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  enable2start-Gründertagebücher FTD-Serie: Die Welt der Zahlen: Statista

Welches ist das höchste Gebäude der Welt? Wie viel Zigaretten konsumiert ein deutscher Raucher im Schnitt und wo liegt der durchschnittliche Steuersatz von alleinerziehenden Vätern? Antworten darauf gibt es bei Statista, strukturiert aufbereitet und mit Suchbegriffen versehen.

Merken   Drucken   01.06.2009, 08:52 Schriftgröße: AAA

Gründertagebuch: Start mit Verzögerung - die 2. Quartalsreportage von Statista

01.06.2009 - Statista: Zweimal hat die widerspenstige Technik verhindert, dass Statista endlich Geld verdienen kann. Jetzt läuft endlich alles rund. Und die ersten Kunden sind auch bereits da. von Claus Hornung
Friedrich Schwandt ist ein diplomatischer Mensch. Er spricht leise. Er fällt anderen nicht ins Wort. Er sagt: "Ich müsste eigentlich langsam los", wenn er in zwei Minuten einen wichtigen Termin hat. Das muss man wissen, um zu verstehen, was es bedeutet, wenn Friedrich Schwandt sagt: "An diesem Tag habe ich mich wahnsinnig geärgert."
Dieser Tag war der 6. April 2009. Eigentlich steht dieses Datum nur für eine Summe von Tagen, an denen einiges schiefging. Monatelang hatte das Team von Schwandt und seinem Mitgründer Tim Kröger daran gearbeitet, kostenpflichtige Angebote für das Portal Statista.com anzubieten.
Statista-Gründer Friedrich Schwandt   Statista-Gründer Friedrich Schwandt
Dort können User seit Sommer 2008 auf mehr als eine Million Statistiken kostenlos zugreifen. Spätestens mit Beginn des Aprils 2009 hätten einige Angebote Geld kosten sollen. Die Einnahmen für einzelne kostenpflichtige Statistiken sind wesentlicher Bestandteil von Schwandts Businessplan.
Am 25. März startete er einen Anlauf. Und stellte fest: Es hakte an den Schnittstellen, auf denen die Software von Statista auf die vom Serverhost und vom Betreiber des Abrechnungssystems traf. Spätestens beim Eintragen der Kreditkartennummer brach der Bezahlvorgang ab.
"Kann passieren", sagte sich Schwandt und ließ die Programmierer, die ein externer Dienstleister stellt, weiter feilen. Gut, dass er sich für einen "Soft Launch" entschieden hatte, ohne Presse- und Marketing-Tamtam. Erst mal sollte alles eine Weile störungsfrei laufen, bevor man es in die Welt hinausruft.
Kosten, Einnahmen, Kapital- und Schuldenstand:
Hier steht die Statista-Quartalsbilanz von Februar bis April 2009: www.ftd.de/Quartalsbilanz
Neun Tage später der nächste Versuch. Wieder klemmte die Technik, wieder mussten die Techniker ran. Schwandt: "Kann auch noch passieren." Wiederum zwei Tage später passierte der GAU: Der wichtigste Programmierer war krank, es gab keinen Ersatzmann, und Schwandt, nun ja - er ärgerte sich wahnsinnig.
"Wenn man in einem Startup arbeitet, vergisst man manchmal, dass Leute krank werden", sagt Schwandt. Weitere zwei Wochen vergingen, bis endlich alles richtig lief. Schwandt hat seine Lehren daraus gezogen. "Für wichtige Mitarbeiter muss es Ersatz geben", sagt er. Und: Sie sollten im Hause arbeiten, damit der Chef auf sie zugreifen kann. Nur Tage nach der letzten Panne schrieb Schwandt auf Statista.com neue Stellen für Programmierer aus.
Vier Wochen später hat er immer noch keine Pressemitteilung herausgegeben und keine Google-Anzeigen geschaltet. Trotzdem komme der Zug langsam ins Rollen, erzählt Schwandt, während er in einem Hamburger Straßencafé sitzt und in seinem doppelten Espresso rührt.
Etwa ein Dutzend User klicken täglich auf das rote Euro-Zeichen neben den kostenpflichtigen Statistiken. Mehrere haben einen der Markenreports bestellt - telefonbuchdicke Wälzer, in denen Fakten zu Produkten großer Firmen wie Adidas, Lego oder Melitta zusammengestellt sind. Und seit wenigen Wochen bietet Statista seinen Kunden Online-Umfragen zu deren Themenvorgaben an.
Die Statista-Gründer Tim Kröger und Friedrich Schwandt (v.l.)   Die Statista-Gründer Tim Kröger und Friedrich Schwandt (v.l.)
Tausend Kleinigkeiten gibt es noch zu verbessern. Eine Formulierung hier, eine Farbänderung da. Das überlässt Schwandt seinem Mitgründer Kröger. Er hat jetzt eine andere Aufgabe: Klinken putzen. Drei bis vier Tage die Woche ist er auf Tour, besucht potenzielle Kunden - im Gepäck jedes Mal einen dicken Markenreport als Appetitmacher. "Da kann man was anfassen."
Die ersten Erfolge sind da. Wenn auch manchmal anders als erwartet. Gleich zwei Firmen haben Recherche-Dienstleistungen gebucht. Ein italienisches Unternehmen, das seine Produkte auf den deutschen Markt bringen will, und ein deutsches Medienhaus, das sein Marktumfeld analysieren will. "Research ist eigentlich kein Standardprodukt von uns", sagt Schwandt. Aber das Fachwissen ist da. Schon kurz nach dem Start des Portals gab es Anfragen in diese Richtung. Und überhaupt: Was der Kunde will, das kriegt er.
Entspannte Investoren, ambitionierte Pläne
Rund 50.000 Euro Umsatz hat Statista von Februar bis April gemacht. Damit liegt Schwandt vor seinen eigenen Zielen. Trotzdem gibt er Gas. Bis Ende des Jahres will er den Break-even schaffen. Dann überweist sein Investor die letzte Tranche einer siebenstelligen Investitionssumme. "Die sind entspannter als wir."
Aber das ist für ihn nicht entscheidend. Wichtiger ist, was er selbst sich vorgenommen hat. "Unsere Pläne sind ziemlich ambitioniert", sagt er, "aber wir sind in einer Wirtschaftskrise. Niemand weiß, was das für die Refinanzierung von Startups heißt. Ich möchte lieber nicht im Dezember dastehen und sagen müssen: Ich brauche eine zusätzliche Finanzspritze."
Schwandt sucht daher neben seiner Vertriebsarbeit neue Partner, die Content liefern können. Er entwickelt weitere kostenpflichtige Angebote und stellt Personal ein. 25 Mitarbeiter hat das Unternehmen bereits. Die drängelten sich bislang auf 100 Quadratmetern. Auch das hat ein Ende.
Schwandt deutet freudig auf einen Gründerzeitbau gegenüber dem Innenstadtcafé: "Dort ziehen wir ein." Soll heißen: Dort zieht ein Teil der Belegschaft ein. Die Bearbeiter von Statistiken, kurz: alle, die besonders viel Ruhe bei ihrer Arbeit benötigen. Techniker, Analysten und Mitarbeiter, die Texte redaktionell bearbeiten, bleiben in den alten Räumen im etwa 100 Meter entfernten Stammsitz.
Schwandt hat keine Angst, dass die Trennung die Start-up-Atmosphäre bei Statista zerstören könnte. Als er und Kröger beobachteten, dass immer dieselben Leute gemeinsam essen gingen und Kicker spielten, sprachen sie das Thema an. "Wir haben einfach gesagt: Nehmt auch mal die anderen mit, ihr müsst denen eine Chance geben. Das hat funktioniert." Ein kompletter Umzug sei ohnehin keine Alternative gewesen. "So etwas legt einen zwei Wochen lahm. Wir haben auch so schon genug Baustellen."
Schwandts Blackberry klingelt. Er blickt sorgenvoll. "Entschuldigung", sagt er leise, "aber ich müsste jetzt eigentlich los."
Was ist die größte Schwäche des Statista-Teams? Für die Antwort auf diese Frage muss Friedrich Schwandt normalerweise nicht lang überlegen: "Wir sind nicht gut im Feiern." Die Champagnerflasche, die zum Anstoßen auf den Titel "Start-up des Jahres" gedacht war, ist seit Dezember vergangenen Jahres ungeöffnet, die vom enable2start-Sieg sogar seit Oktober.
Da ist schon eine kleine Sensation, was am 20. Mai passierte: Für geschlagene 20 Minuten ließ das gesamte Team die Arbeit liegen und feierte mit Kaffee und Sekt den ersten Geburtstag des Statistik-Portals.
Happy Birthday. Statista-Gründer Friedrich Schwandt feiert ...   Happy Birthday. Statista-Gründer Friedrich Schwandt feiert Einjähriges
"Ich bin schon ein bisschen stolz", sagt Gründer Friedrich Schwandt und zählt auf, was in diesem Jahr alles passiert ist: Statista ist online gegangen, hat die bereits erwähnten Preise gewonnen und einen Investor gefunden. Und seit knapp zwei Monaten laufen die ersten kostenpflichtigen Dienste. Als diese online gingen, sagte Schwandt: "Der Launch war ein bisschen wie die Geburt eines Kindes, jetzt muss das Kind laufen lernen." Am ersten Geburtstag seines Kindes gehen die Gedanken bereits ein bisschen weiter. "Jetzt fehlt noch ordentlich essen, Schwimmen und Fahrrad fahren", sagt er. "Und durchschlafen!", wirft Schwandt Mitgründer Tim Kröger ein.
Immerhin tut der Nachwuchs bereits jetzt einiges für die Rente seiner zwei Väter. Vor einigen Tagen erhielt Schwandt den ersten Großauftrag. Ein großes Medienunternehmen buchte für 20.000 Euro ein Kombipaket, bestehend aus einer Online-Umfrage, einem Markenreport und einer Zielgruppen-Analyse. Letztere ist sozusagen die umgekehrte Variante eines Markenreports. Während ein Report beispielsweise auflistet, wie alt der durchschnittliche Träger von Adidas-Turnschuhen ist, untersucht die Zielgruppenanalyse etwa wie 35-jährige Männer aus Hessen ticken: Welche Turnschuhe, Biersorte oder Automarke bevorzugen sie?
Ganz genau weiß Schwandt noch nicht, wie er diese Analyse abbuchen soll - als Markenreport oder als Research-Auftrag. Aber für solche Details fehlt ihm im Augenblick die Zeit. Ende dieser Woche soll der Auftrag abgearbeitet sein. "Ein relativ sportliches Ziel", sagt Schwandt. Da mussten er und Kröger selbst am vergangenen Wochenenden mit ran, Daten heraus suchen und eingeben. Aber kleine Kinder sind nun mal anstrengend.
Jetzt ist es raus: Auf Statista.com kann man detaillierte Statistiken und Markenreporte kaufen, Recherche-Spezialisten buchen und Online-Umfragen in Auftrag geben.
Ist das neu? Nicht für die Leser der Gründertagebücher auf FTD.de. Für den Rest der Welt schon. Denn Statista-Gründer Friedrich Schwandt startete mit einem "Soft Launch" - er wollte erst sicher sein, dass alle Angebote störungsfrei laufen. Das ist nun seit gut einem Monat der Fall. Darum verschickte er Ende vergangener Woche eine Pressemitteilung an Fachmedien der Werbe- und Medienbranche.
Gründer Friedrich Schwandt ging auf Nummer sicher: Erst muss alles ...   Gründer Friedrich Schwandt ging auf Nummer sicher: Erst muss alles laufen, dann kommt die Pressemitteilung
In der Zwischenzeit feilten er und Mitgründer Tim Kröger noch an Details. Dazu gehört, dass der Bereich, der zu den kostenpflichtigen Angeboten führt, inzwischen nicht mehr rot unterlegt ist, sondern blau wie alle anderen Funktionen. Ursprünglich dachte Schwandt, dass die rote Farbe mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht. "Aber nach außen kann das schnell so wirken, als ob dieser Bereich nicht wirklich zu uns gehört", sagt er, "dabei ist das Gegenteil der Fall."
Auch ohne Pressemitteilung gibt es bereits Kunden. Rund ein Dutzend User pro Tag kauften beispielsweise in den vergangenen Wochen bereits Online-Statistiken. Viele davon schrieben auch positive E-Mails, sagt Schwandt. Er hatte anderes befürchtet. Ein Portal, das zunächst nur Gratis-Inhalte geboten hat, um kostenpflichtige Angebote zu erweitern, sei heikel:"Wir dachten, dass die Internet-Community über uns herfallen könnte", sagt er. Inzwischen habe durch öffentliche Diskussionen scheinbar ein Umdenken eingesetzt: "Inzwischen ist klar, dass man nicht alles durch Werbung finanzieren kann."
Die Rechnung ist simpel: ständig steigende Mitarbeiterzahlen plus gleichbleibende Bürofläche ergeben Platzmangel und Lärmbelästigung.
So viel Unternehmer-Mathematik beherrscht auch Friedrich Schwandt. Und nach langem Suchen hat er endlich eine Lösung, sprich: neue Räume. Keine 20 Meter vom Hamburger Statista-Hauptsitz entfernt, hat er ein 100-Quadratmeter-Stockwerk angemietet. Aber nur ein Teil der 25-köpfigen Belegschaft zieht um.
Nicht drängeln, bald gibt's mehr Platz. Friedrich Schwandt ...   Nicht drängeln, bald gibt's mehr Platz. Friedrich Schwandt (Vordergrund) hat neue Räume angemietet
Mitarbeiter, die Texte redaktionell bearbeiten, Techniker und Analysten bleiben in den alten Räumen. Die Bearbeiter von Statistiken - der Job, der die höhere Konzentration erfordert - ziehen um.
Klar, für die Start-up-Atmosphäre wäre es schöner gewesen, unter einem Dach zu arbeiten, sagt Schwandt. Aber im gleichen Gebäude habe es auf lange Sicht keine Möglichkeit gegeben, neue Räume anzumieten.
Und komplett umziehen? "Das hieße: Neue Telefonanlagen, alles ummelden, alles rüberschaffen", sagt Schwandt. Er rollt mit den Augen und zählt auf, was sonst noch alles auf der Statista-to-do-Liste steht: Die neuen Bezahlstatistiken werden schon wieder überarbeitet - die Farben waren Schwandt "einen Tick zu aggressiv" und manche Texte nicht auf allen Browsern lesbar. Wenn das passiert ist, wird Statista eine Pressemitteilung herausgeben. Und ganz nebenbei ist Schwandt noch auf Vertriebstour, um Kunden für die neuen Dienste anzuwerben.
"Wir haben genug Baustellen", sagt er, "da müssen wir keine weitere aufmachen."
Der Start ihrer bezahlpflichtigen Dienst lief nicht ganz wie erwartet. Was war los?
Das Zusammenspiel zwischen Hoster, Technikdienstleister und Payment-Provider lief nicht optimal. Zudem haben wir den internen Testzeitraum für die Zeitplanung zu kurz angesetzt.
Es gibt so viele unterschiedliche Browser-Varianten im Netz. Und bei allen muss das Bezahlverfahren einwandfrei laufen. Das haben wir jetzt erreicht. Im Nachhinein war es goldrichtig, dass wir einen Softlaunch geplant haben. Erst im Mai werden wir den offiziellen Start der Business-Services verkünden.
Hat sich das auf die Stimmung im Team ausgewirkt?
Hmmmmmmmmm, Nein!
Wie viel Dinge braucht der Mann? Statista-Gründer Friedrich ...   Wie viel Dinge braucht der Mann? Statista-Gründer Friedrich Schwandt am Flipchart
Was haben Sie daraus gelernt?
Drei Dinge braucht ein Mann: Erstens: längere Testzeiträume. Zweitens: immer einen Softlaunch vor dem offiziellen Launch. Drittens: ein bisschen Ruhe und Geduld.
Wofür haben Sie im vergangenen Monat am meisten Geld ausgegeben?
Bei Statista ist es immer das Personal; das wird sich auch in den nächsten Monaten und Jahren nicht ändern. Unsere Contents sind hochwertig und anspruchsvoll.
Was ist die größte Aufgabe im kommenden Monat?
Im Mai beginnen wir mit dem Vertrieb der Business Services. Das wird für uns extrem spannend werden. Ein bisschen Klinkenputzen gehört natürlich auch dazu.
Die Fragen beantwortete Statista-Geschäftsführer Friedrich Schwandt
Frankfurt, München, Berlin und zurück nach Hamburg in einer Woche - Friedrich Schwandt ist viel unterwegs in diesen Tagen. Er ist auf Vertriebstour. Nachdem die kostenpflichtigen Dienste von Statista endlich einwandfrei laufen, soll die Menschheit schließlich auch davon erfahren - und natürlich die Produkte kaufen.
Ist auf Vertriebstour: Statista-Gründer Friedrich Schwandt   Ist auf Vertriebstour: Statista-Gründer Friedrich Schwandt
Schwandt sucht bereits einen Vertriebsmitarbeiter. Noch allerdings schmeißt er den Job allein. Sein Fokus liegt dabei auf Medienhäusern, Konsumgüter-Unternehmen und Werbeagenturen. Die Hälfte davon kennt er noch von seinem Job als Berater, ein Viertel sind Kontakte seiner Kontakte. Das verbleibende Viertel schreibt Schwandt "kalt" an. Das bedeutet: Er schreibt einen Brief. "Ich halte das für besser als eine Mail. Einen Brief muss man öffnen, Papier kann man anfassen - das hat mehr Wertigkeit."
Außerdem kann man dann einen dicken Markenreport dazupacken. Als Beispielfall hat Statista alle Fakten zusammengetragen, die es über die Marke Musicload gibt. Heraus kam ein mehrere hundert Seiten dickes Buch, das Schwandt nun als Appetitmacher verschickt.
Tatsächlich brachten die ersten Gespräche schon die ersten Aufträge. Andere als Schwandt erwartet hatte: Gleich zwei Firmen buchten Recherche-Dienstleistungen. Ein italienisches Unternehmen, das seine Produkte auf den deutschen Markt bringen will, und ein deutsches Medienhaus, dass sein Marktumfeld analysieren will. "Das ist eigentlich kein Standardprodukt von uns", sagt Schwandt, "es ist entstanden, weil es die Anfragen gab."
Schwandt nimmt die Angebote gern an. Ihm bringt jeder der beiden Aufträge eine vierstellige Summe ein. Und für seine Kunden sei es wesentlich günstiger, als einen Dienstleister auf die gleiche Aufgabe anzusetzen. Schließlich müsse dieser oft noch Daten ankaufen, die bei Statista ohnehin vorhanden wären. "Ich schätze, das würde woanders das Doppelte oder Dreifache kosten."
Auf die Frage, was er Ostern gemacht hat, muss Friedrich Schwandt erstmal überlegen? "Ostern, wann war das nochmal?" fragt er nach, ohne die für ihn typische Selbstironie. Erst nach einer Minute Überlegen fällt ihm ein: "Ach ja, da habe ich zwei Tage frei gemacht und mit meinen Kindern Eier gesammelt."
Kann wieder entspannt lächeln: Statista-Gründer Friedrich Schwandt   Kann wieder entspannt lächeln: Statista-Gründer Friedrich Schwandt
Es war wohl ein bisschen viel in den vergangen Wochen. Aber es hat sich gelohnt: Auch der letzte bezahlpflichtige Dienst von Statista.com ist online: Seit vergangenen Mittwoch können User einzelne Statistiken gegen Bezahlung abrufen. Nach zwei Fehlstarts lagen die Nerven im Team ziemlich blank, gibt Schwandt zu. Und immer wieder klappten Dinge nicht, die vorher schon einmal funktionierten, brach bei Testern, die sich über Internet-Explorer einwählten, schon der Registrierungsvorgang zu früh ab - oder der Versuch zu bezahlen.
Zwischenzeitlich holten Schwandt und sein Mitgründer Tim Kröger den Programmierer ihres Dienstleisters Getanet aus dem Urlaub. Mit "freundlicher Zusprache" wie Schwandt - diesmal wieder ironisch - sagt. Kurzfristig engagierten sie sogar zwei weitere Programmierer. Immerhin übernahm Getanet, selbst an Statista beteiligt, die Kosten dafür.
Als endlich alles sicher schien, tastete man sich vorsichtig vor. Zum Start wurden erst drei Statistiken freigeschaltet, dann zehn, am Ende des ersten Tages waren es 100. Jetzt, eine knappe Woche später, ist Schwandt wieder entspannt. Es gab keine Fehlermeldungen, keine Beschwerden. Und einige erste Nutzer haben bereits Statistiken abgerufen und bezahlt.
Schon vor dem Start der kostenpflichtigen Einzelstatistiken hatte Statista schrittweise kostenpflichtige Dienste wie Markenreports angeboten und erste Bezahlmöglichkeiten eingerichtet. Auch dabei ruckelte die Technik. "Das war ein Fehler", sagt Schwandt rückblickend. "Wenn wir das nächste Mal neue Features einführen, bündeln wir alles. Sonst vervielfacht man die Fehler."
Kostenpflichtige Statistiken, zweiter Versuch.
Nachdem es beim ersten Mal Probleme gegeben hatte, startete Statista-Gründer Friedrich Schwandt in der vorvergangenen Woche einen neuen Anlauf - und rannte erneut vor die Wand.
Ein Teil lief reibungslos. Wie gewünscht, liefen kostenpflichtige Statistiken auf dem Portal ein. Und sie waren mit einem roten Euro-Zeichen gekennzeichnet. Und wer eine solche Statistik anklickte, sah bereits, in welche Kategorien die Zahlen aufgeteilt sind: Bei einer Umfrage über die beliebtesten Autos der Deutschen wäre beispielsweise zu sehen, welche Fahrzeugmarken darin genannt werden. Nur die Zahlen selbst waren noch nicht zu sehen. Für die soll der Nutzer schließlich zahlen. Bis hierhin: Alles wie gewünscht.
Nicht ärgern! Statista-Gründer Friedrich Schwandt muss Geduld haben   Nicht ärgern! Statista-Gründer Friedrich Schwandt muss Geduld haben
Nur: Wer jetzt diese Statistik kaufen wollte, erhielt eine Fehlermeldung. "In der Theorie stimmte alles", sagt Friedrich Schwandt. Heißt: Auf den Rechnern von Statista funktionierte auch dieser Vorgang. Nicht aber bei vielen befreundeten Nutzern, die das Angebot unter Live-Bedingungen ausprobieren sollten.
Das Problem war die Programmierung: Für den Bezahlvorgang legte sich ein neues Fenster wie ein Pop-up über die Statista-Seite. Diese Technik verträgt sich jedoch scheinbar nicht mit der SSL-Technik, über die die Daten der Kunden zum Payment-Abwickler transportiert werden.
Wie man Ärger wegkickt
"So was passiert", sagte sich Friedrich Schwandt und ärgerte sich nur ein bisschen. Zwei Tage später, an einem sonnigen Sonntag, war auch dieser Ärger verraucht. Da schlug Libero Schwandt mit seiner Hobbyfußballertruppe beim Sonntagskick die gegnerische Mannschaft mit 4:3. "Und die waren im Schnitt höchstens halb so alt war wie wir", erzählt der 42-Jährige mit unverhohlener Schadenfreude: "Danach fühlte ich mich gleich besser."
Einen Tag später war es damit wieder vorbei. Der Programmierer, der den Pop-up-Fehler beheben sollte, meldete sich krank. "Diesmal habe ich mich einen Tag lang wahnsinnig geärgert."
Obendrein war der Mann kein Mitarbeiter von Schwandt, sondern des externen Dienstleisters, der für Statista die Backend-Programmierung übernommen hat. Vier Tage dauerte es, bis der Mitarbeiter sich halbgenesen wieder an den Rechner setzten konnte.
"Wir werden langfristig stärker insourcen", lautet eine Konsequenz, die Schwandt daraus zieht. Aber auch dann dürfe es keinen Mitarbeiter mehr geben, der allein für eine wichtige Aufgabe verantwortlich sei, sagt er: "Je größer man wird, desto wichtiger wird es, Ersatzleute zu haben. Man vergisst als Start-up manchmal, dass Menschen auch krank werden können."
Was lief gut im März, was schlecht? Was sind die größten Aufgaben für Statista in der Zukunft?
Gründer Friedrich Schwandt erzählt im Video-Interview, wie er uns sein Team bis zur letzten Minute den neuen Bezahldiensten für das Portal schraubten. Mit Angeboten wie detaillierten Markenreports und Online-Umfragen soll Statista jetzt Geld verdienen. Vorher mussten noch eine Menge Details geklärt werden. Von der freigeschalteten Telefonnummer für Kunden bis hin zu der Frage, ob man das Zitat eines Geschäftspartners auf dem Portal veröffentlichen darf.
Es hätte so schön sein können. Ein Knopfdruck und - zack- sind die kostenpflichtigen Angebote von Statista online. Aber das Leben hält sich nicht immer an den Businessplan.
Darum wird Statista-Gründer Friedrich Schwandt voraussichtlich erst ab diesem Montag bezahlpflichtige Statistiken auf seinem Portal anbieten können. Eigentlich sollte das schon am vergangenen Mittwoch, dem 25. März, passieren. Aber der Reihe nach:
Was hakt da bloß? Statista-Gründer Friedrich Schwandt musste den ...   Was hakt da bloß? Statista-Gründer Friedrich Schwandt musste den Launch verschieben
Schon am Dienstag konnte Schwandt das bordeauxrot unterlegte Kästchen mit dem Text "Business" freischalten. Dort können Nutzer seitdem vier kostenpflichtige Angebote nutzen: Sie können Online-Umfragen in Auftrag geben. Sie können Informationen zu rund 500 Marken als "Markenreport" kaufen. Sie können den Medienservice abonnieren, also Statistiken von Statista im eigenen Firmenlayout erhalten. Und sie können Experten von Statista als "Infobroker" mit Rechercheaufgaben beauftragen.
"Da lagen wir zeitlich voll im Plan", sagt Schwandt. Und auch die ersten Resonanzen gefallen ihm. Rund 100 Nutzer haben sich bereits über die Dienst informiert, etwa zehn haben bereits Infobrokerdienste und Markenreports gekauft. Und das, obwohl es weder Pressemitteilungen noch Marketing-Tamtam gab. Das sollte nach Schwandts Plan erst kommen, wenn die Seiten einige Zeit störungsfrei gelaufen sind.
Die Techniker warnten vor dem Start
Jetzt ist er froh, sich für diesen "Soft Launch" entschieden zu haben. Denn erst verzögerte sich das Freischalten von kostenpflichtigen Statistiken um einen Tag, weil die Programmierer für die tausend kleine Details von Rechtsschreibfehlern bis hin zu Logos doch mehr Zeit benötigten als geplant.
Doch schon vor dem dann anvisierten Start am vergangenen Donnerstag meldeten sich die Techniker: Es wird nicht funktionieren. Genauer: Der Bezahlvorgang werde ab dem Moment abbrechen, in dem versucht wird, eine Kreditkartennummer einzugeben. Schwandt startete dennoch einen Live-Versuch. Über eigens eingerichtete, nicht-öffentliche URLs konnten Statista-Mitarbeiter die Seite testen und stellten fest: Die Techniker haben recht.
Woran es liegt? "Wir glauben, dass die feste IP-Adresse, die wir einrichten müssen, nicht richtig vom Server zum Bezahldienst vermittelt wird", sagt Schwandt. Seitdem führen alle drei Seiten - Statista, der Webhost, und der der Betreiber der Abrechnungssysteme "angeregte Gespräche" wie es Schwandt diplomatisch formuliert. "Es geht darum konstruktiv zu sein, und nicht, sich gegenseitig Schuld zuzuweisen."
Überhaupt, er nehme das Ganze stoisch auf, sagt er: "Es ist immer schade, wenn etwas, das man angekündigt hat, verschoben wird. Aber ansonsten finde ich das nicht dramatisch."
Noch zweimal schlafen... dann geht es los mit den Bezahldiensten von Statista. Das stand an dieser Stellebereits vor einer Woche - war aber ein Missverständnis zwischen Statista-Gründer Friedrich Schwandt und FTD.de.
Richtig ist: am kommenden Mittwoch, dem 25. März, startet Statista seine Bezahldienste. Aber wirklich.
So kurz die Zeit, so lang ist die To-do-Liste, die Friedrich Schwandt und das Statista-Team noch abzuarbeiten haben. Der Erholungseffekt aus dem gerade erst beendeten Skiurlaub ist jedenfalls schon verpufft. Ebenso wie die ganzen guten Vorsätze, die man immer gern aus dem Urlaub mitbringt.
Hat noch eine umfangreiche To-do-Liste: Statista-Gründer Friedrich ...   Hat noch eine umfangreiche To-do-Liste: Statista-Gründer Friedrich Schwandt
"Das ist ja ein bisschen 'Silvester light'. Man kommt zurück und denkt: Ab jetzt mache ich ganz viel Sport und ernähre mich gesund und all so was", sagt Schwandt mit leicht erschöpft klingender Stimme, "aber das hat sich ganz schnell erledigt."
Bis zu 13 Stunden täglich verbringt er derzeit wieder im Büro. Ein kleiner Teil dieser Zeit fiel in den vergangenen Tagen auf den Abschluss einer Kooperation mit Thomson Media Control. Die Agentur verfolgt, wie viel Werbung welches Unternehmen für welches Produkt schaltet und rechnet nach, wie hoch die Investionen dafür waren. Das interessiert beispielsweise Mitbewerber der betroffenen Unternehmen.
Bislang gab es solche Informationen nur über ein Abonnement bei Thomson, demnächst können User von Statista - gegen Bezahlung - gezielt Daten zu einzelnen Produkten Unternehmen abfragen. "Das ist so, als ob man immer gleich die ganze LP kaufen muss, auch wenn man sie gar nicht braucht", sagt Schwandt: "Bei uns können Sie auch die Single kaufen."
Den Großteil der Arbeit bei Statista verursachen derzeit aber nicht die Seiteninhalte. Aufwendig sind die Prozesse dahinter", sagt Schwandt.
Etwa, dass tatsächlich eine Rechnung erscheint, wenn man auf den Knopf "Rechnungen" drückt. Oder, dass endlich die eigens angeforderte 0180er-Telefonnummer funktioniert. Dafür bekommt man eigentlich einen Code von der Telekom, aber die hat ihn trotz Zusage noch nicht geschickt.
Außerdem Statista erstmals einen Anrufbeantworter. Aber wer muss oder darf den abhören? Und was tut derjenige, wenn der Mensch am anderen Ende etwas fragt, was er nicht selbst beantworten kann? Alles keine weltbewegenden Fragen, sagt Schwandt. Aber in Summe nicht zu unterschätzen. "Natürlich werden da anfangs noch tausend Fehler passieren."
Friedrich Schwandt bleibt auch im Skiurlaub in Österreich in Kontakt mit seinem Mitarbeitern. Schließlich befindet sich sein Start-up in der heißen Phase: am Mittwoch geht es los mit dem Bezahlinhalt. Und damit auch mit dem Geldverdienen.
Kostenlose und kostenpflichtige Statistiken stehen dann auf der gleichen Seite. Die Bezahlinhalte sind mit einem Euro-Zeichen gekennzeichnet. Wenn man auf sie klickt, erscheint die Statistik, allerdings noch ohne genaue Zahlen. "What you see is what you get" nenne man das in der Internetsprache, sagt Schwandt.
Statista-Gründer Friedrich Schwandt   Statista-Gründer Friedrich Schwandt
Eigentlich sollten die Statista-User schon am Montag Statistiken auf der Seite finden, für die sie extra bezahlen müssen. Doch bei der Programmierung der Sicherheitsstandards für die Zahlungen mit Kreditkarten gab es eine kleine Verzögerung. Der Host, der Seitenbetreiber, von www.statista.com hat die Änderungen nicht ganz so schnell eingearbeitet, wie Schwandt gehofft hatte.
"Schade, aber nicht dramatisch", findet der Gründer. "Bei größeren IT-Projekten ist es ganz normal, dass sie sich um ein paar Tage verzögern." Schwandt und sein Mitgründer Tim Kröger hatten extra noch keine Presseankündigung herausgegeben, in der ein genaues Datum stand.
Nach den Bezahl-Statistiken am Mittwoch sollen im Wochentakt Neuigkeiten auf die Statista-Homepage kommen: In der kommenden Woche startet die Business-Seite. Sie erklärt, was Statista alles anbietet und zu welchem Preis - mit den Allgemeinen Geschäftsbedingungen, einem FAQ und Zitaten von Nutzern.
Anfang April kommen dann größere Umfragen hinzu, für die Nutzer ebenfalls zahlen sollen. "Die Programmierung der Umfragen läuft sehr gut", sagt Schwandt. Dafür hat er sich extra einen freien Mitarbeiter an Bord geholt.
Parallel will Schwandt die Anzahl der Bezahlstatistiken langsam hochfahren. "Wir machen das alles sukzessive", sagt er. "Und wenn dann alles sauber läuft, gibt es auch eine große Pressemitteilung."
Endlich einmal Zeit für Urlaub: Ab Montag ist Statista-Gründer Friedrich Schwandt mit seiner Familie eine Woche lang in Österreich. Urlaub kann er gut gebrauchen, denn über die Weihnachtsfeiertage war er krank, statt die Zeit zum Ausspannen zu nutzen. Zusammen mit seinen fünf und sechs Jahre alten Kindern will Schwandt Skifahren lernen - natürlich mit Helm.
Auch sein Mitgründer Tim Kröger ist in dieser Woche im Urlaub, das Statista-Team muss also ohne seine zwei Chefs auskommen. Und das in einer wichtigen Zeit - in wenigen Wochen beginnt Statista mit den kostenpflichtigen Inhalten auf der Seite www.statista.com, mit der das Statistikportal sein Geld verdienen will. Die Gründer hatten keine Wahl: Beide sind auf die Hamburger Schulferien angewiesen.
Doch die 20 Mitarbeiter können auch ohne Schwandt und Kröger arbeiten - da ist sich Schwandt sicher. "Das ist auch ganz nett für die Leute, wenn wir nicht die ganze Zeit da sind", sagt Schwandt. "Endlich mal keiner da, der ständig 'noch mehr, noch schneller' ruft."
Außerdem kann sich Schwandt auf sein Team verlassen, sagt er. Schließlich sind einige schon dabei, seit er das Start-up 2007 gegründet hat. Und seit Schwandt und Kröger ihr Unternehmen neu strukturiert haben, haben die Mitarbeiter so konkrete Aufgaben, dass sie nicht jeden Tag Anweisungen vom Chef brauchen. Datenbanken bauen, Statistiken sammeln - all das machen die Statista-Leute inzwischen selbstständig. Trotzdem: Handy und Laptop nehmen die beiden Gründer mit in den Urlaub. Bei Fragen sind sie zu erreichen.
"Man merkt die Wirtschaftskrise"
Während Schwandt und Kröger im Urlaub sind, fängt eine neue Mitarbeiterin an, eine "Junior Content Managerin". Die Neue soll sich um Statistiken aus dem Einzelhandel und der Konsumgüterbranche kümmern. Neue Leute zu finden, war ganz einfach, erzählt Schwandt. "Es sind unglaublich viele gute Leute auf Jobsuche, da merkt man schon die Wirtschaftskrise."
Gründer Friedrich Schwandt und Mitarbeiter von Statista   Gründer Friedrich Schwandt und Mitarbeiter von Statista
Auf Monster.de und der Stellenbörse der Uni Hamburg hat Schwandt die Stellenanzeige geschaltet. Zwei Tage später hatte er 200 Bewerbungen auf dem Schreibtisch. Am Dienstag vergangener Woche hat er dann die besten zwei zum Vorstellungsgespräch eingeladen - und beiden gleich danach zugesagt, obwohl er eigentlich nur eine Stelle besetzen wollte. "Aber beide waren so gut und wir wachsen so stark, da sind wir momentan sehr entscheidungsfreudig", sagt er. "Jetzt teilen wir die Konsumgüterbranche einfach auf, die ist ohnehin so groß."
Am vergangen Donnerstag haben die beiden - ein Mann und eine Frau - zugesagt. Der neue Mitarbeiter hat in seinem letzten Job bereits mit Statistiken gearbeitet und fängt im April an. Die neue Mitarbeiterin hat Marktforschung studiert und im Dezember Examen gemacht. Sie fängt bereits am Montag bei Statista an. "Ich finde es gut, wenn solche Entscheidungen schnell gehen", sagt Schwandt. "Ich habe mal in einem Großkonzern gearbeitet und gemerkt, wie unangenehm es sein kann, wenn sich so etwas hinzieht."
Dass Schwandt nicht da ist, wenn die Neue anfängt, findet er nicht schlimm: "Für das Einarbeiten ist jemand anders aus der Abteilung zuständig, das klappt auch ohne mich."
  • FTD.de, 01.06.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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