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Merken   Drucken   20.08.2009, 09:18 Schriftgröße: AAA

Gründertagebuch: Alles im grünen Bereich - die 3. Hanfpark-Quartalsreportage

03.09.2009 - Freizeitpark im Hanffeld: Regentage haben sie eingeplant, aber nicht Regenwochen. Erst mit großer Verzögerung erreichen die Hanfpark-Gründer die geplanten Besucherzahlen. von Claus Hornung
Markus Sauerhammer hat auf einer Holzbank Platz genommen und blinzelt in die Mittagssonne. Es ist Anfang August, das Thermometer zeigt fast 30 Grad an, und Sauerhammers Gesicht leuchtet in einem bedenklich satten Rot, unterbrochen von dem weißen Streifen, den seine Sonnenbrille hinterlassen hat. Das könnte schmerzhaft werden, aber Sauerhammer zeigt sich unbeeindruckt.
Kinder auf dem Lehrpfad im Freizeitpark im Hanffeld   Kinder auf dem Lehrpfad im Freizeitpark im Hanffeld
Er lässt seinen Blick schweifen. Zu den Kindern, die mit respektvollen Blicken zehn Meter weiter den Eingang zum meterhohen Hanffeld-Labyrinth betreten. Zu der Mutter mit der weißen Schirmmütze, die entspannt einen Kaffee trinkt. Und zu dem roten Traktor, der gerade neue Strohballen für eine begehbare Pyramide anfährt. Es ist die zweite Pyramide. "Das ist alles, was von der ersten übrig geblieben ist", sagt Sauerhammer, deutet auf eine Handvoll zerfetzter Ballen und beginnt zu strahlen, als habe er eine Wette mit der Sonne laufen: "Hach, Kinder."
Kosten, Einnahmen, Kapital- und Schuldenstand:
Hier steht die Bilanz vom Hanfpark für Mai bis Juli 2009: www.ftd.de/Quartalsbilanz
Für die Kinder haben Sauerhammer und seine Mitgründer Thomas Gutmann und Christian Gehret ihren Freizeitpark im Hanffeld gebaut. Die sollen hier spielen, etwas über nachwachsende Rohstoffe lernen und sich gruseln. In einem Hanflabyrinth, in "grünen Klassenzimmern" und bei Geisternächten. Seit dem 20. Juni hat der Park in Garching-Hochbrück bei München geöffnet. Seitdem kommen die Kinder. Aber erst seit Kurzem müssen sie dabei keine Regenjacken mehr anziehen.
Nach der Aussaat im April hatten die drei Gründer ihr Feld noch bewässert, weil es zu trocken war. Dann normalisierte sich das Wetter. Die Pflanzen wuchsen stetig, bis zur Eröffnung auf knapp zwei Meter Höhe. Auch sonst lief alles nach Plan. Eine Woche vor Eröffnung war Sauerhammer entspannt. Die Lehrpläne für das "grüne Klassenzimmer": waren ausgearbeitet. Die Flyer: steckten wie vorgesehen in Werbekästen der S-Bahnen und in Münchner Stadtmagazinen und zeigten erste Wirkung in Form von Buchungen für "grüne Klassenzimmer" und Kindergeburtstage. Der Abenteuerspielplatz: aufgebaut. Servicekräfte für Kasse, Kinderbetreuung und Verkauf: eingestellt.
Diesmal würden sie nicht mehr die Nächte durcharbeiten, wie bei den kleinen Parks, die sie 2006 und 2007 als Studenten betrieben hatten. Diesmal würden sie am Tag vor der Eröffnung nur noch schnell ein paar Indianer-Tipis aufbauen und dann früh zu Bett gehen, war Sauerhammer sicher: "Wir haben aus den Fehlern der ersten Parks gelernt."
Nasser Start: Gründer Thomas Gutmann beim Aufbau   Nasser Start: Gründer Thomas Gutmann beim Aufbau
Dann kam der Regen. Ach was, Regen: eine Sintflut. 20 Liter pro Quadratmeter gingen in dieser Nacht über Südbayern nieder - mehr als an irgendeinem Tag zuvor in diesem Jahr. Innerhalb von Stunden verwandelte sich der Eingangsbereich des Parks in eine Schlammkuhle. Kein Durchkommen für Fahrzeuge.
Stundenlang schleppt das durchnässte Team Planen und Stangen. Den Aufbau müssen sie auf den Eröffnungstag verschieben. Ein bisschen klart es auf, als Bürgermeister, Landrat und der Präsident der Fachhochschule Weihenstephan Eröffnungsreden halten und die ersten 300 Besucher über den aufgeweichten Boden stapfen. Dann kommt der Regen wieder. Nur an neun der folgenden 45 Tage gibt es gutes Wetter. "Neun Tage, an denen wir morgens nicht die Nässe von den Bänken wischen mussten."
Schüler kommen trotz Regens
Die Gründer legen Matschflächen mit Holzschnitzeln trocken, werden Stammleser beim Online-Wetterdienst und verkünden täglich auf ihrer Homepage, welche Geisternacht und welches Ritterspiel stattfindet.
Doch die "grünen Klassenzimmer" sind voll. 80 Klassen meldeten sich in den ersten zwei Wochen an. Bis Ende Juli werden es 3000 Schüler. Dazu kommen 40 Kindergeburtstage. Auf Bögen, in denen die Besucher Schulnoten verteilen können, gibt es kaum eine Bewertung außerhalb von "gut" und "sehr gut". Einmal ruft eine Mutter an, deren Kind erst zehn Minuten zuvor von einem Geburtstag zurückkam: "Meine Tochter will das auch." Das wärmt das Gründerherz im kalten Juli.
Nur, richtig verdienen kann man mit Schulklassen nicht. Die 3,50 Euro Eintritt decken kaum mehr als die Unterrichtskosten. Nutzen die Schüler das Labyrinth, kommen noch mal 1,50 Euro pro Kopf dazu. Familien würden mehr bringen. Denn Eltern zahlen nicht nur Eintritt, die kaufen auch Hanfmützen, -Shampoos und -bier. Ende Juli wird es endlich sonnig. Und in Bayern beginnen die Schulferien. Seitdem geht es bergauf. Aus durchschnittlich 105 Besuchern pro Tag in der ersten Woche werden 340 - 40 mehr, als die Gründer brauchen, damit sich die Sache rechnet.
Blick auf den Hanpfark mit Labyrinth und Flächen für "grüne ...   Blick auf den Hanpfark mit Labyrinth und Flächen für "grüne Klassenzimmer"
Jetzt kommen die Eltern. Ein besseres Ausflugsziel gebe es nicht, sagt ein Vater zu Sauerhammer: "Wir haben unsere Ruhe, die Kinder können toben, und abends fallen sie müde ins Bett." Sauerhammer tut seinen Teil dazu, dass bald noch mehr Menschen so denken. Er schickt Mitteilungen an Lokalzeitungen, veranstaltet Gewinnspiele mit Radiosendern. Er hat zusätzliche Bänke aufgestellt und sorgt dafür, dass der Imbisswagen einen Pizzaofen bekommt.
Und er denkt an die Zukunft. Er will sein Marketingkonzept perfektionieren. Darum verteilt Sauerhammer Fragebögen an die Besucher: Wie haben die Besucher vom Hanfpark erfahren? Wie alt ist der Durchschnittsbesucher, und aus welcher Stadt kommt er? Und welche Attraktion fehlt noch?
"Aber die besten Attraktionen sind sowieso die ganz einfachen Dinge", sagt Sauerhammer, schaut noch einmal Richtung Traktor und grinst: "So wie die Strohballen." Und die Sonne natürlich.
Die Gründer des Freizeitparks im Hanffeld stehen vor großen Herausforderungen: Markus Sauerhammer und Christian Gehret müssen ab Oktober ohne ihren dritten Mann, Thomas Gutmann, auskommen. Der muss auf dem elterlichen Hof einspringen. Seine Mutter, die seit Längerem an einer schweren Krankheit leidet, kann nicht mehr voll arbeiten. Über mehrere Monate hieß es deshalb für Gutmann: Arbeit auf dem Hanffeld, 150 Kilometer Fahrt, Arbeit auf dem Hof der Eltern. Auf Dauer eine zu hohe Doppelbelastung: "An zwei Fronten kann ich das nicht schaffen", sagt er. Im Oktober steigt der Gründer aus.
Thomas Gutmann verlässt das Hanfpark-Team   Thomas Gutmann verlässt das Hanfpark-Team
Seine beiden Kollegen überwinden gerade die Schockstarre. Ob Gutmanns Platz neu besetzt wird, ist noch offen. Zunächst muss die Geschäftsstrategie geklärt werden. Die verschiedenen Bereiche - vom grünen Klassenzimmer, über Kindergeburtstage bis hin zu Sonderprogrammen am Wochenende - werden untersucht, um die große Frage zu beantworten: Womit können wir Geld verdienen?
Die lukrativen Projekte sollen dann, ähnlich eines Franchise-Systems, an Geschäftspartner verkauft werden. "Wir suchen Landwirte, die auch Unternehmer sind und schon Kontakt zum Endkunden haben", beschreibt Markus Sauerhammer die idealen Kandidaten. Bei der Suche hilft ihnen ein Artikel über den Hanfpark, der vor Kurzem in einer Fachzeitschrift für Landwirte erschienen ist. Seither haben sich mehrere Interessenten gemeldet, etwa ein Kürbisbauer, der auf seinem Hof ein Café einrichten möchte und das Hanfkonzept als mögliche Ergänzung in Betracht zieht. Noch ist das aber Zukunftsmusik.
Dagegen ist das kommende Wochenende schon fest geplant. Beim Ritterfest kann mittelalterlicher Schmuck gebastelt werden, Showkämpfe und Feuerkunststücke bewundert werden. Da darf die Geisternacht nicht fehlen. Natürlich thematisch angepasst: Der Motorsägenmann ist jetzt ein Todesritter.
Wie geht's weiter? Gerade erst hat für den Hanfpark die zweite Saisonhälfte begonnen, da überlegen die Gründer um Markus Sauerhammer, was im kommenden Jahr passieren soll.
Gemeinsam mit ihrem Exist-Gründungscoach analysieren sie, wo sie mehr Geld verdienen können, was anders aufgezogen werden muss, was gut lief oder sogar franchise-tauglich ist.
Waren ausgebucht: Grüne Klassenzimmer wie hier im Bild und ...   Waren ausgebucht: Grüne Klassenzimmer wie hier im Bild und Kindergeburtstage
"Einige Sachen haben wir definitiv unterschätzt", sagt Sauerhammer, "in einigen hatten wir mehr Zuspruch als erwartet". Ein Zwischenfazit:
Die "grünen Klassenzimmern" waren erwartungsgemäß so gut wie ausgebucht. Besser als erwartet liefen Kindergeburtstage. Auch bei den Prototypen-Hanfparks gab es schon solche Feiern. Aber durch spezielle Programme wie Indianer- oder Detektiv-Geburtstage gingen die Buchungen diesmal deutlich hoch.
Schlecht liefen hingegen die Firmenfeiern. Zum einen sei man etwas spät dran gewesen, sagt Sauerhammer: "Unsere Anfragen kamen im Frühjahr. Firmen planen oft viel früher." Zudem sei auch die Krise schuld. "Feiern sind das erste, was dann gestrichen wird." Daran änderte auch ein freiberuflicher Eventmanager nichts, der versuchte, Betriebe ins Hanffeld zu bekommen.
Teilnahmerekord bei enable2start
Bei der dritten Staffel der FTD-Gründerinitiative sind 1086 Bewerbungen eingegangen. Mehr Infos gibt es hier.
Was ausbaufähig ist, sind Besuche von Kitagruppen. Die waren zwar da, aber man hatte sie nicht gezielt als Besucher beworben, sagt Sauerhammer. Das soll sich ändern. Eine Besucherin, die mit einer Kita-Gruppe im Park war, hatte dort nicht nur Sauerhammers Mitgründer Christian Gehret darauf angesprochen, sondern ihm auch gleich noch erzählt, wo es einen passenden Adressverteiler von Kitas aus der Umgebung gibt.
Seit fast zwei Monaten hat der Freizeitpark im Hanffeld geöffnet. Und nachdem sich das Wetter inzwischen dauerhaft normalisiert hat, kann Gründer Markus Sauerhammer inzwischen daran gehen, ernsthafte Bilanzen zu ziehen.
Die durchschnittliche Besucherzahl ist von 105 pro Tag im Juni über 288 im Juli auf 340 für die ersten zwei Augustwochen gestiegen. Am vergangenen Wochenende gab es mit insgesamt 1700 Besuchern einen Rekord.
Einfach laufen lassen: Kinder beim Entdeckerspiel im Hanfpark   Einfach laufen lassen: Kinder beim Entdeckerspiel im Hanfpark
Fast 70 Prozent der Gäste haben an einem Gewinnspiel teilgenommen und dafür persönliche Angaben gemacht. Zu ihrem Alter, ihrem Herkunftsort. Und dazu, wie sie auf den Hanfpark aufmerksam geworden sind. Alles wichtige Informationen, mit denen die Gründer ihr Marketing steuern wollen.
Die erste Auswertung zeigt: 30 Prozent haben über Mundpropaganda vom Park erfahren, 21 Prozent durch Flyer, 19 Prozent aus Zeitungen. Ganz präzise sind diese Angaben nicht, sagt Sauerhammer: "Die meisten kreuzen nur eine Antwort an. Auch, wenn sie möglicherweise noch woanders von uns gehört haben."
Darum spricht jetzt eine neue Praktikantin die Besucher direkt an und fragt nach: In welcher Zeitschrift genau haben Sie von uns gelesen? Haben Sie darüber hinaus auch noch etwas im Radio gehört? Aber auch: Aus welchem Grund sind Sie hier?
Noch sind erst eine Handvoll Bögen zusammengekommen. Aber bei den Gründen für den Besuch kristallisiert sich schon deutlich heraus, was die meisten Eltern antreibt, sagt Sauerhammer. Bildung ja, Spaß auch, aber vor allem dies: "Die Eltern können einen ruhigen Tag verbringen, während die Kinder so toben können, dass sie abends richtig müde sind."
Das Wetter hat es im Eröffnungsmonat nicht gut gemeint mit Ihnen. Machen Sie sich Sorgen?
Natürlich hätten wir uns für die erste Zeit ein besseres Wetter gewünscht. Während unserer Pilotprojekte hatten wir aber auch schon längere Schlechtwetterperioden. Wir sind also abgehärtet. Inzwischen ist es auch deutlich besser. Entsprechend sind die Besucherzahlen gestiegen. In der letzten Juliwoche kamen teilweise mehr als 700 Besucher pro Tag in den Park. Wenn das in den Sommerferien so weiter geht, machen wir uns keine Sorgen.
Blick von oben auf das Hanflabyrinth   Blick von oben auf das Hanflabyrinth
Gab es schon Dinge, die Sie verändern mussten?
Wegen der großen Nachfrage haben wir beispielsweise weitere Themen für die Kindergeburtstage und für unser Grünes Klassenzimmer ausgearbeitet. Im Eingangsbereich bewegen sich die Besucher inzwischen auch auf keinem Rasen mehr. Stattdessen haben wir dort Hackschnitzel ausgelegt. Das ist eine Reaktion auf die großen Niederschlagsmengen.
Was sind die größten Erfolge des Monats?
Neben einer Auszeichnung durch die Unesco sind wir vor allem auf das gute Feedback unserer Besucher stolz. Eine erste Werbeerfolgskontrolle hat gezeigt, dass mehr als ein Drittel durch eine Empfehlung von Bekannten auf uns aufmerksam wurde.
Was sind die Aufgaben, die außerhalb des Parkgeländes anfallen?
Personalplanung, Personalabrechnung, Einkauf, Multiplikatoren gewinnen, Öffentlichkeitsarbeit, weiterer Partner und neue Standorte suchen, unsere Expansionsstrategie anpassen, den Businessplan für das kommende Jahr erstellen, die Anschlussfinanzierung sicherstellen...
Hanfpark-Gründer Markus Sauerhammer begrüßt eine Schulklasse   Hanfpark-Gründer Markus Sauerhammer begrüßt eine Schulklasse
Was ist die größte Aufgabe im kommenden Monat?
Wir wollen möglichst viele Besucher in unseren Park bekommen. Aber nach den Erfahrungen der letzten Wochen sind wir zuversichtlich.
Die Fragen beantwortete Hanfpark-Gründer Markus Sauerhammer
Im Büro der Hanfpark-Gründer ist es einsam geworden. Kaum ein Team-Mitarbeiter, der sich in den vergangenen Tagen hier aufhielt. "Alle sind draußen", sagt Markus Sauerhammer: "Es brummt." Schon morgens um halb neun stünden bis zu 400 Schüler vor dem Eingangspark des Hanfparks. Sauerhammer grinst: "Die muss man erstmal im Zaum halten."
Das gute Wetter hat sich gehalten und der Hanfpark sieht jetzt endlich jeden Tag so aus, wie ihn sich Sauerhammer und seine Mitgründer wünschen: Voll. 1400 Besucher kamen allein am vergangenen Wochenende, 550 am Montag, 700 am Dienstag, 730 am Mittwoch. "Und das werden in dieser Woche noch mehr", ist sich Sauerhammer sicher.
Bis zu 700 Kinder täglich besuchen den Hanfpark   Bis zu 700 Kinder täglich besuchen den Hanfpark
Dadurch verschieben sich Aufgaben. Gerade morgens müssen alle ran. Sauerhammer, seine Mitgründer Thomas Gutmann und Christian Gehret sowieso. Aber auch Gehrets Ehefrau, und Irmengard Kain, die unter anderem die Themenwochen mit entwickelte. Alle helfen, die Schülergruppen zu koordinieren. Schließlich müssen die einige Regeln lernen, bevor es abgeht ins Feld. Die wichtigsten: Keine neuen Wege hineintrampeln, keine Pflanzen mitnehmen und nichts auf die Schilder vom Lernpfad malen oder schreiben.
Für alle anderen Aufgaben reichen bislang die 400-Euro-Kräfte aus, die man vor der Saison eingestellt habe, sagt Thomas Gutmann. "Ein, zwei weitere habe ich auch noch in der Hinterhand, die kann ich sofort aktivieren." Aber bevor neue Leute kommen, müssen die vorhandenen erstmal Flexibilität zeigen.
So werten jetzt mehrere Marketingpraktikanten vor Ort die Fragebögen aus, auf denen die Besucher angeben, woher sie vom Hanfpark erfahren haben. "Und zur Not müssen die auch mal an die Kasse", sagt Gutmann, "man darf das Produkt, das man verkauft, ja nicht nur von Bildern kennen."
Gute Laune bei Markus Sauerhammer. Seit Tagen ist es in München und Umgebung trocken. Gut, da war ein nasser Samstag zwischendurch (mit exakt einem wasserfesten Park-Besucher) - aber den nimmt Sauerhammer als Ausrutscher.
Die Besucherzahlen im Hanfpark stiegen deutlich an, sagt er, auf mehr als 300 an den Wochentagen. Und: Nach der Unesco verlieh jetzt eine weitere Institution den Hanfpark-Gründern eine Auszeichnung. Der Bayerische Bauernverband vergab seinen Innovationspreis an die Gründer. Für Sauerhammer, eine ziemlich wichtige Angelegenheit, denn: "Darüber berichten alle landwirtschaftlichen Fachzeitungen."
Gibt's bald auch zum Selbermachen: Freizeitpark im Hanffeld   Gibt's bald auch zum Selbermachen: Freizeitpark im Hanffeld
Dadurch, so die Hoffnung der Gründer, könnten sie ihren Bekanntheitsgrad unter Landwirten erheblich steigern. Und Landwirte wären gute Franchise-Partner.
Denn die Gründer wollen im kommenden Jahr mehrere Standorte eröffnen. Einige davon könnten sie selbst betreiben, einige aber wollen sie Franchise-Nehmern übergeben. Produkte, Marketing und Einkauf kommen vom Hanfpark-Team. Der Franchise-Partner ist vor Ort zuständig. "Daher wäre es ideal, wenn das der Bauer ist, dem das Feld gehört", sagt Sauerhammer.
Die Idee hatten die drei Gründer schon länger. Aber nach dem gescheiterten Versuch, gleich mit zwei Flächen zu starten, arbeiten sie jetzt konkrete Pläne aus. "Es ist einfach besser, wenn man jemanden vor Ort hat", sagt Sauerhammer: "Der weiß, wo er Arbeitskräfte herholt, der kennt die Ämter und weiß, mit wem er reden muss." Am besten wäre natürlich, wenn potenzielle Franchise-Nehmer schon in diesem Jahr den bestehenden Park besuchen könnten, meint Sauerhammer. Vielleicht sogar bei trockenem Wetter.
An diesem Dienstag hat Gründer Markus Sauerhammer einmal nachgerechnet: Seit 25 Tagen war der Freizeitpark im Hanffeld da geöffnet, 19 davon war das Wetter schlecht.
Das machte nicht nur die Arbeit im Park selbst schwierig, sondern auch im Büro. So gab es etwa vor der ersten Geisternacht ständig Anrufe: Findet das Event statt? Kann man überhaupt durchs Feld gehen oder ist alles matschig? "Ja" war die Antwort auf die erste Frage. Und auf die zweite: "Ja, denn die Wege sind mit Rindenmulch ausgelegt."
Grünes Klassenzimmer im Hanffeld   Grünes Klassenzimmer im Hanffeld
Entsprechend angespannt war bis vergangene Woche die Stimmung, sagt Sauerhammer. War. Denn seit sechs Tagen herrscht durchgängig gutes Wetter. Jedenfalls nach Sauerhammers Definition von gutem Wetter, die relativ bescheiden ausfällt: "Das ist, wenn wir morgens nicht die Nässe von den Holzbänken abwischen müssen."
Letztlich kamen 300 Besucher zur Geisternacht. Das und die insgesamt 800 Besucher am vergangenen Wochenende sei "ganz in Ordnung ", sagt Sauerhammer. Zumindest dafür, dass die Ferien in Bayern erst am 30. Juli beginnen: "Wir wissen, dass es dann viel besser wird."
Einnahmen brachten auch die rund 1000 Schüler im "Grünen Klassenzimmer". Fast alle buchten nicht nur die 3,50 Euro teure Lehrveranstaltung, an der die Gründer kaum verdienen, sondern das Fünf-Euro-Kombiticket für den ganzen Park. Bis Ende Juli haben sich 2000 weitere Klassenzimmer-Besucher angemeldet.
Für Aufheiterung sorgt bei Sauerhammer auch eine Auszeichnung der Unesco. Der Hanfpark darf den sperrigen Titel "Beitrag zur Bildung für nachhaltige Entwicklung" tragen. Den Antrag hatten die Gründer bereits im Februar gestellt. Vor zwei Wochen fragten sie nach. "Da stellte sich heraus, dass der Antrag auf irgendeinem Schreibtisch liegen geblieben war." Jetzt gab es die Auszeichnung im Schnellverfahren. Ob das mehr Gäste in den Park bringt? "Schwer zu sagen", meint Sauerhammer, "aber das ist auf jeden Fall eine gute Empfehlung, wenn wir neue Partner ansprechen."
Wie lief die Eröffnung vom Freizeitpark im Hanffeld ab? Was können die Besucher dort nun eigentlich sehen? Und was haben die Gründer nach der Eröffnung eigentlich noch zu tun?
Geschäftsführer Markus Sauerhammer erzählt im Video-Interview davon, wie wolkenbruchartiger Regen den Zeitplan zerschoss. Er stellt die Attraktionen im Hanfdschungel vor und sagt, welchen Herausforderungen sich das Team im Monat Juli stellen muss.
Das Schöne an schlechtem Wetter ist ja, dass man endlich dazu kommt, Papierkram wegzuarbeiten. Die Schreibtische von Hanfpark-Gründer Markus Sauerhammer - aufgeräumt wie lang nicht mehr. Das Material, das im Büro herumstand - in den Keller verfrachtet. Die Masken und Kostüme für die Geisternacht am kommenden Samstag - liegen bereit. Und die 1500 Karten, auf denen Besucher angeben, wie sie das erste Mal vom Hanfpark erfahren haben? Sind im Rechner eingegeben.
Denn in München regnet es. Immer noch. "Inzwischen geht's ja", sagt Markus Sauerhammer, fast vergnügt: "jetzt kommen nur noch bis zu zwei Liter am Tag runter. Letzte Woche waren es an den schlimmsten Tagen bis zu 20 Liter."
Was ist da denn drin? In einer Redaktion sorgte ein solches Paket ...   Was ist da denn drin? In einer Redaktion sorgte ein solches Paket für Irritationen
Entsprechend mau sah es mit Besuchern aus. Am Wochenende kamen insgesamt 300 Menschen in den Hanfpark - eine Zahl, die sich Sauerhammer pro Tag wünschen würde. Die Nachfrage jedenfalls ist da. 80 Schulklassen wollen inzwischen ein "Grünes Klassenzimmer" veranstalten. 40 Kindergeburtstage sind gebucht, einer davon sogar schon für 2010.
Woran's liegt? An den Flyern, die Sauerhammer verteilen ließ. An Mundpropaganda. Und an Presseberichten - vor allem ein ZDF-Beitrag über die Eröffnung ließ zumindest die Klickzahlen sprunghaft ansteigen.
Trotzdem hat Sauerhammer eine neue PR-Kampagne gestartet. 40 Journalisten in der Region hat Sauerhammer Kisten geschickt. "Die Resonanz war bislang sehr gut", sagt Sauerhammer. Wohl auch, wegen dem, was in den Kisten drin war: Informationsmaterial und Hanfprodukte wie Schokolade, Bier und Dämmstoff. Was außen auf den Kisten prangte, verunsicherte aber zumindest in einem Fall. Der Redakteur, an den die Sendung adressiert war, hatte frei. Nach Tagen rief ihn schließlich ein Kollege aus der verstörten Redaktion an, erfuhr Sauerhammer im Nachhinein: „Der sagte zu ihm: Du, da ist eine Kiste für dich gekommen. Da ist ein riesengroßes Cannabisblatt drauf.“
Wie sagte Markus Sauerhammer vergangene Woche: Alles läuft reibungslos. Stimmte auch. Bis zum 19. Juni, dem Tag vor der Eröffnung. Dem Tag, als der Regen kam - und was für einer.
Fast 20 Liter pro Quadratmeter gingen an diesem Tag nieder. So viel, dass die Hanfpark-Gründer nicht mehr mit Fahrzeugen auf das Gelände konnten. Bierzeltgarnituren, Hackschnitzel für die Wege, Stangen und Planen für Tipi-Zelte - alles mussten die Gründer und schnell herbeitelefonierte Helfer mit reiner Muskelkraft auf das Gelände tragen. Erst um halb eins am Morgen des Eröffnungstages war alles fertig. Markus Sauerhammer kam noch einmal drei Stunden später ins Bett: er musste sich nachts noch eine Zecke im Krankenhaus entfernen lassen.
Heiter bis wolkig: Die Hanfparkgründer Thomas Gutmann, Christian ...   Heiter bis wolkig: Die Hanfparkgründer Thomas Gutmann, Christian Gehret und Markus Sauerhammer (v.l.) am Eröffnungstag
Am Eröffnungstag besserte sich die Stimmung. Die meiste Zeit blieb es trocken, oft kam sogar die Sonne heraus und am Schluss waren mehr als 300 Besucher gekommen. Am Tag danach waren es sogar mehr als 500. "Ein Super-Start", jubelt Sauerhammer an diesem Abend - nur, um die folgenden Tage wieder in graue Wolken blicken zu müssen. Die ganze Woche über blieb es regnerisch. Die ersten Unterrichtsstunden der Kinder-Universität haben die Gründer darum erst einmal verschoben.
Sorgen macht sich Sauerhammer dennoch nicht. "Natürlich ist das ärgerlich, gerade in der Eröffnungswoche. Aber solche Tage hatten wir auch bei unseren Pilotprojekten 2006 und 2007". Zudem wird es laut Wettervorhersage bald wieder trocken. Und die Buchungszahlen sprengen alle Erwartungen: Rund 60 Schulklassen haben sich bereits für die "grünen Klassenzimmer" im Hanffeld angemeldet, weitere 30 Anmeldungen gibt es für Kindergeburtstage.
Und noch ein Gutes hat der nasse Start, sagt Sauerhammer: "Dem Hanf tut der Regen gut. Damit haben wir die Garantie, dass die Pflanzen mindestens drei Meter hoch werden."
Den Hanfparkgründern ihr Feld fast über den Kopf gewachsen. Gute 1,80 Meter hoch stehen die Pflanzen inzwischen. Genau die richtige Höhe für den kommenden Samstag, findet Markus Sauerhammer. Denn Samstag, der 20. Juni, ist der Tag der Eröffnung.
Nein, diesmal werden sie nicht die Nacht durcharbeiten wie bei der Eröffnung des Prototypen im WM-Jahr 2006. Damals mussten sie ihre Aushilfen anbetteln, damit die erst das parallel laufende Deutschlandspiel sausen ließen und schließlich auch noch die anschließende Party. Auch 2007 holperte einiges.
"Aber seitdem haben wir viel gelernt", sagt Sauerhammer. Sein Mitgründer Thomas Gutmann ist seit zwei Wochen nur noch auf dem Feld und überwacht die Aufbauten, Christian Gehret folgte am vergangenen Montag und wohnt seitdem samt Ehefrau im in einem nahe gelegenen Hotel.
Sauerhammer zählt auf: Der Abenteuerspielplatz steht, der Container für den Verkauf der Hanfprodukte. An Mittwoch treffen sich die Helfer, um die letzten Instruktionen zu bekommen. Seit Montag liegen die letzten Flyer in Münchens S-Bahnen aus. Und er hat das Luftbild an die Presse geschickt: Ein Globus in Herzform mit zwei Kindern. Symbol für Bildung in Sachen Umwelt und für Verantwortung gegenüber der nächsten Generation.
"Es läuft...", fängt Sauerhammer den Satz an und stockt dann, als ob er es selbst nicht glaubt:"...es läuft reibungslos."
Trotzdem: Ein "klein bisschen nervös" sei er doch. Ein Gründerstipendium, begeisterte Professoren an seiner Uni, der Sieg bei enable2start - Alles schön und gut. Aber wenn keine Gäste kommen? Wenn das Wetter nicht mitspielt? Wenn wenn wenn? "Die nächsten Wochen", sagt Markus Sauerhammer, "sind das, worauf es ankommt."
Es ist eng geworden im Büro der Hanfpark-Gründer. Flyer stapeln sich, Wegweiser für den Park, Hanfprodukte wie Bier, Schokolade und Handytaschen, eine Registrierkasse. "Jedes Mal, wenn wir Päckchen zur Poststelle tragen, kommen wir mit mehr zurück", sagt Markus Sauerhammer.
Noch zehn Tage sind es zur Eröffnung. Auf dem Feld hat Sauerhammers Mitgründer Thomas Gutenberg in den vergangenen Tagen dafür gesorgt, dass Wasserrohre aus Kunststoff verlegt werden, dass ein Container zur Verkaufsbude wurde, dass es Strom gibt, dass drei Holzbuden in Form von Indianerzelten aufgestellt werden und dass genügend Kräfte vor Ort sind, wenn diese Woche die Teile für den Abenteuerspielplatz angelegt werden.
Action im Hanffeld: Vor kurzem wurde das Labyrinth ausgeschnitten. ...   Action im Hanffeld: Vor kurzem wurde das Labyrinth ausgeschnitten. Jetzt folgen Strom- und Abwasserversorgung.
Spätestens Ende der Woche wird jemand dauerhaft auf dem Gelände sein. Dann kann auch die Post ihre Sendungen direkt zum Park liefern. Besser wär’s, denn dort gibt es genug zu tun. Seit vergangene Woche die 60.000 Exemplare der Zeitschrift Kitz mit Hanfpark-Flyern auf den Markt kamen, steht das Telefon nicht still.
Zehn Elternpaare haben das Gelände bereits für Kindergeburtstage gebucht. "Das ist schon jetzt besser als bei unseren Pilotprojekten", sagt Sauerhammer. In diesen Tagen erscheinen weitere Zeitschriften. Nächste Woche liegt das Werbematerial in den Münchner S-Bahnen.
Und dann sind da noch die Internetseiten, die Sauerhammer ansprechen will, von der Freisinger Veranstaltungsseite FS-Location bis hin zum Flirtportal MünchnerSingles. Und die Pakete mit Hanfbier- und Knabbereien für die Journalisten müssen noch raus. Zusammen mit dem Luftbild, das ein Flugroboter vom Hanffeld aufgenommen hat. "Es gibt noch genug zu tun", sagt Sauerhammer lächelnd.
Selbst das regelmäßige Joggingtraining, das er bislang auch im größten Stress durchzog, hat er im Augenblick ausgesetzt. Nur beim Schlaf soll es keine Kompromisse geben. "Es bringt ja auch nichts, wenn ich zur Eröffnung nicht ausgeruht bin", sagt Sauerhammer, überlegt ein wenig und fügt dann hinzu: "Naja, ganz genau weiß man ja vorher nie, wie es läuft."
  • FTD.de, 20.08.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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