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Merken   Drucken   04.06.2009, 10:00 Schriftgröße: AAA

Gründertagebuch: Wachstumsstörungen - die 2. Hanfpark-Quartalsreportage

04.06.2009 - Freizeitpark im Hanffeld: Wer ein Saisongeschäft betreibt, kann am Eröffnungstermin nicht rütteln, das weiß Gründer Markus Sauerhammer. Alles andere kann sich ändern. Etwa der Plan von einem zweiten Standort.
Hammerschläge hallen über das Feld neben der U-Bahn-Haltestelle Garching-Hochbrück. Klonk. Ein Zaunpfahl steckt in der Erde. Markus Sauerhammer schaut nur kurz auf, wie sein Mitgründer Thomas Gutmann wieder mit dem Hammer ausholt.
Klonk. Der nächste Pfahl steckt. Schnell bohrt Christian Gehret, der Dritte im Team, eine Querverstrebung an. Langsam sind die Umrisse der Anlage zu erkennen. Jedes Klonk bringt die drei Gründer ihrem Traum ein Stück näher. Bald soll hier ein vier Meter hoher grüner Urwald stehen. Mit einem Labyrinth, Veranstaltungsflächen, Verkaufsbuden, Abenteuerspielplatz. Der Freizeitpark im Hanffeld.
Wächst's? Die Hanfpark-Gründer Thomas Gutmann, Christian ...   Wächst's? Die Hanfpark-Gründer Thomas Gutmann, Christian Gehret und Markus Sauerhammer (v.l.)
Aber mit Träumen kann sich Sauerhammer jetzt nicht aufhalten. Dort ist noch ein kahles Stück Feld, das die Sämaschine ausgelassen hat. Da kommt der Mann mit dem GPS-Gerät, der noch Fragen zu den Markierungspunkten hat.
Und überhaupt: Von Urwald ist noch keine Spur. Eigentlich sollte der Hanf inzwischen knöchelhoch stehen. Heute wollten sie das Labyrinth herausschneiden - so der Plan. Aber die Pflanzen ragen nur wenige Zentimeter aus dem Erdboden heraus. Erst war es zu trocken, dann zu kalt. "So ist es, wenn man mit der Natur arbeitet", sagt Sauerhammer und zuckt mit den Achseln: "Die hält sich nicht an Pläne."
Die Zeit sitzt ihnen im Nacken. Mit Pflanzen, Zaun und Labyrinth ist es nicht getan. Sanitäranlagen kommen noch, Stromversorgung, die Verkaufsbude. Damit alles schneller geht, helfen die drei der Natur nach: Werden die Pflanzen halt abends bewässert.
Kosten, Einnahmen, Kapital- und Schuldenstand:
Hier steht die Hanfpark-Quartalsbilanz von Februar bis April 2009: www.ftd.de/Quartalsbilanz
Während Gehret und Gutmann die Anlage aufbauen, springt Sauerhammer ins Auto. "Der Flyer muss fertig werden", sagt er und bemüht sich, nicht gehetzt zu klingen. In der Woche vor der Eröffnung soll der Flyer 60.000 lokalen Zeitungen beiliegen. Noch fehlt der Feinschliff an Texten, Layout und Fotos. In wenigen Tagen muss alles bei der Druckerei liegen. Sonst heißt es: keine Flyer, keine Werbung. "Was nützt es uns, wenn wir einen tollen Park machen, und keiner weiß es?"
Das Einzige, an dem Sauerhammer nicht rüttelt, ist der Eröffnungstermin. "Wir betreiben ein Saisongeschäft. Jeden Tag, den wir nach hinten verschieben, verlieren wir", sagt er. Am 20. Juni geht's los. Punkt.
Alles andere kann verhandelt werden. Etwa der zweite Standort. Den wollten die Gründer in der Nähe von Nürnberg eröffnen. Eine Fläche hatten sie bereits, die Behörden zeigten sich kooperativ.
Unter Zeitdruck: Hanfpark-Gründer Markus Sauerhammer   Unter Zeitdruck: Hanfpark-Gründer Markus Sauerhammer
Erst im Februar fiel ihnen auf, dass so ein Hanfpark eine Baugenehmigung braucht. "Ein kompliziertes Prozedere" sei das, sagt Sauerhammer. Anträge stellen, Pläne zeichnen und dann jede Menge Beamte, die mitreden. "Wenn da einer nicht mitspielt, wackelt der ganze Zeitplan." Das war dem Gründertrio zu viel Gewackel, so drei Monate vor der geplanten Eröffnung.
Doch nicht nur die Beamten entpuppten sich als mögliches Problem, auch das Marketing. In München hatten die drei schon 2006 und 2007 kleinere Parks betrieben. Sie haben Erfahrungswerte, kennen die Redakteure der Lokalzeitungen. Sie wissen, wo man zuverlässige Leute zum Plakatieren und Flyerverteilen bekommt. Aber in Nürnberg?
Irgendwann sprach es einer aus: "Ich glaube, wir schaffen das nicht." Sauerhammer sträubte sich. Schließlich ist er fürs Marketing zuständig. Überall hat er erzählt, man würde mit zwei Standorten starten, vielleicht sogar mit dreien. "Ich war der Meinung, wir müssen das durchziehen, koste es, was es wolle."
Die drei Gründer überschliefen die Sache. Am nächsten Tag waren sie sich einig: nur ein Standort. "Anfangs fühlte sich das an wie eine Niederlage", sagt Sauerhammer, "aber inzwischen sehe ich das nicht mehr so. Man kann nur einen Schritt nach dem anderen machen."
Es gibt auch so genug zu tun. Ein neues Design für Maskottchen "Hanfrey". Absprachen mit dem Künstler, der die Zeichnung entwirft, in deren Form das Labyrinth geschnitten wird. Verhandlungen mit Kooperationspartnern für GPS-Geräte, Hanfbier und Gewinnspiele.
Hanfpark-Werbeflyer mit Maskottchen Hanfrey   Hanfpark-Werbeflyer mit Maskottchen Hanfrey
Nicht alles machen die Gründer selbst. Sieben Praktikanten und Diplomanden plus eine fest angestellte Mitarbeiterin unterstützen sie mittlerweile. So ist Mitarbeiterführung als Aufgabe dazugekommen. "Wir haben unterschätzt, wie viel Input man geben muss", sagt Sauerhammer.
Inzwischen betreuen alle eigenständig Projekte. Eine Mitarbeiterin entwickelte dabei die Idee von Bildungspatenschaften: Ein Unternehmen sponsert den Eintritt zu den "grünen Klassenzimmern", in denen Schüler über Umweltthemen unterrichtet werden. Für die Kinder ist alles gratis, der Pate macht sich einen Namen in Sachen Corporate Social Responsibility, neudeutsch für Gemeinwohl.
Ein Kooperationspartner springt ab
Mit den Münchner Stadtwerken glaubten die Gründer einen Paten gewonnen zu haben. Aber im Energieunternehmen war das Marketingbudget bereits für das ganze Jahr verplant. So gab es eine Absage, und das so kurz vor dem Start.
"Uns war bewusst, dass die Zeit knapp ist", sagt Sauerhammer. Es ärgert ihn. An den Klassenzimmern wollen die Gründer nichts verdienen. Aber Material und Lehrer kosten Geld. Um kostendeckend zu arbeiten, müssten sie pro Schüler 3 oder 4 Euro Eintritt nehmen. Aber noch gibt er die Hoffnung nicht auf, einen neuen Bildungspaten zu finden. "Ich will, dass das klappt. Das steht jetzt ganz oben auf meiner To-do-Liste."
Sein Handy klingelt. Am anderen Ende ist Christian Gehret. Die Bewässerungsanlage auf dem Feld funktioniert nicht. Sauerhammer atmet tief durch. Zehn Minuten und zwei Telefonate später hat er den fehlenden Schlauch besorgt. "Am Ende", sagt Sauerhammer, "klappt doch immer alles."
Ein bisschen schmerzhaft war er schon, der 20. Mai. An dem Tag hat sich Markus Sauerhammer einen heftigen Sonnenbrand geholt. Aber das ändert nichts an seiner Meinung: "Super Wetter".
Denn: Der Hanf mag es sonnig, gemischt mit ein bisschen Regen. Und den gab es in den Tagen vor dem 20. Mai. Darum standen an diesem Termin die Pflanzen bereits hüfthoch. Ideale Voraussetzungen für ein 15-köpfiges Team um Sauerhammer, das angetreten war, um das Feld in Form zu bringen, sprich: das Labyrinth ausschneiden.
Ausschnitt vom Hanfpark-Luftbild   Ausschnitt vom Hanfpark-Luftbild
Die Wege ergeben ein Motiv, das die Gründer noch nicht preisgeben wollen. Derzeit hat nur das Team von Innovative Sights den kompletten Überblick. Dieses Unternehmen, ebenfalls ein Start-up, ist Spezialist für Luftbilder und schickt für die Hanfgründer eine Art Modellflugzeug in die Luft. Dessen Bilder wird Sauerhammer kurz vor Eröffnung an die Presse geben. Außerdem werden die Luftbilder auf Postkarten gedruckt.
Post vom Hanfpark bekommen in diesen Tagen auch 900 Schulen in einem Umkreis von 50 Kilometern um das Gelände herum. In den Briefen befinden sich Plakate und Flyer mit dem Slogan "Raus aus dem Schulalltag - rein ins grüne Klassenzimmer".
Kosten, Einnahmen, Kapital- und Schuldenstand:
Die Quartalsbilanz von Februar bis April 2009 vom Freizeitpark im Hanffeld steht ab dem 2. Juni unter www.ftd.de/Quartalsbilanz
Die Nummer, unter der sich die Schulen anmelden können, ist sicherheitshalber schon auf das Handy von Hanfpark-Mitarbeiterin Irmengard Kain weitergeleitet. "Dann kann sie zum Telefonieren aus dem Büro herausgehen", sagt Sauerhammer. Denn dort ist auch so schon genug los. Bewerbungsgespräche für Aufbau- und Verkaufspersonal beispielsweise. Oder Planungen für die Kinder-Uni, die dank einer Kooperation mit der FH Weihenstephan stattfinden wird.
Fürs Privatleben bleibt da nicht viel. Markus Sauerhammer hat darum gerade die Feier zu seinem 30. Geburtstag am 5. Juni abgesagt. Vorbereitung, Feier, Aufräumen - drei Tage hätte das ihn insgesamt gekostet. Das kann er sich nicht leisten, zwei Wochen vor der Eröffnung.
Steigt die Party eben im Herbst. Oder zum 33. – mal gucken. "Geburtstag kann man ja öfters feiern."
Frühes Aufstehen ist für die Hanfpark-Gründer nichts Ungewöhnliches. Aber als Christian Gehret vor ein paar Tagen eine Mail seines Mitgründers Markus Sauerhammer im Eingangsfach fand, die dieser um 5.48 Uhr geschrieben hatte, war er doch etwas irritiert. Aber nur etwas.
In gut vier Wochen werden sie ihren Park eröffnen. "Jetzt werden die Tage immer länger und die Nächte kürzer", sagt Sauerhammer. "Aber das mit der Mail war eine Ausnahme", will er noch klarstellen. Er habe einfach an diesem Tag um fünf Uhr morgens nicht mehr einschlafen können. Nach dem ersten Aufwachen spukte in seinem Kopf herum, was noch alles zu tun war. "Da bin ich halt gleich ins Büro gegangen."
Hanfpark-Gründer mit Hanffeld: Thomas Gutmann, Christian Gehret ...   Hanfpark-Gründer mit Hanffeld: Thomas Gutmann, Christian Gehret und Markus Sauerhammer
Richtig nach Büro sieht's da allerdings nicht mehr aus. Die Elektrosensen und andere Werkzeuge, das Sauerhammer und sein Team an diesem Mittwoch brauchen, um das Labyrinth aus dem Feld herauszuschneiden (mehr dazu im Gründertagebuch am 28. Mai), liegen schon herum. "Das sieht inzwischen mehr aus wie ein Lager."
Papierkram gibt es aber auch noch jede Menge zu erledigen. Derzeit vor allem solcher, der das Ordnungsamt Freising betrifft. Denn dort wird alles geregelt, was es an so einem Hanfpark zu regeln gibt: Wie laut darf Musik gespielt werden? Darf Einweggeschirr ausgegeben werden oder nur Mehrweggeschirr? Gibt es eine Schankgenehmigung für den Biergarten? Und falls ja - wann ist Sperrstunde?
Zumindest in Sachen Lautstärke haben die Gründer wohl weniger zu befürchten. Nur zwei Hotels in unmittelbarer Nähe des Parks wären betroffen. Und mit denen hatte Sauerhammer ein Gespräch, das ihn total begeisterte. Nicht nur, dass das Hotel Hanfpark-Gästen Rabatt gewähren und Flyer auslegen will. Obendrein stellt die Hotelchefin den Gründern auch ein Doppelzimmer während der Saison gratis zur Verfügung - falls es beim Abbauen mal spät wird. "Sie meinte: Die jungen Leute muss man doch unterstützen", sagt Sauerhammer: "Das war echt super."
Von wegen "Flieger" - so ein paar Flyer können ganz schön schwer sein, hat Markus Sauerhammer festgestellt. Jedenfalls, wenn man mal ein paar mehr davon bestellt. Sagen wir, 270.000 Stück. An diesem Montag rief die Druckerei Sauerhammer an, dass seine Flyer fertig seien. Preis: rund 7000 Euro, Gesamtgewicht: 3,6 Tonnen.
3,6 Tonnen Werbung, die in den nächsten Wochen Lust auf Hanf machen sollen. Welche Werbung funktioniert, haben die Gründer bereits bei ihren zwei Hanfpark-Pilotprojekten gelernt. Auf Gewinnspielkarten fragten sie damals die Besucher, wo sie vom Hanfpark erfahren hatten. Wie damals werden sie darum allein 60.000 Flyer in "Kitz" platzieren, einer Gratiszeitung für Familien. Eine ähnlich große Menge wird in Schaukästen der Münchner S-Bahn verteilt. Hinzu kommen Stadt- und Jugendmagazine aus dem Großraum München.
Nur noch eine Woche: Dann holen Markus Sauerhammer, Thomas Gutmann ...   Nur noch eine Woche: Dann holen Markus Sauerhammer, Thomas Gutmann und Christian Gehret (v.l.) die Elektrosensen heraus
Das alles einzutüten ist im Augenblick Hauptaufgabe von Sauerhammer. "Ich telefoniere die ganze Zeit, versuche die Preise zu drücken und ein bisschen zu jammern: Wir haben kein Geld, wir sind doch ein Start-up." Ist ja auch so. Zudem hätten Magazine, die günstige Konditionen anbieten ja auch einen Vorteil, sagt Sauerhammer: "Wenn's gut läuft, werden wir die nächsten Jahre immer größer, und dann wächst das Auftragsvolumen."
Was noch wächst, ist der Hanf. Und das sogar ohne die geplante künstliche Bewässerung. "Hier herrscht seit Tagen Regenwetter", sagt Sauerhammer mit freudiger Stimme, "inzwischen stehen die Pflanzen knöchelhoch." Nächste Woche nimmt der Freizeitpark darum buchstäblich Formen an: Dann werden Sauerhammer und seine Mitgründer das Labyrinth einschneiden.
Der April war kein guter Monat für die Hanfpflanzen. Erst war es zu trocken, dann zu kalt. Trotzdem geht es auf dem Hanffeld voran. Aber auch im Büro wartet jede Menge Arbeit.
Im Video-Interview erzählt Gründer Markus Sauerhammer über einen hektisch verlaufenen Monat April. Über Wetter, über logistische Probleme bei der Saat-Anlieferung, aber auch über die Attraktionen, die die Hanfpark-Besucher bald erwarten.
Warm war er, der April. Wärmer als jemals seit Beginn der Aufzeichnungen, haben die Meteorologen jetzt festgestellt. Grill- und Badebegeisterte freuen sich, Klimaforscher sorgen sich und alle, die jetzt Pflanzen in die Erde bringen, müssen flexibel sein. So wie das Hanfpark-Team.
Eigentlich wollten die drei Gründer um Markus Sauerhammer am 5. Mai in die inzwischen hüfthohen Hanfplanzen die Wege für das Labyrinth schneiden. Denn umso höher die Pflanzen stehen, umso mühsamer wird dieser Vorgang. Jetzt hat Sauerhammer entschieden, die Aktion um eine ganze Woche zu verschieben. Sauerhammer: "Wärme ist gut, aber nicht Trockenheit." Wenn es innerhalb der nächsten Tage nicht genug regnet, wird er das Feld künstlich bewässern.
Neu designt: Maskotten Hanfrey   Neu designt: Maskotten Hanfrey
In der Zwischenzeit kümmern sich die Hanfgründer halt ein bisschen ums gute Aussehen. Zum einen um das des Maskottchens Hanfrey. Das sollte sich ein bisschen ändern, weil es noch aus der Zeit der Pilotprojekte stammte, sagte Markus Sauerhammer: "Seitdem hat sich ja viel geändert." Weil der damalige Zeichner nicht mehr zu erreichen war, wurde aus der Überarbeitung ein komplett neues Maskottchen.
Und auch das Aussehen der Holzaufbauten im Hanfpark steht jetzt fest. In dieser Woche unterzeichnete das Gründerteam einen Vertrag mit dem Berliner Holzlieferanten, mit dem sie bereits vor Monaten erstmals Kontakt hatten.
Der wird alles anfertigen, was es an Holzelementen im Freizeitpark geben wird: Vom Eingangstor über Klettergerüste bis hin zu Audiokästen für die geplanten Lehrpfade. Alles, bis auf den Verkaufsshop. Schließlich muss der, wie alles, am Ende der Saison wieder abgebaut werden. Darum greifen die Gründer hier auf einen Standardcontainer zurück. "Das ist einfach besser zu handhaben als eine Hütte", sagt Markus Sauerhammer. Und mit ein bisschen Holzverkleidung drumrum sieht es trotzdem ganz natürlich aus.
Schön hätte es werden können mit den Stadtwerken München und den Hanfpark-Gründern. Das Energieunternehmen hätte als "Bildungspate" das Projekt "Grünes Klassenzimmer" fördern können, bei dem Kinder im Hanf Unterricht zu Umwelthemen erhalten. Die Stadtwerke hätte sich so in Sachen Corporate Social Responsibility, neudeutsch für: Gemeinwohl, einen Namen machen können. Und das Gründerteam um Markus Sauerhammer hätte 15.000 Kindern den Unterricht gratis anbieten können.
Wo finden wir einen Bildungspaten? Das ist Punkt Nummer eins auf ...   Wo finden wir einen Bildungspaten? Das ist Punkt Nummer eins auf der To-do-Liste von Markus Sauerhammer
Jetzt ist klar: Es wird nichts draus. So gibt es zwar eine Stiftung der Stadtwerke - die kümmert sich aber ausschließlich um Kinder aus benachteiligten Familien. Geld aus dem Marketingbudget stand aber auch nicht zur Verfügung. Das sei verplant, erfuhren die Gründer vor ein paar Tagen. "Uns war bewusst, dass die Zeit knapp ist", sagt Markus Sauerhammer. Aber die Idee der Patenschaften sei ja auch erst relativ spät - als Ergebnis der Diplomarbeit der Hanfpark-Mitarbeiterin Irmengard Kain - entstanden.
Jetzt steht die Suche nach einem neuen Paten ganz oben auf Sauerhammers To-do-Liste. "Das liegt uns sehr am Herzen." Falls sich kein Pate findet, will das Gründerteam nur einen Eintrittspreis erheben, der die Kosten deckt. Drei bis vier Euro pro Kopf ist die derzeitige Kalkulation.
Vielleicht findet sich ja auch ein Pate durch die PR-Kampagne, die Sauerhammer startet. Dazu gehören 1200 E-Mails an Interessierte, die sich entweder auf der Hanfpark-Homepage eingetragen hatten oder eines der Pilotprojekte 2006 und 2007 besucht hatten. Außerdem gibt's eine Pressemitteilung - zunächst für lokale Medien. Später will Sauerhammer zudem direkt Medien aus Zielgruppen anschreiben. Dazu gehörten vor allem Bildung, Landwirtschaft, Events und Nachhaltigkeit. Auch das Thema Gründung? "Das natürlich auch", sagt Sauerhammer und lacht: "Ich glaube, Gründer ist man auch noch fünf Jahre nach Unternehmensstart."
Bald wird's wieder grün: Markus Sauerhammer mit Hanffpflanzen   Bald wird's wieder grün: Markus Sauerhammer mit Hanffpflanzen
An diesem Mittwoch auf einem Feld nahe München: 200 Kilo Saatgut. Eine Sämaschine. Strahlender Sonnenschein und drei strahlende Gründer.
Früher als geplant startete die Aussaat für den ersten Freizeitpark. Sogar Markus Sauerhammer war vor Ort. Obwohl er gerade erst eine Viruserkrankung überstanden hatte. Ausgerechnet das sonnige Osterwochenende musste er komplett im Bett verbringen. Und auch jetzt hätte er eigentlich noch zuhause bleiben sollen. "Aber das ging einfach nicht", sagt er grinsend. Sicherheitshalber hielt er aber gebührenden Absteckungs-Abstand zu seinen Mitgründern, insbesondere Christian Gehret, der erst kürzlich zum zweiten Mal Vater geworden ist.
Ist das jetzt der entscheidende Meilenstein? "Wenn man auf dem Land aufgewachsen ist, ist Aussäen nichts so besonderes", wiegelt Sauerhammer ab: "Richtig interessant wird es, wenn das Luftbild kommt. Und natürlich der Tag der Eröffnung."
In wenigen Wochen werden Sie aussäen, in weniger als drei Monaten den ersten Park eröffnen. Macht sich das bemerkbar?
Natürlich macht sich das bemerkbar. Die Zeit wird immer kürzer, und es kommen ständig Aufgaben und Tätigkeiten dazu, an die man bei der Zeitplanung nicht gedacht hat. Zwischenzeitlich haben wir uns dazu entschieden, uns ausschließlich auf den Standort bei München zu konzentrieren. Wenn man die Wahl hat, zwei Standorte mit 70 Prozent zu betreiben oder eben einen zu 110 Prozent, fällt die Entscheidung ziemlich leicht.
Insgesamt herrscht aber trotz des engen Zeitplans ein gutes Arbeitsklima im Team. Als Gründer ist das Thema Arbeitszeit schwierig, da man eigentlich immer an seiner Idee arbeitet. Selbst wenn man einen Wochenendausflug in den Zoo macht, analysiert man dort die Preise, die Werbemedien oder auch die Art der Informationsvermittlung.
Bald geht's ins Feld: Hanfpark-Gründer Markus Sauerhammer, ...   Bald geht's ins Feld: Hanfpark-Gründer Markus Sauerhammer, Thomas Gutmann, Christian Gehret (v.l. n. r.)
Was war das schönste Ereignis im März?
Im Rahmen unsers Marketingkonzept-Projekts haben Studenten der Fachhochschule Weihenstephan Partner für unser Unternehmen gesucht. Im letzten Monat konnten wir mit dem S-Club der Sparkassen München, als einem dieser potenziellen Partner, eine Kooperation vereinbaren: Wir gewähren S-Club-Mitgliedern eine Ermäßigung, und der Club gibt noch etwas dazu.
Von dieser Kooperation profitieren alle Seiten: der S-Club München steigert die Attraktivität seines Angebots, wir erhalten Kontakt zu seinen Mitgliedern und damit zu 30.000 potenziellen Gästen, und die Mitglieder haben die Möglichkeit, unser Ausflugsziel zu einem unschlagbaren Preis zu besuchen.
Gab es auch Rückschläge?
Wirkliche Rückschläge gab es im vergangenen Monat nicht. Aber wir haben inzwischen wirkliche Platzprobleme in unserem Büro. Momentan arbeiten sieben Menschen auf rund 25 Quadratmetern.
Wofür haben Sie diesen Monat am meisten Geld ausgegeben?
Für die Gehälter unserer Mitarbeiter.
Was ist die wichtigste Aufgabe im kommenden Monat?
Die Fertigstellung unseres Veranstaltungsprogramms. Wir sind in allen Bereichen gerade in der finalen Feinabstimmung. So überarbeiten wir momentan die Unterrichtsstunden für das "grüne Klassenzimmer", das Labyrinthspiel wird überarbeitet und unsere Themenwochen nehmen inzwischen klare Formen an.
Die Fragen beantwortete Hanfpark-Geschäftsführer Markus Sauerhammer
Einen Tag später, und es wäre nichts geworden, mit dem Bier. Besser gesagt, mit den 100.000 Flaschen Bier. So viele Flaschen der Marke "Cannabis Club" aus der Klosterbrauerei Weißenohe sollten Aufkleber mit Hanfpark-Werbung auf der Rückseite erhalten.
Aber kurz vor Schluss passten die Dateiformate von Brauerei und dem, was der Grafiker des Hanfpark-Teams entworfen hatte, nicht zusammen. Die eiligst überarbeitete Version schickte er einen Tag vor Druckschluss an die Brauerei.
Öl, Schokolade, Seife: Aus Hanf lassen sich unzählig viele ...   Öl, Schokolade, Seife: Aus Hanf lassen sich unzählig viele Produkte herstellen
Das Hanfbier wird europaweit vertrieben. Hätte die zweite Datei auch nicht funktioniert, wäre dies eine große Marketingchance weniger für das Gründerteam gewesen. Allerdings auch für die Brauerei, sagt Sauerhammer: "Wir profitieren beide von einander." Auf den Bierflaschen wird für den Park geworben, der ist wiederum ein neuer Absatzort für das Bier. Geld fließt nicht zwischen Gründern und Bierbrauern. Nur, wer die Kosten für die Erstellung der Druckdatei übernimmt, muss noch geklärt werden.
Nur Kooperationen, die beiden Partnern helfen
Die Brauerei ist nur einer von vielen Kooperationspartnern. Von einem Partner beziehen die Gründer Hanfnahrungsmittel, die im Freizeitpark verkauft werden sollen, von einem weiteren Hanfgetränke, von einem dritten Hanftextilien.
Ein Unternehmen, das Dämmstoffe aus Hanf herstellt, wird nach Schließen des Parks den abgeernteten Hanf weiterverbreiten. Ein GPS-Dienstleister stellt den Gründern die Technik zur Verfügung, um das Labyrinth präzise in das Feld schneiden zu können. Und für die "grünen Klassenzimmer", in denen Schüler etwas über Umwelt lernen sollen, wollen Sauerhammer und seine Mitgründer mit Schulen zusammenarbeiten.
"Oft ist ja so, dass Firmen kooperieren, die sich gegenseitig nicht wirklich helfen können. Wir suchen Partner, denen wir etwas bieten können, die müssen uns aber auch etwas bieten müssen", sagt Sauerhammer. Genaue Vertragsdetails werden er und seine Mitgründer allerdings erst in den kommenden Wochen klären. Noch sei ja auch Zeit, meint Sauerhammer. Nur die Etiketten hätten etwas mehr Vorlaufzeit benötigt. Aber am Ende hat es auch da gereicht. Nach einem Tag gab die Brauerei grünes Licht: "Ihr seid drauf."
Kein Jahr ist es her, da saß Hanfpark-Gründer Markus Sauerhammer in einem Hörsaal der TU München und hörte enable2start-Gewinnerin Susann Reimers zu. Die erzählte, wie es sich anfühlt, wenn man sich selbstständig macht und einem dabei Journalisten über die Schulter schauen. Die Vorlesung war Teil der Reihe "Innovative Unternehmer", veranstaltet vom enable2start-Partner UnternehmerTUM.
Dieses Jahr gibt es wieder eine Vorlesung. Und dieses Mal wird Markus Sauerhammer vorn stehen. "Das ist schon komisch", sagt er, "jetzt bin ich selbst Unternehmer."
So wie auf diesem Bild von 2006 will Markus Sauerhammer bald wieder ...   So wie auf diesem Bild von 2006 will Markus Sauerhammer bald wieder im Hanf stehen
Kurz darauf steht der nächste Vortrag an, beim UnternernehmerTUM-Förderprogramm "Manage und more". Diese Woche gab es einen Termin bei der Hochschulgemeinde Freising. Und in wenigen Wochen spricht das Hanfparkteam bei einem Symposium der FH Weihenstephan. Zu dem kommt sogar der Landwirtschaftsminister. "Das ist tolle Öffentlichkeitsarbeit für uns".
Gleichzeitig werden die Planungen für den ersten Park immer handfester. Im Wortsinne. In diesen Tagen kaufen die Gründer Hanfsamen, um in wenigen Wochen mit der Aussaat zu beginnen. Vorausgesetzt, dass sich bis dahin Schneeregen und Kälte verzogen haben. "Wenn Ende April immer noch so ein Wetter herrscht, müssen wir uns etwas überlegen", sagt Sauerhammer, "aber das geht ja jedem Landwirt so."
Ein komplexer Plan
Inzwischen gibt es auch einen genauen Plan des Parks. Den zu zeichnen, ist gar nicht so leicht, denn neben dem Labyrinth gibt es neun Freiflächen, etwa für Verkaufsstände oder "grüne Klassenzimmer". Die Hanfstreifen dazwischen müssen mindestens drei Meter breit sein, denn auch die Sämaschine besitzt diese Breite.
Bei den Prototypen, die das Hanfpark-Team 2006 und 2007 anlegte, war es einfach. "Damals hatten wir zwei rechteckige Freiflächen", sagt Gutmann, "das haben wir nur grob eingemessen."
Diesmal haben die Flächen teilweise zehn Ecken in verschiedene Richtungen. Dafür braucht man die Software Autocad. Und die, sagt Gutmann, sei „hochkomplex". Gut, dass gleich zwei Frauen aus dem Team damit umgehen können. Melanie Kowalski, weil sie Landschaftsarchitektur studiert hat und Sarah Blien weil sie bereits an der Konstruktion einer ganzen Welt mitgearbeitet hat: The world vor der Küste Dubais. Damit verglichen ist ein Hanfpark ja ein Klacks.
Manchmal lassen sich auch ganz große Fragen ganz kurz beantworten. Etwa die, die auf Markus Sauerhammer vor wenigen Tagen zukam. Da war der Hanfpark-Geschäftsführer auf einem Exist-Seminar zum Thema "Gründerpersönlichkeit". Einen Tag lang Fallstudien analysieren, Rollenspiele mit anderen Teilnehmern, und eben auch: Fragebögen ausfüllen. Dort stand unter anderem: "Was ist Ihnen wichtig im Leben?" Sauerhammers Antwort lautete: "Laufen."
Gut, ein bisschen länger fällt die Antwort eigentlich schon aus. Familie und Freunde nannte Sauerhammer auch. Eben alles, was klarmacht: Das Leben besteht nicht nur aus der Gründung. "Ich habe festgestellt, dass ich mehr den Fokus darauf legen muss", sagt Sauerhammer.
Kopf frei kriegen: Hanfparkgründer Markus Sauerhammer will  mehr ...   Kopf frei kriegen: Hanfparkgründer Markus Sauerhammer will mehr Sport machen
In den vergangenen Wochen hat der Stress zugenommen. Schon allein wegen des Personals. Neben Sauerhammer und seinen Mitgründer Christian Gehret und Thomas Gutmann arbeiten im Einraumbüro des Start-ups an der FH Weihenstephan täglich zwei Diplomandinnen. Hinzu kommen vier Praktikanten in Teilzeit.
"Das ist schon schwierig", sagt Sauerhammer. Bis vor kurzem war die Situation entspannter. In den Semesterferien konnten die Gründer problemlos auf freie Seminarräume ausweichen. Mit dem Wiederbeginn der Vorlesungszeit Anfang dieser Woche ist das jedoch vorbei.
Uni-Hörsaal im Grünen
Und auch die Ideen werden nicht weniger. Christian Gehret etwa entwickelt jetzt mit einer freien Mitarbeiterin, die unter anderem schon Hochseilgärten in Parks aufgebaut hat, ein Spiel für das Labyrinth im Hanf.
Sauerhammer treibt seit wenigen Tagen die Idee einer Kinder-Uni um. Schließlich gelte die FH Weihenstephan mit Studiengängen wie Gartenbau, Landwirtschaft, Forstwirtschaft oder Landschaftsarchitektur als "grünes Kompetenzzentrum", sagt Sauerhammer: "Wir könnten dazu den grünen Hörsaal liefern." Wie genau sich die Inhalte vom "grünen Klassenzimmer" im Freizeitpark absetzen werden, ist noch nicht klar. Auch nicht, ob sich Professoren als Dozenten finden. Den Präsident der FH hat Sauerhammer bereits auf seiner Seite. Und er ist sich sicher: "Das wäre auch für die FH sehr öffentlichkeitswirksam."
Um all das besser zu koordinieren, will er jetzt - nach monatelanger Pause - wieder regelmäßig joggen. "Das Schwierigste ist, wieder anzufangen", sagt er, "aber wenn man wieder regelmäßig etwas macht, kann man nicht mehr ohne." Mitgründer Gehret bereitet sich schließlich - trotz Doppelbelastung als Gründer und Vater - auf einen Triathlon vor. Und Thomas Gutmann arbeitet am Wochenende auf dem elterlichen Hof. Beim Schlepperfahren und Melken bekäme man "richtig den Kopf frei", sagt Sauerhammer, "das ist einfach ein anderes Arbeiten."
"Wo wollen wir überhaupt hin?" Die Gründer des Hanfparks stellen sich die unternehmerische Sinnfrage. Das Konzept, gleich zwei Parks in der Nähe von bayerischen Großstädten zu eröffnen, stand für die Gründer nie zur Diskussion. Bisher. "Wir haben uns einfach verschätzt", sagt Sauerhammer.
Die Organisation im Vorfeld sei zwar für beide Standorte ähnlich, doch das Marketing könne man einfach nicht übertragen. "Man muss so viel direkt vor Ort machen, wie Schulen anschreiben oder Kontakte zu Firmen herstellen", so Sauerhammer. Dazu komme der Termindruck, denn der Termin für die Eröffnung ist auf Juni 2009 festgelegt. Ein Konzept, das mit zwei Standorten nicht nur ambitioniert, sondern schlicht nicht zu schaffen war. Daher setzen die Gründer die Vorbereitungen für den zweiten Park zunächst aus - gestrichen ist das Projekt allerdings nicht. "Wir planen für das Jahr 2010 den zweiten Park", so Sauerhammer.
Freizeitpark im Hanffeld-Gründer Christian Gehret, Markus ...   Freizeitpark im Hanffeld-Gründer Christian Gehret, Markus Sauerhammer und Thomas Gutmann (von l.)
Gemeinsam suchte das Team Lösungen für die Marketingfrage: Wie können Schulen überzeugt werden, dass der Hanfpark als Bildungseinrichtung funktioniert? Von der Grundschule bis zum Gymnasium - der Hanfpark soll Unterricht in der Natur über die Natur sein.
Spielend sollen die Kleinsten die Natur in einem großen Labyrinth entdecken und einfache Experimente selbst ausprobieren. Oberstufenschüler können im Park mehr über nachwachsende Rohstoffe erfahren und über die Verarbeitung von Pflanzen in handelsübliche Produkte. Die Themen wurden gemeinsam mit einer Pädagogin erarbeitet, damit sie dem Lehrplan der Bildungsbehörden entsprechen. "Mit dem Park schaffen wir für jede Unterrichtsstufe und Altersklasse ein attraktives Programm", sagt Sauerhammer. "Wir wollen die Bildung aus den Lehrplänen in die Natur bringen."
Hilfe vom Amt
Auftrieb bekam das Projekt durch den Bauausschuss einer Kommune bei München. Einstimmig entschied das Gremium für das Konzept des Hanfparks - somit hat das Projekt eine weitere bürokratische Hürde genommen. "Die lokalen Behörden unterstützen uns wirklich sehr", freut sich Sauerhammer. Das Konzept ist fertig und die Entscheidung zunächst nur einen Standort umzusetzen, ist gefallen - auch weil die Jungunternehmer um Markus Sauerhammer die Geschäftsergebnisse im Blick behalten müssen: "Wenn wir gleich im ersten Jahr mit richtig schlechten Zahlen starten, kann man das Projekt vergessen."
  • FTD.de, 04.06.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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