der Abotic-Gründer grinsend. Da kommt gerade einiges zusammen.
Diese Woche stellt Abotic die Räume für den Stammtisch von Inits, einem Gründerzentrum, in dessen Räumen sich bis vor kurzem noch die Büros des Start-ups befanden. Zu diesem Treffen kommen einmal im Monat Gründer und solche, die das Thema Gründung interessiert. Zwischen beiden Gruppen gäbe es deutliche Unterscheidungsmöglichkeiten, sagt Manseder: "Die ein Unternehmen gegründet haben, reden von 60-Stunden-Wochen und davon, dass sie kein Privatleben mehr haben. Die noch gründen wollen davon, dass sie in zwei Jahren Millionäre sind."
Kontakte knüpfen: Albrecht Karlusch und Nick Manseder (v.l.) ...   Kontakte knüpfen: Albrecht Karlusch und Nick Manseder (v.l.) präsentieren Abotic auf vielen Veranstaltungen
Am 6. Mai präsentiert sich Abotic als eines von 30 Start-ups auf einem Innovationskongress, den Inits an der Technischen Universität Wien veranstaltet. Teilnahmebedingung ist, dass Manseder bis dahin ein Imagevideo über Abotic hat produzieren lassen. Die Arbeiten für ein Abotic-Video, das Manseder bereits bei einer Werbeagentur bestellt hat, sollen darum erstmal ruhen. So könne man Material, das jetzt entsteht, zweimal verwenden. "Dann wird es vielleicht günstiger", meint Manseder, hält kurz inne und ergänzt: "Nein, wahrscheinlich wird es nicht günstiger - aber schöner."
Am 16. Juni schließlich fliegen Manseder und sein Mitgründer Albrecht Karlusch nach Barcelona zum World Innovation Summit. Der enable2start-Partner UnternehmerTUM hat sie zu einem von 49 Start-ups nominiert, die sich dort präsentieren dürfen. Es winken 25.000 Euro Siegprämie. Und Kontakte zu insgesamt 2500 Teilnehmern, darunter auch Business Angels. Letztgenannte interessieren Manseder mehr als die Siegprämie: "Unser Ziel ist es, so gut aufzutreten, dass wir Geldgeber für unser nächste Finanzierungsrunde finden."
Was nutzt das beste Produkt, wenn es jemand nachbaut? Eben.
Darum gibt es Patente. Auch Abotic-Gründer Nick Manseder hat bereits eines auf seinen automatischen Türöffner. Dessen erstes Modell hat er allerdings vor fast zwei Jahren gebaut. Für vier weitere Hauptkomponenten hat Manseder aber erst vergangene Woche einen Antrag auf Patenterteilung gestellt - wenige Wochen, bevor die ersten 20 Prototypen in Pflegeheimen getestet werden sollen. Warum so spät? Die Antwort lautet: Strategie.
Nicht zum Nachahmen empfohlen: Der Türöffner von Abotic   Nicht zum Nachahmen empfohlen: Der Türöffner von Abotic
"Es gibt immer einen Weg, wie man ein Patent umgehen kann", sagt der Abotic-Gründer. Aber wenn Verhindern nicht klappt, kann man es wenigstens so schwer wie möglich machen. Nach der Anmeldung beim österreichischen Patentamt prüft dieses, ob Manseders Patente als solche zugelassen werden können. Ein halbes bis ein Dreivierteljahr werde die Prüfung wohl dauern, schätzt Manseder. Wichtiger ist ihm aber, dass die Patente erst 18 Monate ab Antragstellung offen gelegt werden. "Dann kann uns ein Mitbewerber zwar nachbauen, aber er weiß nicht, was patentiert ist."
Zudem kostet so eine Anmeldung einiges. Für die vier Anmeldungen hat Manseder zusammen rund 20.000 Euro bezahlt - inklusive der Kosten für einen Patentanwalt, der gemeinsam mit Manseder bereits intensiv recherchiert hat, ob es bereits ähnliche Patente gibt: "Wir sind uns zu 99 Prozent sicher, dass alles durchgeht".
Teuer wird es aber auch noch einmal, wenn die Patente erst einmal offen gelegt sind. Ab dann werden Gebühren fällig - pro Land, in dem das Patent schützen soll. Um die 30 Länder stehen auf Manseders Liste ("China bringt eher nichts"). Darum muss die Patentschrift in ungefähr zehn Sprachen übersetzt werden - allein das kostet rund 20.000 Euro. Pro Land fallen zudem noch einmal rund 500 Euro für die Anmeldung an, sowie eine konstant steigende "Aufrechterhaltungsgebühr" - über zehn Jahre verteilt kostet diese durchschnittlich auch noch einmal 500 Euro jährlich.
Besser wäre es also, wenn Abotic bis dahin bereits richtig im Geschäft ist. Und, wenn Manseder bis dahin einen Investor gefunden hat, der um die 5 Mio. Euro in das Unternehmen stecken soll. 18 Monate hat er Zeit.
Abotic hat den ersten Prototyp fertig gestellt. Wie ist der "Endspurt" gelaufen?
Wir haben die Deadline eingehalten, auch wenn dafür Schichtarbeit und Überstunden notwendig waren. Ich bin unseren Entwicklern wirklich dankbar, dass sie mit so viel Fleiß und Engagement gearbeitet haben. Manche Mitarbeiter haben einen Einsatz gezeigt, der bei weitem über das normale Maß hinausging. Es freut mich immer wieder zu sehen, wie verbunden unsere Mitarbeiter der Idee von Abotic sind.
Unsere Marketingabteilung hat den Prototyp abgenommen und alle Details analysiert, mit besonderem Augenmerk auf der Benutzerfreundlichkeit. Ein paar Kleinigkeiten wurden im Marketing beanstandet, beispielsweise, dass der Deckel für das Akkufach nicht optimal zu öffnen war. Aber im Großen und Ganzen halten wir nun ein hervorragendes Produkt in Händen.
Was war der größte Erfolg für Abotic im März?
Neben der Fertigstellung des neuen Prototyps gab es noch andere Erfolge. Beispielsweise, dass wir auf einer neuen Plattform über erfolgreiche Innovationskommunikation als Best-Practise-Beispiel angeführt werden sollen. Das Projekt mit dem Namen "Explain Technology" wird vom Zentrum für Innovation und Technologie der Stadt Wien gefördert und umgesetzt von Winnovation und Beconnected in Kooperation mit der Wiener Fachhochschule Technikum in Wien.
Im Zeitplan: Die Abotic-Gründer Albrecht Karlusch und Nick ...   Im Zeitplan: Die Abotic-Gründer Albrecht Karlusch und Nick Manseder (v.l.)
Gab es auch Niederlagen?
Wirkliche Niederlagen gab es eigentlich nicht.
Welche Herausforderungen stehen in Zukunft an?
Nächsten Monat startet die Testphase für unsere Türöffner in verschiedenen Einrichtungen, beispielsweise in Pflegeheimen. Vor allem das Marketing hat dann sicher alle Hände voll zu tun. Ein externer Test erfordert sehr intensive Betreuung. Anderen muss das Marketing die Ergebnisse protokollieren, auswerten und an die Technik weitergeben, um so schnell wie möglich auf mögliche Wünsche der Kunden reagieren zu können. Beispielsweise, um den optimalen Funkschalter zuzukaufen.
Gleichzeitig haben wir mit der Erstellung eines neuen Logos die Überarbeitung unseres Corporate Designs und unserer Kommunikationsmaterialien eingeleitet.
Auch unseren Technikern bleibt nicht allzu viel Zeit zum Verschnaufen. So wird bereits an der nächsten Version gearbeitet, die über einige Verbesserungen verfügen wird. Gleichzeitig entwickeln sie verschiedene Zubehörartikel. Wir brauchen auch Lösungen für Türen, die nicht den gängigen Normen entsprechen.
Die Antworten gab Abotic-Gründer Nick Manseder
Eine halbe Firma - die möchte niemand haben. Genau die hatte Nick Manseder nach eigener Definition aber bislang. Denn in einem Rechtsstaat gilt für den Abotic-Gründer: Eine Firma ohne Jurist ist eine halbe Firma. Schließlich wollen die Geschäfte mit Händlern und Produzenten mittels sachkundig ausgearbeiteter Verträge abgesichert sein. Dafür sorgt ab sofort die von Abotic angestellte Juristin, die sich den Allgemeinen Geschäftsbedingungen und anderem Vertragswerk widmet.
Der Türöffner durchläuft einen Tiefentest - ganz abgeschlossen ...   Der Türöffner durchläuft einen Tiefentest - ganz abgeschlossen wird seine Entwicklung aber nie sein.
Was die Juristin für die Verträge, ist die Werbeagentur für das Firmendesign. Nachdem das neue Logo abgestimmt und schon auf der Internetseite zu sehen ist, müssen jetzt alle Geschäftsunterlagen entsprechend aktualisiert werden: Visitenkarten, Schlüsselanhänger, Kugelschreiber, USB-Stick - die ganze Palette der Werbegeschenke. Aber nicht nur für Kunden gibt es Präsente, auch die Mitarbeiter werden bedacht. Im Intranet können sie sich T-Shirts und Kaffeetassen in Firmenidentität bestellen.
Und das eigentliche Produkt, der Türöffner? Der wird weiter getestet, angepasst, erneut geprüft und weiter verbessert. "Die Test-Tiefe erhöhen", nennt Manseder das. Es sei wie beim Lesen einer Zeitung: beim ersten Mal übersehe man häufig Dinge, deshalb müsse man sie noch ein zweites Mal lesen.
Im Prinzip ist der Türöffner aber fertig, die externe Produktion ist weiter in Vorbereitung. Aber wirklich abgeschlossen, sagt Manseder, ist so eine Produktentwicklung nie.
Ein wenig war es wie beim Tag der offenen Tür. 30 Studenten vom Studiengang Innovations- und Technologiemanagement der Uni Wien schoben sich vergangene Woche durch die Flure von Abotic. Um sich den automatischen Türöffner anzusehen, den das Team von Nick Manseder entwickelt hat. Aber auch, um dabei zu helfen, dass dieser Türöffner nicht das einzige Produkt von Abotic bleibt.
"Bislang ist das unser einziges Standbein", sagt Manseder: "das ist ein Risiko, das wir abfedern wollen." Darum planten er und sein Mitgründer Albrecht Karlusch von vornherein, langfristig weitere Produkte zu entwickeln. Alles, was im weitesten Sinne unter das Wort "Barrierefreiheit" passt.
Was passt zu mir? Studenten sollen das Portfolio von Abotic erweitern   Was passt zu mir? Studenten sollen das Portfolio von Abotic erweitern
Aber wann beginnt "langfristig"? Schließlich haben die beiden gerade mal ihren ersten Türöffner soweit, um damit den Markteintritt zu wagen - mehr als anderthalb Jahre nach dem Bau des ersten Modells. Ein zweites Produkt ließe sich möglicherweise etwas schneller entwickeln. Aber nicht schnell genug für Manseder: "Wir können uns nicht leisten, so lang zu warten." Eine Alternative wäre, Produkte anderer Firmen zu verkaufen. "Das macht ungleich weniger Aufwand."
Was das sein könnte? Massagesessel oder Luftbefeuchter kämen vielleicht in Frage, meint Manseder. Aber an der Stelle kommend die Studenten ins Spiel. Sie sollen Produkte finden, die zu Abotic passen. "Die müssen natürlich alle super funktionieren und getestet sein", sagt Manseder.
Spätestens im Juli sollen Ergebnisse vorliegen. Manseder hat großes Vertrauen in die Fähigkeiten der Studenten. Zum einen, weil diese in sechs Teams gegeneinander antreten. „Damit haben sie Konkurrenzdruck.“ Zum anderen, weil schon im vergangenen Jahr Teams des gleichen Studiengangs eine Firmenstruktur für das Start-up Abotic entwarfen. „Jetzt arbeiten wir das zweite Mal zusammen“, sagt Manseder und lacht: „Weil wir beide so gut sind.“
Manche Chefs wären genervt. Da geht der Mitarbeiter aus der Software-Abteilung fast im Minutentakt zum Serverraum, öffnet die Tür und schließt sie wieder. Auf und zu. Auf und zu. Seit zwei Wochen geht das nun schon so. Oft machen auch Mitarbeiter aus anderen Abteilungen mit. "Insgesamt passiert das bestimmt vier- bis fünfhundert mal am Tag", sagt Abotic-Gründer Nick Manseder - und findet's super.
Denn an der Tür vor dem Serverraum ist der Genesis Plus befestigt - der Prototyp von Manseders automatischem Türöffner, mit dem Abotic den Markteintritt wagen will. Statt durch Drücken der Türschnalle - wie man in Manseders österreichischer Heimat Türklinken nennt - kann man das Modell in den Abotic-Geschäftsräumen per Fernbedienung auslösen. Das fördert natürlich den Spieltrieb. Aber auch das gute Gefühl, dass sich das Gerät in der Praxis bewähren würde.
Auch als Spielgerät geeignet: automatischer Türöffner von Abotic   Auch als Spielgerät geeignet: automatischer Türöffner von Abotic
Wie so ein Türöffner in Funktion aussieht, soll keine Erfahrung sein, die das Abotic-Team für sich behalten will. Darum dreht eine Werbeagentur, die Abotic ein neues Logo verpasste, demnächst ein Werbevideo. Das soll in gut zwei Monaten auf der Abotic-Homepage stehen. Zudem soll der Film für Marketing und Vertrieb eingesetzt werden, etwa als Demonstration in Pflegeheimen.
In einer Art Probezeit befinden sich seit vergangener Woche auch neue Mitarbeiter. Zwei im Marketing und einer in der Technik. Sechs Monate lang arbeiten die drei als Praktikanten. Läuft's gut, sollen aus den Praktika feste Arbeitsverhältnisse werden.
Länger hätte es nicht dauern dürfen. Spätestens zum 1. März, so sah es der Abotic-Zeitplan vor, sollte der Türöffner "Genesis Plus" fertig gestellt sein - die erste Version, die in Serie gehen soll.
Doch erst am vorvergangenen Freitag, zwei Tage vor Monatsende - kamen die letzten entscheidenden Teile an. Ein zwei Millimeter großer Resetbaustein, der Softwareabstürze verhindern soll. Und ein neuer Motor. Der wiegt um die zwei Kilogramm. Aber weil Abotic den Motor eigens anfertigen ließ, musste es zum Preis von 8500 Euro gleich 100 Stück bestellen, verpackt in vier große Pakete á 50 Kilogramm.
Bild aus der Vergangenheit: Gründer Nick Manseder gießt im ...   Bild aus der Vergangenheit: Gründer Nick Manseder gießt im Produktionskeller ein Plastikbauteil
"Da stand auf einmal ein Kranwagen vor der Tür", sagt Gründer Nick Manseder lachend. Und wie ist dessen Ladung in die tief im Keller gelegenen Produktionsräume von Abotic gekommen? "Das macht man mit der gleichen Methode, mit der man einen Elefanten isst", meint Manseder lachend: "Stück für Stück für Stück."
Ein durchgearbeitetes Wochenende später steht der Genesis plus. Besser noch: er läuft. "Das ist ein gigantischer Meilenstein für uns", freut sich Manseder. Passend dazu gibt's ein neues Logo. Das haben die Abotic-Gründer jetzt offiziell ihrer Designagentur abgekauft. Die neue Typologie symbolisiere Menschlichkeit, meint Manseder, nur halb im Scherz: "Die runden Buchstaben drücken das sanfte Gemüt eines robusten Geräts aus."
Rund und sanftmütig: Das neue Logo von Abotic   Rund und sanftmütig: Das neue Logo von Abotic
Der Prototyp läutet noch eine weitere Zäsur ein: Für die Produktionsmitarbeiter ist die Zeit in den Kellerräumen der Wiener Wirtschaftskammer beendet. Sie sind in dieser Woche in die neuen Räume im Bürokomplex Towntown gezogen, wo die anderen Abotic-Mitarbeiter bereits seit Februar arbeiten. Denn die Bauteile für die Türöffner sollen ab sofort nur noch von externen Unternehmen gefertigt werden. Ihre große Fräse zum Fertigen von Bauteilen haben die Gründer bei einem Universitäts-Institut deponiert, wo man mehr Verwendung für sie hat.
Das Abotic-Team beschränkt sich dann darauf, diese Bauteile zu entwickeln. Und, natürlich, darauf zu warten, dass sie geliefert werden.
  • FTD.de, 31.05.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 14.04.2010 15:16:08 Uhr   Claus Hornung, FTD: @Bertagnoll

    Danke für Ihren Hinweis. In dem Artikel waren Fehler/Ungenauigkeiten, weil ich als Autor Angaben von Nick Manseder falsch verstanden habe. Die betreffenden Passagen sind überarbeitet

  • 12.04.2010 11:33:12 Uhr   Bertagnoll: Jährliche Kosten
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