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Merken   Drucken   05.03.2009, 08:00 Schriftgröße: AAA

Gründertagebuch: Auf ins Grüne - die 1. Hanfpark-Quartalsreportage

05.03.2009 - Freizeitpark im Hanffeld: Studium beendet, Job gekündigt. Jetzt kümmern die Gründer aus Freising sich ausschließlich um ihren Hanfpark. Bis der im Juni eröffnet, ist noch einiges zu tun. von Claus Hornung
Ganz schön klein, das Ausgabefach von so einem Geldautomaten. Dreimal schiebt Markus Sauerhammer seine Bankkarte hinein und drückt auf Auszahlung, dreimal klaubt er die Scheine aus dem Fach. 4175 Euro hebt er insgesamt ab.
Am Vortag hatte er deswegen eigens seine Bankberaterin von der Sparkasse Freising angerufen, damit er überhaupt so viel Geld aus dem Automaten ziehen kann. "Machen Sie das am besten in mehreren Tranchen", hatte sie ihm bei der Gelegenheit empfohlen: "Sonst bleibt das Geld stecken."
Auf geht's: Die Hanfpark-Gründer Thomas Gutmann, Christian ...   Auf geht's: Die Hanfpark-Gründer Thomas Gutmann, Christian Gehret und Markus Sauerhammer (v.l.)
Neben Sauerhammer warten Thomas Gutmann und Christian Gehret. In einer Viertelstunde haben sie einen Termin beim Notar. Dreimal 4175 Euro ergibt etwas mehr als 12.500 Euro - die Hälfte einer Stammeinlage. Das reicht, um eine GmbH zu gründen. An diesem 30. Januar 2009 wird aus dem Projekt "Freizeitpark im Hanffeld" ein richtiges Unternehmen. Eine Formsache sei das, sagt Sauerhammer. Und dann: "Ich glaube, so richtig werden wir das erst später begreifen."
Zweimal schon hat das Trio Hanflabyrinthe eröffnet, 2006 und 2007. Gut 20.000 Besucher kamen jedes Mal. Aber damals war es ein Spaß, ein Ferienjob. Diesmal ist es anders. "In Zukunft wollen wir unsere Brötchen damit verdienen", sagt Sauerhammer. Diesmal wollen sie die Basis schaffen für eine Hanfpark­kette, die in ein paar Jahren Filialen in ganz Deutschland haben soll.
Seit dem Sommer vollführen die drei dafür einen Spagat. Nur weil sie ein Unternehmen gründen, können sie nicht alles stehen und liegen lassen. Gutmann und Sauerhammer sind kurz vor dem Abschluss ihres Studiums, Argrarmanagement- und marketing an der Fachhochschule Weihenstephan; Gehret arbeitet bei einer Versicherung.
Luftbild eines Hanflabyrinths, das die Gründer im WM-Jahr 2006 ...   Luftbild eines Hanflabyrinths, das die Gründer im WM-Jahr 2006 anlegten
Nach der Arbeitszeit beginnt nicht die Freizeit, sondern die Unternehmerzeit. Da ist die Suche nach Standorten. Das Trio braucht Felder, die gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sind, in deren Nähe es dennoch genug Platz zum Parken gibt und die so weit weg vom nächs­ten Wohnhaus entfernt liegen, dass kein Anwohner gestört wird.
Irgendwer muss das alles auch genehmigen. Sauerhammer steckt viel Zeit in Gespräche mit Behörden. Das Ordnungsamt redet mit, immerhin geht es um Hanf. Und dessen rauschgifthaltige Variante unterscheidet sich optisch nicht von der harmlosen, die die Gründer aussäen.
Kosten, Einnahmen, Kapital- und Schuldenstand:
Die Quartalsbilanz November 2007 bis Januar 2008 vom Freizeitpark im Hanffeld finden Sie unter www.ftd.de/Quartalsbilanz
Das Stadtplanungsamt interessiert, ob der Hanf nach der Saison abgeerntet und verkauft wird. Sonst zählten die Parks als Gewerbegebiet - dafür braucht man eine Baugenehmigung. Und was ist mit Umweltamt, Grünflächenamt, Bauamt? Alle sind kooperativ, aber keiner hat einen Mustervordruck. "Das ist schließlich etwas völlig Neues", sagt Sauerhammer.
Da kommt gerade passend die Bewilligung eines Gründerstipendiums, ein Jahr lang erhält jeder der drei 2000 Euro brutto monatlich. Obendrein gibt es mietfrei einen schlauchförmigen Raum an der FH Weihenstephan. Innerhalb von zwei Tagen machen die Gründer daraus mit Farbe, Möbeln und Bildern ein Büro. Nach zwei Wochen weiß auch der letzte FH-Student, dass sich hier nicht mehr der Kopierraum befindet.
In ihren Parks wollen die Gründer auch Hanfprodukte wie Seife und ...   In ihren Parks wollen die Gründer auch Hanfprodukte wie Seife und Öl verkaufen
Auf Stellenbörsen von Unis und in Onlineforen suchen die Gründer Praktikanten. Fürs Marketing, für die Pressearbeit. Und zum Aufbau von Lehrpfaden, die mit Informationen über nachwachsende Rohstoffe Schulklassen in die Parks locken sollen. Sie kontaktieren Holzbetriebe, die Spielplätze, Verkaufsstände für Hanfprodukte und Eingangstore in einer einheitlichen Optik entwerfen können.
Nebenbei schreibt Sauerhammer seine Diplomarbeit. Läuft er über die Felder, pocht es in seinem Kopf: "Du musst an der Diplomarbeit schreiben!" Sitzt er am Schreibtisch: "Du musst für den Park arbeiten!" Im Dezember gibt er die Diplomarbeit ab. "Eine unglaubliche Erleichterung."
Ein paar Tage später liefert auch Thomas Gutmann ab. Und Christian Gehret beendet seinen Job. Endlich kein Spagat mehr. "Seitdem können wir uns endlich voll auf unser Unternehmen konzentrieren."
Im Januar liegt ein Marketingkonzept vor, das Studenten für die Gründer erarbeitet haben. Darin steht, dass man Schulklassen aus bis zu 80 Kilometern Entfernung als Besucher gewinnen könnte. Sauerhammer hatte nur mit 50 Kilometern gerechnet. Oder dass die Budgets von Betriebsausflugsgruppen, einer weiteren Zielgruppe, höher lägen als gedacht.
Schwierig aber öffentlichkeitswirksam: Das Logo des Hanfparks   Schwierig aber öffentlichkeitswirksam: Das Logo des Hanfparks
Aber auch, dass das Hanfblatt im Firmenlogo oft mit Drogen assoziiert würde. Ein Umstand, mit dem die Gründer kalkulieren. "Damit erzielen wir auch Aufmerksamkeit."
Aus den Ergebnissen entwickeln die Gründer eine Aufgabenliste, unterteilt in Kategorien. Richtig wichtig sind A und B. "Werbekonzept entwickeln" steht da. Was "nett, aber nicht notwendig" ist, fällt unter C und D. Flashanimationen für Kinder auf der Hanfpark-Homepage etwa. "Die meis­ten Punkte, die unter C und D stehen, werden wir wohl nicht um­setzen", gibt Sauerhammer zu.
Kategorie A ist auch die Investorensuche. Fest kalkulieren können die Gründer bislang nur mit ihren 50.000 Euro Siegprämie von enable2start und etwas Erspartem. Ein Investor oder ein Bankkredit wären nicht schlecht. Oder "Bildungspaten" - Unternehmen, die Schulklassen einen Besuch im Hanfpark finanzieren. Im schlimmsten Fall müssten ihre Eltern einspringen, sagt Sauerhammer, "aber das versuchen wir zu vermeiden".
100.000 Euro wollen sie maximal pro Park investieren, lieber weniger. Wie viel Geld genau man brauche, werde sich erst in den kommenden Monaten zeigen, sagt Sauerhammer. Zudem müssten viele Investitionen erst bezahlt werden, wenn der Betrieb läuft. Und dann gibt es ja auch schon zahlende Besucher.
Eine Frau, die sie sicher begrüßen können, lernen die drei schon bei ihrem Gründungstermin am 30. Januar kennen. Es ist die Notariatsgehilfin. Als die den Gesellschaftervertrag kopieren soll, blickt sie kurz hoch und sagt: "Ach, das sind die Leute mit dem Hanffeld? Da war ich vor zwei Jahren schon mal. War toll.“
Thomas Gutmann hatte bereits andere Verpflichtungen, also fuhr Markus Sauerhammer allein zur Biofachmesse nach Nürnberg. Schließlich hatten die Gründer feste Termine mit verschiedenen Geschäftspartnern vereinbart und wollten sich nicht einfach nur einmal umschauen. Die Fahrt hat sich gelohnt: "Letzte Details werden noch diskutiert, aber es sind alle mit im Boot", freut sich der Gründer. Die Kooperation mit verschiedenen Anbietern von Nahrungsmitteln, Textilien und Papier aus Hanf steht also unmittelbar bevor und ist für das Hanfpark-Team ein wichtiger Schritt. "Zwischen Öko und Bio besteht eben ein Unterschied, und wir wollen die Natur auch durch Lifestyleprodukte ins Bewusstsein der Leute holen."
Sauerhammer führte aber nicht nur verbindliche Gespräche, sondern nahm auch Kontakt zu anderen potenziellen Partnern auf. "Ich habe viele Ideen und Visitenkarten gesammelt", sagt er. Jetzt ist er dabei, die Messe nachzubereiten und bei dem einen oder anderen Unternehmen noch einmal nachzufassen. "Gerade ist allerdings Fasching, es geht also nicht ganz so viel, weil keiner erreichbar ist. In der nächsten Woche werde ich mich wieder verstärkt darum kümmern."
Gründer Markus Sauerhammer mit seiner Lieblingspflanze   Gründer Markus Sauerhammer mit seiner Lieblingspflanze
Nach der Biofachmesse nahm Sauerhammer auch am Bloggertreffen zum Thema Nachhaltigkeit teil. 40 Teilnehmer aus Deutschland und Österreich trafen sich in einem Nebenraum der Nürnberger Messe. "Wir wurden toll unterstützt. Es war alles da, Wireless-Lan, ein großes Büffet, der Vorstand kaum auch vorbei und war wirklich interessiert.", lobt Sauerhammer die Organisation. Nach einer Vorstellungsrunde hatten die Blogger die Möglichkeit, sich in persönlichen Gesprächen näher kennenzulernen und auszutauschen. Für den Hanfpark-Gründer war es das erste Bloggertreffen: "Ich wusste auch nicht genau, was da auf mich zukommt, aber es war sehr ungezwungen, eher ein gemütliches Beisammensein".
Obwohl diese Treffen eher locker organisiert sind, bedeuten sie immer auch PR für die Teilnehmer. Sauerhammer hofft, dass der eine oder andere über den Hanfpark schreiben wird, zumal sehr renommierte Blogger anwesend waren. "Unter anderem war auch Karmakonsum da. Renate Künast liest diesen Blog wohl regelmäßig."
Christian Gehret hat sich indes um seinen Nachwuchs gekümmert. "Und das geht auch absolut vor", sagt Sauerhammer. Der junge Vater arbeitet ohnehin oft von zu Hause aus, hat dort aber einen abgetrennten Bereich, wo er sich seinen Aufgaben ganz in Ruhe widmen kann. In den nächsten Tagen wird er sicherlich mehr im Home-Office arbeiten als früher. Sauerhammer sieht das ganz gelassen: "Christian ist immer erreichbar und bestimmt bald auch wieder öfter bei uns im Büro. Das wird sich wieder ausgleichen."
Fünf Stunden sollte die Fahrt zur Bildungsmesse in Hannover dauern. Dann kam der Schnee. Letztlich brauchten Markus Sauerhammer, seine Mitarbeiterin Irmengard Kain und eine Praktikantin neun Stunden. "Wir dachten schon, wir übernachten auf der Autobahn."
Im WM-Jahr 2006 schuf das Gründerteam bereits einen Hanfpark in ...   Im WM-Jahr 2006 schuf das Gründerteam bereits einen Hanfpark in Form eines Fußballers
Völlig übermüdet machten sie sich auf die Suche nach Kooperationspartnern für die Schüler-Lehrpfade, die sie in ihren Hanfparks einrichten wollen. Beim Agrarinformationsdienst (AID) wurden sie fündig. Wenn die Gründer Materialien entwickeln, die für den AID interessant sind - beispielsweise Konzepte für komplette Unterrichtsstunden - sollen sie im Gegenzug von diesem Lehrmaterialien und Know-how günstiger erhalten.
Wichtig ist aber nicht nur, was im Hanfpark stattfindet, sondern auch, wie dieser aussieht. Und zwar von oben. Nur mit einem tollen Motiv, das aus der Luft erkennbar sei, könne man die Presse für sich begeistern, sagt Sauerhammer.
Ausstellungen mit Luftbildern
In dieser Woche hat er jemanden gefunden, der dafür perfekt zu sein scheint. Heinrich Bunzel, ein Künstler aus München, hat schon ganze Ausstellungen mit Landschaftsluftbildern kreiert. Diese Parks wurden allerdings nicht, wie es die Hanfgründer planen, mit Hilfe von GPS-Geräten angelegt. "keine Ahnung, wie der das genau gemacht hat. Aber das muss ein Wahnsinnsaufwand gewesen sein."
Sauerhammer jedenfalls ist von den Arbeiten begeistert. Und der Künstler, so scheint's, ist begeistert vom Hanfpark-Projekt. "Ich bin sicher, dass wir zusammenkommen werden." Bald werden die Gründer Bunzel Ideen für Motive zuschicken. Er soll daraus einen Entwurf entwickeln, der nicht nur gut aussehen muss, sondern auch die Voraussetzungen für ein Labyrinth erfüllt, dass man per GPS aus einem Feld heraus schneiden kann.
Die Hanfpark-Gründer Markus Sauerhammer, Thomas Gutmann, Christian ...   Die Hanfpark-Gründer Markus Sauerhammer, Thomas Gutmann, Christian Gehret (v.l.)
"Man kann nicht jedes x-beliebige Bild zu einem Labyrinth machen", sagt Sauerhammer. Dafür müssten beispielsweise die grünen Bereiche zwischen den Wegen bestimmte Breiten haben und die Kurven bestimmte Winkel.
Wenn es nicht passt, gebe es allerdings noch einige Optionen. Etwa, die Wege aus unterschiedlichen Belägen zu gestalten. Stroh käme in Frage, oder auch Rindenmulch. "Das ist allerdings sehr aufwendig, darum planen wir das erstmal nicht ein", sagt Sauerhammer: "Aber wenn man dafür ein schönes Bild bekommt, ist es auf jeden Fall wert, sich das zu überlegen."
Wären da nicht diese drei Buchstaben, wäre das Glück vollkommen.
Das Glück - das ist, dass das Hanfpark-Team um Markus Sauerhammer nun offiziell kein Projekt mehr ist, sondern eine GmbH. Am 30. Januar unterschrieben Markus Sauerhammer, Christian Gehret und Thomas Gutmann ihren Gesellschaftervertrag für die "Naturdenker GmbH".
Warum nicht die "Freizeitpark im Hanffeld"-GmbH? "Wir möchten uns offenhalten, noch andere Projekte zu verwirklichen", sagt Christian Gehret. Als Unternehmenszweck ist nun "Einrichtung, Nutzung, Nutzungsüberlassung und Betrieb von Naturfreizeitparks" eingetragen. Lieber etwas allgemeiner formulieren als sich zu sehr zu beschränken - so lautete der Rat der Industrie- und Handelskammer, bei der sich Gehret zuvor informiert hatte.
Knopf zu, wir sind Geschäftsführer: Christian Gehret, Markus ...   Knopf zu, wir sind Geschäftsführer: Christian Gehret, Markus Sauerhammer und Thomas Gutmann (von l.)
Die drei Buchstaben - die lauten "i.Gr.", bedeuten "in Gründung" und gehören im Augenblick noch jedesmal dazu, wenn die Naturdenker ihren Firmennamen aufschreiben. Denn so ganz richtig zur GmbH wird man in Deutschland erst, wenn das Unternehmen auch im Handelsregister eingetragen wird. Das - so hoffen die Gründer - wird spätestens im Lauf der nächsten Woche passieren.
Formalien, eben. Überhaupt habe sich durch die Gründung im Alltag nichts geändert, sagt Markus Sauerhammer: "Wir arbeiten ja schon seit einem halben Jahr an dem Projekt."
Viel Arbeit, wenig Arbeitsplätze
Auch zum Feiern bleibt keine Zeit, denn die To-do-Liste der Gründer wird nicht kürzer. Wenigstens soll die Arbeit demnächst auf mehrere Schultern verteilt werden: Acht Bewerbungsgespräche haben die drei inzwischen mit Bewerbern für Praktika geführt.
Nachdem vor zwei Wochen bereits ein Projekt für einen Lehrpfad vergeben wurde, kümmert sich seit ein paar Tagen die Praktikantin Agathe Jasinski ums Thema Bildungspatenschaften, also beispielsweise um Unternehmen, die Schulen als Social-Responsibility-Maßnahme den Besuch eines Lehrpfades im Hanffeld finanziert.
Jasinski ist dabei nicht allein. Ihr steht Irmengard Kain zur Seite - die erste Festanstellung der Hanfpark-Gründer. Sie wird ihren Job gleichzeitig zum Thema ihrer Diplomarbeit machen. Das Gehalt setzt sich aus einem Fixum und eine Variable zusammen - abhängig von der Zahl der Schulklassen und der Bildungspaten.
Möglicherweise kommt bald eine dritte Praktikantin in dem Bereich hinzu. Ach ja, einen Diplomanden, der beim Hanfpark die Aufgabe des Standortmanagers übernehmen wird, gibt's auch. Arbeit wäre für noch mehr Praktikanten da, sagt Sauerhammer. Aber irgendwer müsse die ja auch betreuen. Obendrein könnten im Büro der Gründer maximal sieben Menschen gleichzeitig arbeiten. "Die Abwägung zu treffen, wie viel Mitarbeiter wir bräuchten und wie viele wir verkraften, ist ein echter Spagat."
Sie haben gerade Ihre GmbH gegründet. Wie fühlt es sich an, endlich ein "richtiger" Unternehmer zu sein und nicht mehr Student oder Arbeitnehmer?
Wir beschäftigen uns ja schon seit langem mit der Gründung unseres Unternehmens. Auch wenn ich erst seit wenigen Wochen offiziell kein Student mehr bin, sehe ich mich schon das letzte halbe Jahr lang als richtiger Unternehmer.
Für Chris ist es kaum ein Unterschied. Er war vorher Angestellter, aber auch dort immer schon sehr engagiert und hatte relativ freie Aufgabengestaltung hatte. Für Tom und mich steigt die Verantwortung.
Freizeitpark-Gründer Markus Sauerhammer, Christian Gehret und ...   Freizeitpark-Gründer Markus Sauerhammer, Christian Gehret und Thomas Gutmann (v.l.)
Für uns alle ist neu, dass jetzt die eigene Idee im Vordergrund steht. Vorher musste man immer den Balanceakt zwischen zwei verschiedenen Tätigkeiten hinbekommen. Es gibt viele neue Aufgaben, die geordnet und erledigt werden wollen. Das ist spannend.
Was war das größte Ereignis für Ihr Start-up im Januar?
Zum einen der 30. Januar, an dem wir die GmbH gegründet haben. Aber das war eher ein formaler Akt. Für uns interessanter war der 15. Januar. An diesem Tag wurde ein Marketingkonzept präsentiert, dass wir an Studenten der FH Weihenstephan vergeben haben. Wir hatten Partnerunternehmen und Unterstützer eingeladen, mit denen wir Gespräche geführt haben und bei der Gelegenheit gleich unser neues Büro eingeweiht.
Welches war das schlechteste Ereignis? Unsere To-do-Liste war Mitte Januar länger als Mitte Dezember, die GmbH-Gründung dauerte länger als ursprünglich geplant.
Welches war das schlechteste Ereignis? Unsere To-do-Liste war Mitte Januar länger als Mitte Dezember, die GmbH-Gründung dauerte länger als ursprünglich geplant.
Luftbild vom Hanfpark-Prototypen im  WM-Jahr 2006   Luftbild vom Hanfpark-Prototypen im WM-Jahr 2006
Was war die größte Überraschung?
Dass der Rücklauf auf unsere Stellenanzeigen, mit denen wir Praktikanten suchen, sehr hoch ist.
Was war die größte Investition?
Die Feier und das Catering für die Präsentation des Marketingkonzepts.
Was ist die größte Aufgabe im kommenden Monat? Weitere Geschäftspartner für die Umsetzung des Konzeptes akquirieren, beispielsweise ein Unternehmen, dass uns Holzspielzeuge- und bauten in einem Corporate Design anfertigen kann. Und wir müssen unseren ersten Praktikanten anlernen, den wir Ende des Monats eingestellt haben.
Die Fragen beantwortete Hanfpark-Geschäftsführer Markus Sauerhammer
Neues von der To-Do-Liste der Hanfpark-Gründer. Nein, die Zahl der Punkte, die darauf stehen, hat sich seit vergangener Woche nicht verringert. Aber Markus Sauerhammer, Christian Gehret und Thomas Gutmann haben eine Struktur entwickelt, nach der sie geordnet werden.
Kategorie A bedeutet: "Dringend und wichtig". Dazu gehört beispielsweise, gemeinsam mit einer Agentur ein Werbekonzept zu entwickeln. Ein nach Zielgruppen sortierter Presseverteiler (Gründermagazine, Regionalzeitungen rund um die Parks), fällt in Kategorie B oder "Wichtig, hat aber noch Zeit."
Die Hanfpark-Gründer Markus Sauerhammer, Christian Gehret und ...   Die Hanfpark-Gründer Markus Sauerhammer, Christian Gehret und Thomas Gutmann (v.l.)
Unter C wie "Dringend, aber nicht wirklich wichtig" steht unter anderem, dass man eine Pressemitteilung zur Vorstellung des neuen Marketingkonzepts verschicken könnte, erzählt Markus Sauerhammer.
Das ist inzwischen allerdings eine gute Woche her. Da wird es wohl eher nichts mehr mit der Pressemitteilung? "Stimmt", sagt Sauerhammer, "wahrscheinlich wird das bei fast allen Projekten, die unter C und D stehen, so laufen.
Der Vollständigkeit halber sei erwähnt: Unter D wie "Nicht dringend und nicht wirklich wichtig", fällt beispielsweise, die Hanfpark-Homepage um Flash-Animationen für Kinder zu erweitern.
Aus dem Projekt wird eine GmbH
Zusätzlich entscheiden die Gründer, welche Aufgaben sie selbst übernehmen müssen und welche sie an Praktikanten vergeben. In einem Fall ist dies bereits geschehen: Anfang dieser Woche hat Sauerhammer den ersten Praktikanten eingestellt, der in den nächsten Wochen einen Lehrpfad zum Thema "Erneuerbare Energien" für den Hanfpark entwickeln soll.
Und auch der "Freizeitpark im Hanfpark" als solcher erhält neue Strukturen, denn an diesem Freitag unterschreiben die Gründer den Gesellschaftervertrag, der ihr Projekt endlich zu einer GmbH macht. Den zu entwickeln, war aufwendiger als gedacht, sagt Sauerhammer: "Man denkt, man nimmt sich einen Vordruck, füllt den aus, und ist fertig. Aber so leicht ist das nicht." In Beratungsgesprächen mit einem Anwalt tauchten einige Punkte auf, an die die Gründer nicht gedacht hätten. Etwa, dass es auch eine Regelung geben muss, falls einer der Gründer aus dem Unternehmen ausscheidet.
Schließlich könnte ja einer von ihnen berufsunfähig werden, sagt Sauerhammer. Oder, man zerstreitet sich. Letzteres halten die drei Gründer zwar für ausgeschlossen, aber eine Regelung dafür braucht der GmbH-Vertrag trotzdem. "Das ist ja wie in einer Ehe", sagt Sauerhammer: "Solche Sachen muss man bedenken, solang man sich noch gut versteht."
Dass sie viel zu tun haben, bevor in gut einem halben Jahr ihr Freizeitpark öffnet, war Markus Sauerhammer und seinen Mitgründern klar. Seit ein paar Tagen wissen sie noch ein bisschen genauer, was genau sie zu tun haben.
Da war die Präsentation des Marketingkonzepts für den Hanfpark. 43 Studenten der FH Weihenstephan hatten in zusammen mehr als 2000 Arbeitsstunden darüber eine Studienarbeit erstellt. Und was kam raus? "Puh", stöhnt Markus Sauerhammer, "wo soll man anfangen und wo aufhören?"
Freizeitpark im Hanffeld-Gründer Christian Gehret, Markus ...   Freizeitpark im Hanffeld-Gründer Christian Gehret, Markus Sauerhammer und Thomas Gutmann (von l.)
Eines der wichtigsten Themen war die Zielgruppe. Da stehen neben Familien vor allem Schulklassen und Betriebe. Also befragten die Studenten Lehrer und Schüler von Schulen, deren Adresse die Hanfpark-Gründer bei ihren beiden Pilotprojekten gesammelt hatten. Und sie interviewten in Betrieben, die sie aus Verzeichnissen der Industrie- und Handelskammer ausgewählt hatten, die Ansprechpartner für Betriebsausflüge.
Kritisches Hanfblatt-Logo
Die Ergebnisse waren positiv für das Hanfpark-Team. So stellte sich heraus, dass nicht nur - wie geplant - Schulen in einem Radius von 50 Kilometern als Gäste infrage kommen: für ein interessantes Ausflugsziel fahre man auch 80 bis 100 Kilometer weit, erklärten die Lehrer. Obendrein lagen die verfügbaren Budgets für solche Ausflüge über dem, was Sauerhammer kalkuliert hatte. Das gleiche trifft auf die Budgets für Betriebsausflüge zu.
Also gibt es jetzt höhere Preise als ursprünglich kalkuliert? "Nein", sagt Sauerhammer, "nicht für das Standardprogramm. Aber wer mehr möchte, dem können wir dann zusätzliches Programm bieten."
Eine Schwäche des Parks, so die Studie, ist das Hanfblatt in seinem Logo. Denn das, wer hätte es gedacht, bringen viele mit Drogen in Verbindung. "Das ist uns natürlich klar", sagt Sauerhammer, "aber das weckt auch Aufmerksamkeit. Damit spielen wir bewusst." Schließlich ginge es ja auch darum, einer der ältesten Nutzpflanzen der Menschheit wieder zu einem respektablen Ruf zu verhelfen.
Es gab noch eine Menge anderer Punkte. Wie man die Homepage besser strukturieren kann, etwa. Oder ob und wie man das Hanfpark-Logo auf die Hanfprodukte draufpackt, die in den Parks verkauft werden sollen. Oder welche Catering-Agentur ein guter Ansprechpartner wäre. Oder, oder, oder. "Jetzt teilen wir erstmal die Aufgaben unter uns auf und entscheiden, was davon wichtig ist und was nur 'nice to have', was dringend ist und was Zeit hat", sagt Sauerhammer. Und dann sagt er noch einmal hörbar: "Puh".
Kaum das Büro eröffnet, und schon rennen einem die Leute die Bude ein. Das würde sich mancher Unternehmer wünschen. Bei den Hanfpark-Gründern aber hält sich die Freude darüber in Grenzen.
Am 2. Januar hatten Markus Sauerhammer, Thomas Gutmann und Christian Gehret es geschafft und einen Kopierraum der FH Weihenstephan mit Farbe, Schreibtischen, Bürogeräten und Pflanzen in ihr erstes Büro verwandelt. "Jetzt stehen ständig Menschen vor der Tür", sagt Markus Sauerhammer, "aber die wollen nicht zu uns, sondern kopieren."
Den Desorientierten soll künftig ein Zettel neben der Bürotür den Weg in den neuen Kopierraum weisen. Der befindet sich im ehemaligen Fachschaftskeller. Den hatten die Gründer ebenfalls entrümpelt, wobei sie neben Getränkeflaschen mit Ablaufdatum 2004 auch ein 15 Jahre altes Party-Foto von einem damaligen Studenten fanden, der heute als Dozent an der FH arbeitet.
Marketing und Maskottchen
Im neuen Büro bereiteten sich die drei in den vergangenen Tagen auf ein Treffen vor. Studenten der FH präsentieren an diesem Donnerstag ein Marketingkonzept. "Das ist ein sehr wichtiger Termin", sagt Markus Sauerhammer. Neben den Gründern werden auch ihr Exist-Coach und Kooperationspartner wie Hanfprodukte-Händler und GPS-Dienstleister kommen. (mehr dazu im Gründertagebuch am 22. Januar).
Nicht mehr namenlos: Hanfrey, das Maskottchen vom Freizeitpark im ...   Nicht mehr namenlos: Hanfrey, das Maskottchen vom Freizeitpark im Hanffeld
Ein Punkt der Studienarbeit waren auch mögliche Standorte. Einzelne Angebote aus dem ganzen Bundesgebiet bekommen die Gründer schon jetzt. Anfang der Woche besuchten Thomas Gutmann und Christian Gehret ein Gelände in der Nähe von Berlin. "Das kommt weder für 2009 noch 2010 infrage. Dafür ist es zu weit weg", sagt Gehret, "aber später wollen wir ja expandieren. Dann könnte es interessant werden."
Und weil sie schon mal da waren, präsentierten die beiden ihre Geschäftsidee den Chefs einer Firma, die Spielgeräte aus Holz herstellt und ebenfalls in der Nähe von Berlin ihren Sitz hat. "Die waren begeistert", sagt Gehret. In vier Wochen will das Unternehmen Vorschläge für ein Corporate Design für Spielgeräte, Verkaufsbuden und ein Eingangstor entwickelt haben.
Eine andere Entwicklung ist bereits abgeschlossen. Auf einem regionalen Internetforum hatten die Hanf-Gründer einen Namen für ihr Maskottchen gesucht. 9467 User wählten aus acht Vorschlägen Hanffred und Günther auf Platz zwei und drei. Der Siegername lautet mit 28 Prozent der abgegebenen Stimmen: Hanfrey.
Was war die größte Überraschung im Dezember?
Die tolle Unterstützung unserer Fachhochschule. Durch das Exist-Gründerstipendium erhalten wir für die nächsten zwölf Monate ein Büro an unserer Fachhochschule. Obwohl momentan wegen der Einführung eines neuen Studiengangs an unserer Fakultät selbst die kleinsten Räume belegt sind, haben wir ein tolles Büro bekommen. Darin haben wir sogar für unsere ersten Mitarbeiter Platz.
Was war der größte Erfolg?
Obwohl wir mit der PR-Arbeit noch gar nicht richtig begonnen haben, ist bereits das erste Fernsehteam auf unser Unternehmen zugekommen. Das Thema des Beitrags hat mit Bildung zu tun - das ist einer unserer Unternehmensschwerpunkte. Es ist schön, dass unsere Meinung dazu bereits im Vorfeld der eigentlichen Unternehmensgründung gefragt ist.
Die Hanfpark-Gründer Markus Sauerhammer, Thomas Gutmann, Christian ...   Die Hanfpark-Gründer Markus Sauerhammer, Thomas Gutmann, Christian Gehret (v.l.)
Was war die größte Herausforderung im Dezember?
Für die Vertragsverhandlungen am Standort bei Nürnberg mussten wir nicht nur einen Landwirt von unserer Idee überzeugen, sondern gleich fünf Landwirte einbinden. Anfangs hatten wir große Bedenken, ob das gelingt.
Ein altes Bauernsprichwort lautet ja: "Wenn du drei Bauern unter einen Hut bringen willst, musst du zwei erschlagen." Stellt man die Realität diesem Sprichwort gegenüber, liegen allerdings Welten dazwischen. Die Landwirte waren nicht nur alle von der Idee begeistert, sondern unterstützen uns bereits im Vorfeld tatkräftig.
War etwas schwieriger als gedacht?
Mein Mitgründer Thomas Gutmann und ich mussten im Dezember noch unsere Diplomarbeiten abschließen. Das dritte Mitglied unseres Gründerteams, Christian Gehret, arbeitete noch bis Ende Dezember als Angestellter. Die Grundsteine für unser neues Unternehmen mussten wir nebenbei legen. Das war wirklich eine große Herausforderung. Ich freue mich sehr, dass sich 2009 jeder von uns in Vollzeit um die Umsetzung unserer Idee kümmern kann.
Was ist die größte Herausforderung im Januar?
Die eigentliche Gründung unseres Unternehmens. Wir werden noch im Januar unsere GmbH gründen, müssen Strukturen dafür aufbauen, unser Büro einrichten und nebenbei die eigentliche Geschäftsidee weiterentwickeln.
Was haben Sie diesen Monat investiert?
Aktuell sind unsere Investitionen noch nicht erwähnenswert - bis auf die investierte Zeit. Das wird sich allerdings in den nächsten Monaten gewaltig ändern. Der größte Einzelposten war bislang die Erstellung eines Imagefilms für für Präsentationen.
Wenn Sie ein Jahr zurückblicken - Hätten Sie gedacht, dass Sie heute dort sind, wo Sie sind?
Nein! Damals beschlossen wir, unsere Idee wirklich in die Tat umzusetzen und ein Studienprojekt in ein richtiges Unternehmen zu verwandeln. Die ersten Erfolge hatten wir auch schon. So haben wir nicht nur bei enable2start gewonnen, sondern auch den Zuschlag für das Exist-Gründerstipendium erhalten. Der Gründung steht somit nichts mehr im Weg. Es bricht eine wirklich spannende Zeit für uns alle an. Ich bin schon gespannt darauf, was ich auf die Frage in einem Jahr antworten kann.
Die Antworten gab: Markus Sauerhammer
Richtig Pause haben Gründer auch zu Weihnachten nicht. Doch, Markus Sauerhammer, Christian Gehret und Thomas Gutmann verbringen Weihnachten bei Familie und Freunden. Und das ist auch dringend notwendig, angesichts der Hektik der vergangenen Wochen, findet Markus Sauerhammer: "Sonst kennen die mich gar nicht mehr."
Trotzdem haben alle drei Hausaufgaben, die sie sich selbst aufgegeben haben. Am 2. Januar werden sie sich in ihrem neuen Büro treffen. Dann kommen die Themen Finanzierung, Marketing und Gründung auf den Tisch.
Die Hanfpark-Gründer Markus Sauerhammer, Christian Gehret und ...   Die Hanfpark-Gründer Markus Sauerhammer, Christian Gehret und Thomas Gutmann (v.l. n. r.)
Christian Gehret wird sich um Fördermöglichkeiten kümmern. Exist hin, enable2start her - mehr Geld kann man immer gebrauchen. "Eine Minimalkalkulation würden wir hinbekommen", sagt Sauerhammer, "aber wir würden das Konzept gern noch ausbauen."
Etwa durch einen großen Spielplatz im Hanfpark, den es in kleinerem Rahmen auch schon in einem der Pilotprojekte 2006 und 2007 gab. Gehret hat dafür bereits Kontakt zu einer studierten Forstwirtschaftlerin, Schwerpunkt Forstpädagogik, die die Gründer dabei unterstützen könnte.
Internetrecherche über GmbH-Gründungen
Sauerhammer kümmert sich ums Marketing. Das bedeutet zurzeit vor allem Akquise von Praktikanten. Die sollen Themenwochen entwickeln, beispielsweise über nachwachsende Rohstoffe. Dafür hatte Sauerhammer eigens einen Flyer entwickeln lassen, den er über Bekannte in bayerischen Universitäten verteilen ließ. Mit Erfolg - schon nach einer Woche sind die ersten Bewerbungen eingegangen.
Thomas Gutmann liest sich derzeit in die Untiefen des deutschen Gesellschaftsrechts ein. Im Internet hat er mit der Recherche über GmbH-Gründungen begonnen. Auf den Seiten der Industrie- und Handelskammer, so sein vorläufiges Fazit, findet man die besten Informationen. "Da gibt es komplette Kompendien. Da steht sogar, wie viel Steuern anfallen."
Wie teuer die Gründung selbst wird, hat er bereits herausgefunden: 300 Euro kostet der Notar, das Registergericht nimmt 82 Euro fürs Eintragen und noch mal 300 Euro für die Veröffentlichung im Bundesanzeiger.
Fehlt noch der Anwalt. "Was der kostet, ist schwer zu sagen", meint Gutmann. Nachfragen bei Freunden und Bekannten, die bereits Anwälte engagiert hatten, machte klar, dass sich Vergleiche lohnen: "Da gibt es krasse Unterschiede von Standort zu Standort". Gutmann hofft, mit fünf bis zehn Anwaltsstunden und Kosten von 400 bis 800 Euro hinzukommen. Eine Liste mit zehn Anwälten hat er bereits zusammengestellt.
Ende Januar soll die Gründung bereits abgeschlossen werden. "Das ist ein straffes Programm", sagt Sauerhammer, "aber das geht wohl allen Gründern so."
Sie haben überlebt. Markus Sauerhammer und seine Kaffeemaschine. Beide liefen in den vergangenen Wochen auf Hochtouren. Bis zum vergangenen Freitag, an dem Sauerhammer endlich seine Diplomarbeit abgab.
In den letzten Nächten davor hatte er kaum geschlafen. "Wenn nichts mehr ging, habe ich mich tagsüber mal eine Stunde hingelegt oder bin spazieren gegangen." Oder er packte eine Umzugskiste - in Kürze zieht Sauerhammer von seiner Studenten-WG in eine gemeinsame Wohnung mit seiner Freundin.
Freizeitpark im Hanffeld-Gründer Markus Sauerhammer   Freizeitpark im Hanffeld-Gründer Markus Sauerhammer
Fünf Minuten vor Abgabeschluss war der Copyshop mit dem Binden der Arbeit fertig, eine Minute vor Abgabeschluss stand Markus Sauerhammer mit der gebundenen Arbeit in der Hand im Büro der betreuenden Professorin. Dann setzte die große Erleichterung ein: "Das war ein unbeschreibliches Gefühl."
Jetzt endlich geht das Unternehmerdasein los. Auch für Sauerhammers Mitstreiter. Für Christian Gehret sind es die letzten Tage als Angestellter bei der Versicherungskammer Bayern. Und Thomas Gutmann hat seine Diplomarbeit ebenfalls am vergangenen Freitag abgegeben, wenn auch zwei Stunden früher als Markus Sauerhammer.
Absolventen erhalten mehr Geld als Studenten
Das Studium vor der heißen Phase der Gründung abzuschließen hat übrigens nicht nur den Grund, eine Doppelbelastung zu vermeiden. Nein, es geht auch um Geld. Ein Jahr lang werden die drei Hanfpark-Gründer durch das Gründerstipendium Exist gefördert. Pro Kopf bedeutet das: 2000 Euro brutto im Monat. Aber das eben nur mit abgeschlossenem Studium - Studenten erhalten nur 800 Euro im Monat.
Zum Stipendium gehört auch, dass die jeweilige Hochschule der Stipendiaten ihnen Räume zur Verfügung stellt. Anspruch haben die Stipendiaten auf jeweils einen Arbeitsplatz. Und auch das hat jetzt geklappt - wider alle Chancen.*
Denn an der Fakultät der Gründer an der FH Weihenstephan entsteht gerade ein neuer Studiengang. Das verschärft die ohnehin enge Raumsituation. "Eigentlich ist gar kein Platz da", sagt Sauerhammer. Aber Präsident, Dekan und die als Mentorin eingesetzte Professorin machten es möglich, dass ein Papierlager- und Kopierraum frei wird. (Und den wollten Sauerhammer und sein Team unbedingt vor der Einstellung von Mitarbeitern beziehen, nicht danach wie hier fälschlich aufgeschrieben)
Die Kopierer waren ohnehin nicht mehr einsatzfähig - die räumten die Hausmeister weg. Das Papier trugen Sauerhammer und Gutmann allerdings selbst an seinen neuen Lagerort im Uni-Keller. Wie groß die Räume exakt sind, hat Sauerhammer noch nicht nachgemessen. Aber er ist sicher: "Da passen mehr als drei Arbeitsplätze rein."
Den Wecker könnte er eigentlich entsorgen. Seit Wochen schläft Markus Sauerhammer selten mehr als fünf Stunden und wird trotzdem regelmäßig wach, bevor es klingelt. "Jedes Mal wache ich mit schlechtem Gewissen auf und denke: Du musst Diplomarbeit schreiben", sagt Sauerhammer. Gleich danach folgt der zweite Gedanke: "Du musst für das Hanffeld arbeiten."
Seine Diplomarbeit muss Sauerhammer in zehn Tagen abgeben. Das Hanffeld wird erst im Mai 2009 angepflanzt. Dann gibt's ja jetzt eigentlich noch gar nichts zu tun? Pustekuchen.
Muss Start-up und Studium gleichzeitig wuppen: Markus Sauerhammer   Muss Start-up und Studium gleichzeitig wuppen: Markus Sauerhammer
Da sind die Verhandlungen mit Behörden, die noch zu den geplanten Standorten bei München und Nürnberg ihr Okay geben müssen. Da sind Journalisten, die über das Startup berichten - erst am Dienstag war ein Fernsehteam vom Bayerischen Rundfunk einen ganzen Vormittag vor Ort.
Und da ist die Suche nach Kooperationspartnern und Attraktionen. Dafür besuchten Sauerhammer und seine Mitgründer in München die stb Marketplace, eine Fachmesse für Veranstalter. Alle waren da: Disneyland Paris, Fantasialand und der Europapark Rust, aber auch jede Menge Tagungshotels und Eventagenturen.
Im Trend: Tagungen im Grünen
"Wir haben viele Ideen mitgenommen", sagt Sauerhammer. Beispielsweise, dass biologische Tagungen, so genannte "Green Meetings" voll im Trend liegen. Heißt: Man kauft für die Firmentagung eine Beteiligungen an Aufforstungsprojekten im Regenwald. "Das zeigt mir, dass wir auf dem richtigen Weg sind", sagt Sauerhammer. Und zwar ganz vornan. "Wir produzieren ja sogar Sauerstoff mit unserem Ausflugsziel"
Auch Events und Gimmicks, die für den Hanfpark geeignet sein könnten, fanden Sauerhammer und seine Mitgründer auf der Messe: Krimi-Dinnerabende beispielsweise und Wasserspiele, die aus Wasser sogar Schriftzüge formen können. Schwer begeistert war Sauerhammer auch von Naturspielplätzen aus splitterfreiem Holz. Daraus könnte man was machen, ein Piratenschiff vielleicht. Jedenfalls etwas, wo die Kinder etwas erleben, sagt Sauerhammer: "Heute sitzen doch alle nur noch vor der Glotze und zocken, aber Robin Hood spielt keiner mehr."
Welche Angebote bei den Besuchern am besten ankommen, erforscht derzeit auch eine Kommilitonin der Hanfpark-Gründer, Irmengard Kain. Sie befragt beispielsweise Unternehmen, ob sie sich Tagungen im Hanffeld begeistern könnten und Schulen, welche Teile des Bio-Unterrichts man im Freien abhalten könnte. Über die Ergebnisse schreibt Kain ihre Diplomarbeit.
Sauerhammer selbst schreibt seine Diplomarbeit übrigens auch über den Hanfpark. Über dessen Markenaufbau, genauer gesagt. Bald setzt er sich wieder ran. Am Wochenende. Versprochen.
  • FTD.de, 05.03.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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