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Merken   Drucken   03.12.2009, 10:00 Schriftgröße: AAA

Gründertagebuch: Spurwechsel - die 4. Hanfpark-Quartalsreportage

03.12.2009 - Freizeitpark im Hanffeld: Viel Regen, wenig Besucher: Der Freizeitpark im Hanffeld war nicht rentabel. Die Gründer ziehen Konsequenzen – und werden von Betreibern zu Beratern von Claus Hornung
Es herrscht wieder Ruhe im Raum 1U07 an der Fachhochschule Weihenstephan. Selten reißt das Telefon Markus Sauerhammer und Christian Gehret aus ihrer Arbeit. Schreibtische und Regale sind aufgeräumt. Nur ein paar Kulis mit Hanfblattlogos und ein Stapel Flyer erinnern an das, was hier vor ein paar Wochen noch los war. Da war hier nicht nur das Büro vom Freizeitpark im Hanffeld, sondern auch dessen Zwischenlager. Da stapelten sich hier Hanfmützen und Hanftaschen, Hanfspaghetti und Hanfbier. Da ging Sauerhammer zum Telefonieren auf den Flur, weil drinnen bis zu acht Mitarbeiter gleichzeitig herumwuselten.
Vor einem grauen Himmel eröffnen Markus Sauerhammer, Christian ...   Vor einem grauen Himmel eröffnen Markus Sauerhammer, Christian Gehret und Thomas Gutmann (v.l.) im Juni den Hafnaprk
Jetzt ist die Saison zu Ende. Am 29. September schloss der Hanfpark in Garching bei München nach drei Monaten seine Pforten. Eigentlich wäre das gleichzeitig der Startschuss für die Vorbereitungen zur nächsten Saison gewesen. Gleich im Anschluss wollte Sauerhammer den Pachtvertrag für den Standort für das nächste Jahr erneuern, ebenso wie den Energieliefervertrag mit den Münchner Stadtwerken. Er tat es nicht. Denn im nächsten Jahr wird es in Garching-Hochbrück keinen Freizeitpark im Hanffeld geben. Jedenfalls nicht mit Markus Sauerhammer als Betreiber.
Es hat nicht gereicht. Mindestens 30.000 Besucher müssen kommen, hatten Sauerhammer, Gehret und ihr Mitgründer Thomas Gutmann ausgerechnet. Tatsächlich waren es am Schluss nach drei Monaten Hanfpark nur etwas mehr als 20.000. Weniger als bei den Prototypen, die sie 2006 und 2007 als Studenten in den Semesterferien betrieben hatten. Zu wenig, damit das Ganze am Ende rentabel ist.
AUSGABEN, EINNAHMEN, KAPITAL, SCHULDENSTAND
Hier steht die Bilanz vom Freizeitpark im Hanffeld für August bis Oktober 2009
Dieses Mal haben sie noch keinen Verlust geschrieben. Aber nur, weil die Gründer ihren Lebensunterhalt, die Büromiete und einige der Anschaffungen durch ein Gründer­stipendium finanzieren konnten. Und weil sie die 50.000 Euro Siegprämie von enable2start hatten. Geld, das ihnen nächstes Jahr nicht mehr zur Verfügung steht. Und jetzt? Frust? Enttäuschung? Keine Spur. "Ich fühle mich richtig ent­spannt", sagt Sauerhammer, "ich ­hätte Bauchweh, wenn wir weitergemacht hätten."
Sie haben ihren Plan nicht aufgegeben, sagt er, sondern geändert. Vor einem Jahr lautete dieser Plan, eine Kette von Hanfparks zu eröffnen. Mindestens zwei Betriebe wollte das Trio 2009 betreiben. In den folgenden Jahren sollten weitere hinzukommen - die hätten die Gründer nicht mehr in Eigenregie geführt, sondern an Franchisenehmer übergeben.
Doch schon der erste Park forderte mehr Einsatz als geplant. Die Gründer verhandelten mit Behörden über Wasser- und Elektroleitungen und Genehmigungen für den noch immer stark regulierten Hanfanbau. Sie stellten Praktikanten und Studenten ein, die Lehrpläne für "grüne Klassenzimmer" entwarfen, in denen Kinder etwas über nachwachsende Rohstoffe lernen sollten. Sie entwarfen Flyer und Pressemitteilungen. Und sie erkannten, dass dies so viel Zeit verschlingt, dass es wohl besser wäre, mit nur einem Park zu starten.
Luftansicht vom Freizeitpark im Hanffeld   Luftansicht vom Freizeitpark im Hanffeld
Woran es lag, dass nicht einmal der eine funktionierte? Sauerhammer atmet tief durch: "Ich will eigentlich nicht schon wieder vom Wetter ­reden." Aber was soll er tun, wenn es an 36 der ersten 45 Tage regnet? "Ich habe ja in der Landwirtschaft gelernt - aber so einen Sommer habe ich noch nie erlebt."
In diesen sechs Wochen war er da, der Frust. An den Tagen, in denen nur ein einzelner Besucher den Hanfpark betrat. In den Nächten, in denen Sauerhammer aufwachte, weil Regentropfen gegen die Fenster seiner Dachwohnung prasselten: "Dabei schlafe ich sonst wie ein Stein."
Anfang August stabilisierte sich das Wetter und mit ihm die Besucherzahlen. Aber nicht genug, um auszugleichen, was in den ersten Wochen verloren gegangen war. Und die Wirkung der Marketingaktionen war da schon längst verpufft. 270.000 Flyer hatten sie verteilt - zu Beginn der Saison. "Wenn die zwei Wochen auf dem Küchentisch gelegen haben, schmeißt man die doch weg."
FÜNF NEUE GRÜNDER
Mit dieser Reportage endet die regelmäßige Berichterstattung über die enable2start-Gewinner von 2008. Ein Buch, in dem alle Quartalsreportagen zusammengefasst sind, wird im Frühjahr 2010 erscheinen. Ab dem 7. Dezember startet an dieser Stelle die Berichterstattung über die Sieger des Jahres 2009.
Dass der Umsatz pro Kopf anfangs zu niedrig war, machten die Gründer noch wett. Sie reduzierten die Preise. Und sie schulten ihre Mitarbeiter, die Besucher darauf aufmerksam zu machen, dass man neben Labyrinth und Spielplatz auch Handcremes und T-Shirts anbietet. "Am Schluss fehlte uns nur noch 1 Euro Umsatz pro Kopf", sagt Gehret, "aber die größte Stellschraube ist die Besucherzahl."
Täglich pendelte die Stimmung zwischen "es geht nicht" und "wir packen das". Bis Ende August Thomas Gutmann erklärte, dass er das Team verlässt, weil seine Arbeitskraft auf dem Hof seiner Eltern gebraucht wird. Seit Wochen war seine Mutter schwer krank, er fuhr jeden freien Tag nach Hause, um sie zu ersetzen.
Aber wer würde seine Arbeitskraft im Hanfpark ersetzen? In der Saison musste ständig einer der Gründer im Park sein. Wenn 30 Schulklassen gleichzeitig auf dem Gelände waren. Wenn eine Familie eine Stunde lang einen Kindergeburtstag besprach. "Dafür kann man nicht extra einen Studenten losschicken", sagt Gehret. Kurz darauf fiel die Entscheidung: Wir hören auf. "Dass Thomas gegangen ist, hat es sicher beschleunigt."
Inzwischen ist das Feld umgepflügt. Die Spielgeräte hat die Stadt Garching gekauft. Ein hölzernes Hanfparkmaskottchen schmückt nun einen Flur der FH Weihenstephan. Gehret und Sauerhammer schmieden an neuen Plänen. Hanfparks soll es auch in Zukunft geben, als Franchisebetriebe. Ein Landwirt, der keine Flächen pachten muss, der ohnehin vor Ort ist, der das Ganze als Nebenerwerb betreibt - der könnte es hinbekommen, ist Sauerhammer überzeugt. Auch wenn das Wetter mal nicht mitspielt. Erste Anfragen gibt es bereits. Vor allem von Anbietern von Urlaub auf dem Bauernhof.
Hanfparkmaskottchen Hanfrey   Hanfparkmaskottchen Hanfrey
Was den Landwirten fehlt, wollen Sauerhammer und Gehret ihnen verkaufen: Marketing, einen günstigen zentralen Einkauf für die Hanfprodukte, fertig entwickelte Konzepte für grüne Klassenzimmer, Geisternächte und Kindergeburtstage. "Dann sind wir eben Berater", sagt Sauerhammer. Auf Dauer hätte man die Parks ja ohnehin in fremde Hände gegeben. "So gesehen machen wir nichts anderes als das, was wir vorhatten." Jetzt schreiben sie an einem Leitfaden, den sie ihren künftigen Partnern an die Hand geben können. In aller Ruhe. Im Raum 1U07.
Endlich Urlaub. Na ja, was man als Gründer so Urlaub nennt. Ein verlängertes Wochenende war Markus Sauerhammer samt Freundin bei deren Eltern. Die betreiben eine Obstplantage mit eigenem Laden, eigenen Pralinen und eigenem Schnaps. Lecker.
Endlich fertig ist seit vergangener Woche der Leitfaden, den Markus Sauerhammer und Christian Gehret für künftige Hanfpark-Betreiber erstellen. In sechs Abschnitten wie "Grünes Klassenzimmer", "Labyrinth", oder "Familiensonntag" werden einzelne Bausteine des Hanfpark-Konzepts erklärt. Dazu gehören auch eine Zeitleiste mit den notwendigen Marketing- und Vertriebsmaßnahmen: Wann muss die erste Pressemitteilung raus? Wann muss die Werbekampagne anlaufen? Wann muss man beginnen, das Personal zu schulen?
Das können Sie auch! Markus Sauerhammer im Hanffeld   Das können Sie auch! Markus Sauerhammer im Hanffeld
Und gleich an diesem Freitag hat der Leitfaden seinen ersten Praxistest. Dann treffen sich Sauerhammer und Gehret mit einer Landwirtin, die überlegt, auf ihrem Hof einen Park zu eröffnen. Angefragt hat auch ein Fabrikant exklusiver Holzfußböden, der während des Sommers ein Labyrinth für seine Kunden aufmachen würde. Und eine bayerische Regionalinitiative aus Unternehmern und Landwirten, die Hanf wieder als Nutzpflanze etablieren will, meldete sich anfangs dieser Woche.
Das vierte Quartal vom Freizeitpark im Hanffeld
Am 3. Dezember erscheint an dieser Stelle die vierte und letzte Quartalsreportage von Wikando - inklusive aller wichtigen Zahlen wie Ausgaben, Umsätze und Kontostand. Gleichzeitig endet damit die einjährige Berichterstattung.
Gute Nachrichten, findet Sauerhammer. Dabei stünden zwei öffentlichkeitswirksame Berichte sogar noch aus. Ende dieser, spätestens Ende nächster Woche erscheint ein Artikel in der Fachzeitschrift "Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt" und diesen Freitag läuft in "Unser Land", einem Magazin des Bayerischen Rundfunks, ein Beitrag über die Gründer. Darin erklären sie auch schon ihr neues Berater-Konzept. Beides Pflichtprogramm für alle bayerischen Landwirte, sagt Sauerhammer gut gelaunt: "Ich denke, wir haben in diesem Jahr noch viele Termine."
Ein bisschen sperrig klingt der Titel ja schon. Trotzdem freuen sich Markus Sauerhammer und Thomas Gehret über ihre neueste Auszeichnung. Seit dieser Woche ist ihr Freizeitpark im Hanffeld ein "Projekt zur UN-Dekade für nachhaltige Entwicklung."
Übersetzt heißt das: Die deutsche Unesco-Kommission zeichnet während der Jahre 2005 bis 2014 Projekte aus, die sich durch Nachhaltigkeit auszeichnen. Eine Kategorie davon heißt "Umweltbildung". Und da passte nach Auffassung der Jury der Hanfpark mit seinen Lehrpfaden und "grünen Klassenzimmern" über nachwachsende Rohstoffe genau hinein.
Hanfpark-Gründer Markus Sauerhammer   Hanfpark-Gründer Markus Sauerhammer
Schon vor Wochen wurde der Hanfpark zum "Beitrag" erklärt. "Aber nicht alle Beiträge werden zum Projekt ernannt", sagt Sauerhammer. Und, dass er bei der Preisverleihung ein gewissen Exotenstatus einnahm: "Der Großteil der Projekte ist sozial angelegt, ohne Gewinnerzielungsabsicht."
In der kommenden Woche gibt's gleich noch eine festliche Verleihung. Dann erhalten die Gründer offiziell den Innovationspreis des Bayerischen Bauernverbands in der Kategorie Jungunternehmer. Und der erklärt sich ja von selbst.
Endlich. Der Hanf ist...naja, nicht abgeerntet...aber immerhin platt. Die Spezial-Erntemaschine ist noch immer in Norddeutschland im Einsatz. "Aber wir konnten ja nicht bis zum Dezember warten", sagt Sauerhammer. Also plätteten die Eigentümer der Fläche die Pflanzen und werden sie in den nächsten Tagen umpflügen. Immerhin entsteht dabei Kompost, meint Sauerhammer. Auch wenn die Ursprungsidee ja eine andere war: "Eigentlich sollte der Hanf zu Produkten verarbeitet werden – ein Kreislauf, eben."
Dann eben nächstes Jahr. Das bereiten Sauerhammer und sein Mitgründer Christian Gehret derzeit bereits vor. Auch in dieser Woche haben sich wieder Landwirte gemeldet, die interessiert an dem Leitfaden sind, den die beiden erarbeiten. Noch grübeln die Gründer aber über dessen Aufbau. Denkbar wäre beispielsweise, die Anleitungen für den Betrieb der "grünen Klassenzimmer" einzeln zu verkaufen, sagt Sauerhammer: "Man könnte aber auch das Ganze ausschließlich inklusive Beratung verkaufen."
Hat wieder Zeit für Sport und Kaffee: Markus Sauerhammer   Hat wieder Zeit für Sport und Kaffee: Markus Sauerhammer
Helfen will dabei auch eine Mitarbeiterin der Fachhochschule für angewandtes Management in Erding. Die verfolgte das Hanfprojekt von Anfang an, lud Sauerhammer vergangene Woche zu einem Vortrag im Rahmen einer Gründungs-Vorlesungsreihe ein, und will sich dafür einsetzen, dass bei der für 2018 geplanten Landesgartenschau in Erding auch ein Hanfpark entsteht.
Ansonsten lasse man es inzwischen etwas ruhiger angehen, sagt Sauerhammer. Nein, keine 40-Stunden-Woche - "das liegt mir nicht". Aber auch keine 70-Stunden-Woche mehr. Jetzt ist wieder mehr Zeit für die Freundin, für einen Kaffee nach dem Mittagessen in der Mensa, und zum regelmäßigen Joggen sowie für zwei Besuche im Fitnessstudio pro Woche - das hatte Sauerhammer seit Beginn des Studiums nicht mehr hingekriegt. "Nur kein Stress" mehr, sagt er. Reicht ja, wenn der Hanf platt ist.
Sie wollen im kommenden Jahr keinen Hanfpark mehr betreiben. Warum?
Wir hatten uns ein Ziel von mindestens 30.000 Besuchern gesetzt. Leider konnten wir unsere Vorgaben nicht umsetzen. Ob es jetzt daran lag, dass es das erste Drittel unserer Öffnungszeit komplett verregnet hat, sei dahingestellt. Wenn wir aber selbst weiterhin Parks betreiben möchten, birgt die Wetterkomponente ein unkalkulierbares Risiko, auf das wir selbst keinerlei Einfluss haben. Zudem können wir in den kommenden Jahren nicht auf die Unterstützung aus dem Exist-Gründerstipendium bauen, durch das wir im ersten Jahr unseren Lebensunterhalt und unser Büro finanzieren konnten.
Überlegt, wie es weitergeht: Hanfpark-Gründer Markus Sauerhammer   Überlegt, wie es weitergeht: Hanfpark-Gründer Markus Sauerhammer
Trotz allem sind wir weiterhin von unserer Idee überzeugt - eben nur nicht als alleiniges Geschäftskonzept für ein Unternehmen, sondern als Zuerwerbsmöglichkeit für Landwirte. Diese wollen wir nun bei der Erstellung eigener Hanfparks unterstützen.
Wäre Ihre Entscheidung anders ausgefallen, wenn Mitgründer Thomas Gutmann im Boot geblieben wäre?
Die Entscheidung von Thomas hatte keinen Einfluss darauf, dass wir selbst keinen Park mehr betreiben.
Was hätte man anders machen können?
Es sind viele Kleinigkeiten, die man in Zukunft besser machen kann. In den kommenden Monaten werden wir unsere Zahlen und Erfahrungen genau analysieren und in einem Leitfaden festhalten. Von diesem Wissen sollen unsere zukünftigen Partner profitieren.
Wie wird es jetzt weitergehen?
Wir werden einen Leitfaden für Landwirte verfassen, der es Ihnen erleichtern soll, selbst einen "Freizeitpark im Hanffeld" zu eröffnen. Wir wollen den Landwirten dabei beratend zur Seite stehen. Wie sich die Naturdenker GmbH darüber hinaus weiterentwickeln wird, werden wir in den kommenden Wochen festlegen.
Die Fragen beantwortete Hanfpark-Gründer Markus Sauerhammer
Sie brauchen noch etwas Zeit. Der Leitfaden und die Hanfernte.
Mit dem Leitfaden wollen Markus Sauerhammer und sein Mitgründer Christian Gehret Landwirten ein Konzept an die Hand geben, mit dem Landwirte einen Hanfpark betreiben können oder zumindest Teile davon übernehmen. Das Hanfpark-Team habe ja keine finanziellen Rücklagen gehabt. "Aber wer die hat, kann auch eine Saison überstehen, in der das Wetter so schlecht war wie dieses Jahr", sagt Sauerhammer, unterdrückt einen Fluch und sagt: "Ich hasse es, wenn ich übers Wetter reden muss."
Überarbeiten ihre Pläne: Hanfpark-Gründer Christian Gehret und ...   Überarbeiten ihre Pläne: Hanfpark-Gründer Christian Gehret und Markus Sauerhammer (v.l.)
Und das muss er oft in der letzten Zeit. In Interviews mit dem Fernsehen und einer landwirtschaftlichen Fachzeitschrift, etwa. Das bringt natürlich auch einen Marketingeffekt fürs neue Geschäftsmodell mit sich, sagt Sauerhammer: "Da sehen wir gleich, wie viele Landwirte sich melden."
Erst einmal müssen sie aber ihren Businessplan für das Exist-Gründerstipendium fertig schreiben. Inklusive aller Erkenntnisse, die sie während dieses Sommers mit ihrem Hanfpark gewonnen haben.
Der steht übrigens immer noch. Dabei würden der Landwirt gern den abgeernteten Hanf wenden und pressen und dann die dafür benötigten Maschinen über den Winter einmotten. Aber erst muss der der lange gebuchte "Hanfkoppelernter" den Hanf abgeerntet haben. Und der ist nach wie vor noch in Norddeutschland in Einsatz. Dort dauerte alles etwas länger, weil das Wetter in den vergangenen Wochen schlecht war. "So ist das in der Landwirtschaft. Wenn die Natur nicht will, kann man nichts machen", sagt Sauerhammer. Und er weiß, wovon er spricht.
Es ist sehr übersichtlich geworden auf der Wiese am U-Bahnhof Garching-Hochbrück. Nur noch ein Feld bräunlich verfärbter Hanfpfanzen, die bald abgeerntet werden sollen, steht hier.
Die letzten Gegenstände, die noch an den Freizeitpark erinnerten, der hier bis vor vier Wochen stand, sind seit dieser Woche weg. Das Klettergerüst vom Abenteuerspielplatz hat die Stadt Garching gekauft und abtransportiert. Zwei große Holzfiguren vom Maskottchen Hanfrey haben Markus Sauerhammer und sein Mitgründer Christian Gehret am Dienstag dieser Woche bei dem Bauern eingelagert, von dem sie das Feld gepachtet hatten.
Und im Hanfpark-Büro an der Fachhochschule Weihenstephan gibt es nun auch wieder Platz. Statt sieben, acht oder mehr Mitarbeitern, wirken hier nun nur noch Sauerhammer und sein Mitgründer Christian Gehret. Sauerhammer findet's gut: "Endlich hat man hier mal Ruhe", sagt er. Der Trubel während der Saison habe schon Spaß gemacht, meint er grinsend: "Aber eigentlich ist das Büro hier ja für zwei ausgelegt."
Eingemottet: Hanfpark-Maskottchen Hanfrey   Eingemottet: Hanfpark-Maskottchen Hanfrey
Die beiden erledigen Abschlussarbeiten für den Park: Buchhaltung, letzte Abrechnungen verschicken, Zeugnisse für Mitarbeiter schreiben. Und sie stellen erste Überlegungen für den Hanfpark-Leitfaden an. Mit dem sollen künftig Landwirte eigene Parks aufmachen oder Teile des Konzepts auf ihren Urlaub auf dem Bauernhof übertragen.
Noch steht allerdings nicht einmal fest, wie der Leitfaden gegliedert würde. Nach Themen wie grünes Klassenzimmer und Geisternacht? Oder doch nach Begriffen wie Vertrieb", "Marketing" und "Personal"? Schwierig. "Wenn jemand etwa nur ein Labyrinth machen will, ist ja für ihn irrelevant, wie man Marketing für Kindergeburtstage macht."
"Das müssen wir noch überlegen", sagt Sauerhammer. Noch hätten die beiden durch ihr Exist-Stipendium Anspruch auf Stunden mit einem Coach. "Vielleicht nehmen wir die dafür in Anspruch."
Sie haben es sich nicht leicht gemacht. Sie haben Konzepte gewälzt, sie haben gerechnet, sie haben diskutiert. Aber letztendlich, sagt Markus Sauerhammer, konnten er und seine Mitgründer nur eine Entscheidung fällen: "Wir werden nächstes Jahr keinen eigenen Hanfpark mehr betreiben."
Zwischen 22.000 und 25.000 Menschen - je nachdem, ob man Gutscheinbesitzer mit einrechnet - besuchten den Freizeitpark. Das waren deutlich weniger als erwartet. Die Gründer hatten sich ein Minimum von 30.000 Besuchern gesetzt. Und es waren nicht genug, um den Park profitabel zu betreiben. Nur dank Exist-Stipendiums und der Siegprämie von enable2start habe man dieses Jahr keine roten Zahlen schreiben müssen, sagt Sauerhammer.
Ändert sein Unternehmenskonzept: Hanfpark-Gründer Markus Sauerhammer   Ändert sein Unternehmenskonzept: Hanfpark-Gründer Markus Sauerhammer
Der wichtigste Grund dafür war der Regen. Der übertraf in Häufigkeit und Intensität die schlimmsten Erwartungen. "Wir haben definitiv nicht mit einer solchen Phase gerechnet", sagt Sauerhammer: "Ich habe vor meinem Studium Landwirt gelernt, aber solch einen Sommer habe ich noch nicht erlebt."
Auch andere Faktoren kamen hinzu. So war der Koordinationsaufwand für die Gründer höher als erwartet, sagt Sauerhammer. Etwa, um Anfragen qualifiziert beantworten zu können. So hätten viele Kunden nicht am Telefon nach Leistungen wie Kindergeburtstagen oder Familienfeiern gefragt, sondern im Park selbst. Und es gab Tage an denen bis zu 30 Schulklassen im Park waren, um die "grünen Klassenzimmer" zu besuchen", sagt Sauerhammer: "Das muss ja jemand koordinieren."
Sicher, man könnte vielleicht die Preise etwas anheben. Oder mehr fürs Marketing ausgeben. "Es gibt viele kleine Stellschrauben, an denen man etwas machen kann". Aber alles in allem müssten dann im Ergebnis kommendes Jahr rund 100.000 Euro mehr herauskommen, sagt Sauerhammer, "und das Risiko ist zu hoch."
Ihr Unternehmen, die Naturdenker GmbH, wollen er und Christian Gehret aber weiter betreiben. Sie wollen nun beraten.
Schon vor Monaten hatten sie die beispielsweise mit Landwirten gesprochen, die Urlaub auf dem Bauernhof anbieten und gern Teile des Hanfpark-Konzepts übernehmen würden. In den vergangenen Wochen kamen viele solcher Anfragen hinzu, sagt Sauerhammer. Vielleicht könnte ein solcher Landwirt sogar einen ganzen Park betreiben. Derzeit arbeiten sie an einem Leitfaden, mit dem so etwas umsetzbar wäre. "Wenn es ein passendes Modell dafür gibt, machen wir das."
Die erste Hanfparksaison neigt sich dem Ende zu. Können Sie schon eine Zwischenbilanz ziehen?
Der schlechte Wetter vom Saisonbeginn hängt uns natürlich auch noch am Ende der Saison nach. Schließlich war das erste Drittel des Öffnungszeitraumes fast durchgehend verregnet. Dies ist wohl der schwerwiegendste Grund dafür, dass wir lediglich die Besucherzahlen der der Parks erreicht haben, die wir als Studenten in den Jahren 2006 und 2007 betrieben hatten.
Gab es im vergangenen Monat noch Besonderheiten?
Diesen Monat waren wir vor allem mit dem Tagesgeschäft und der Aufarbeitung unserer bisherigen Zahlen beschäftigt. Im Vergleich zu den beiden Monaten vorher war es vergleichsweise ruhig.
Klappe zu: Am 27. September war der letzte Öffnungstag des Hanfparks   Klappe zu: Am 27. September war der letzte Öffnungstag des Hanfparks
Ihr Mitgründer Thomas Gutmann scheidet aus dem Team aus. Warum?
Die Mutter von Thomas ist schon seit längerem krank. Aus diesem Grund muss er bereits seit mehreren Wochen eine Doppelbelastung bewältigen: Er musste im landwirtschaftlichen Betrieb seiner Eltern und im Hanfpark gleichzeitig arbeiten. Da eine Besserung nicht wirklich abzusehen war, hat er eine Entscheidung treffen müssen.
Welche Auswirkungen hat sein Ausscheiden auf ihr Unternehmen?
Wir müssen unsere zukünftige Unternehmensstrategie grundlegend überdenken. Wollen wir einen Ersatz für Thomas oder verteilen wir seine Aufgaben auf das bisherige Gründerteam?
Haben Sie überhaupt noch etwas zu tun, wenn der Park erst einmal geschlossen ist?
Auch nach dem Abschluss der Saison haben wir noch eine Menge Arbeit vor uns. Der nächste Meilenstein ist es, einen aktuellen Businessplan zu erstellen. Diesen benötigen wir zum einen als Abschlussbericht für das Exist-Gründerstipendium, zum anderen ist er die Entscheidungsgrundlage für unser weiteres Vorgehen.
Die Fragen beantwortete Hanfpark-Gründer Markus Sauerhammer
Viel ist nicht übriggeblieben am Saisonende. Gerade mal zwei Umzugskartons füllten die Reste an Hanfkosmetik, Hanftaschen und -klamotten, die Markus Sauerhammer und seine Gründerkollegen am vergangenen Sonntag nicht los wurden. "Wir hätten nicht gedacht, dass wir noch so viel verkaufen", sagt Sauerhammer.
Preissenkungen von bis zu 30 Prozent - die die drei Gründer auch per Newsletter bekannt gemacht hatten - sorgten dafür, dass mehrfach Menschen am Hanfpark-Eingang standen, die fragten, ob sie auch in den Hanfpark-Shop gehen dürften, wenn sie den Hanfpark selbst nicht besuchen wollten. Sie durften.
Saisonende für die Hanfpark-Gründer Thomas Gutmann, Christian ...   Saisonende für die Hanfpark-Gründer Thomas Gutmann, Christian Gehret und Markus Sauerhammer (v.l.)
Inzwischen stehen die Kartons im Gründerbüro. Aufbauten, wie Toiletten- und Verkaufscontainer sind abgebaut und auch die metallenen Verankerungen der Zaunpfähle gaben schließlich nach - wenn auch erst, nachdem Gründer Christian Gehret mit einem langen Pfahl eine Art überdimensionierten Wagenheber gebastelt hatte.
Bis zum Mittwoch dieser Woche dauerte der Abbau. Und jetzt? Urlaub?
Noch nicht ganz, sagt Markus Sauerhammer. Erst müssen die übrig gebliebenen Waren verpackt und zu den Herstellern zurückgeschickt werden. Dann ist noch der PKW-Anhänger, den er in seinen Heimatort zurückfahren muss. Die zwei Gewinner einer Verlosung muss er benachrichten, und für den Exist-Abschlussbericht muss den Businessplan aktualisieren. "Aber dann mache ich zwei Wochen Urlaub. Oder mindestens eine", sagt Sauerhammer. Ob zuhause, oder im Ausland, das wisse er allerdings noch nicht: "Ich hatte noch keine Zeit, darüber nachzudenken. Hautpsache ausspannen."
Noch drei Tage, noch eine Geisternacht, noch - geschätzt - ein paar hundert Besucher. Dann ist es vorbei. Am Sonntag, dem 27. September, ist Saisonende im Hanfpark. Jetzt heißt es: Alles muss raus.
Da sind zum einen die Hanfprodukte, die noch in diesen Tagen verkauft werden sollen. Schon vor einer Woche senkten die Gründer die Preise für Textilien wie T-Shirts und Taschen um 20 Prozent, jetzt haben sie das Angebot noch einmal auf einen Nachlass von insgesamt 30 Prozent verbessert.
Im Angebot: Produkte aus Hanf   Im Angebot: Produkte aus Hanf
Auch bei Lebensmitteln gibt es Sonderangebote. Etwa bei Hanfnudeln. Die verkauften sich während der Saison zum Packungspreis von je vier Euro ziemlich schlecht. Jetzt gibt's zwei Päckchen für zusammen sechs Euro. "Seitdem verkaufen wir die wie verrückt", sagt Sauerhammer, "es ist unglaublich wie die Menschen auf reduzierte Preise reagieren."
Natürlich sinkt dadurch die Gewinnspanne. Und wo es sich doch ohnehin um Kommissionsware handelt - kann man da die ganzen Sachen nicht einfach zurückschicken? Könnte man, sagt Markus Sauerhammer, "aber wir tragen die Transportkosten. Selbst wenn wir die Sachen zum Einkaufspreis verkaufen ist das für uns günstiger."
Ebenfalls raus müssen die Toilettencontainer. Gleich am Montag wird deren Auffangbehälter abgepumpt, am Dienstag werden die Toiletten selbst abgebaut. Ebenso wie der Container für den Kassen- und Verkaufsraum. Noch am Sonntagabend wird das Parkteam alles ausräumen und demontieren.
Der Hanf selbst bleibt noch ein paar Tage länger stehen. Denn "Hanfkoppelernter" - Spezialfahrzeuge zum Abernten - sind selten. In Bayern gibt es nicht eine einzige solche Maschine. Also bestellten die Gründer eine aus Baden-Württemberg, die allerdings bis Anfang Oktober noch andernorts im Einsatz ist.
Vom Team verabschieden sich die Gründer bereits an diesem Donnerstagabend offiziell. Mit einer Abschlussfeier. Hanfbier sei noch genug vorhanden, sagt Sauerhammer: "Das muss ja auch weg."
Die Sommerferien in Bayern sind vorbei. Die Saison im Hanfpark noch nicht ganz, aber in den vergangenen Tagen machte das keinen großen Unterschied. In dieser Woche, der vorletzten vor Saisonende, sackten die Besucherzahlen deutlich ab. "Vielleicht meinen die einfach, der Sommer sei vorbei", sagt Gründer Markus Sauerhammer. Und vielleicht werde man im kommenden Jahr bereits Mitte September schließen. So war es bei den beiden Pilotprojekten im Jahr 2006 und 2007.
Wie geht's weiter? Das fragen sich die Gründer Thomas ...   Wie geht's weiter? Das fragen sich die Gründer Thomas Gutmann, Christian Gehret und Markus Sauerhammer (v.l.)
Es ist nur eine Überlegung von vielen. Was macht man nächstes Jahr anders, was genauso? Das sind die Fragen, die Sauerhammer und seine Mitgründer Christian Gehret und Thomas Gutmann in diesen Tagen wälzen. Denn es stehen wichtige Termine an. Ein Treffen mit der Bürgermeisterin von Garching und mit den Landwirten, von denen die Gründer die Flächen gemietet haben. Und auch den Bauantrag für kommende Saison wollen sie bald stellen. "Da sollte man vorher wissen, was man will", sagt Sauerhammer.
Die Saison nach vorn zu verschieben, ginge jedenfalls nicht. Der Eröffnungstermin 20. Juni war der frühestmögliche, sagt Sauerhammer: "Früher wäre der Hanf nicht hoch genug gewesen. Und wenn man früher aussät, könnte er noch Frost abbekommen."
Dennoch müssen nächstes Jahr mehr Besucher kommen. Die erhoffte Zahl von rund 30.000 haben die Gründer diesmal um rund 10.000 verfehlt. Vor allem wohl, weil die Startzeit so verregnet war. Ausgerechnet die Zeit, in der sie das meiste Marketing getrieben haben. "Und wenn so ein Flyer wochenlang auf dem Küchentisch gelegen hat, weil es regnete, dann wandert der natürlich irgendwann in den Papierkorb. Und dann vergisst man, was drauf stand", sagt Sauerhammer. Das könnte man natürlich besser streuen. Zack, schon wieder eine Frage weniger auf der Liste.
Rustikale Fleischspieße vom Schwenkgrill und turbulente Schaukämpfe mit mittelalterlichen Waffen - die Besucher des Ritterfestes im Hanfpark kamen voll auf ihre Kosten. "Das war ein turbulentes Wochenende, aber es hat sich gelohnt", sagt Markus Sauerhammer, einer der Gründer des Freizeitparks im Hanffeld. Mehr als 2500 Menschen strömten zu dem Spektakel und stellten damit den bisherigen Rekord von 1700 Besuchern an einem Tag ein.
Bogenschießen beim Ritterfest im Hanfpark   Bogenschießen beim Ritterfest im Hanfpark
Viele bayerische Radiosender hatten auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht. Mit einem so großen Andrang hatten die Gründer nicht gerechnet, vor allem nicht bei der Personalplanung. "Mehr Besucher hätten es nicht werden dürfen, da hätten die Mitarbeiter nicht ausgereicht", sagt Sauerhammer. Und auch finanziell lohnt sich die Zusammenarbeit mit den Gauklern, Rittern und Minnesängern: Ein Teil des Eintrittsgeldes ging an den Hanfpark, für die Buden bezahlten die Betreiber eine Standgebühr.
Nach dem Ritterfest bleibt den Gründern kaum Zeit, denn das Saisonende steht vor der Tür. Bis dahin ist noch viel zu tun: "Nächste Woche fängt die Schule wieder in Bayern an und wir haben auch schon die ersten Buchungen", sagt Sauerhammer.
Bevor der Park in die Winterpause geht, soll das Geschäft mit dem "grünen Klassenzimmer" noch einmal angekurbelt werden. "Schließlich laufen die Veranstaltungen für Schulklassen neben den Kindergeburtstagen am besten", sagt Sauerhammer. Ist die tägliche Arbeit geschafft, arbeiten die Hanfparkgründer an einem Businessplan für die Gründungsinitiative Exist des Bundeswirtschaftsministeriums.
Ritterfest im Hanfpark   Ritterfest im Hanfpark
Eines ist dabei ganz klar: Das System kann nur dann funktionieren, wenn es langfristig mehrere Parks geben wird. "Bei der Entwicklung des Geschäftskonzeptes ist es egal, ob es ein Park ist oder zwanzig - um rentabel zu sein, müssen wir in die Breite gehen", sagt Sauerhammer.
  • FTD.de, 03.12.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 23.12.2010 19:38:41 Uhr   pocketrocket: @komtpost1

    captcha-ad ist meiner Meinung nach vielversprechender.

  • 22.10.2009 20:30:16 Uhr   Markus: Antworten
  • 22.10.2009 18:36:05 Uhr   Claus Hornung, FTD: Umsteuern@Expat
  • 22.10.2009 13:42:54 Uhr   kommtpost1: Unternehmensberater
  • 21.10.2009 22:22:53 Uhr   Expat: Wirtschaftlichkeit (@Claus Hornung)
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