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  enable2start-Gründertagebücher FTD-Serie: Alles auf einen Klick: Allyve

Accounts abrufen kann nerven: Erst das Soziale Netzwerk anklicken, dann den Onlineshop, dann den E-Mail-Provider. Und immer wieder Passwörter eingeben. Von der Startseite Allyve aus ist alles mit einem Klick erreichbar.

Merken   Drucken   29.05.2009, 10:54 Schriftgröße: AAA

Gründertagebuch: Mehr geht nicht - die 2. Allyve-Quartalsreportage

05.06.2009 - Allyve: Vieles ist im vergangenen Jahr bei Allyve hinzu gekommen: Mehr Partner, mehr User, mehr Werbung. Heißt für Allyve auch: Mehr Arbeit. Aber dafür gibt's ja Chefs. von Claus Hornung
So viel Sonne ist selten in Hamburg. Es ist Mitte Mai. Seit Wochen herrscht fast durchgängig warmes Wetter. Und Julika Bleil? Ist blasser als im Winter. Auch die
Augenringe waren schon mal kleiner. Kein Wunder, wenn man morgens um acht Uhr bereits im Büro sitzt, manchmal sieben Tage die Woche, und selten vor zehn Uhr abends nach Hause geht, manchmal auch erst um Mitternacht. Das eigentlich Verwunderliche aber ist ihre Antwort auf die Frage, wie es ihr geht: "Super", sagt Bleil und strahlt dabei: "Ich mache doch genau das, woran ich Spaß habe."
Man müsste sich vierteilen können: Allyve-Gründerin Julika Bleil   Man müsste sich vierteilen können: Allyve-Gründerin Julika Bleil
Ein wenig ist es wieder wie in den ersten Tagen, als sie und ihr Gründungspartner Philipp Spethmann Allyve gründeten. Eine Startseite, auf der die User in Widgets genannten Kästen einen Überblick ihrer meistbesuchten Internetseiten anlegen können. Mail-Accounts, soziale Netzwerke, Shoppingportale. Mit einem Klick geht es von hier aus weiter. Ohne dass man dafür noch mal ein Passwort angeben muss.
Anderthalb Jahre ist das nun her. Inzwischen sind Bleil und Spethmann die Chefs von zwölf Angestellten. Sie haben ein Büro in der Hamburger Innenstadt. Sie haben lange daran gearbeitet, die Technik ihrer Website zu perfektionieren. Sie haben die Anordnung ihrer Logos auf der Seite verändert, Bilder ausgetauscht und Testläufe durchgeführt, um herauszufinden, ob die User lieber Registrierungsfelder mögen, die übereinander angeordnet sind oder untereinander. Jetzt tritt ein neues Element in ihr Gründerleben: Kunden.
Kosten, Einnahmen, Kapital- und Schuldenstand:
Hier steht die Allyve-Quartalsbilanz von Februar bis April 2009: www.ftd.de/Quartalsbilanz
Widget-Partner, von denen hatten sie schon vorher eine Menge. Auf rund 70 Webseiten konnten Allyve-Nutzer bereits Anfang dieses Jahres mit einem Klick zugreifen. Für die technische Umsetzung kassiert Allyve um die 1000 Euro pro Partner. Aber das ist eher eine Aufwandsentschädigung. Damit verdient man noch nichts.
Geld soll anders hereinkommen: durch Provisionen von Partnerseiten, auf denen die Allyve-Kunden einkaufen, am besten große Shoppingportale. "Wir sind sozusagen der Mann, der am Eingang vom Kaufhaus steht und ruft: Kommen Sie alle rein", sagt Philipp Spethmann. Und genau das geht jetzt los.
Die Allyve-Gründer Julika Bleil und Philipp Spethmann   Die Allyve-Gründer Julika Bleil und Philipp Spethmann
Anfang März startete Christian Evers als Vertriebsmitarbeiter bei Allyve. Seitdem ist die Zahl der Widget-Partner steil nach oben geschnellt, 30 sind allein zwischen März und Mai dazugekommen. Neckermann ist dabei, Quelle und der Sportwettenanbieter Bwin.
Diese Partner zahlen nicht nur die Gebühr für die technische Einbindung, sondern geben dem Mann an ihrer Eingangstür etwas an die Hand, um die Kunden besser anzulocken: Einkaufsgutscheine, Rabattaktionen oder auch eine Strandtasche allein für das Einrichten des Widgets.
Viele Portale melden sich auch von selbst bei Allyve und wollen Widget-Partner werden. Jetzt müssen die Gründer sortieren: Wer ist wichtiger? Wen schalten wir als Erstes frei? Manchmal stellt sich sogar die Frage, ob eine Seite überhaupt eingebunden werden soll. Wie bei einem sozialen Netzwerk mit rund 500.000 Nutzern. Das fällt für Spethmann und Bleil in die Kategorie: "Interessant, aber nicht soooo relevant."
Wochenlang zogen sich die Verhandlungen mit den Betreibern. "Die haben ein Riesentheater gemacht", sagt Julika Bleil. Ständig kamen neue Änderungswünsche für den Widget-Kasten. Und neue Fragen: Warum braucht man den einen Vertrag? Warum muss denn geregelt werden, dass keine Seite von der anderen Schadensersatz verlangen kann, wenn ein Server abstürzt? Kann man das nicht einfach so regeln? "Dann eben nicht", sagten Spethmann und Bleil: "So etwas kostet uns zu viel Zeit."
Zeit, die sie nicht haben. Schließlich sind da nicht nur die Verträge mit neuen Partnern. Auch die Nutzerzahlen müssen weiter steigen. Darum gehen Bleil und Spethmann jetzt auch ins Fernsehen. Im April sponserte Allyve ein Gewinnspiel auf RTL 2, bei dem zehn Laptops verlost wurden.
Knapp 10.000 Euro investierten sie für Sendezeit und Laptops. Der Einsatz zahlte sich aus. Nach jeder Ausstrahlung stiegen die Zugriffe auf die Allyve-Seite rapide an. Mehrere Tausend Menschen registrierten sich und schraubten die Gesamtzahl der Allyve-Nutzer auf bald 100.000 hoch.
Die Allyve-Startseite. Von hier aus kommen User ohne Passwörter zu ...   Die Allyve-Startseite. Von hier aus kommen User ohne Passwörter zu ihren persönlichen Accounts
Ein umso größerer Erfolg, weil den gesamten Ausstrahlungstag über die Sonne schien, sagt Bleil: "Da setzt sich ja kaum jemand vor den Fernseher." Seit Mai wurde aus dem Experiment darum eine Serie: Zweimal wöchentlich sponsert Allyve eine Sendung auf Pro Sieben.
Viele Zugriffe bedeuten für eine Internetseite aber auch Absturzgefahr. Darum müssen die Allyve-Programmierer tricksen, zusätzlichen Speicherplatz schaffen oder Testseiten für User abschalten. Nachdem der dafür zuständige freiberufliche technische Leiter wegen anderer Aufgaben abgesprungen ist, übernehmen Bleil und Spethmann diese Aufgabe.
Kaum Zeit zum Luftholen
Ganz nebenbei kümmern sie sich darum, dass die Intranetlösung, die ein großes Elektronikunternehmen bei Allyve bestellt hat, fertig wird. Oder sie kümmern sich um die Leute vom TÜV, die neulich auf der Matte standen, weil doch das Jahreszertifikat für "Qualität, Sicherheit und Transparenz" erneuert werden musste.
Fast fünf Stunden löcherten sie die Gründer mit Fragen: Was tun Sie, um die Kundenwünsche zu befriedigen? Wo können Kunden ihre Wünsche und Kritik äußern? Wie ist der Sicherheitscode programmiert, der die Passwörter der User verschlüsselt?
Viel Zeit bleibt da nicht übrig. Den wöchentlichen Kletterkursus hat Bleil schon lange abgehakt. Manchmal geht sie zum Abendessen nach Hause, um zwischendurch ihren Partner zu sehen. Dann verabschiedet sie sich wieder ins Büro. "Mehr passt in den Tag nicht rein", sagt Bleil. Sie weiß: Irgendwann müssen sie Stopp sagen. Irgendwann, aber doch nicht jetzt. Dafür macht es einfach noch zu viel Spaß.
Mietvertrag für eine Wohnung, Mietvertrag für einen Gewerberaum. Wo ist da schon der Unterschied? Philipp Spethmann kann das jetzt beurteilen. Der Unterschied beträgt viele viele Seiten Papier.
Der Vertrag über neue Büroräume für Allyve steht kurz vor der Unterschrift. Vorher muss sich Spethmann aber noch mit Dingen auseinandersetzen, wie dem 15-seitigen Anhang "Richtlinie zur Berechnung der Mietfläche im gewerblichen Raum."
Papierkrieg vor dem Umzug: Die Allyve-Geschäftsführer Julika ...   Papierkrieg vor dem Umzug: Die Allyve-Geschäftsführer Julika Bleil und Philipp Spethmann
Fein säuberlich ist da aufgelistet, wie sich die technische Funktionsfläche - auch TF genannt - von den Verkehrsflächen unterscheidet, von den Konstruktions- und Grundflächen oder der gemeinschaftliche genutzten Mietfläche und wie man sie berechnet und darstellt. Aber auch wie viel Prozent welcher Mieter beispielsweise an einer möglichen Sanierung des Treppenhauses zu tragen hat, sind aufgeführt.
Erfahrungen mit dem Mietvertrag für die jetzigen Räume haben auch keine wirklichen Erfahrungswerte geliefert. "Der alte Vertrag war kürzer und übersichtlicher", sagt Spethmann.
Letztlich geht es natürlich bei all dem ums Geld. Darum arbeitet auch ein Jurist aus dem Team des Allyve-Investors Dieter Ammer den ganzen Vertrag noch mal durch. Trotzdem sieht sich Spethmann als Geschäftsführer verpflichtet, das Ganze auch selbst gelesen zu haben. "Ich möchte ja schon ungefähr wissen, was ich unterschreibe", sagt er und lacht: "Aber ich setze mich jetzt keine drei Tage damit auseinander."
Wochenlanger Lärm, weil das Nachbargebäude abgerissen wird - kann man mit leben. Dass dabei ein Presslufthammer tiefer als geplant zustößt und ein Loch ins Treppenhaus hämmert - kann man sogar drüber lachen. Wenn alle Stockwerke um einen herum saniert werden, inklusive Teppich herausreißen, Wände neu hochziehen und Heizkörper austauschen - kann man nichts machen. Wenn das gleiche nun in den eigenen Büroräumen durchgeführt werden soll - kann man nur eines machen: Ausziehen!
Schicke Küche, oder? Die Allyve-Gründer Julika Bleil und Philipp ...   Schicke Küche, oder? Die Allyve-Gründer Julika Bleil und Philipp Spethmann suchen neue Räume
Aber das ist nicht der einzige Grund dafür, warum Allyve-Gründer Philipp Spethmann seit Tagen mit Maklern telefoniert, Grundrisse wälzt und Räume besichtigt. "Wir brauchen einfach fünf Räume", sagt Spethmann. Derzeit besitzt Allyve vier Räume. Aber keinen, der ausschließlich für Besprechungen genutzt werden kann. Ach ja, wenn man schon dabei ist: Eine größere Küche wäre auch ganz nett, sagt Spethmann. Eine, in der man sich auch mal ein paar Minuten zum Kollegenplausch hinsetzen könne: "Unsere Mitarbeiter arbeiten wirklich viel, da muss man sich im Büro auch wohlfühlen."
Zehn Vorschläge haben die Makler schon unterbreitet, fünf haben Spethmann und seine Gründerkollegin Julika Bleil besichtigt. Drei Objekte haben es in die engere Auswahl geschafft. Welches es wird, hängt - natürlich - nicht zuletzt vom Preis ab. Die Bandbreite der Angebote ist groß: Zwischen 12 und 21 Euro liegen die Quadratmeterpreise der Angebote, die die beiden gesehen haben.
Aber da geht noch was - das hat Spethmann inzwischen gelernt. Denn als er einen der Makler versuchte, herunterzuhandeln, ging der nach langem Hin und Her um 50 Cent pro Quadratmeter herunter. "Das war für uns immer noch zuviel." Spethmann sagte ab. Am nächsten Tag rief der Makler wieder an. "Diesmal ging er gleich zwei Euro herunter", sagt Spethmann, "das ist ein interessantes Geschäftsfeld."
Der Hinweis ist nicht zu übersehen. Mitten im Allyve-Büro vor der Wand, an die Julika Bleil und Philipp Spethmann alle Zeitungsartikel über Allyve hängen, steht eine Flipchart-Tafel mit der handschriftlichen Notiz: "Heute 19 Uhr: Allyve auf Pro Sieben".
Nachdem ein erster Test für Allyve-Werbung zu Ostern zufriedenstellend verlief, laufen jetzt zwei- bis viermal im Monat Gewinnspiele im Fernsehen, die von Allyve gesponsert werden. Allerdings nicht mehr, wie beim Testlauf, auf RTL2, sondern beim quotenstärkeren Sender Pro Sieben. Dort brachte eine einzige Ausstrahlung den gleichen Zulauf wie die 25 über einen Tag verteilten Ausstrahlungen bei RTL2.
Trotzdem habe der Allyve-Server problemlos standgehalten, sagt Bleil: "Das hat man nicht einmal gemerkt." Dafür hatten Bleil und Spethmann schon im Vorfeld technisch aufgerüstet. Für die Zeit der Ausstrahlungen mieten sie stundenweise Serverkapazitäten bei Amazon.
Wie sind die Quoten? Die Allyve-Gründer Julika Bleil und Philipp ...   Wie sind die Quoten? Die Allyve-Gründer Julika Bleil und Philipp Spethmann
Darüber hinaus haben die Allyve-Entwickler die Speicherkapazität ausgeweitet und Datenmengen verkleinert. Deren Arbeit wird jetzt übrigens auch von Bleil und Spethmann koordiniert. Der freiberufliche technische Leiter, der bislang zwei bis drei Tage die Woche arbeitete, hat aufgehört. "Wenn er nicht da war, hat das Team uns gefragt. Dann haben wir etwas entschieden und er hat es nicht mitbekommen. Das war stille Post", sagt Bleil. Eine Situation, die für beide Seiten nicht zufriedenstellend gewesen sei.
Den Gedanken, dafür einen festen Mitarbeiter einzustellen, haben Spethmann und Bleil inzwischen verworfen. Fachlich qualifizierte Bewerber hatte es gegeben. Aber hundertprozentig habe niemand ins Team gepasst, sagt Bleil. "Und die Stimmung im Team ist unheimlich wichtig." Jetzt haben die Gründer den Job selbst übernommen. "Klar ist das eine Mehrbelastung", sagt Bleil, "aber dafür läuft die Umsetzung von Aufgaben jetzt schneller."
Was war der größte Erfolg im vergangenen Monat?
Im letzten Monat gab es eine ganze Reihe an Erfolgen. Der Unternehmertag war eine fantastische Möglichkeit, Allyve einem exklusiven Kreis von Investoren, potenziellen Partnern und Gründern vorzustellen. Die Resonanz war ausgesprochen positiv, wir haben zahlreiche spannende Folgegespräche vereinbart und Allyve war das Gesprächsthema Nummer eins.
Und wir haben wir viele Kooperationspartner gewonnen, darunter die größten Shoppingportale in Deutschland. Es ist schwierig zu sagen, was davon der größte Erfolg ist – vielleicht ganz einfach, dass das Telefon immer häufiger klingelt und Intranetkunden und Kooperationspartner bei uns anklopfen.
Allyve wurde das erste Mal im Fernsehen beworben. Wie ist das gelaufen?
Super. In dem Moment, als der Trailer lief, schossen die Zugriffe auf unsere Seite in die Höhe und ein Großteil der Besucher hat sich registriert. Scheinbar sitzen die Menschen mit dem Laptop auf dem Schoß vor dem Fernseher und nutzen die Werbepause, um zu surfen und sich Allyve anzusehen. Ein Erfolg für sich ist neben den vielen neuen Nutzern auch, dass unsere Seite dem plötzlichen hohen Ansturm absolut gewachsen war. Die Vorbereitung auf die Fernsehwerbung hat sich also gelohnt.
Die Allyve-Gründer Julika Bleil und Philipp Spethmann   Die Allyve-Gründer Julika Bleil und Philipp Spethmann
Gab es auch Rückschläge?
Unglaublich aber wahr: Es gab keinen einzigen Rückschlag. Im Gegenteil wurden diesen Monat alle Erwartungen übertroffen. Schon im vergangenen Monat gab es den Innovationspreis und den ersten großen Kunden und jetzt noch die vielen neuen Partner. Wir haben gerade das Gefühl, auf einer Erfolgswelle zu reiten.
Wofür haben Sie im vergangenen Monat am meisten Geld ausgegeben?
So ein Fernsehgewinnspiel ist natürlich nicht gerade günstig. Mit knapp 10.000 Euro war das iim vergangenen Monat das größte Investment. Aber es hat sich gelohnt – wir haben uns gefreut, dass wir trotz des schönen Wetters am Tag der Ausstrahlung so viele neue Nutzer gewonnen haben, wie wir benötigten, damit sich die Aktion lohnt.
Was ist die größte Aufgabe im kommenden Monat?
Durch unseren neuen Mitarbeiter Christian Evers haben wir mittlerweile eine lange Liste von Partnern, die auf Allyve integriert werden möchten. Diese wollen wir zügig abarbeiten, um unseren Nutzern ein noch größeres Angebot zur Verfügung stellen zu können. Außerdem werden wir versuchen, wieder Fernsehwerbung für Allyve zu schalten – wir hoffen, dass es uns gelingt geeignete und kurzfristig verfügbare Formate aufzutreiben und buchen zu können.
Die Fragen beantwortete Allyve-Geschäftsführerin Julika Bleil
Was ist das langfristige Ziel von Allyve? Auf diese Frage hatten die Gründer Julika Bleil und Philpp Spethmann eigentlich immer eine Antwort: Deutschlands Startseite Nummer eins werden. Künftig müssen sie diese Aussage etwas einschränken. Aber nicht, weil sie weniger an den Erfolg ihrer Alle-auf-einen-Klick-Seite glauben. Im Gegenteil: Sie erweitern ihre Geschäftsidee.
White-Label-Lösungen ist das Stichwort. Heißt: Große Internetportale können die Allyve-Funktionen auf ihrer Startseite einbinden lassen. So würde beispielsweise ein User, der eine Nachrichtenseite als seine Startseite eingerichtet hat, links die aktuellen Meldungen sehen und in der rechten Leiste seine Allyve-Widgets einrichten können - die Kästen, von denen aus er direkten Zugang zu all seinen favorisierten Accounts hat.
Die Allyve-Gründer Julika Bleil und Philipp Spethmann   Die Allyve-Gründer Julika Bleil und Philipp Spethmann
Das Ganze, würde im "Look and feel" der Partnerseite gestaltet, also in deren Farben und Layout gestaltet. Auslöser war der Unternehmertag, auf dem Allyve, sagt Philipp Spethmann: "Wir hatten uns das grundsätzlich schon länger überlegt. Aber dort hat man uns direkt danach gefragt. Jetzt strecken wir die Fühler nach Partnern aus." Deren Vorteil, so Spethmann, sei offensichtlich: "Dadurch kommt mehr Traffic auf deren Seite und dadurch mehr Umsätze."
Steigende Umsätze scheint auch eine Aktion zu bringen, die Allyve derzeit mit seinem Widget-Partner Otto fährt. Registrierte Allyve-Nutzer erhalten von dem Versandhändler Einkaufsgutscheine. "Otto scheint damit sehr zufrieden zu sein", sagt Spethmann, "das Gute daran ist: Der Gutschein kommt ja nur zum Tragen, wenn jemand etwas bestellt. Insofern kann man dabei ja nichts velieren."
Julika Bleil hat gelernt. Vor einem Jahr schwirrte schon einmal ein Haufen Schülerinnen durch die Räume von Allyve - Anlass war die Aktion Girls Day, die bei Mädchen Interesse an klassischen Männerberufen wecken soll. "Damals habe ich die Vollzeitunterhalterin gegeben", sagt Bleil grinsend: "da blieb das Tagesgeschäft liegen."
Ließ sich bei der Arbeit über die Schulter gucken: ...   Ließ sich bei der Arbeit über die Schulter gucken: Allyve-Gründerin Julika Bleil
Am Mittwoch waren wieder neun Schülerinnen für den Girls Day da. Und diesmal teilte Bleil sich die Aufgaben mit ihrem Team. Sie übernahm das Auftaktprogramm für die 11- bis 12-jährigen Mädchen - eine Fragestunde. "Ist es wichtig, dass man Englisch kann?" wollten die Mädchen wissen. Aber auch: "Warum haben Sie sich diesen Beruf ausgesucht?" oder: "Warum machen Sie beim Girls Day mit?"
Weil sie selbst Wirtschaftsingenieurwesen studiert hat, antwortete Bleil. Und weil sie - obwohl schon als Schülerin an Technik interessiert - nie damit begonnen hätte, wenn ihr nicht ein Bekannter geraten hätte: Mach doch mal ein Praktikum. "Da habe ich gesehen, wie viel Spaß es macht, etwas zu entwickeln und zu sehen, dass daraus etwas entsteht, das man hinterher in der Hand halten kann."
Den Rest des Tages verbrachten die Mädchen mit praktischen Aufgaben: Fotos am Computer bearbeiten, auf dem Allyve-Blog schreiben, wie Sie den Tag fanden, und - natürlich - Allyve selbst ausprobieren. Das Klischee vom Teenager, der in mindestens 30 sozialen Netzwerken seine Fotos und Gedanken zur Welt sammelt, löste sich dabei übrigens in Luft auf. "Die meisten hatten überhaupt keine Erfahrung mit Computern", sagt Bleil: "Das hat uns selbst überrascht."
Als Allyve-Gründerin Julika Bleil und ihr Vertriebsmitarbeiter Christian Evers über den Unternehmertag 2009 erzählen, können sie ihre Aufregung kaum verbergen. Rund 200 Unternehmer und Investoren waren da, darunter die Gründer von Skype, Jamba und Vobis. Und zehn Start-ups, die jeweils fünf Minuten Zeit hatten, dort ihr Unternehmen vorzustellen. Allyve schaffte es nicht nur, sich zu qualifizieren, sondern auch, das Publikum zu begeistern.
Schlüssel für die Scheichs: Julika Bleil machte einem arabischen ...   Schlüssel für die Scheichs: Julika Bleil machte einem arabischen Investor auf Allyve aufmerksam
"Das hat eingeschlagen wie eine Bombe", sagt Bleil. Nach dem Vortrag wurden sie umlagert von Investoren. Einer davon kam aus China, ein anderer aus Saudi-Arabien. "Die wollten wissen, ob sie Allyve auch in ihren Ländern einsetzen könnten", sagt Evers. Die Antwort lautete: "Na klar." Sicher, von jetzt auf gleich ginge das nicht, sagt Bleil. Und einen weiteren Investor bräuchte man vorläufig auch nicht. "Aber wir haben mehrere Gespräche vereinbart und schauen mal, was sich so anbietet."
Erfolgreich verlief auch die Aktion an Karfreitag, als Allyve ein Gewinnspiel auf RTL II sponserte. Rund 25 Ausstrahlungen gab es an diesem Tag. "Die Ausschläge gingen nach den Spots deutlich nach oben", sagt Bleil. Mehrere tausend Menschen registrierten sich und schraubten die Gesamtzahl der Allyve-Nutzer auf jetzt knapp 90.000 hoch. Damit seien ihre "mittleren Erwartungen" erfüllt, sagt sie. Dass es nicht noch besser lief, habe wohl am guten Wetter gelegen: "An so einem sonnigen Tag setzt sich ja kaum jemand vor den Fernseher". Außer Christian Evers. "Ich wollte den Spot unbedingt selbst sehen" sagt er, "auch wenn meine Frau schwer genervt war."
Was war der größte Erfolg für Allyve im Monat März? Was war die größte Überraschung? Und wie geht's weiter?
Gründer Philipp Spethmann erzählt auf der Gründermesse Degut, warum Allyve so überrascht war, einen Innovationspreis zu erhalten, was das Tolle an seiner Intranetlösung ist und warum man Grafik-Aufträge nicht mehr an Externe vergeben will.
Ostern scheint eine gute Zeit zu sein, um neue Marketingkonzepte auszuprobieren. Tortoise Design preist in der Woche vor den Feiertagen seine Folien für Laptops in einem Kaufhaus an. Bei Allyve hat man die Chance, den Laptop selbst zu gewinnen. Und zwar im Fernsehen.
Karfreitag wird RTL2 den ganzen Tag über ein Gewinnspiel ausstrahlen. Der Sponsor: Allyve. Zu gewinnen gibt es insgesamt zehn Laptops. Knapp 10.000 Euro lässt das Start-up sich das Experiment kosten, inklusive Laptops.
Ob's was bringt, wird sich herausstellen. Sicherheitshalber rüstet Allyve aber schon mal in Sachen Serverkapazität auf. Gründerin Julika Bleil hat sich informiert. Bei Fernsehspots für Internetseiten stiegen die Zugriffe auf die Seiten oft schon während der Ausstrahlung sprunghaft an, sagt sie: "Die Leute scheinen buchstäblich mit dem Rechner auf dem Schoß vorm Bildschirm zu sitzen." (Hier die einschlägigen Erfahrungen von enable2start-Sieger Mymuesli).
Der Server wird entrümpelt
Darum sorgen die Allyve-Programmierer jetzt für zusätzlichen Serverplatz. Teilweise helfen technische Tricks. So würden beispielsweise die Backends virtuell von zwei auf vier erhöht, sagt Bleil." In anderen Bereichen wird Speicherplatz eingespart. So schaltet Allyve für einen Tag seine A-B-Tests ab, mit denen das Start-up regelmäßig überprüft, welche von zwei Layout- oder Bedienungsvarianten besser beim User ankommt.
Auch bei der Übermittlung von Daten, die zwischen den Nutzern und dem Allyve-Server hin- und hergehen, gibt's eine Neuerung. Bislang würden diese Daten sämtlich mit dem Sicherheitszertifikat SSL verschlüsselt, sagt Bleil: "Das passiert auch, wo es überhaupt keinen Grund dafür gibt. Etwa, wenn sich jemand nur unsere Über-uns-Seiten anschaut."
Künftig beschränkt sich die Verschlüsselung auf Bereiche,wo sie notwendig ist, also, wenn Nutzerdaten übermittelt werden. In gewisser Weise ist die Vorbereitung auf den möglichen Ansturm daher auch eine Art Frühjahrsputz, sagt Bleil. "Es gibt einige Sachen, die man so oder so mal hätte machen können, aber die bislang nicht notwendig waren."
Der Vertrag ist unterzeichnet, jetzt beginnt die Arbeit. Damit die Intranetlösung, die Allyve für einen großen Elektronikkonzern entwickelt, möglichst bald läuft, laufen die Arbeiten parallel. Bei Allyve und beim Vertragspartner. Dessen Mitarbeiter erstellen PDFs mit allen wichtigen Accounts der Firma wie Reisebuchung, Mitarbeitershop oder Unternehmensrichtlinien in eigenem Layout, eigenen Farben und Typographien. Das Allyve-Team wiederum prüft, welche der Vorgaben technisch umsetzbar sind.
Die Allyve-Gründer Julika Bleil und Philipp Spethmann   Die Allyve-Gründer Julika Bleil und Philipp Spethmann
Aber auch beim Kerngeschäft im Internet muss das Allyve-Team an Details arbeiten. Fast täglich kommt ein Widget-Partner hinzu. Darunter auch große Versandhändler und ein Wettportal. Aber mit dem Unterschreiben eines Vertrages ist es nicht getan, sagt Allyve-Gründerin Julika Bleil.
Denn es reicht nicht, wenn einfach das Logo dieser Partner in ihrem Widget erscheint. Ein Versandhändler etwa kann entscheiden, was in seinem Kästchen zu sehen sein soll. Etwa der Bestellstatus einer Ware, die ein Kunde beim Versandhändler bestellt hat. Oder aber ein Angebot, das der Händler bewerben will.
Suche nach einem Grafiker
Um diese Vorgaben alle umzusetzen, will Allyve jetzt einen Grafiker anstellen. Mindestens als Halbtags-, eventuell sogar als Vollzeitkraft. Bislang übernahmen diese Aufgaben externe Grafiker. Oder Julika Bleil setzte die Vorgaben um.
Das soll sich ändern. "Intern schaffen wir es nicht mehr", sagt Bleils Gründungspartner Philipp Spethmann: "Und extern dauert es einfach zu lang. Man muss etwas rausgeben, dann auf das Ergebnis warten und es dann telefonisch oder per E-Mail besprechen. Wir brauchen jemanden der bei uns im Büro sitzt und zu dem man mal schnell rausgehen kann."
Auf 15 Jobportalen hatte Allyve darum ein Stellengesuch eingestellt. Rund 60 Grafiker hätten sich gemeldet, sagt Julika Bleil, sichtlich beeindruckt. Am meisten Resonanz kam über das Portal Das Auge. Fünf der Bewerber werden werden die Gründer zu einem Vorstellungsgespräch einladen, sagt Bleil: "Einer davon wird sicher zu uns passen."
Der erste Kunde fürs zweite Geschäftsmodell ist da. Der große Elektronik-Konzern, der vor einigen Wochen die Allyve-Gründer wegen einer Intranet-Lösung für sein Unternehmen kontaktierte, hat einen Vertrag unterschrieben. Ein Programmierer von Allyve wird nun das Internet-Prinzip des Start-ups auf das konzerneigene Netz übertragen: Alles auf einen Klick. Innerhalb von zwei Monaten soll die Lösung stehen, haben Julika Bleil und Philipp Spethmann mit ihrem Geschäftspartner vereinbart.
Haben ständig neue Interessenten am Hörer: Die Allyve-Gründer ...   Haben ständig neue Interessenten am Hörer: Die Allyve-Gründer Julika Bleil und Philipp Spethmann
Einen Namen für dieses Produtk suchen die Gründer derzeit noch. Einen Preis gab es bereits - auf der Cebit wurden die Hamburger, wie es bereits im Gründertagebuch stand, für das Intranetprodukt ausgezeichnet. Und inzwischen wurden sie auch darüber informiert, was ihnen dieser Preis bringt.
Zum einen nämlich Unterstützung durch ein Beraterteam. Es soll unter anderem dafür sorgen, dass Interviews oder Artikel über Allyve in der Presse erscheinen. Zudem werden die Berater eine Case Study über Allyve anfertigen. "Darin wird dann geschildert, wie ein Kunde das Produkt anwendet, wie die Situation vorher war, und was sich verbessert hat." Eine "Success Story" wollen die Berater ebenfalls erarbeiten. Auch wenn Spethmann noch nicht ganz klar ist, was genau diese Erfolgsgeschichte eigentlich von der Case Study unterscheidet.
Ein Produkt für alle Branchen
Der zweite Nutzen des Preises ist ein indirekter. Fünf weitere Unternehmen haben sich inzwischen bei Allyve gemeldet, um über eine mögliche Zusammenarbeit zu sprechen - mindestens einer davon, weil er von der Auszeichnung gelesen hatte.
Die Interessenten kamen aus den unterschiedlichsten Sparten, aus dem produzierenden Gewerbe wie aus dem Dienstleistungssektor. "Unser Vorteil ist, dass wir in allen Branchen aktiv werden können", sagt Spethmann. "Das ist ganz anders, als ob man beispielsweise eine Rechnungssoftware entwickelt. Wir brauchen nur Intranet-Kenntnisse."
Aber auch im ersten Geschäftsmodell laufe es bestens, sagt Spethmann. Der neue Vertriebsberater Christian Evers akquiriert fleißig neue Widgetpartner. Im Schnitt komme ein Unternehmen am Tag hinzu, sagt Spethmann: "Das ist ein ziemlich gutes Tempo."
Ohne Karte kein Zutritt: Die Verleihung des Innovationspreises IT der Initiative Mittelstand auf der Cebit war "turbo-exklusiv", erzählt Philipp Spethmann. Mit der üblichen Einladung kam man lediglich in das HSH-Nordbank-Forum, für den dahinter liegenden Festsaal war eine weitere Karte nötig - die hatte Spethmann nicht. "Da wären wir beinahe nicht rein gekommen und das, obwohl wir nominiert waren." Nach einigen Gesprächen mit dem Sicherheitspersonal konnte er überzeugen.
Insgesamt waren 2000 Bewerber nominiert. Bei so viel Konkurrenz hatten sich die Gründer nur wenig Hoffnung gemacht. "Der erste Preis ging an Google Deutschland. Mal ehrlich: Wenn ein Unternehmen wie Google dort gewinnt, dann war's das für uns", sagt Spethmann. Doch dann wurde die große Überraschung verkündet: Für das Bundesland Hamburg gewinnt Allyve den Innovationspreis. "Das macht schon was her. Wir wurden auch direkt nach der Veranstaltung von weiteren Interessenten angesprochen", berichtet Spethmann stolz.
Allyve-Gründerin Julika Bleil   Allyve-Gründerin Julika Bleil
Die Anzahl neuer Partnerschaften wächst weiter: Diese Woche kam ein Online-Shop für Streetware und ein Studentenportal hinzu. Und die Gründer nehmen nun auch die großen Player ins Visier. "Noch ist nichts unterschrieben, aber vielleicht können wir kommende Woche schon Erfolg vermelden", deutet Spethmann einen großen Deal an. Durch den Innovationspreis wolle man das Marketing aufpolieren, berichten die Gründer. Die spezielle Lösung für Unternehmen sei ideal für mittelständische Unternehmen - zunächst suchen die Gründer rund um Hamburg nach neuen Partnern. "Das ist einfacher für kurzfristige Termine. Obwohl wir in den nächsten zwei Wochen auch nach München reisen werden - einer der Interessenten von der Preisverleihung hat uns eingeladen", sagt Spethmann.
Erfahrungen weitergeben
Kommende Woche geht es für die Gründer nach Berlin zum Deutschen Gründertag. Von den Veranstaltern wurden sie gezielt für einen Vortrag eingeladen, um über ihre eigenen Erfahrungen mit der Selbstständigkeit zu berichten. "Naja, wir schnacken auf dem Podium etwas mit", sagt Spethmann. Seine Zurückhaltung hat einen Grund: Neben ihm wird der Gründer des Titus sitzen - einem Online-Shop für Klamotten und einem alten Hasen in der Branche. "Der Mann war mit seinem Projekt schon an der Börse, dann fast insolvent und inzwischen Millionär - und ich werde neben ihm sitzen", erzählt Spethmann. Von einer so spannenden Karriere könne er zwar noch nicht berichten, aber "ich kann den Teilnehmern dort Mut machen."
  • FTD.de, 29.05.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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