FTD.de » Management + Karriere » Gründung » Seid umschlungen, Millionen - die 4. Allyve-Quartalsreportage
  enable2start-Gründertagebücher FTD-Serie: Alles auf einen Klick: Allyve

Accounts abrufen kann nerven: Erst das Soziale Netzwerk anklicken, dann den Onlineshop, dann den E-Mail-Provider. Und immer wieder Passwörter eingeben. Von der Startseite Allyve aus ist alles mit einem Klick erreichbar.

Merken   Drucken   04.12.2009, 10:00 Schriftgröße: AAA

Gründertagebuch: Seid umschlungen, Millionen - die 4. Allyve-Quartalsreportage

04.12.2009 - Allyve: Kommen die User, kommen große Portale als Partner, und dann kommt Geld. So war der Plan der Allyve-Gründer. Jetzt scheint er sich zu verwirklichen. von Claus Hornung
Was Juristen so alles wissen wollen. Beispielsweise, was die Formulierung "wir teilen die Umsätze" bedeutet. Scheint unkompliziert, ist es aber nicht. Das mussten die Allyve-Gründer Julika Bleil und Philipp Spethmann lernen, als sie einen Vertrag mit dem sozialen Netzwerk StudiVZ unterschrieben.
Zugegeben, das Geschäftsmodell ist auch nicht ganz unkompliziert: User von StudiVZ finden auf dessen Startseite künftig einen Allyve-Button. Klicken sie den an, können sie sich Kästchen - Widgets genannt - mit ihren Lieblingsportalen einrichten, etwa vom Online-Buchhändler Amazon. Bestellt ein User dort einen Roman, erhalten sowohl StudiVZ als auch Allyve einen Anteil vom Kaufpreis. Wer wann wie viel erhält das erläutern nun ein paar Sätze als Anhang zu dem Wort "Umsätze". Ausgedruckt füllen diese Sätze eine halbe DIN-A4-Seite.
Strategie der kleinen Schritte: Die Allyve-Gründer Julika Bleil ...   Strategie der kleinen Schritte: Die Allyve-Gründer Julika Bleil und Philipp Spethmann
"Jede Woche denkt man, man steht unmittelbar vor dem Abschluss", sagt Julika Bleil und lächelt, "und dann dauert es doch ein bisschen." Aber das ist es ihr wert. Denn ein Vertrag mit einem Portal, das nach eigenen Angaben 15 Millionen User hat, ist genau das, worauf sie hingearbeitet haben.
Nur mit großen Partnern geht ihr Plan auf. Um von denen ernst genommen zu werden, musste aber erst einmal ihre eigene Seite so groß werden. Groß bedeutet: Nutzer, Nutzer, Nutzer. Knapp zwei Jahre ist Allyve.com nun online. Rund 70.000 Menschen registrierten sich im ersten Jahr, um sich dort Widgets einzurichten. So sehen sie auf einen Blick, ob etwa eine neue Nachricht beim Mailprovider eingegangen ist oder was das Shoppingportal gerade im Angebot hat. Mit nur einem Klick gelangen sie auf die angezeigten Seiten - ohne ein Passwort einzugeben.
AUSGABEN, EINNAHMEN, KAPITAL, SCHULDENSTAND
Hier steht die Bilanz von Allyve für August bis Oktober 2009
Geld verdienen, das ist in diesem ersten Jahr noch kein Thema. Erst einmal soll die Technik sauber laufen. In unzähligen Testreihen probieren die Gründer aus, wann mehr Leute auf der Allyve-Seite hängenbleiben und sich anmelden.
Haben es die User lieber, wenn das Eingabekästchen für das Passwort unter dem Kästchen mit dem Nutzernamen steht oder darüber? Ordnen sie ihre Widgets lieber in zwei Spalten an oder in drei? Wollen sie, dass das TÜV-Siegel für Datensicherheit groß auf der Startseite zu sehen ist? Oder interessiert das überhaupt keinen?
Der Erfolg zeigt sich in kleiner Münze. Zu Jahresanfang steigen nur noch drei statt zehn Prozent der Anmelder bei der Registrierung aus. Der richtige Zeitpunkt für den nächsten Schritt: Bleil und Spethmann stellen den Vertriebler Christian Evers ein, der die ersten Shoppingportale als Widget-Partner gewinnt.
Gleichzeitig starten Bleil und Spethmann eine Marketingoffensive. Sie werben neue Nutzer mit Gewinnspielen, sie machen Fernsehwerbung auf RTL und Pro Sieben. Und sie entwickeln eine "virale Kampagne" - die "Königsdisziplin des Marketings", wie Christian Evers sagt: "Das kostet nämlich nichts. Na ja, fast nichts." Heißt im Klartext: Internetnutzer, die in Blogs, Foren oder sozialen Netzwerken wie Facebook über Allyve schreiben und einen Link setzen, nehmen an einem Gewinnspiel teil.
enable2start: Rückblick - Die Sieger von 2008 (00:05:31)
enable2start: Rückblick - Die Sieger von 2008 (00:05:31)
Geld gibt es auch für Agenturen, die Banner schalten. Dabei lernen die Allyve-Macher, was für abstruse Geschäftsmodelle im Internet existieren. Einmal klicken massenhaft User die Banner, ohne sich zu registrieren, weil eine Agentur ihnen fürs Klicken Beträge von 1 oder 2 Cent zahlt.
"Unglaublich, was Leute für so ein bisschen Geld machen", sagt Bleil. Die Agentur wird abgemahnt. Trotz allem steigen die Anmeldungen stark an. Im Herbst sind es 150.000. Noch sind deren Umsätze spärlich. Um die 3 Cent im Monat verdienen die Allyve-Macher pro Nutzer, während sie gleichzeitig rund 200.000 Euro pro Quartal ausgeben.
"Das Geschäftsmodell klappt doch nie", spotten einige Kommentatoren in Internetblogs. Aber Bleil und Spethmann sind zuversichtlich: "Wir liegen voll im Plan."
FÜNF NEUE GRÜNDER
Mit dieser Reportage endet die regelmäßige Berichterstattung über die enable2start-Gewinner von 2008. Ein Buch, in dem alle Quartalsreportagen zusammengefasst sind, wird im Frühjahr 2010 erscheinen. Ab dem 7. Dezember startet an dieser Stelle die Berichterstattung über die Sieger des Jahres 2009.
Im Oktober ist es so weit: Ein Portal mit mehreren Millionen Nutzern unterschreibt. Ende des Jahres soll Allyve dort eingebunden werden. Kurz darauf folgt ein großer Computerhersteller. Der wird Allyve auf seinen Rechnern vorinstallieren, so wie es für Textverarbeitungssysteme oder Browser gängig ist.
Auch die Verhandlungen mit StudiVZ münden schließlich in einen Vertrag. Nach langem Feilschen um Details setzen sich alle Beteiligten mit dem letzten Entwurf an einen Tisch. "Dann haben wir uns gegenseitig in die Augen gesehen und gesagt: So machen wir es", sagt Bleil.
Startseite von Allyve   Startseite von Allyve
Damit ist der Plan sogar übererfüllt. "Wir wollten in diesem Jahr einen großen Partner gewinnen, jetzt sind es drei", sagt Spethmann. Damit haben mehr als zehn Millionen User täglich Allyve vor Augen. Zehn Prozent davon, die jeweils 5 Cent Umsatz im Monat machen, würden fast die derzeitigen Ausgaben von Allyve abdecken, rechnet Spethmann vor. Bei solchen Größenordnungen zahlten die Shoppingportale zudem höhere Provisionen. "Das kann sich locker verdoppeln." Und die nächsten Verhandlungen mit weiteren Partnern laufen schon.
Geld gibt es auf jeden Fall schon in den nächsten Wochen. Für das Einrichten der Technik erhält Allyve von den drei Partnern insgesamt einen niedrigen sechsstelligen Eurobetrag. "Damit allein haben wir wieder ein Quartal mehr Zeit", sagt Bleil. Falls die Nutzer der Vertragspartner nicht ganz so schnell mitspielen wie erhofft. Oder die Juristen.
Lange hatten sie verhandelt, vor zwei Wochen vereinbarten sie den Deal per Handschlag. Jetzt sind alle Verträge unterschrieben und in wenigen Wochen wird das Allyve-Logo das erste Mal auf der Seite des neuen Partners zu sehen sein. Korrekter wäre die Mehrzahl, denn bei dem Partner handelt es sich um die StudiVZ-Gruppe. Zu der gehören insgesamt drei Portale: StudiVZ, SchülerVZ und MeinVZ. Die verfügen zusammen nach eigenen Angaben über rund 15 Millionen Nutzer.
Erwarten jede Menge neue Nutzer: Die Allyve-Gründer Julika Bleil ...   Erwarten jede Menge neue Nutzer: Die Allyve-Gründer Julika Bleil und Philipp Spethmann
Mehr als attraktiv für Allyve. "Wenn nur zehn Prozent davon Allyve nutzen, sind das 1,5 Millionen", rechnet Gründer Philipp Spethmann vor. Eine Verdreifachung der bisherigen Nutzerzahl - und der Einnahmen. Bislang verdient das Startup einige tausend Euro monatlich damit, dass Nutzer über Allyve beispielsweise auf Shoppingportale gehen, dort etwas kaufen und Allyve dafür Provisionen erhält.
Rapide steigende Nutzerzahlen erhöhten aber nicht nur den Umsatz, sondern auch den Anteil, den Allyve vom Umsatz erhält. "Dann bekommen wir ganz andere Konditionen", sagt Spethmann, "das geht hin bis zu einer Verdoppelung." Ab bestimmten Umsatzgrößen seien darüber hinaus Bonusprämien möglich.
Das vierte Quartal bei Allyve
Am 4. Dezember erscheint an dieser Stelle die vierte und letzte Quartalsreportage von Wikando - inklusive aller wichtigen Zahlen wie Ausgaben, Umsätze und Kontostand. Gleichzeitig endet damit die einjährige Berichterstattung.
Ende Dezember soll die Technik stehen. Ebenso wie bei einem anderen Partner, einem der größten deutschen Mobilfunkprovider. Auch hier geht es um Nutzerzahlen im zweistelligen Millionenbereich. Verhandlungen mit andern Partnern laufen.
Bis dahin müssen noch ein paar Details geklärt werden. Welche Tools soll man überhaupt anbieten, und welche davon sofort oder vielleicht erst in einer späteren Stufe? Beispiel dafür sei die "Tell a friend"-Funktion, sagt Spethmann. Damit könnte ein StudiVZ-Allyve-Nutzer, der sieht, das Amazon ein neues Angebot hat, mit einem Klick auch gleich seine Bekannten darüber informieren. Ein scheinbares Detail, sagt Spethmann: "Aber dafür muss sich unsere Technologie tief in die von StudiVZ hineinklinken."
Endlich mal Pause. An diesem Freitag hat für Julika Bleil der erste Urlaub seit zwei Jahren begonnen. Vorher wurde es noch einmal richtig eng. Am letzten Arbeitstag ging das Display ihres Rechners kaputt. Der musste darum so schnell wie möglich zur Reparatur. In zwei Wochen, wenn der Urlaub beendet ist, soll er schließlich wieder laufen.
Während Bleil weg ist, führt Philipp Spethmann die Geschäfte. Ein fliegender Wechsel, denn Spethmann kommt an diesem Wochenende aus dem Urlaub zurück.
Julika Bleil mit Rechner und Handy: solche Bilder wird es in den ...   Julika Bleil mit Rechner und Handy: solche Bilder wird es in den kommenden zwei Wochen nicht geben
Eigentlich wollte Bleil nach Thailand fliegen, aber dann gibt es doch Dinge zu erledigen, die man als Gründer nicht einfach so nebenher schafft: die Wohnung zu renovieren, beispielsweise. Und - wird sie in der Zeit ans Handy gehen? Bleil runzelt die Stirn. "Eigentlich nicht", sagt sie, "ich habe allen gesagt: Dass ich in Hamburg bleibe, bedeutet nicht, das ich erreichbar bin." Nur für Notfälle lasse sie ihr Handy angeschaltet.
Fast genauso groß wäre eigentlich die Gefahr gewesen, dass sie auch ohne Anruf anfängt, während des Urlaubs zu arbeiten. Aber das verhindert ja nun der defekte Rechner, sagt Bleil: "So gesehen, ist das doch perfekt."
Die Verhandlungen dauerten lang. Über Wochen gab es immer wieder juristische Details, die Julika Bleil und ihr Mitgründer Philipp Spethmann mit einem sozialen Netzwerk klären mussten, dass Allyve auf seiner Seite einbinden will: Wie werden die Umsätze berechnet, die Nutzer des Netzwerks über Allyve auf Shoppingportalen tätigen? Wie und wo wird das Allyve-Logo auf der Netzwerk-Seite eingebunden? Wie steht's um den Datenschutz? Wieso, weshalb, warum?
In dieser Woche setzten sich alle Verantwortlichen mit dem letzten Entwurf an einen Tisch, sagt Bleil: "Dann haben wir uns gegenseitig in die Augen gesehen und gesagt: So machen wir es. Jetzt dürfte eigentlich nichts mehr schief gehen."
Verhandelte wochenlang über juristische Details: Gründerin Julika ...   Verhandelte wochenlang über juristische Details: Gründerin Julika Bleil
Wenn es gut läuft, soll die Umsetzung im Dezember über die Bühne gehen. Allyve erhält dafür eine fünfstellige Set-up-fee, plus Beteiligungen an den jetzt endgültig definierten Umsätzen. "Das kann sehr, sehr attraktiv werden", sagt Bleil.
Gleichzeitig bauen die Entwickler des Start-ups ein Video für einen anderen Partner, einen großen Hardware-Produzenten. Der will Allyve in seinen Geräten vorinstallieren, ähnlich wie dies für Textverarbeitungssoftware oder Browser üblich ist. Das Video soll schon auf der Startseite erscheinen, selbst wenn der User noch gar nicht online gegangen ist. Auch hier erhält Allyve eine Gebühr und Umsatzbeteiligungen.
Verständlich, dass Julika Bleil guter Laune ist: "Das bringt uns Millionen potenzieller Nutzer." Und damit die auch wirklich ihre Widgets anklicken (und so Umsatz machen), entwirft Bleil gerade ein neue Promo-Aktion. "Das Beste aus dem Netz" heißt die. Neben den "sechs verrücktesten Promifrisuren" könnte da beispielsweise auch "die sechs teuersten Ebay-Versteigerungen" auftauchen, sagt Bleil. "So erinnern wir den User daran: Heih, wir haben ein Ebay-Widget."
Wie hat sich Ihre virale Marketingkampagne entwickelt?
Wir haben ein Gewinnspiel gestartet, bei dem Menschen um teilzunehmen im Internet über Allyve und das Gewinnspiel schreiben mussten - per Twitter, Facebook oder im eigenen Blog. Diese Kampagne hat sich ausgesprochen gut entwickelt. So gehören wir laut dem Trendbarometer Twirus mittlerweile zu den Top fünf der beliebtesten Twitterer in Deutschland (Stand 20. Oktober). Noch wichtiger für uns: Unser tägliches Nutzerwachstum hat sich seit der Aktion verdoppelt.
Wie geht es weiter in Sachen White Label?
Ein großer Partner hat einen White-Label-Vertrag unterschrieben. Die Verhandlungen haben eine Weile gedauert, aber jetzt ist alles in trockenen Tüchern. Das wird uns eine enorm große Zahl neuer Nutzer bringen.
Gleichzeitig sind wir noch mit einem großen sozialen Netzwerk in Verhandlungen. Diese hoffen wir bald abschließen zu können. Das wird nicht mehr unbedingt in diesem Monat der Fall sein, aber es könnte es früher eintreten als gedacht.
Allyve-Gründerin Julika Bleil   Allyve-Gründerin Julika Bleil
Was war der größte Erfolg in diesem Monat?
Definitiv der Abschluss des White-Label-Vertrags.
Ein weiterer Erfolg ist, wie das Viralprojekt läuft. Die gute Arbeit unserer Praktikanten hat sich ausgezahlt. Nun brauchen wir nur noch zuzuschauen, wie die Nutzerzahlen in die Höhe gehen.
Was war die größte Niederlage?
Als negativ haben wir eine Affiliatekampagne empfunden. Wir haben diese Kampagne über eine Agentur gelauncht und dann - zum Glück gleich am ersten Tag - festgestellt, dass die Nutzer sich nicht etwa aus Interesse an Allyve bei uns registrierten, sondern weil sie von sogenannten Paidmailern dafür bezahlt wurden. Wir haben uns dann mit der Agentur darauf geeinigt, nur für aktive Nutzer zu zahlen, so dass wir die Aktion letztendlich nicht als Niederlage werten würden sondern als eine unangenehme Erfahrung.
Was ist die Herausforderung im kommenden Monat?
Der Abschluss weiterer großer Kooperationsverträge zum Einsatz unserer White-Label-Lösung.
Die Fragen beantwortete Allyve-Gründerin Julika Bleil
"Eine große Überraschung" hatte Philipp Spethmann schon vor Tagen angekündigt. Und tatsächlich: Diese Woche hat ein neuer großer Partner einen Vertrag mit Allyve geschlossen. Ein sehr großer Partner. Auf seiner Website, auf die das Team von Julika Bleil und Philipp Spethmann eine eigene Allyve-Version aufspielen wird, tummeln sich mehrere Millionen Nutzer.
Schon vor gut einem halben Jahr kam der Kontakt zu dem Portalbetreiber zustande. "Die wollten ohnehin etwas Ähnliches auf ihrer Seite machen", sagt Spethmann - das erfuhr er von einem Vertreter des Unternehmens, den er damals auf einer Veranstaltung traf. Aber warum neu bauen, was es schon gibt? "Jetzt stellen wir ihnen die Technologie."
Große Pläne: Allyve-Gründer Philipp Spethmann   Große Pläne: Allyve-Gründer Philipp Spethmann
Die ersten Tests laufen, insgesamt werden mindestens zwei Mitarbeiter rund einen Monat daran arbeiten, die Allyve-Technologie auf die Server des Geschäftpartners aufzuspielen. "Wir haben zwar eine Schnittstelle, von der aus wir alle White-Label-Kunden bedienen können", sagt Spethmann, "aber das funktioniert trotzdem nicht einfach nach dem Motto: Reinsetzen und Gas geben."
Anders als etwa bei Shoppingportalen, wird Allyve diesmal nicht am Umsatz beteiligt. Stattdessen zahlt der Partner eine Lizenzgebühr, die sich an der Zahl der erwarteten Nutzer orientiert. In den nächsten Wochen, hofft Spethmann, wird die Technik stehen - und er verkünden können, um wen es sich bei dem Partner handelt. Zu Weihnachten sollen dessen User das neue Angebot nutzen können.
Feiern, die zweite. Nachdem Allyve schon im Juli Geburtstag feierte, weil die Gründer Julika Bleil und Philipp Spethmann zwei Jahre zuvor begannen, ihre Idee umzusetzen, feierten sie jetzt zum zweiten Mal. Denn im September 2007 hatten die beiden den regulären Betrieb aufgenommen, sagt Spethmann: "Da gab es die ersten Vollzeitmitarbeiter, Arbeitsverträge und alles drum und dran."
Weil zum eigentlichen Datum aber erst niemand Zeit hatte und dann das Wetter zu schlecht war, holte das Team jetzt das Ereignis nach. Mit einem Geo-Caching. Einer modernen Variante der Schnitzeljagd, bei der die Teilnehmer sich mit GPS-Geräten durch die Stadt bewegen, oder - wenn man sich nicht so viele GPS-Geräte kaufen möchte - mit Hilfe von Stadtplänen, auf denen Längen- und Breitengerade eingezeichnet sind.
Julika Bleil und Philipp Spethmann   Julika Bleil und Philipp Spethmann
Zu feiern gab es auch Erfolge bei Twitter. Der Internetdienst Twirus listet, welche Worte bei dem Kurznachrichtendienst am häufigsten genannt werden. Allyve im Oktober mehrfach unter die Top Five, einmal sogar auf den zweiten Platz.
Für Spethmann ein klarer Erfolg der Werbekampagne, bei der seit einigen Wochen Allyve-Nutzer das Portal im Internet weiterempfehlen sollen. "Aber ich hätte nicht damit gerechnet, dass das solche Auswirkungen hat."
Funktioniert auch alles? Zwei Tage lang testen Programmierer von Allyve, wie lang sie brauchen, um auf Allyve-Funktionen ein neues Design aufzusetzen. Hintergrund: Allyve will weitere White-Label-Lösungen starten, bei denen Vertragspartner auf ihren Portalen Allyve-Widgets einbinden. Die Technik im Hintergrund, das Backend, ließ Allyve-Gründerin Julika Bleil so aufrüsten, dass über eine Schnittstelle jeder Vertragspartner selbst darauf zugreifen kann.
Bieten jedem Vertragspartner das Design, das er mag: Die ...   Bieten jedem Vertragspartner das Design, das er mag: Die Allyve-Gründer Julika Bleil und Philipp Spethmann
Nach dem jetzigen Test ist Bleil sicher, dass dies auch in der Praxis funktioniert. Mehrere Entwickler gestalteten unterschiedliche Allyve-Versionen. Jedesmal in einem anderen Design und mit anderen Nutzerführungen und emal standen die Widgets nicht in Kästchenform nebeneinander, sondern liefen als eine Art Nachrichtenticker durch die Seite, "Ich war beeindruckt, wie schnell die das umsetzen konnten", sagt Bleil.
Inzwischen zeigt die Viral-Kampagne von Allyve erste Erfolge. Keine drei Wochen nach dem Start hätten schon jede Menge User in Blogs und Foren Línks zu Allyve zu legen und sich damit die Teilnahme an einem Gewinnspiel zu sichern. "Das verbreitet sich, ohne dass wir etwas dafür tun müssen", freut sich Bleil.
Und: Auch die Zahl der Anmeldungen, steige. "Genau tracken können wir das nicht", sagt Bleil: "Aber das Grundrauschen auf der Seite hat deutlich zugenommen. Bislang registrierten sich rund 50 bis 90 am Tag, jetzt sind es 100 bis 150 Nutzer."
Sie wollen dafür sorgen, dass Ihre User aktiver werden. Wie wollen Sie das machen?
Während in den Anfangszeiten von Allyve bis zu 90 Prozent Karteileichen waren, die nach der Anmeldung das Portal nicht mehr nutzten, liegt die Quote der Aktiven jetzt schon bei rund 30 Prozent. Diesen positiven Trend wollen wir natürlich fortsetzen. Denn wir glauben, das geht noch besser.
Dazu versuchen wir zu verstehen, warum Nutzer inaktiv bleiben. Darum fragen wir sie ganz einfach. Manche Nutzer haben beispielsweise Schwierigkeiten, sich ihre Allyve-Seite einzurichten. Diesen Nutzern helfen wir künftig, indem wir ihnen einen Link zu einer Demotour von Allyve schicken. Zudem wollen wir unsere Support-Funktion prominenter auf der einbinden. Im Moment muss man sich noch durch unsere Navigation klicken, um dorthin zu gelangen. Künftig wird der Support auf der Userseite selbst deutlich sichtbar sein.
Die Allyve-Gründer Julika Bleil und Philipp Spethmann   Die Allyve-Gründer Julika Bleil und Philipp Spethmann
Allyve beginnt jetzt eine virale Marketingkampagne. Was bedeutet das?
Der Traum von jeder Webseite ist natürlich, dass die Nutzer "von selbst" kommen. Dass man also kein Marketing-Geld dafür ausgeben muss, dass eine Webseite besucht wird. Das wollen wir nun fördern, indem wir dem Nutzer Tools zur Verfügung stellen, Allyve leichter weiter zu empfehlen.
Was war der größte Erfolg für Allyve im vergangenen Monat?
Ich persönlich habe mich sehr über das Projekt für die virale Marketingkampagne gefreut, weil hier zwei Praktikanten in kurzer Zeit sehr viel geleitest haben. Das Konzept steht jetzt - die Kampagne wird in drei Teilprojekten gestartet. Ob die Umsetzung ein Erfolg wird, hängt letztlich davon ab, ob es gelingt, dass die Kampagne wirklich viral, sprich: zum Selbstläufer, wird und sich nach unserer Initialisierung ohne unser weiteres Zutun verbreitet. Ich bin gespannt.
Was war die größte Überraschung?
Eine sehr nette Überraschung war ein begeisterter User: Er wandte sich mit einem Problem an unseren Support. Unser Mitarbeiter trat in einen intensiven Mailverkehr mit ihm, knackte an dem Problem und fand heraus, dass es an den Browsereinstellungen des Users lag und wie es zu beheben sei. Der User schrieb schließlich begeistert, dass das Problem gelöst sei und versprach, dass er am Abend "einen besonders guten Cognac auf das Wohl unseres Mitarbeiters trinken" werde.
Was ist die größte Aufgabe im kommenden Monat?
Wir haben bereits davon berichtet, dass wir mit sozialen Netzwerken und mit einem Anbieter für Computeranwendungen im Gespräch sind. Die größte Aufgabe wird sein, diese Gespräche erfolgreich zu führen und Kooperationen zu schließen. Dies ist aber vermutlich keine Aufgabe, die wir im kommenden Monat abschließen können - solche Verhandlungen benötigen viel Zeit.
Die Fragen beantwortete Allyve-Gründerin Julika Bleil
Ein Termin jagte den nächsten auf der Dmexco in Köln, der Messe für digitales Online-Marketing. Rund 20 Gesprächspartner trafen die Allyve-Gründer Philipp Spethmann und Allyve-Vertriebsmann Christian Evers dort. "Das war stressig, aber auch erkenntnisreich", sagt Evers. Und die Erkenntnis lautete: "Mit unserer White-Label-Lösung liegen wir genau richtig."
Passend gemacht: Geschäftspartner können eigene Allyve-Versionen ...   Passend gemacht: Geschäftspartner können eigene Allyve-Versionen auf ihrer Seite anbieten
Und nicht nur für große Partner wie Computerbild.de sei es reizvoll, ihren Usern eine eigene Allyve-Variante anzubieten, sondern auch für mittlere und kleinere Sites, meint Evers. Diese Angebote müssten dann natürlich passend zugeschnitten werden. Beispielsweise würde ein Portal, das ausschließlich Frauen als Zielgruppe habe, eher kein Widget von einer Auto-Seite bekommen.
Den meisten Gesprächspartnern habe man nicht mehr erklären müssen, was Allyve sei, sagt Evers: "'War wir noch erklären müssen, ist: Wir können etwas für euch tun." Schließlich sollen die White-Label-Lösungen einen Zusatz-Service darstellen. Und der bindet im besten Fall die User stärker an die Seite - oder sorgt sogar für neue User.
Im Augenblick spreche man eher mittelgroße Seiten an, sagt Evers: "Das beginnt gefühlt bei 500.000 Usern aufwärts". Schon in diesem Bereich gebe es ausreichend Kooperationspartner. Habe man die durch, könne man auch mit kleineren sprechen, sagt er. Nun, da die Backend-Technik dafür vorhanden sei, sei der technische Aufwand ohnehin jedes Mal gleich. "Wir arbeiten uns von oben nach unten durch."
Was Leute nicht so alles tun für ein paar Cent. Julika Bleil schwankt zwischen Kopfschütteln und Lachen, als sie über ihre neuste Erfahrung in Sachen Affiliate-Marketing berichtet.
Über eine Agentur wollte Allyve Werbung, beispielsweise Banner, auf Websites platzieren. Regulär funktioniert das so: Die Agentur spricht Seitenbetreiber an - in diesem Zusammenhang Publisher genannt - die das Banner auf ihrer Seite platzieren. Für jeden User, der sich registriert, erhält die Agentur Geld, und die gibt es wiederum gibt einen Anteil davon an den Publisher weiter.
Plötzlicher Anstieg der Benutzerzahlen? Julika Bleil weiß jetzt, ...   Plötzlicher Anstieg der Benutzerzahlen? Julika Bleil weiß jetzt, wie so etwas zustande kommen kann
Wer die Publisher sind, erfährt der Kunde (also Allyve) in der Regel nicht. Diesmal jedoch schon. Denn der Publisher aktivierte so genannte Paidmailer - Internetuser, die für eine Bezahlung von weniger als einem Euro vorgegebene Links anklicken. Und einer der Angeschriebenen war zufälligerweise ein Allyve-Mitarbeiter, der sich als Paidmailer angemeldet hatte, weil er so darüber auf dem Laufenden bleibt, wenn neue Seiten ins Netz gehen.
"Von solchen Registrierungen haben wir natürlich gar nichts", sagt Gründerin Julika Bleil. Schließlich brauche Allyve keine Karteileichen, sondern User, die auch tatsächlich aktiv sind. Also gab es eine Nachverhandlung mit der Agentur. Man einigte sich, dass Allyve nur für neu registrierte Nutzer zahlen müsse, die auch noch nach einigen Tagen aktiv seien.
Prompt erhielten die Paidmailer - und mit ihnen der Allyve-Mitarbeiter - eine neue Mail, sinngemäßer Inhalt: "Bitte klicken Sie noch einmal Allyve an. Dafür gibt es einen Cent extra."
Und die machten das, erzählt Bleil belustigt: "Die Kurve stieg plötzlich noch mal an. Und das für einen Cent? "Tja, ich glaube, das sind einfach Leute mit einem gewissen Spieltrieb."
Julika Bleil ist begeistert. Gerade mal einen Monat ist es her, dass zwei neue Allyve-Praktikanten das "Viral-Projekt" starteten. Jetzt gibt es die ersten Ergebnisse. Soll heißen: es gibt einen Plan, wie Allyve über das Internet neue Nutzer akquirieren will, unterteilt in drei Projekte.
Julika Bleil und Philipp Spethmann   Julika Bleil und Philipp Spethmann
Projekt eins: Ein Gewinnspiel, mit einem Ipod Touch als Preis. Zum Teilnehmer wird, wer in seinem Blog, über Twitter oder in seinem Facebook-Profil über Allyve schreibt. Im Text müssen drei Links auftauchen, die zur Allyve-Startseite führen, respektive zu bestimmten Unterpunkten der Startseite. Wer derart die Werbetrommel für Allyve rührt, kann mehrfach - bis zu sechsmal - in die virtuelle Lostrommel des Gewinnspiels kommen. Einmal für einen Tweet, zweimal für einen Facebook- und dreimal für einen Blogeintrag. "Was in den Texten drinstehen soll, geben wir nicht vor, es muss sich nur um Allyve drehen - das kann auch Kritik sein", betont Bleil, "aber natürlich hoffen wir, dass es positiv ist."
Im zweiten Projekt können User einen Laptop gewinnen. Dafür sollen sie auf Allyve verweisende Links an ihre Mails anhängen, auf ihre Website stellen oder auf jede erdenkliche andere Weise verschicken. Diese Links werden individuell für jeden User gebaut. Klicken mindestens fünf User über einen Link Allyve an, nimmt der Link-Versender am Gewinnspiel teil.
Projekt Nummer Drei: User sollen die Möglichkeit bekommen, bei Netzwerken wie Xing oder Facebook jedesmal anzeigen zu lassen, wenn man gerade auf Allyve geht - ähnlich wie dort Statusänderungen automatisch angezeigt werden.
Im Oktober soll das erste Projekt online gehen, die anderen in den darauffolgenden Wochen, sagt Bleil, "das hängt vom jeweiligen Programmieraufwand ab." Auf Dauer hofft Bleil, diese und weitere Projekte miteinander zu verknüpfen. „Vielleicht können wir so etwas wie Allyve-Botschafter schaffen.“
Der Terminkalender von Allyve-Mitgründer Philipp Spethmann ist randvoll. Termine für Telefongespräche und Besprechungen werden nicht mehr zur vollen Stunde, sondern im Viertelstundentakt vergeben. Er nutzt jede freie Minute, um sich mit möglichen neuen Partnern zu treffen. Aktuell verhandelt er mit zwei sozialen Netzwerken. Wann die Verträge geschlossen werden, ist aber noch unklar.
Auch sind die Gründer mit einem Anbieter für Computeranwendungen im Gespräch, der statt Software zum Installieren einzeln buchbare Anwendungen direkt aus dem Internet verkauft.
Die Allyve-Gründer Julika Bleil und Philipp Spethmann   Die Allyve-Gründer Julika Bleil und Philipp Spethmann
Neben neuen Partnern sollen künftig angemeldete, aber wenig aktive Nutzer angesprochen werden. "In zwei, drei Monaten passiert sehr viel bei uns. Darüber wollen wir gerade die informieren, die Allyve in der letzten Zeit wenig genutzt haben", sagt Spethmann.
Die Gründer lassen sich von den bisher negativen Geschäftszahlen nicht beeindrucken oder verunsichern. "Ich mache mir über die Ausgaben überhaupt keine Sorgen", sagt Spethmann. Die Investoren seien zunehmend bereit, mehr Geld für Allyve auszugeben und die Benutzerzahlen würden auch ständig wachsen.
"Außerdem haben wir zeitverzögerte Einnahmen, da wir mit vielen Partnern jährlich abrechnen", sagt Spethmann. Diese Abrechnungszeiträume sollen zwar langfristig verkürzt werden - allerdings nicht jetzt. "Das würde uns sehr viel Zeit kosten, die Rechnungen kurzfristiger zu stellen. Zunächst stehen für uns neue Partner im Mittelpunkt, alle anderen Baustellen werden im kommenden Jahr angegangen", so Spethmann. Er wagt sogar eine hoffnungsvolle Prognose: "Wir könnten eventuell am Ende des Jahres Profit erzielen, weil die großen Rechnungen erst im Dezember beglichen werden."
  • FTD.de, 04.12.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Kommentare
  • 06.12.2009 10:00:43 Uhr   zutu: @ simoin

    Hallo Simon,

    ohne auf inhaltliches einzugehen, vergleichen Sie nur mal Ihren Schreibstil mit dem von "Gründervater" allein dies spricht schon Bände!

    Die Stellungsnahmen von Gründervater sind zwar provokativ - treffen aber leider den Nagel direkt auf den Kopf. Von allen Konzepten die FTD aktuell begleitet ist Allyve leider wirklich das schlechteste.

  • 04.12.2009 19:45:50 Uhr   simon: gründervater?
  • 04.12.2009 12:54:08 Uhr   Gründervater: PS: Nur zur Erinnerung
  • 04.12.2009 12:42:10 Uhr   Gründervater: Gute Nacht, Freunde ...
  • 29.11.2009 16:47:16 Uhr   TEC: Und was ist mit den Daten?
Kommentar schreiben Pflichtfelder*




  Wissenstest Kennen Sie Nordrhein-Westfalen?

NRW hat einen neuen Landtag gewählt. Das Land zwischen Rhein und Weser hat viele Eigen- und Besonderheiten. Was wissen Sie über das größte deutsche Bundesland?

Mit welchem Versprecher erlangte die WDR-Moderatorin Carmen Thomas zweifelhafte Berühmtheit?

Wissenstest: Kennen Sie Nordrhein-Westfalen?

Alle Tests

  Bilderserie Der FTD-Comic des Tages Alex vom 25.05.
  24.05. Kopf des Tages Sergio Marchionne - Der Puzzlemeister
Kopf des Tages: Sergio Marchionne - Der Puzzlemeister

Der Fiat-Chef hat den kleinen Autokonzern durch die Fusion mit Chrysler vor dem Untergang gerettet. Doch das reicht nicht. Nun holt er auch noch Mazda dazu mehr

 



  •  
  • blättern
MANAGEMENT

mehr Management

GRÜNDUNG

mehr Gründung

RECHT + STEUERN

mehr Recht + Steuern

KARRIERE

mehr Karriere

BUSINESS ENGLISH

mehr Business English

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote