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  enable2start-Gründertagebücher FTD-Serie: Alles auf einen Klick: Allyve

Accounts abrufen kann nerven: Erst das Soziale Netzwerk anklicken, dann den Onlineshop, dann den E-Mail-Provider. Und immer wieder Passwörter eingeben. Von der Startseite Allyve aus ist alles mit einem Klick erreichbar.

Merken   Drucken   06.03.2009, 08:00 Schriftgröße: AAA

Gründertagebuch: Hübsch gemacht - die 1. Quartalsreportage von Allyve

06.03.2009 - Allyve: Feilen, bis alles perfekt ist. In den vergangenen Monaten haben die Allyve-Gründer sich vorrangig um Technik gekümmert. Jetzt startet der Vertrieb. von Claus Hornung
Der Anruf kam unerwartet. Mitte Februar meldete sich der Intranet-Verantwortliche eines großen Elektronikunternehmens. "Ich bin ein begeisterter Nutzer von Allyve", sagte er: "Können Sie so etwas auch für uns machen?"
Die Überlegung lag nahe. Denn Allyve will für Übersicht sorgen. Jeder Nutzer kann sich dort seine Lieblingsinternetseiten zusammenstellen. Inklusive von Accounts, zu denen es nur mit Passwort Zutritt gibt. In Kästen oder "Widgets" stehen aktuelle Informationen, so etwa beim E-Mail-Account: "Sie haben drei neue Nachrichten", beim sozialen Netzwerk: "Kai Müller hat Sie als Kontakt bestätigt", beim Shopping-Portal: "Ihre Ware wurde am 2. Februar versendet." Ein einziger Klick führt zum Account. Ohne weiteres Passwort.
Die Allyve-Gründer Julika Bleil und Philipp Spethmann   Die Allyve-Gründer Julika Bleil und Philipp Spethmann
Das müsste doch genauso gut für ein firmeninternes Netz funktionieren, meinte der Anrufer. Nur, dass dort die Kästen zur Reisekosten­abrechnung, zum Mitarbeitershop, zum Content-Management-System führen sollten. Eine kurze Rücksprache mit den Programmierern, dann hatten die Allyve-Gründer Julika Bleil und Phillip Spethmann die Antwort für den Anrufer: "Das können wir."
Sogar ohne zusätzliches Personal, sagt Spethmann: "Da tut sich ein tolles neues Geschäftsmodell auf." Jetzt verhandeln sie technische Eckdaten, reden über Logos und Design. Und natürlich, wie viel das Ganze kosten soll. Auch das ist toll und neu.
Bislang hatten die Gründer nicht oft die Gelegenheit, Preise zu verhandeln. Das war in diesem Jahr auch noch nicht vorgesehen. "Wir sind voll in unserem Zeitplan", sagt Bleil. Und der unterteile sich in drei Phasen: "Produkt, Marketing, Monetarisierung." Derzeit steht Allyve zwischen Phase zwei und drei.
Im vergangenen Jahr konzentrierten sich die Gründer vor allem auf die Technik. Klar, die Seite ist seit einem Jahr online. Aber ein Webportal, das das Leben vereinfachen will, soll nicht gut sein, sondern perfekt. Nur so kommen die Nutzer.
Eine der Zauberformeln dafür heißt A-B-Test: Nicht jeder User, der auf Allyve klickt, sieht das Gleiche. Mal stehen die Felder, in die registrierungswillige User ihre E-Mail-Adresse eintragen müssen, untereinander, mal nebeneinander. Mal steht der Kasten, der zur Registrierung führt, am Rand, mal in der Mitte.
So wollen die Gründer herausfinden, was bei den Nutzern am besten ankommt. Die kann man natürlich auch direkt nach Verbesserungsvorschlägen fragen. Etwa danach, welche Information sie in der Rubrik "Häufig gestellte Fragen" vermissen. 1165 Nutzer gaben Antwort. Ganz vorne auf der Liste stand der Wunsch: "Erklärt mal, was Allyve eigentlich heißt." Seit Januar können die User es nun nachlesen. Das Kürzel steht für "All you can have live."
Kosten, Einnahmen, Kapital- und Schuldenstand:
Die Quartalsbilanz November 2007 bis Januar 2008 von Allyve finden Sie unter www.ftd.de/Quartalsbilanz
Alles Kleinigkeiten? Keinesfalls, sagt Philipp Spethmann: "Wenn beim Registrierungsprozess nur noch drei Prozent der Nutzer aussteigen statt zehn, läppert sich das." Die Tests zeigen Erfolge. Aus 30 000 registrierten Allyve-Nutzern im Herbst wurden bis Februar 2009 mehr als 70 000.
Um die technischen Voraussetzungen dafür zu schaffen, hat Allyve im vergangenen Jahr seine Mitarbeiterzahl von fünf auf 14 erhöht. Die Stelle des Technischen Leiters, die derzeit ein freier Mitarbeiter ausfüllt, soll bald eine Vollzeitkraft besetzen.
Auf rund 70 Widgets können die User inzwischen zugreifen. Jede Woche erreichen Allyve um die 100 Vorschläge von Usern, die weitere Internetseiten in ihre Allyve-Übersicht einbauen möchten. Nicht alle seien so massenkompatibel, dass es lohne, sie anzubieten, sagt Spethmann: "Beim Fiesta.Club Rhein-Main wird es eher schwierig." Wichtig ist zum einen, dass sich genügend Nutzer für eine Seite interessieren, zum anderen, ob das Unternehmen dahinter ein interessanter Partner für Allyve ist.
Allyve soll der Schlüssel zu allen Internetzugängen sein   Allyve soll der Schlüssel zu allen Internetzugängen sein
Mit den Partnern will Allyve Geld verdienen. Betreiber von Internetseiten, sollen dafür bezahlen, dass Kunden über ein Allyve-Widget auf ihre Seite klicken. Mit einer Pauschalsumme oder durch eine Umsatzprovision. Das kostet Überzeugungs­arbeit, denn bei vielen klingeln erstmal die Alarmglocken, wenn Allyve anklopft: Vorsicht, Konkurrenz!
"Wir müssen erst erklären, dass durch uns zusätzliche Nutzer auf die Seite kommen", sagt Bleil. Ihr Argument: Wer umständlich auf viele Accounts zugreifen muss, nutzt sie nicht. Wer hingegen über Allyve schnellen Zugang hat, geht öfters auf seine Accounts, nutzt sie intensiver und bestellt häufiger Waren.
"Wir geben keine Inhalte von Seiten wieder, die den Besuch der Seite selbst überflüssig machen", sagt Bleil. Bislang konnte sie alle Gesprächspartner davon überzeugen. Ebay und Amazon sind schon dabei, aber noch liegen die so erzielten Umsätze von Allyve bei einigen tausend Euro.
Mit verbesserter Technik und steigenden Nutzerzahlen fühlen sich Bleil und Spethmann jetzt reif, weitere Partner anzusprechen. Lukrative Partner. Beispielsweise die Internetportale von großen Versandhändlern. Das Motto für die kommenden Monate formulieren die beiden im Sprachduktus der Beraterbranche, in der sie vor der Gründung arbeiteten: "We are ready to grow".
Julika Bleil (3.v.l.) und Philipp Spethmann (3.v.r.) mit ...   Julika Bleil (3.v.l.) und Philipp Spethmann (3.v.r.) mit Mitarbeiter vor dem Eingang zum Hamburger Allyve-büro
Dafür verschieben sich die Schwerpunkte. "Erfolgreiche Unternehmen haben mehr Leute im Marketing als in der Technik", sagt Spethmann. Allyve macht nun einen Schritt in diese Richtung. Seit Anfang März arbeitet ein ehemaliger Berater-Kollege freiberuflich als Marketing- und Vertriebsexperte für die Gründer. "Er macht sich gerade selbstständig und ist fasziniert von Allyve."
Noch haben die beiden Gründer ein dickes Finanzpolster. Von den 1,85 Mio. Euro, die Investor Dieter Ammer in das Startup steckte, sind noch 1,1 Mio. Euro übrig. Spätestens Ende des Jahres, da sind sie sicher, erreichen sie Phase drei. Dann wird Geld verdient. "Bis dahin sind wir durchfinanziert", sagen die Gründer.
So lange sind Angebote wie das des Elektronikkonzerns willkommen, aber nicht oberste Priorität. Und wenn weitere Nachfragen kämen? "Wir wollen nichts ausschließen", sagt Julika Bleil. Schließlich sei eine Gründung ja ein fortlaufender Prozess. "Aber unser Kernprodukt heißt Allyve."
Newsletter können kolossal nerven. Manchmal sind sie aber auch der Anfang einer Erfolgsgeschichte. Julika Bleil und Philipp Spethmann arbeiteten gerade an einer Intranet-Lösung für einen Elektronikkonzern, als ihre Assistentin von der Ausschreibung für den Innovationspreis IT erfuhr - per E-Mail.
"Für die Machbarkeitsstudie, die wir bei dem Konzern durchgeführt haben, mussten wir sehr ähnliche Sachen vorbereiten", sagt Julia Bleil. "Also haben wir uns gedacht, wir nehmen den Innovationspreis auch gleich mit und schauen mal, wie unsere Idee ankommt." Gesagt, getan. Zwei Tage lang feilten die Gründer an ihrer Bewerbung.
Die Allyve-Gründer Julika Bleil und Philipp Spethmann   Die Allyve-Gründer Julika Bleil und Philipp Spethmann
"Für jeden Themenbereich - was ist die Idee, warum ist das Produkt innovativ - durften wir nur eine begrenzte Anzahl von Worten verwenden. Das war gar nicht so leicht. Es ist einfacher, wenn man sich nicht so kurz fassen muss.", erinnert sich Bleil. Die Mühe hat sich gelohnt. Bereits nach zwei Wochen erfuhren die Gründer, dass sie nominiert wurden. "Mit uns zusammen sind noch zwei andere Unternehmen aus Hamburg eine Runde weiter", berichtet Philipp Spethmann. "Wir sind drei von 2000 Bewerbern." Für das junge Unternehmen ist bereits das ein großer Erfolg.
Bis die Gründer Anfang März auf der Cebit stehen und mit Spannung die Preisverleihung verfolgen werden, wird sich auch in Sachen Kooperationspartner wieder einiges getan haben. Das erste Shopping-Unternehmen hat der Zusammenarbeit mit Allyve zugestimmt und wird bald als Widget zur Verfügung stehen. Dann kann Allyve an jedem Kauf, der vom Portal aus gemacht wird, mitverdienen. Weitere Verträge stehen kurz vor dem Abschluss.
Und noch eine Neuigkeit vermeldet das Start-up: Es gibt jetzt eine Hausordnung. Gemeinsam mit ihrem Team haben die Gründer Adjektive gesammelt, um zu beschreiben, wofür Allyve stehen soll. Das Ergebnis steht auf einem großen Plakat, das im Hauptraum aufgehängt wurde. "So haben alle Mitarbeiter und Besucher immer vor Augen, was Allyve ausmacht und worauf sie sich verlassen können.", sagt Bleil. Und auf welche Adjektive hat sich das Team geeinigt? "Wir haben vier Leitwerte", erklären die Gründer. "Allyve ist innovativ und frisch, dynamisch und flexibel, aufgeräumt und klar, ehrlich und sicher."
Aufgeräumt und klar? Gilt das auch für die Schreibtische bei Allyve? "Das kann man schon so sagen", lacht Spethmann. "Bei uns ist es eigentlich immer ziemlich ordentlich."
Allyve vergrößert sich. Nein, noch ist der Posten des Technischen Leiters nicht neu besetzt. Dafür wird ein Marketing- und Vertriebsprofi das Team ab März ergänzen. Diese Stelle war nicht ausgeschrieben. Musste sie auch nicht sein, denn die Allyve-Gründer Julika Bleil und Philipp Spethmann kennen den Neuen schon länger.
Es ist ein Christian Evers, ein Kollege aus ihrer Zeit als Unternehmensberater. "Wir haben uns ein paar Mal getroffen und dabei von Allyve erzählt", sagt Spethmann, "und ihn hat die Idee fasziniert." Und weil der frühere Kollege sich ohnehin selbstständig machen wollte, wird er künftig freiberuflich Spethmann und Bleil unterstützen.
Wer passt zu uns? Die Allyve-Gründer Julika Bleil und Philipp ...   Wer passt zu uns? Die Allyve-Gründer Julika Bleil und Philipp Spethmann
Marketing und Vertrieb stehen ohnehin künftig ganz oben auf der Prioritätenliste von Allyve, nachdem sie die Gründer in den vergangenen Monaten vorrangig mit dem Feintuning der Technik beschäftigt haben.
Denn in den nächsten Monaten wollen Bleil und Spethmann ihr eigentliches Geschäftsmodell umsetzen. Und das heißt: Affiliate-Partner finden, sprich: Betreiber von Webseiten, die dafür bezahlen, dass über Allyve mehr Klicks auf ihren Seiten generiert werden oder ihre Nutzer mehr bestellen.
Interessant sind dafür insbesondere die Internetseiten großer Versandhäuser wie Quelle, Otto oder Neckermann. Aber auch große Zeitschriften und Zeitungen sollen als weitere Widget-Partner von Allyve hinzukommen. Wer in welcher Reihenfolge angesprochen wird, ist eine der Fragen, mit denen sich der neue Mann an Bord auseinandersetzen wird.
Klar ist, dass die Größe der Seiten wichtig ist, also die Zahl der Page Impressions, Userzahlen oder - soweit bekannt - Umsätze. Oder solche, die noch groß werden können. Twitter etwa hätten sich nur sehr wenige User gewünscht, sagt Bleil. Jetzt ist der Internet-Nachrichtendienst nicht nur bei Allyve ein Riesenthema. "Inzwischen haben wir dafür ein ganz gutes Gespür."
Gut ist, wenn man als Unternehmen mehr als ein Geschäftsmodell hat. Besser ist, wenn einem das zweite Geschäftsmodell von außen angetragen wird. Eben das ist jetzt den Allyve-Gründern passiert.
Vergangene Woche meldete sich der Webverantwortliche eines Elektronikkonzerns mit mehreren tausend Mitarbeitern. "Ich bin ein begeisterter Nutzer von Allyve", sagte er, und: "Genauso etwas bräuchten wir in unserer Firma."
Können auch Intranet-Lösungen anbieten: Julika Bleil und Philipp ...   Können auch Intranet-Lösungen anbieten: Julika Bleil und Philipp Spethmann
So wie Allyve als Startseite fürs Internet dafür sorgt, dass jeder User nur einmal seinen Rechner hochfahren muss und dann mit nur einem Klick auf seine sämtlichen Internet-Accounts zugreifen kann, solle das ganze auch im Intranet funktionieren, so der Wunsch.
Sprich: die Mitarbeiter sollen nach einmaligem einloggen auf alles zugreifen können, was man innerhalb eines Unternehmens so braucht. Reisekostenabrechnung, Mitarbeitershop, CMS-Systeme, CRM-Systeme und so weiter und so fort.
Technik steht, Preis wird verhandelt
Gerade bei erfolgreichen Unternehmen, die im Laufe der Firmengeschichte andere Unternehmen übernommen hätten, herrsche großer Bedarf, meinen Julika Bleil und Philipp Spethmann: "Da gibt es oft verschiedene Systeme, die nicht zusammen passen." Zudem fehle es in großen Konzernen meist an Kapazität, eine solche Lösung selbst zu entwickeln: "Die IT-Abteilungen sind da in der Regel gut gebucht."
Technisch gebe es praktisch keinen Unterschied zwischen Inter- und Intranet, sagen die Gründer. Der größte Aufwand sei, Farbe und Logos zu ändern. "Das schaffen wir in ungefähr einem Monat mit unserem vorhandenen Personal", sagt Spethmann. Vorausgesetzt natürlich, der Preis stimmt. Über dessen Höhe und die Art der Bezahlung - lieber eine größere Summe sofort oder kleinere quartals- oder jahresweise - wird jetzt verhandelt.
Ist das der Startschuss, andere Unternehmen gezielt auf Intranet-Lösungen anzusprechen? Spethmann und Bleil winken ab. "Das ist ein tolles zweites Geschäftsmodell, das sich dort auftut. Aber wir werden das vorerst nicht aktiv vorantreiben."
Was war das Positivste für Allyve im Januar?
Unser Jubiläum! Am 29. Januar 2009 sind wir seit genau einem Jahr online. Damals hieß es "Allyve alive!" und ein Jahr später können wir schreiben "Allyve and kickin'". Wir blicken persönlich wie beruflich auf ein ereignisreiches, erfolgreiches und glückliches Jahr zurück. Das haben wir mit dem ganzen Team bei ein paar Gläsern Sekt und einer aufgedrehten Stereoanlage mit allen Songs zum Thema "alive" gefeiert.
Was das Schlechteste?
Unser Werksstudent im Marketing, der uns seit einem halben Jahr zunächst als Praktikant, zuletzt als Werkstudent fantastisch unterstützt hat und dem Team und uns ans Herz gewachsen ist, geht ab Februar nach München. Aber glücklicherweise nur für zwei Monate. Danach ist er wieder "allyve", das hat er uns versprochen.
Julika Bleil (3.v.l.) und Philipp Spethmann (3.v.r.) mit ...   Julika Bleil (3.v.l.) und Philipp Spethmann (3.v.r.) mit Mitarbeitern vor dem Hamburger Allyve-Büro
Angel und Partner von Team Europe Ventures, als eine seiner Lieblingsseiten in der Internet-Zeitschrift Tomorrow genannt. Und noch ein freudige Überraschung: Für einen unserer Mitarbeiter steht dieses Jahr Vaterschaftsurlaub an.
Was war die größte Investition?
Bisher konnten wir Widgets, also neue Anwendungen für Allyve, immer nur hinzufügen, wenn wir eine neue Version von Allyve auf unsere Server gespielt haben, was etwa alle zwei Wochen passiert. Das soll sich nun ändern. Wir wollen Widgets jederzeit hinzunehmen können, so dass Allyve in Zukunft flexibler mit den Partnerunternehmen zusammenarbeiten kann. Dafür mussten wir einiges an unserem Softwarecode ändern.
Was ist die größte Aufgabe im kommenden Monat?
A-B-Tests, A-B-Tests, A-B-Tests... Wir werden beispielsweise die Registrierungsseite in zwei Versionen testen. Ein Teil unserer Nutzer bekommt dann Version A zu sehen, ein anderer Teil Version B. Dann untersuchen wir, ob Version A oder Version B erfolgreicher ist. Das sehen wir, indem wir wissen, bei welcher Version sich mehr Nutzer registriert haben.
Außerdem haben wir festgestellt, dass die "Über uns"-Seite von jedem vierten Nutzer, der sich bei uns registrieren möchte, aufgerufen wird. Zum Vergleich: Nur jeder Zwanzigste interessiert sich für unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen.
Daher möchten wir unseren Nutzer in Zukunft hier viel mehr Informationen zur Verfügung stellen als bisher. Diese Seite haben wir schon grob skizziert. Nun wird sie von unserem Webdesigner feingeschliffen. Dann werden wir seine Entwürfe umsetzen, also programmieren lassen.
Sind Sie mit ihren Geschäftszahlen zufrieden?
Ja, das Unternehmen wächst sehr gut aus sich selbst heraus, die Kosten waren 2008 geringer als im Plan veranschlagt und auch das Weihnachtsgeschäft hat uns etwas genützt.
Die Fragen beantworteten die Allyve-Geschäftsführer Julika Bleil und Philipp Spethmann
Zack, schon ist ein Jahr vorüber. An diesem Donnerstag hat das Allyve-Team den einjährigen Geburtstag des Portals gefeiert. Mit Sekt, Eis und selbstgemachten Bratäpfeln von Julika Bleil.
In dieser Zeit haben Bleil und ihr Mitgründer Philipp Spethmann ihr Team von fünf auf 14 Mitarbeiter aufgestockt, rund 70 Widgets - Anbieter von Webdiensten, auf die man über Allyve mit einem Klick zugreifen kann - in ihr Angebot aufgenommen und inzwischen 70.000 registrierte Nutzer gewonnen.
Nach einem Jahr ist es auch mal Zeit, die Möbel zu verrücken. Und genau das passiert gerade bei Allyve. Nicht aus reinem Veränderungsdrang, sondern weil die Programmierer klagten. Sie sitzen in einem Großraumbüro, das gleichzeitig der Eingangsbereich des Startups ist. Hier läuft jeder durch, der sich zwischen Treppenhaus, Küche oder den zwei weiteren Büros bewegt. Nicht gerade optimal für einen Job, bei dem man sich konzentrieren muss.
"Eigentlich war die Bitte, ob wir so etwas wie Stillarbeitszeiten einführen können", sagt Bleil, "aber dann hätten alle flüstern müssen, das funktioniert doch nicht."
Also ziehen die Programmierer in einen Raum, der bislang als Abstellfläche fungierte und die Marketing-Leute ("die sollen ohnehin alles mitbekommen, was in der Firma passiert") in den Durchgangsraum. Bleil und ihr Mitgründer Philipp Spethmann ziehen ins Marketingbüro, wo sie sich dann endlich nicht mehr einen Schreibtisch teilen müssen. Und das bisherige Büro der Chefs wird mit drei neuen Tischen zum lang benötigen Konferenzraum.
Die Investoren können mit entscheiden
Einen der neu verteilten Schreibtische wird ab Mitte Februar - so hoffen die Gründer - der neue technische Leiter besetzen, den Bleil und Spethmann einstellen wollen. Inzwischen haben sie drei Bewerbungsgespräche geführt.
Julika Bleil hält den Schlüssel für alle Websites in der Hand   Julika Bleil hält den Schlüssel für alle Websites in der Hand
Nächste Woche soll der erste der Kandidat auch den Rest des Teams in einem mehrstündigen Gespräch kennen lernen. Und einen der Investoren von Allyve. Die interessiert schließlich auch, wenn wichtige Posten vergeben werden.
Ab einer bestimmten Gehaltshöhe haben sie auch ein Mitspracherecht bei Personalien. Und wie hoch genau wäre das? Julika Bleil ist überfragt: "Das weiß ich gar nicht", sagt sie. Bislang hätten sich die Investoren noch nie in Personalentscheidungen hineingemischt. Ein ganzes Jahr lang nicht.
Welches Allyve soll es sein - Version A oder Version B? Ja, die gibt es. Aktuell etwa bei der Registrierungsseite. Die Unterschiede liegen in Details. Einmal etwa wird das TÜV-Logo für Datensicherheit und Transparenz angezeigt, ein andermal nicht. Einmal stehen die zwei Kästchen, in die man seine E-Mail eintippt, untereinander, ein andermal nebeneinander.
Die Nutzer von Allyve stimmen darüber ab, welche Seite ihnen besser gefällt. Aber das wissen sie nicht.
Die Allyve-Gründer Julika Bleil und Philipp Spethmann   Die Allyve-Gründer Julika Bleil und Philipp Spethmann
Wer welche Ansicht vom Allyve-Server aus zugeteilt bekommt, entscheidet der Zufall. "Wir sehen dann, wie viele der Nutzer sich registriert haben und versuchen daraus einen Rückschluss zu ziehen“, sagt Julika Bleil.
Für ein Web-Startup eine sehr wichtige Erkenntnis, sagt Philipp Spethmann. "Wenn etwa bei der Registrierung nur drei statt zehn Prozent der Nutzer abspringen, summiert sich das." Auch bei anderen Seiten starten die Allyve-Gründer jetzt regelmäßig A-B-Tests. Wie oft, wie lang? "Bis uns die Ideen für Verbesserungen ausgehen oder der Aufwand sich nicht mehr lohnt."
Natürlich könne man auch - wie die enable2start-Gewinner Wikando - Probanden die Registrierung durchspielen lassen, sagt Philipp Spethmann: "Aber das ist mehr etwas für die Anfangsphase. Wir werten 1000 oder 2000 User aus, das ist statistisch relevanter."
Drei Bewerber für Leitungsposten
Währenddessen zeigen die Ausschreibungen für einen neuen technischen Leiter Erfolg. Rund 20 Kandidaten hatten sich beworben. Ein gutes Drittel davon suchte einen Job als Freiberufler und fiel damit durchs Raster.
Letztlich luden Bleil und Spethmann drei Kandidaten zum Vorstellungsgespräch ein, zwei haben sie bereits gesehen. Vor der endgültigen Entscheidung sollen die Bewerber jedoch noch einmal die Mitarbeiter treffen. Schließlich gehe es um einen wichtigen Posten, sagt Julika Bleil: "Aber das ist kein Assessmentcenter, sondern mehr ein Gespräch, bei dem man Kaffee trinkt."
Warum sich ein hochqualifizierter Kandidat bei einem Startup bewerben sollte, ist für Bleil und Spethmann klar: "Man kann die technische Umsetzung mitgestalten. Es gibt keine Grabenkämpfe wie in großen Firmen und man muss nicht für alles einen Projektantrag stellen."
Das sei für viele entscheidender als Gehalt. Und auch bei dem haben die Allyve-Gründer eine Philosophie: Der leistungsbezogene Anteil des technischen Leiters soll höher liegen als das Grundgehalt: "Er soll ja an das Unternehmen glauben."
Warum heißt Allyve eigentlich Allyve? Und wie spricht man das aus? Wer die Antwort darauf noch nicht hier gelesen hat, kann das jetzt auf der Allyve-Seite nachholen. Denn die Allyve-Macher Julika Bleil und Philipp Spethmann haben ihre FAQs, neudeutsch für: häufig gestellte Fragen, erweitert. Ein halbes Jahr lang konnten die Allyve-User Vorschläge einreichen. 1165 machten mit.
Philipp Spethmann mit dem Allyve-Schriftzug. Aber was bedeutet das ...   Philipp Spethmann mit dem Allyve-Schriftzug. Aber was bedeutet das eigentlich?
Noch eine Frage: An welchen Zahlen kann man sehen, ob ein Web-2.0-Unternehmen erfolgreich ist? Eine Antwort lautet: An der Zahl der registrierten Nutzer. Die ist bei Allyve von rund 30.000 zu Anfang zu Beginn der enable2start-Berichterstattung auf inzwischen rund 70.000 Nutzer gestiegen. "Das ist eine sehr gute Zahl", sagt Bleil.Was darüber hinaus noch als Erfolg im Web gelten könnte interessiert auch einen Hamburger namens Markus Peter. Der schreibt darum jetzt ein darüber eine Studienarbeit - im Büro von Allyve.
Gesucht: Technischer Leiter
Peters ist nicht das einzige neue Gesicht. Ein Praktikant hat gerade seine Arbeit bei Allyve begonnen. Der Student der FH Wedel, der sich nach einem Vortrag von Philipp Spethmann bei dem Startup bewarb, soll sich um die Systemadministration kümmern. Vorrangig darum, dass man künftig bei Allyve mit der Software Wordpress gleichzeitig den Allyve-Blog und Pressemitteilungen schreiben kann.
Nur ein technischer Leiter fehlt noch. Der derzeitige Posteninhaber ist ein freier Mitarbeiter, der nur halbtags bei Allyve arbeiten kann. Die Allyve-Gründer aber brauchen inzwischen eine Vollzeitkraft. Zu 90 Prozent der Zeit verbringe der technische Leiter inzwischen nicht mehr mit technischen, sondern mit Führungsaufgaben, die man nicht so einfach delegieren könne, sagen Bleil und Spethmann: "Das ist die Schnittstelle zwischen uns und dem Team."
Auf Projektwerk ist die Stelle inzwischen ausgeschrieben. Gratis - die Internet-Jobbörse ist ein "Widget-Partner", sprich: ein Unternehmen, dessen Seite man über Allyve verwalten kann. Darüber hinaus haben Spethmann und Bleil das Stellenangebot in ihre Xing-Accounts hineingeschrieben.
Ja, einen Stellenmarktplatz bei Xing gebe es auch, aber der sei kostenpflichtig, sagt Bleil."Nur die ersten zehn Klicks sind kostenlos" Aber ist denn Xing nicht auch ein Widget-Partner? "Stimmt eigentlich ", sagt Spethmann, "darüber hatten wir noch gar nicht nachgedacht."
Was war im die schönste Entwicklung im Dezember?
Das neue Design. Das ist viel übersichtlicher und noch einfacher für die Benutzer. Sowohl beim Anklicken als auch beim Ausfüllen der verschiedenen Widgets beziehungsweise Kästen. Es gibt nicht mehr viele verschiedene Möglichkeiten, sondern nur noch einen ganz klaren Weg. Der Nutzer kann nicht mehr in Sackgassen gelangen oder sich verlaufen.
Gab es auch überraschende Erfahrungen?
Julika war zwei Tage lang krank, danach hatte der Arzt hatte schon gesagt, es sei alles gut. Dann kam der Rückfall. Ein Grippevirus. Ich bin dann doch länger ausgefallen als gedacht. Das war die eigentliche Überraschung. Ein paar Tage sind kein Problem. Aber es läuft nicht alles so wie es laufen müsste.
Die Allyve-Gründer Julika Bleil und Philipp Spethmann   Die Allyve-Gründer Julika Bleil und Philipp Spethmann
Was war die größte Investition?
Ebenfalls das neue Design. Daran hat das ganze Team gearbeitet.
Was ist die größte Aufgabe im kommenden Monat?
Wir brauchen einen Prozess, damit wir Partnerunternehmen standardisierter aufnehmen können.
Bislang bekommen die jedes Mal eine individuelle Antwort, das erfordert sehr viel Zeit. Dabei ist der Vorgang jedesmal ähnlich. Wir bräuchten eine Art Handout mit Anforderungen, aber es ist gar nicht so ohne, das allgemein gültig zu formulieren.
Wie sieht Allyve im Vergleich zu vor einem Jahr aus? Es ist nach wie vor ein großartiges Gefühl. Man freut sich immer noch jeden Tag, dass man in sein eigenes Büro geht, mit seinem Team spricht und die eigenen Ideen verwirklicht. Und wir liegen nach wie vor sehr gut im Businessplan. Die Kosten sind deutlich geringer ausgefallen als ursprünglich geplant. Wir können das Jahr sehr gütlich abschließen.
Es war das zweite Mal, das wir Weihnachten in diesem Büro gefeiert haben. Das ist ein schönes Gefühl. Aber vergangenes Jahr war es noch deutlich stressiger. Da haben wir Weihnachten durchgearbeitet. Dieses Jahr lief alles etablierter, kontrollierter. Es war geregelt, wer wann was macht. Vergangenes Jahr hatten noch alle nur das eine Riesenziel vor Augen: Wir müssen den Prototypen hinbekommen.
Die Fragen beantworteten die Allyve-Gründer Julika Bleil und Philipp Spethmann
In den letzten Tagen des Jahres erledigt man ja gern Dinge, die man vorher monatelang aufgeschoben hat, beispielsweise Bausparprämien sichern. Oder schnell noch die Steuererklärung abgeben. Oder ein internationales Patent anmelden - so wie Julika Bleil und Philipp Spethmann.
Am Freitag, dem 19. Dezember beantragten sie über ihren Anwalt drei Patente, die Allyve weltweit schützen sollen - zehn Tage vor Auslaufen der Frist am 29. Dezember.
Die Allyve-Gründer Julika Bleil und Philipp Spethmann   Die Allyve-Gründer Julika Bleil und Philipp Spethmann
Für Deutschland hat Allyve bereits zwei Verfahrenspatente angemeldet. Eines für die Art und Weise, in der die persönlichen Daten der Nutzer auf der Allyve-Seite zusammengestellt werden. Das zweite Patent für den "Deep link", also den Teil der Allyve-Software, der dafür sorgt, dass der User auf eine passwortgeschützte Seite weiterverlinkt wird. Angemeldet bedeutet: Das Deutsche Patent- und Markenamt recherchiert, ob das Patent bereits angemeldet wurde. Bis der Recherchebericht vorliegt, ist Allyve jedoch vor Anmeldungen von Nachahmern geschützt.
Das war am 29. Dezember 2007. Seitdem läuft die Uhr. Ein Jahr nach der Erstanmeldung müssen Patente-Inhaber den Schutz fürs Ausland beantragen.
Europa? USA? Weltweit? "Grundsätzlich macht es natürlich nur Sinn, sich in Ländern anzumelden, in denen man auch aktiv werden möchte", sagt Philipp Spethmann. Aber auch andere Erwägungen spielen eine Rolle: "Selbst wenn wir nicht in die USA gehen würden, könnten wir Lizenzgebühren verlangen, wenn dort jemand das Gleiche machen will wie wir." Europa und die USA hätten inklusive Anwaltshonorar jeweils 3000 Euro gekostet, nach sechs Monaten gibt es den Recherchebericht. Rund 4500 Euro kostet die Anmeldung beim Patent Cooperation Treaty (PCT), die für rund 140 Staaten gilt. Dort kommt der Recherchebericht nach 18 Monaten. Und noch eine Frage kam hinzu, sagt Julika Bleil: "Wir waren uns nicht sicher, ob wir noch ein Patent hinzunehmen." Eines, dass die Art und Weise beschreibt, wie die Daten verschlüsselt werden. Denn mehr Schutz bringt nicht nur Vorteile, sagt Bleil: "Wenn es patentiert ist, kann auch jeder nachlesen, wie wir das machen." Patentschutz geht vor, entschieden Bleil und Spethmann schließlich. Jetzt haben sie drei Patente angemeldet und zwar beim PCT. Spätestens bis zum 19. Mai 2010 müssen sie sich überlegen, wie sie danach weiter vorgehen. Aber mit der Frage kann man sich ja noch einmal am 9. Mai 2010 beschäftigen.
An das vergangene Weihnachtsfest können sich Julika Bleil und Philipp Spethmann noch gut erinnern. Nur einen Monat später, am 29. Januar sollte Allyve online gehen. "Ein Monat klingt nach viel, aber es sollte ja wirklich alles stimmen", sagt Spethmann. Die Konsequenz: Weihnachten light.
Nur an den zwei Weihnachtsfeiertagen selbst arbeitete niemand im Hamburger Allyve-Büro. "Und zu Hause saßen wir die ganze Zeit vor dem aufgeklappten Laptop."
Wieder im Einsatz: Julika Bleil mit einem Allyve-Mitarbeiter   Wieder im Einsatz: Julika Bleil mit einem Allyve-Mitarbeiter
Dieses Jahr ist es anders. Organisierter. Es gibt einen Plan, wer wann regulär arbeitet. Dazu kommt ein Bereitschaftsdienst, falls es technische Probleme gibt. Mitarbeiter, die dafür eingeteilt sind, schauen sicherheitshalber auch ein- bis zweimal am Tag auf die Seite. Ohnehin läuft dauerhaft auf dem Allyve-Server eine Testsoftware, die regelmäßig die Funktionen überprüft und notfalls eine Fehler-E-Mail abschickt.
Weihnachtslieder in Dauerschleife
Zwischen den Jahren werden Spethmann und Bleil jedoch auch wieder im Büro sein, sagt Bleil: "Aber auf Sparflamme." Sie wird aufarbeiten, was während ihrer Krankheit liegen geblieben ist. Sie wird weiter planen, welche Veränderungen am Allyve-Design es geben soll. Zur Diskussion steht unter anderem das TÜV-Logo. Das steht zwar für die Datensicherheit von Allyve, könnte aber vielleicht auch eine negative Wirkung ausstrahlen, sagt Spethmann: "Vielleicht fragt sich der User: Ist das denn gefährlich?"
Ach ja, eine Weihnachtsfeier gibt es diese Jahr auch. Mit Julclub. Dessen Abgrenzung zum Wichteln ergibt sich nach Meinung von Bleil und Spethmann daraus, dass der Schenkende weiß, wen er beschenkt. Auch was geschenkt wird, ist vorgeben: Es muss etwas mit "alive" zu tun haben - so ist schließlich die korrekte Aussprache des Firmennamens. "Da kommen bestimmt lauter CDs", sagt Spethmann lachend. "Born to be alive" und "Alive and kickin’" könnten ganz vorn mit dabei sein, tippt er.
Und die weihnachtliche Musik kommt durchs Fenster. Direkt vor den Allyve-Büros befindet sich ein Weihnachtsmarkt. "Eigentlich ist das schön. Da kommt man schon viel früher in weihnachtliche Stimmung", sagt Bleil. Und uneigentlich? "Na ja, die haben nur zwei Weihnachtssongs und die spielen sie in einer Endlosschleife", sagt Spethmann, "das kann schon ganz schön nerven."
Es klang so gut: Management vom Sofa. So nannte Julika Bleil vergangene Woche scherzhaft die Zeit, die sie leicht erkältet von zuhause aus arbeitete. Zwei Tage später wurde aus dem Sofa ein Bett, aus der leichten Erkältung eine schwere und mit dem Management war es erstmal vorbei.
"Ein typischer Rückschlag", sagt Bleils Mitgründer Philipp Spethmann, "sie ist einfach zu früh wieder ins Büro gegangen." Also doppelte Arbeit für ihn? "Nein" ,sagt Spethmann, "wir haben die Aufgaben sehr gut aufgeteilt. Aber in ihrem Bereich blieb natürlich alles liegen."
Die Allyve-Gründer Julika Bleil und Philip Spethmann   Die Allyve-Gründer Julika Bleil und Philip Spethmann
"Wenn man es in den Fingern spürt, sollte man gründen"
Dazu gehört derzeit vor allem das Re-Design der Allyve-Seite. Konkret heißt das im Augenblick: Zitate von Usern werden grafisch aufbereitet und auf die Seite gestellt. So, wie Verlage gern positive Kritiken ihrer Bücher auf deren Umschläge drucken.
Natürlich stammen alle Zitate von begeisterten Usern. Aber es gebe ohnehin nur positive oder zumindest konstruktive Kommentare, sagt Spethmann. Klar, habe es schon Kritik gegeben, etwa in Internetblogs und -foren. "Aber wenn jemand etwas Negatives schreibt, schreibt er es nicht auf unserer Seite."
Spethmann leistete vergangene Woche seinen Beitrag dazu, dass das so bleibt. An der Fachhochschule von Wedel bei Hamburg hielt er einen Vortrag zum Thema "Aus dem Leben eines Startups", schwärmte dabei von Allyve, und vom Gründen überhaupt.
"Ich habe allen grundsätzlich zur Gründung geraten", sagt Spethmann, "nicht jeder ist ein geborener Gründer. Aber wenn man es in den Fingern spürt, sollte man es unbedingt machen. Viele sagen, dazu gehört soviel Mut und es ist so risikoreich, aber das ist Quatsch."
Schließlich gebe es Investoren. Und ohne die hätten er und Bleil auch nicht gegründet, sagt Spethmann. Aber auch wer keinen Geldgeber fände, profitiere. "Allein dadurch, dass man sich mit Investoren auseinandersetzt, durchläuft man einen Reifungsprozess." Offenbar überzeugte Spethmann damit seine Zuhörer - unmittelbar nach dem Vortrag bewarb sich ein Zuhörer um ein Praktikum bei Allyve.
Mit Allyve ging es in der vergangenen Woche nach oben. Im buchstäblichen Sinne: Das gesamte Team ging zum Free Climbing. Als "vertrauensbildende Maßnahme", wie Julika Bleil sagt. Ganz "free" war das Klettern natürlich nicht, sondern an einer Übungswand - schließlich kletterten einige zum ersten Mal. "Ein Mitarbeiter sagte vorher, er habe Höhenangst", sagt Bleil, "aber am Ende sind alle hochgegangen."
Die Allyve-Gründer Philipp Spethmann und Julika Bleil   Die Allyve-Gründer Philipp Spethmann und Julika Bleil
Hoch ging es auch im übertragenen Sinne. Erst wurde Allyve als eines von fünf Unternehmen beim Deutschen Unternehmerpreis nominiert. Für den Sieg reichte es nicht, aber das sei halb so wild, erzählt Bleils Mitgründer Philipp Spethmann gut gelaunt: "Dafür waren die Reaktionen von Jury und Publikum überschwänglich."
Zudem lud eine Venture-Capital-Firma Allyve während der Veranstaltung zum "Investorenfrühstück" mit Kaffee und Rührei ein. Und seit kurzem ist Allyve als "Start-up des Jahres 2008", ins Leben gerufen vom Online-Gründermagazin deutsche-startups.
Management vom Sofa aus
Bei soviel positivem Feedback lässt sich ein gesundheitlicher Rückschlag mal leichter ertragen. Fast eine Woche lang blieb Julika Bleil wegen einer Erkältung zuhause. "Das war Management vom Sofa", sagt Bleil. Und das funktionierte fast besser als im Büro. Denn auf dem Sofa gibt es keine zeitraubenden Besprechungen. "Das Team fand toll, wie schnell Antworten auf Fragen kamen."
Und Fragen gab es in den vergangenen Tagen viele. Beispielsweise ist die Registrierung auf Allyve leichter geworden. In jeder Kategorie, aus der sich die User ihre Accounts herauspicken können, werden auf den ersten Blick nur noch die sieben meistgewählten sichtbar. Und das in Form eines "Layers", der sich auf der Allyve-Homepage aufmacht, statt einen neuen Katalog zu öffnen.
Scheinbar kleine Schritte, aber sehr aufwendig zu programmieren, sagt Philipp Spethmann. Und sehr effektive. Die Allyve-Macher haben festgestellt, dass bei einer leichteren Bedienführung die Rate derjenigen, die sich beim angeklickten Portal neu anmelden um 75 Prozent steigt.
Außerdem hat Allyve seine Kooperation mit Xing vertieft. Wer sich auf dem Weg über Allyve bei dem Sozialen Netzwerk registriert, erhält eine einmonatige Premiummitgliedschaft. Wenn das tatsächlich mehr Anmeldungen brächte, belege das, dass die Geschäftsidee von Allyve funktioniere, sagt Julika Bleil, denn die laute ja, dass jeder Nutzer unkompliziert Mitglied in mehreren Accounts sein könne."Und das ist ein erster Testballon".
  • FTD.de, 06.03.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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