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Merken   Drucken   04.03.2009, 08:00 Schriftgröße: AAA

Gründertagebuch: Geht gleich los - die 1. Quartalsreportage von Wikando

04.03.2009 - Wikando: Sie hatten sich verschätzt. Der geplante Launch ihres Charity-Portals platzte. Dafür sind die Wikando-Gründer Mirjam Maier und Peter Kral jetzt sicher, dass beim Start alles rund läuft. von Claus Hornung
Die Sache mit dem Flyer ging schief. Auf der Münchner Freiwilligenmesse legte Mirjam Maier überall die postkartengroße Botschaft von Wikando aus. "Spenden" stand darauf in weißen Großbuchstaben auf grünem Grund. Bei vielen rief das ein Stirnrunzeln hervor, beobachtete Maier. Bis zum kleiner geschriebenen "webzweinull" kamen die meisten gar nicht mehr.
Auf der Freiwilligenmesse treffen Vertreter von Hilfsprojekte auf Menschen, die helfen möchten. Mit ihrer Arbeitskraft, mit ihrem Wissen, vielleicht mit Dingen, die sie nicht mehr brauchen. All das sollten die Worte auf dem Flyer enthalten. "Aber die meisten denken bei Spende automatisch an Geldspende", hat Maier festgestellt. Und das kommt bei freiwilligen Helfern offensichtlich nicht gut an. Wieder was gelernt.
Die Wikando-Gründer Mirjam Maier und Peter Kral   Die Wikando-Gründer Mirjam Maier und Peter Kral
Wie tickt die Zielgruppe? Das wollten Maier und ihr Freund und Mitgründer Peter Kral in München herausfinden. Denn Hilfsprojekte und Helfer wollen sie mit ihrem Portal ansprechen. Mit einer ausgeklügelten Schlagwortsuche soll das Hospiz Betreuer finden, der sozial engagierte Student ein Obdachlosenprojekt und die Bahnhofsmission die Computer, die andernorts entbehrlich sind.
Eine dritte Gruppe, die Wikando braucht, sind die Unternehmer. Sie können auf Wikando nicht nur Spendenprojekte finden, sondern gleichzeitig ihr Engagement öffentlichkeitswirksam demonstrieren. Und sie sollen Wikando finanzieren. Mit regelmäßigen Beiträgen, die nach Mitarbeiterzahl gestaffelt werden.
Den Aufwand unterschätzt
Unternehmer gab es nicht in München. Trotzdem bereuten Maier und Kral ihren Messebesuch nicht. Schließlich kamen sie trotz missverständlicher Flyer mit vielen Projektvertretern ins Gespräch. Und überhaupt: Endlich kamen sie mal raus.
In den vergangenen Monaten verließen die beiden ihre Schreibtische selten. Seit September hackten die Bioinformatiker auf ihre Tastaturen ein, nur unterstützt von einer Handvoll Praktikanten. Die ganze Zeit den Termin vor Augen, an dem die Seite online gehen soll: 1. Dezember 2008. "Natürlich wollten wir die Spendenzeit mitnehmen", sagt Maier.
Mitte November gestanden sie sich ein, dass sie den Termin nicht halten würden. "Wir haben die Sache unterschätzt", sagen sie heute. Da waren die Praktikanten, die eingearbeitet werden mussten. "Alles gute IT-Studenten", sagt Kral, "aber keine Programmierer mit jahrelanger Berufserfahrung." Da waren die Pressekonferenz und die Feier, die man zum Start plante. Und da ist war allem die hochkomplexe Technik, die hinter dem Portal steht.
Das Gründerteam programmiert alles selbst. "So ein Produkt kann man nicht kaufen", sagt Kral. So sollen die User beispielsweise untereinander kommunizieren können und ihre Spenden in "Warenkörben" sammeln, die man aus Onlineshops kennt.
Kosten, Einnahmen, Kapital- und Schuldenstand:
Die Quartalsbilanz November 2007 bis Januar 2008 von Wikando finden Sie unter www.ftd.de/Quartalsbilanz
Für beides gibt es Programme. Aber keines, dass alles gleichzeitig kann. Hinzu kommt, dass die drei Benutzergruppen Helfer, Projekte und Unternehmen entsprechend ihrer Bedürfnisse alle unterschiedliche Funktionen erhalten. "Das gibt es in keiner Community", sagt Kral.
Auch das Geld war knapp. Die Gründer lebten von ihrem Ersparten. Erst nach dem Sieg bei enable2start beschlossen sie, etwas Geld zu investieren.
Soll im Frühjahr 2009 online gehen: Wikando   Soll im Frühjahr 2009 online gehen: Wikando
Computerfirmen sollten Wikando auf Sicherheitslücken hin überprüfen: Ist das Portal ausreichend gegen Hackerangriffe geschützt? Werden die Geldtransfers reibungslos ablaufen? "Bei solchen Dingen ist es einfach immer besser, wenn noch jemand von außen mit drauf schaut", sagt Maier. Nur: So hopplahopp wie vorgestellt ging es nicht. Alle Anbieter waren auf Wochen im voraus ausgebucht. Noch ein Zeitfresser.
Die Gründer erhalten ein Stipendium
Kurz vor Jahreswechsel kam die Nachricht, dass die beiden Gründer ein Stipendium erhalten. Das sichert für ein Jahr zumindest ihren Lebensunterhalt. Eine wichtige Entlastung. Denn vom knappen Kapital müssen die beiden auch Praktikanten bezahlen und die 700 Euro Miete für das neue Büro, dass sie im Januar beziehen. 50 Quadratmeter für zwei Gründer plus fünf bis sechs Praktikanten ist zwar immer noch kuschelig, aber dafür hat man jetzt wenigstens zwei Räume.
Platz und Zeit will das Team jetzt nutzen. Lieber noch ein paar Wochen dranhängen, als mit einer Seite an den Start zu gehen, die nicht rund läuft. "Irgendwann im Frühjahr" - auf einen genaueren Starttermin wollen sich die Gründer nicht festlegen.
Bis dahin lassen sie ihre Beta-Version auch von Menschen prüfen, die weder mit Wikando, noch mit Internetportalen an sich viel zu tun haben. Nicht zuletzt, weil ein großer Teil der Zielgruppe jenseits ihrer eigenen Generation liegt - auch das lehrte der Besuch der Freiwilligenmesse.
Schon nach drei Probanden haben Maier und Kral den Notizblock voll mit Verbesserungsvorschlägen. Wo ist der Unterschied zwischen "Mein Profil" und "Meine Seite" lautete eine Frage.
Mirjam Maier (l.) und Peter Kral (2.v.r.) mit Mitarbeiterin im ...   Mirjam Maier (l.) und Peter Kral (2.v.r.) mit Mitarbeiterin im Augsburger Wikando-Büro
Nur den Programmierern schien logisch, dass der Wikando-Nutzer in dem einen Feld seine persönlichen Daten einträgt und in dem anderen seine favorisierten Rubriken der Seite.
Und dass beim Eintippen der eigenen Adresse gleich ein Ausschnitt von Google-Maps aufploppt, war zwar als Service gedacht, der helfen sollte, Wikando-User in der eigenen Umgebung leicht zu finden. Aber gleich die ersten zwei Probanden fühlten sich dadurch verunsichert. "Spooky" lautete gleichlautend ihr Kommentar.
Die Änderungen sind inzwischen eingearbeitet. Jetzt geht es um Feinschliff. Und langsam verschieben sich bei Wikando die Schwerpunkte, sagt Mirjam Maier. "Das verlagert sich jetzt vom Programmieren hin zur PR. Es gibt bereits eine neue Imagebroschüre. Und eine erste Vollzeitmitarbeiterin für diesen Bereich. Und bald auch neue Flyer.
"Manchmal würden wir uns am liebsten vierteilen", sagt Maier. Jeden Tag erreichen das Gründerteam Bewerbungen. Wikando hat nicht nur auf der eigenen Seite Stellen ausgeschrieben, sondern auch bei Unicum, dasauge.de und an verschiedenen Hochschulen. Und die Gründer sind fündig geworden, in den nächsten Monaten werden drei neue Praktikanten das Team verstärken.
Viele bleiben nur während der Semesterferien, Studenten der Fachhochschule können dagegen mehrere Monate für Wikando arbeiten, weil sie ein Praxissemester absolvieren müssen. "Das ist natürlich angenehmer", sagt Maier. Selbständigkeit ist ein wichtiges Einstellungskriterium. "Man kann uns immer fragen, aber wir können niemanden die ganze Zeit an die Hand nehmen", sagt Mirjam Maier. 300 Euro monatlich bezahlt Wikando den Praktikanten, für das leibliche Wohl aller Mitarbeiter ist ebenfalls gesorgt. Getränke, frisches Obst, Kekse - all das trägt zu einer guten Arbeitsatmosphäre bei.
Die Wikando-Gründer Mirjam Maier und Peter Kral   Die Wikando-Gründer Mirjam Maier und Peter Kral
Die Gründer versuchen, die Studenten auch nach dem Praktikum stundenweise zu beschäftigen. Das Zeugnisschreiben wird ihnen dadurch aber nicht erspart.
"Das sollte man wirklich nicht unterschätzen", sagt Maier. Sie musste lange recherchieren, bis das erste Zeugnis so aussah, dass alle damit zufrieden sein können. Dass es für Zeugnisse handfeste Regeln gibt, war neu für sie. Also hat sie sich einen ganzen Tag lang mit den Tücken der Zeugnissprache beschäftigt.
Nicht nur Personal war in der vergangenen Woche ein Thema, sondern auch Networking.
In Nürnberg fand eine Nachhaltigkeitskonferenz statt, auf der die Gründer Kontakt zu vielen Unternehmen aufnahmen. "Corporate Social Responsibility ist nach wie vor sehr komplex, da passen wir gut rein", sagt Maier, "wir tragen dazu bei, dass die Abläufe ein bisschen einfacher werden."
Abends stand ein Gründertreffen in München auf dem Programm, danach ging es zurück nach Nürnberg zur Biofachmesse. Dort diskutierten Blogger aus Deutschland und Österreich zum Thema Nachhaltigkeit. "Es war schön, endlich die Menschen hinter bekannten Namen kennenzulernen.", sagt Maier.
Die Wikando-Flyer kamen bei dieser Veranstaltung besser an als auf der Freiwilligenmesse. "Es ist vielleicht eine Generationenfrage", sagt Maier. "Die Jüngeren verstehen, was mit Spenden 2.0 gemeint ist. Wir müssen unsere Werbung noch besser auf die Zielgruppen abstimmen. Wir haben aber immer noch über 4000 Flyer, und die werden wir erst einmal aufbrauchen."
Ganz schön anstrengend, Arbeitgeber zu sein. "Im Augenblick dreht sich hier alles um Vorstellungsgespräche", sagt Mirjam Maier. Mehrere Praktikanten, die in diesen Wochen bei Wikando aufhören, müssen ersetzt werden. Allein in der vergangenen Woche sahen sich Maier und ihr Mitgründer Peter Kral darum sieben Bewerber an.
Das kostet Zeit. Die Gespräche selbst dauern bis zu anderthalb Stunden, sagt Maier: "Wir wollen ja auch von uns selbst etwas erzählen." Hinzu kommt das Sichten der Bewerbung im Vorfeld. Und die Zeit, die es manchmal dauert, einen Termin zu finden, der allen passt.
Sie wollen bei uns anfangen? Die Wikando-Gründer Mirjam Maier und ...   Sie wollen bei uns anfangen? Die Wikando-Gründer Mirjam Maier und Peter Kral
Alles zusammengerechnet mache das schon mal fünf Stunden pro Bewerber, sagt Maier. Nur das abschließende Entscheidungsgespräch zwischen ihr und ihrem Kral dauert meist nur wenige Minuten. "Man merkt schon, ob man auf einer Wellenlänge ist."
Die meisten Bewerbungen gibt es übrigens in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Dort herrscht auch der größte Bedarf, denn die Programmierung des Portals ist zum größten Teil abgeschlossen. Dafür wird die Öffentlichkeitsarbeit kurz vor dem Start immer wichtiger. "Der Schwerpunkt hat sich verlagert", sagt Maier.
Jeder Businessplan-Wettbewerb ist anders
Drei Bewerber haben darum von ihr und Kral Zusagen erhalten. In den nächsten Monaten werden sie die neue PR-Vollzeitkraft von Wikando unterstützen.
Publicity kann man natürlich nicht nur durch PR gewinnen. Darum schreibt Maier jetzt auch selbst Bewerbungen: Für Businessplan-Wettbewerbe. Im Frühjahr liefen viele Ausschreibungen an, sagt sie. Und Wikando will gleich an mehreren teilnehmen, um neben Preisen hoffentlich auch Aufmerksamkeit zu gewinnen.
Anstrengend seien nur die vielen unterschiedlichen Voraussetzungen. Mal dürfe man maximal 30 Seiten einreichen, mal nur zehn. Mal gebe es Vordrucke, mal reiche eine Online-Bewerbung. Und in einem Fall müsse man den Plan in fünffacher Ausfertigung vorlegen plus zehn Ausfertigungen der Zusammenfassung, erzählt Maier sichtlich genervt: "Das schicken wir ein ganzes Paket durch die Gegend. So richtig ist mir nicht klar, warum man das jedes Mal ein bisschen anders machen muss."
So sieht sie also aus, die Zielgruppe.
Drei verschiedene Gruppen will Wikando ansprechen: Projekte, die Geld oder Helfer brauchen, Freiwillige Helfer und Unternehmen. Zwei davon, Projekte und die potenziellen Helfer, waren auf der Münchner Freiwilligenmesse vertreten. Bewaffnet mit Wikando-Broschüren- und Flyern warben Mirjam Maier, Peter Kral und ihr Marketingberater, EBMA-Student Lorenz Hartung, dort für ihr Portal.
Dabei lernten sie vier Dinge:
Erstens: Etablierte Organisationen wie etwa Misereor sind schwieriger als Ansprechpartner zu gewinnen. Teils, weil diese ihre eigene Marke nicht mit Kooperationspartnern durchmischen wollten. Teils, weil die richtigen Ansprechpartner nicht an Messeständen zu treffen sind, sondern nur in der Zentrale.
Anders fielen die Reaktionen bei kleineren Organisationen aus. Bei einem Hilfsprojekt für Depressive etwa, war der Mann am Messestand gleichzeitig der Verantwortliche für die Pflege der Website. "Der war sofort begeistert", sagt Maier.
Die Wikando-Gründer Mirjam Maier und Peter Kral   Die Wikando-Gründer Mirjam Maier und Peter Kral
Zweitens: Freiwillige mögen das Wort "Spende" nicht. Die meisten von den rund 2000 Besuchern, denen das Wikando-Team einen kurzfristig erstellten Flyer mit dem Slogan "Spenden zweipunktnull" in die Hand drückten, reagierten mit skeptischen Blicken, sagt Maier: "Für viele bedeutet Spende immer noch Geldspende."
Drittens: Flyer mit positiven Motiven kommen besser an als solche mit negativen. Zwei Studenten präsentierten parallel zum Wikando-Team den Besuchern fünf mögliche Motive für künftige Flyer. Am schlechtesten schnitt dabei ein Schwarz-Weiß-Bild von einem Mädchen vor einer zerstörten Häuserkulisse ab, am besten eines mit Blumen vor grünem Hintergrund.
Viertens: Freiwillige - jedenfalls die von der Münchner Messe - sind schon etwas älter. Nur eine Handvoll der Besucher war unter 40, viele jenseits der 50 Jahre oder sogar 60 Jahre. "Das hätten wir nicht ganz so erwartet", sagt Maier.
Website-Test mit externen Probanden
Ein Grund mehr, die Wikando-Seite so übersichtlich und unkompliziert zu gestalten wie möglich. Erstmals machen Maier und ihr Team derzeit Tests mit Freunden, Bekannten und Teammitgliedern, die nichts mit der Programmierung der Seite zu tun haben.
Und die hatten jede Menge Punkte, an denen sie Verbesserungsmöglichkeiten sahen. Etwa, dass die Unterteilung zwischen "Mein Profil" und "Meine Seite" schwierig sei. Oder, dass der Nachname, den man bei der Registrierung angibt, für andere User nur abgekürzt zu sehen war. Heinrich M. statt Heinrich Müller - das sollte Datenschutzsicherheit signalisieren, wirke aber doch "irgendwie unseriös", sagt Maier.
Gelöscht ist auch die Funktion, dass beim Eingeben der Adresse gleich eine Google-Maps-Anzeige mit dem entsprechenden Ausschnitt aufspringt. Das war als Service gedacht, damit User schneller Projekte in ihrer Umgebung finden können. Die Probanden empfanden es anders. Gleich zwei benutzten unabhängig von einander das gleiche Wort für die Funktion: "Spooky".
Wikando ist umgezogen. Hat sich dadurch etwas verändert?
Durch die größeren und zweigeteilten Räume ist es viel ruhiger geworden, man kann konzentrierter arbeiten und vor allem telefonieren. Der Umzug hat uns wieder neu motiviert, Wikando ist wieder ein bisschen gewachsen und wir fühlen uns gerüstet für die kommenden Monate.
Was war das größte Ereignis im Januar?
Nach unserem tollen Weihnachtsgeschenk, dem Exist-Gründerstipendium, haben wir jetzt auch den dazugehörigen Vertrag unterschrieben. Nun ist es offiziell: Ab Februar werden wir gefördert.
Was war das schlechteste Ereignis?
Leider hatten wir zu Jahresbeginn einige krankheitsbedingte Ausfälle zu verzeichnen, aber wir waren ja nicht die Einzigen, die es erwischt hat.
Mirjam Maier (Mitte) und Peter Kral (r.) im Gespräch mit Mitarbeitern   Mirjam Maier (Mitte) und Peter Kral (r.) im Gespräch mit Mitarbeitern
Was war die größte Überraschung?
Wir haben die Zusage unserer ersten Festangestellten, die uns in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit unterstützen wird.
Wann wird Wikando online gehen?
Wikando soll was Großes, Überdauerndes und Gutes werden und das braucht seine Zeit. Rom wurde ja schließlich auch nicht an einem Tag erbaut. Effektiv realisieren wir Wikando erst seit August, das ist noch nicht mal ein halbes Jahr.
Zugegeben, der 1. Dezember als Starttermin war zu optimistisch gedacht, trotzdem haben wir schon viel geschafft - und das nicht nur auf die Entwicklung bezogen. Wir machen gute Fortschritte und setzen alles daran bald zu starten - das liegt natürlich auch in unserem Interesse -, aber nicht um jeden Preis.
Was ist die größte Aufgabe im kommenden Monat?
Einige aus unserem Team werden bald ihr Praktikum beenden, deshalb gilt es, diese und weitere Stellen neu zu besetzen. Das heißt, wir müssen wieder Stellenanzeigen einstellen, Telefonate und Vorstellungsgespräche führen, gute Leute finden und dann natürlich auch einarbeiten. Das Thema "Mitarbeiterfluktuation" ist gerade bei Startups ein immer wiederkehrendes Thema, um das wir uns aber gerade jetzt wieder intensiv kümmern müssen.
Die Antworten beantwortete Wikando-Geschäftsführerin Mirjam Maier
Lernfähigkeit ist eine der wesentlichsten Eigenschaften, die ein erfolgreicher Gründer besitzen sollte. Unter diesem Aspekt sieht es schon ganz gut für Mirjam Maier aus. Nachdem vergangene Woche die überstürzte Produktion von 20 Wikando-Infobroschüren für eine Präsentation 300 Euro verschlungen hat, plant sie jetzt langfristiger.
Kommenden Sonntag findet in München die Münchner Freiwilligenmesse statt. Maier und ihr Team werden da sein und 1000 Imagebroschüren dabeihaben. Jeweils 500 Stück einer Version, die Hilfsprojekte anspricht und 500 weitere, die sich an Unternehmen wenden.
Gibt es bald in einer besseren Version: Infomaterial von Wikando   Gibt es bald in einer besseren Version: Infomaterial von Wikando
Alle erstellt von einer professionellen Werbeagentur, produziert in einer richtigen Druckerei, inklusive ausklappbarer Seiten, auf denen eine Zeichnung verdeutlicht, wie das Prinzip Wikando funktioniert. Das ganze zum vergleichsweise läppischen Stückpreis von 80 Cent.
An diesem Samstag soll alles fertig sein, sagt Maier. Das wäre ja auch nur ein Tag vor der Messe? "Ja, aber das klappt", sagt Maier, überlegt kurz und sagt dann: "Ich rufe da gleich nochmal an."
Negative Werbung und positive Werbung
Für die 3000 potenziellen freiwilligen Helfer, die neben 80 Hilfsprojekten, zu der Messe erwartet werden, gibt es zudem Flyer mit Informationen über Wikando. Noch ist sich Maier nicht sicher, ob die eher in dem Stil formuliert sein sollen, den sie "negative Werbung" nennt, oder als "positive Werbung".
Einfacher ausgedrückt: Der Slogan "Diese Kinder werden in Afrika verhungern, wenn Sie nicht spenden" könnte möglicherweise nicht so gut funktionieren wie "So glücklich sehen Kinder in Afrika aus, wenn Sie spenden!" Möglicherweise wird es darum auch den Flyer in zwei Versionen geben. "Dann sieht man ja, was besser ankommt."
Demnächst hat Maier bei solchen Überlegungen hauptberufliche Unterstützung. Zum 1. April hat das Startup seine erste Vollzeitmitarbeiterin für den Bereich Presse und Öffentlichkeitsarbeit.
Die Neue ist 25, hat einen Bachelor in "British and American Studies und sowohl neben als auch nach ihrem Studium bereits mehrere mehrmonatige Praktika in Kommunikationsagenturen. "Sie hätte einige preislich bessere Angebote gehabt. Umso mehr freuen wir uns, dass sie zu uns kommt", sagt Maier, "denn bei ihr hatten wir von Anfang an ein gutes Bauchgefühl."
Was braucht man, um eine Testreihe gut durchführen zu können? Zuerst einmal natürlich Tester. Damit sah es bei Wikando in der vergangenen Woche zeitweise nicht so gut aus, erzählt Mirjam Maier.
Zwei Mitarbeiter bekamen die Grippe. Maier selbst verbrachte zwei Tage krank zuhause. Versuche, dort nur annähernd so effektiv zu arbeiteten wie im Büro, scheiterten. "Wenn man eigentlich nur noch zuhause ist, um dort zu schlafen, denkt man irgendwie, man könne dort auch nur schlafen."
Die Wikando-Gründer Mirjam Maier und Peter Kral   Die Wikando-Gründer Mirjam Maier und Peter Kral
Trotzdem schafften es das Wikando-Team den geplanten Sicherheitstest durchzuziehen. Und beim Überprüfen der Beta-Version des Portals tauchte das zweite Element auf, das eine Testreihe erst zu einer macht: Fehler.
Beispielsweise funktionierte die "Löschen"-Funktion für E-Mails nicht. Auch die Option, zwingend erforderliche Profildaten wie die E-Mail-Adresse für andere User unsichtbar zu halten, hielt im Praxistest nicht stand. "Alles Kleinigkeiten", sagt Maier, "aber wenn hier etwas ist und dort etwas ist, kulminiert es."
Tolle teure Firmenbroschüren
Obendrein gab es praktische Ergänzungen. So kann jetzt, wer den Anmeldevorgang abbricht oder dessen Rechner währenddessen abstürzt, später an genau der Stelle weitermachen, an der er zuvor aufhörte - anders als vor dem Test bleiben bereits eingegebene Daten gespeichert.
Am Dienstag dieser Woche trafen Mirjam Maier und ihr Mitgründer Peter Kral einige der potenziellen Wikando-Nutzer ganz real. Bei einem Treffen von Fachleuten aus sozialen Institutionen wie der Caritas und der Diakonie Augsburg und Flüchtlingsbeauftragen aus München und Umgebung.
Den Kontakt stellte Wikando-Mitarbeiterin Alexandra Bombik her, die als Sozialpädagogin für die Diakonie arbeitete. Eine halbe Stunde lang präsentierten Maier und Kral. Anschließend mussten sie noch weitere anderthalb Stunden lang Fragen beantworten. Zwei Leiter von Projekten, die Sachspender suchen, bekundeten konkretes Interesse.
In diese Richtung will Maier weitergehen. Darum plant sie bereits die Teilnahme an der Münchner Freiwilligenmesse. Allerdings mit ein bisschen mehr Vorlauf als den Diakonie-Besuch. Da kam erst am Vorabend die Idee auf, dass sich ein paar farbige Broschüren sicher gut machen würden.
Am Morgen der Veranstaltung stürmte Maier darum in den nächstbesten Copyshop, wählte ein tolles Papier aus- und zahlte 80 Cent pro Kopie. Inklusive Klarsichtmappen kam sie am Schluss auf 300 Euro für 20 Broschüren. "Das sollte man nächstes Mal ein bisschen anders machen", sagt Maier und schluckt hörbar. "Aber im Nachhinein war es das auch wert."
Lockere Sache, so ein Umzug. Zumindest dann, wenn man einen 16-Stunden-Tag für den Normalzustand hält, so wie Mirjam Maier und ihr Gründungspartner Peter Kral. Mit zwei Mitarbeitern hatten sie ihre neuen Räume - praktischerweise im gleichen Gebäude wie die alten gelegen - gestrichen, das Büromobiliar hinübergetragen und mehrere hundert Meter Kabel verlegt. Fünf Tage mit jeweils acht Stunden dauerte das. "Also eigentlich ein Halbtagsjob", sagt Maier und lacht.
Läuft alles? Eine Woche lang prüft das Wikando-Team die ...   Läuft alles? Eine Woche lang prüft das Wikando-Team die Funktionen seiner Seite
Jetzt steht wieder die Arbeit am Portal oben auf der Liste. Diesen Mittwoch starten Maier und Kral eine einwöchige Testphase. Damit wollen sie herausfinden, ob alle Funktionen auf der Wikando-Seite einwandfrei laufen. Insbesondere, ob die Anmeldung in den drei Wikando-Zielgruppen Privatleute, Projekte und Unternehmen funktioniert.
Schutz vor Betriebsblindheit
Natürlich sei dies nicht der erste Check, sagt Maier. Bislang aber teste jeder Programmierer jeweils nur die Funktionen, an denen er selbst gearbeitet hatte. Dabei droht natürlich die Gefahr der Betriebsblindheit. "Beim Programmieren stellt man ja auch schon mal kleinere Dinge hintenan, die man gerade für nicht so wichtig hält."
Jetzt wird getauscht. Mal sehen, ob dann jemandem auffällt, dass ein Link nicht funktioniert oder eine Übersetzung fehlt. "Am besten ist natürlich, wenn das jemand macht, der überhaupt nicht in das Projekt involviert ist", sagt Maier. Darum werden nach dem ersten Check auch noch ein paar Freunde und Bekannte von ihr den Test wiederholen.
All das verschlingt natürlich Zeit. Aber Sicherheit ist Maier derzeit wichtiger als der Starttermin. Zur Erinnerung: Der war mal für den 1. Dezember 2008 geplant. Ein Start vor Weihnachten hätte natürlich gut zu einem Charity-Portal gepasst, sagt Maier. Nachdem dies aber nun ohnehin hinfällig sei, käme es auf eine Woche mehr oder weniger nicht mehr an. Konkretere Aussagen zum Start als "im Frühjahr 2009" will sie daher im Augenblick nicht machen.
Wie es wohl geworden wäre, wenn man den 1. Dezember auf jeden Fall hätte halten wollen? Hätte es überhaupt funktioniert? "Mei", sagt die Augsburgerin Maier, "das war wohl ein bisschen optimistisch gedacht."
Was war im vergangenen Monat die größte Überraschung für Sie?
Vor allem, dass wir das Exist-Gründerstipendium erhalten haben. Das war kurz vor Weihnachten wirklich eine schöne Überraschung. Außerdem können wir viel schneller als erwartet in unsere neuen Büroräume einziehen und haben endlich ein bisschen mehr Platz. Wir hatten gedacht, dass erst ab Mitte nächsten Jahres etwas freiwird.
Was war der größte Erfolg?
Wir hätten nicht erwartet, dass wir schon so große öffentliche Aufmerksamkeit bekommen - unter anderem waren wir in einem Beitrag vom Bayerischen Rundfunk, das war wirklich super.
Für das Wikando-Team lief es besser als erwartet   Für das Wikando-Team lief es besser als erwartet
War etwas schwieriger als gedacht?
Wir wollen externe Dienstleister einbinden, damit sie uns in Sachen IT unterstützen. Das hat sich als schwieriger herausgestellt als gedacht. Wir dachten, jetzt haben wir das Geld dafür und können etwas investieren. Aber die Unternehmen wollten dann teilweise doch noch mehr - da wir im technischen Bereich selbst einige Expertise haben, können wir ungefähr abschätzen, wie lang es ungefähr dauert, etwas zu entwickeln. Hinzu kam die Weihnachtszeit, da hatten alle Unternehmen schon sehr viel zu tun - da konnte man nicht eben schnell mal etwas einschieben.
Was ist die größte Herausforderung des kommenden Monats?
Noch steht der Launch unserer Website aus. Aber wir haben uns auf keinen Termin festgelegt
Was haben Sie diesen Monat investiert?
Der größte Posten sind Gehälter für Praktikanten.
Wenn Sie ein Jahr zurückblicken - hätten Sie gedacht, dass Sie heute dort sind, wo Sie sind?
Vor einem Jahr saßen Peter Kral und ich zu zweit zu Hause an zwei Laptops und hatten einen Plan zur Rettung der Welt. Darauf stand unter anderem, wie viele Mitarbeiter wir brauchen: Einen für die Pressearbeit, zwei Programmierer und einen fürs Design. Jetzt haben wir drei Praktikanten, die als Programmierer arbeiten, zwei fürs Design und einen fürs Marketing. Von daher sind wir schon ganz gut besetzt.
Wir hätten damals nicht gedacht, dass wir jetzt schon so weit sind. Wir haben zu Hause angefangen zu arbeiten und jetzt ziehen wir schon in unser zweites Büro - das hätten wir uns nicht träumen lassen.
Als wir im April in unser erstes Büro gezogen sind hatten wir ein Schulungszentrum gefunden, dass viele Möbel günstig abgegeben hat. Da haben wir gleich acht Tische und Rollcontainer gekauft. Damals fragten viele: "Wofür braucht Ihr das? Ihr seid doch zu zweit." Und jetzt sind schon alle Tische besetzt. Wenn wir so zurückblicken sind wir schon ein bisschen stolz auf das, was wir geschafft haben.
Die Antworten gab: Wikando-Gründerin Mirjam Maier
Und noch eine vorzeitige Bescherung. Nicht nur beim enable2start-Sieger Statista gab es schon kurz vor Weihnachten Bescherung, sondern auch bei Wikando.
Am Freitag erfuhren Mirjam Maier und Peter Kral, dass sie im nächsten Jahr faktisch Gehalt beziehen werden. 2000 Euro brutto erhalten Maier und Kral jeweils pro Monat. Möglich macht's das Gründerstipendium Exist, das auch schon die Gründer des Freizeitparks im Hanffeld erhalten haben.
Schecks bitte hier einwerfen: Mirjam Maier und Peter Kral vor dem ...   Schecks bitte hier einwerfen: Mirjam Maier und Peter Kral vor dem Wikando-Büro
"Das hat uns fast vom Stuhl gehauen", sagt Maier. Auch wegen des Zeitpunkts. Die Bewerbung war im September herausgegangen. "Wir wollten es natürlich gern noch vor Weihnachten wissen", sagt Maier, "aber noch im Oktober hieß es: Das dauert noch mindestens zwei bis drei Monate. Da haben wir uns kaum getraut, nachzufragen."
Förderung auch für den Berater
Neben den beiden Gründern erhält auch Lorenz Hartung, der als EMBA-Student Maier und Kral in Strategie- und Marketingfragen berät. Dem steht auch nicht entgegen, versicherten sich die Gründer, dass Hartung erst im April seine Masterarbeit abgegeben haben wird.
Obendrein beinhaltet die Förderung 17.000 Euro für "Sachdienstleistungen". Software, Hardware, aber auch Gebühren oder Coachingstunden könnten davon bezahlt werden, sagt Maier: "Das wird ziemlich weit gefasst."
Auf der ersten Rechnung, die Maier und Kral davon bezahlen, könnten Farbeimer und Pinsel stehen. Denn noch im Dezember wollen sie ihre alten Büroräume renoviert haben, um dann in die neuen Räume umziehen zu können. Eigentlich würden die Maler ja gestellt, sagt Maier. Aber das Selber streichen ginge halt schneller. Sie lacht: "Außerdem ist das ja auch eine teambildende Maßnahme."
Für die Weihnachtszeit ist das Büro von Wikando ja gut geeignet. Zwei Gründer, fünf Vollzeitpraktikanten und einer, der 20 Stunden die Woche arbeitet - alle auf 30 Quadratmetern. "Das ist schon kuschelig", sagt Mirjam Maier.
Aber um effektiv zu arbeiten, wären ein paar zusätzliche Quadratmeter nicht schlecht. Und darauf müssen Maier, ihr Mitgründer Peter Kral und ihr Team nicht mehr lang warten. Gerade haben sie erfahren, dass sie noch in diesem Monat in ein neues Büro umziehen können. Das hat 50 Quadratmeter plus anteilige Gemeinschaftsfläche.
Hat was Größeres in Aussicht: Mirjam Maier   Hat was Größeres in Aussicht: Mirjam Maier
Die neuen Räume liegen im gleichen Augsburger Gründerzentrum, in dem Wikando schon jetzt seine Räume hat. Kostenpunkt: 600 Euro inklusive Nebenkosten. "Die Räume sind heiß begehrt", sagt Maier. Eigentlich hätte hier erst wieder in einem halben Jahr etwas frei werden sollen.
Dass es trotzdem so schnell ging, könnte daran gelegen haben, dass die neueren Gebäude auf dem Gelände ein klein wenig begehrter sind als die alten Flachbauten, die dort ebenfalls stehen. Maier bewarb sich gezielt um Räume in einem der älteren Gebäude. "Außerdem haben wir auch wirklich oft nachgefragt.“
AGB reichen nicht aus
Viele Nachfragen hatte auch Maiers Anwalt. Auch, wenn die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) für Wikando inzwischen fertig gestellt sind. "Ich dachte eigentlich, damit sei es getan", sagt Maier. Inzwischen weiß sie: im elektronischen Geschäftsverkehr braucht es einiges mehr.
Ganz wichtig: Das Extra-Informationsblatt. Das muss, wie der Name vermuten lässt, als Extra-Dokument bereit gestellt werden, und zwar downloadfähig. Darin werden die User unter anderem explizit auf AGB und Datenschutzerklärung hingewiesen. Obendrein übersetzte Maiers Anwalt viele Ausdrücke und Erklärungen, von Deutsch auf Juristendeutsch. Etwa, dass die Registrierung ein "Vertragsangebot" darstellt.
Jetzt wird im Infoblatt jeder Schritt der Registrierung einzeln erklärt. „Damit sich niemand aus Versehen anmelden kann“, sagt Maier spöttelnd. Klingt unwahrscheinlich? Egal. Wer sich vor Abmahnungen oder anderem Übel schützen möchte, schreibt ein Infoblatt, hat Maier gelernt: "Der Verbraucher hat in Deutschland schon die besseren Karten, wenn man auf etwas nicht explizit hinweist."
Keine Spur von vorweihnachtlicher Besinnlichkeit bei Wikando. Trotz verschobenen Starts arbeitet das Team selten weniger als zehn Stunden täglich, Mirjam Maier und ihr Mitgründer Peter Kral auch mal länger.
Was so viel Zeit kostet? Fernsehen zum Beispiel. Für einen Beitrag über Existenzgründer dreht der Bayerische Rundfunk ein paar Szenen mit den Wikando-Machern. "Direkt in eine Kamera hineinzusprechen ist schon sehr aufregend", sagt Mirjam Maier. Aber eben auch aufwendig. Fast einen ganzen Tag dauerte der Dreh, gesendet würden vielleicht zwei oder drei Minuten, sagten die Reporter.
Die Wikando-Gründer Mirjam Maier und Peter Kral   Die Wikando-Gründer Mirjam Maier und Peter Kral
Entstanden sind die Aufnahmen bei einem Besuch von Maier bei der Diakonie Augsburg. Dort betreuen drei ehrenamtliche Helfer ausländische Flüchtlingskinder bei den Hausaufgaben, die Sechs- bis Zehnjährigen stammen aus Ländern wie Syrien, dem Iran und dem Irak. Für Schul- und Spielmaterial, gemeinsame Ausflüge und eine kleine Aufwandsentschädigung für die Helfer benötigt die Diakonie rund 5000 Euro pro Jahr.
Schon im Oktober waren Maier und Kral vor Ort. Jetzt, kurz vor dem Start von Wikando, wollen die Diakonie-Verantwortlichen wissen, wie viel Aufwand die Registrierung bedeutet. "Die müssen ja alle noch ihrer täglichen Arbeit nachkommen", sagt Maier, "deswegen ist es wichtig klarzumachen, dass es nicht fünf Stunden dauert, seine Daten bei uns einzugeben."
Zeitraubende AGB, überforderte Browser
Ein weiterer Zeitfresser sind Anwaltstermine, in diesen Tagen gießen die Wikando-Gründer ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen in eine endgültige Form. Allein dafür trafen sie sich in den vergangenen zehn Tagen viermal mit ihren Anwälten, jeweils für mehrere Stunden.
Und programmiert wird nebenbei auch noch. Konzeption und Grafik sind fertig. Aber beim Backend, den unsichtbaren Funktionen, hakt's noch. "Selbst bei der Teaser-Seite melden sich schon Leute und sagen, dass da was hängt", sagt Peter Kral.
Ob etwas hängt, liegt oft am verwendeten Browser. Wikando soll natürlich für alle Browser fit gemacht werden. Aber insbesondere einer mache immer Schwierigkeiten, sagt Kral: "Internet Explorer 6 ist der Bösewicht im Netz."
Den würde die Wikando-Seite schlicht überfordern, sagt Kral, die schließlich "State of the Art" programmiert werde. Auch wenn dabei manchmal der Programmierer mit Kral durchgeht. Bei solchen Dingen wie dem Kästchen, in dem die E-Mail-Adresse eingegeben wird. Ob das wirklich vibrieren muss, wenn eine ungültige Adresse eingegeben wird? "Manchmal muss man aufpassen, dass es nicht zu viel wird mit den Effekten“, sagt Kral, "das ist eine Gratwanderung."
In den vergangenen Wochen gab es viele Diskussionen im Wikando-Team. Sollte das Portal wie geplant am 1. Dezember online gehen? Nein, wir lassen uns noch etwas Zeit - lautete letztlich die Antwort. Zuviel müsse noch geregelt werden, meint Mirjam Maier: "Wir starten nicht um des Startens willen."
Das geht bei scheinbaren Kleinigkeiten wie der Bedienungsführung los: Soll ein User schon beispielsweise bereits bei der Registrierung Faxnummer und Bankverbindung angeben, oder reicht erstmal der Name? Zuviel Aufwand beim Anmelden, schreckt Neukunden im Internet erfahrungsgemäß ab.
Wikando-Gründerin Mirjam Maier   Wikando-Gründerin Mirjam Maier
Entscheidender sind aber andere Dinge. Das Thema Sicherheit gehört gleich in zweierlei Hinsicht dazu: zum einen geht es um den Schutz vor etwaigen Hacker-Angriffen. Zum anderen muss gewährleistet sein, dass Überweisungen korrekt und nachvollziehbar ablaufen. Ein weiterer Punkt ist die Skalierbarkeit: Ist sichergestellt, dass die Seite auch bei hohen Klickraten reibungslos läuft?
Das sollen jetzt externe Firmen klären. Eigentlich sei sich in beiden Punkten sicher, dass sie und ihr Team gut gearbeitet hätten, sagt Maier "Aber es ist immer besser, wenn noch jemand von außen mit drauf schaut." Wirkt ja auch gegenüber den Mitgliedern besser.
Frühester Starttermin ist Januar
Durch den enable2start-Sieg sei nun auch Geld genug da, um sich im IT-Bereich mit Netz und doppeltem Boden auszustatten. Kompetente Firmen dafür gab es in der Nachbarschaft - Wikando ist in einem Gründerzentrum untergebracht, das wiederum Teil eines Technologieparks mit rund 60 Firmen ist. Die meisten davon gehören zur IT-Branche.
Schlecht ist nur das Timing. Vor Weihnachten sind alle Firmen bis unters Dach mit Arbeit versorgt. Vor Januar wird es deshalb nichts mit dem Start von Wikando. Damit verpasst das Charity-Portal die Weihnachtszeit. Und Weihnachtszeit sei natürlich gleich Spendenzeit, sagt Mirjam Maier: "Deswegen hatten wir den Start natürlich für diese Zeit geplant."
Andererseits wolle man mit Wikando ja auch ein neues Bewusstsein fürs Spenden schaffen. Eines, das das ganze Jahr über funktioniere. Zudem hätten die Wochen nach dem Fest ja auch einen saisonalen Vorteil, sagt Maier und lacht: "Vielleicht machen wir eine Aktion, bei der man seine ungewollten Weihnachtsgeschenke spenden kann."
  • FTD.de, 04.03.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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