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Merken   Drucken   19.08.2009, 08:09 Schriftgröße: AAA

Gründertagebuch: Was nix kostet, ist nix - die 3.Quartalsreportage von Wikando

02.09.2009 - Wikando: Das Start-up erfindet sich neu. Anderen Unternehmen will es eigene Plattformen bauen, für Hilfsprojekte den Weg ins Web erleichtern – gegen Gebühren.
Ein bisschen nervös waren Mirjam Maier und Peter Kral dann doch vor diesem Termin. Dabei sollten sie nur machen, was sie schon Hunderte Male gemacht hatten: ihr Start-up Wikando präsentieren. Also raus mit den Powerpoint-Folien, Schaubilder mit gelben, grünen und blauen Männchen an die Wand werfen und erklären: Das eine Männchen steht für Privatleute, das andere für Projekte, das dritte für Unternehmen. Die Projekte brauchen Geld, Sachspenden oder Arbeitskraft für eine gute Sache. Die anderen können eben­diesen Bedarf decken. Und Wikando bringt sie alle im Internet zusammen. Einfach.
Diesmal geht es um mehr als die Vorstellung der Homepage.   Diesmal geht es um mehr als die Vorstellung der Homepage.
Doch an diesem Tag im Juli war es ein bisschen anders. Diesmal saßen ihnen zum ersten Mal potenzielle Investoren gegenüber. Und die würden nicht nur Fragen nach der Idee stellen, nach Zielgruppen und nach der aufwendig selbst entwickelten Software. Die würden auch fragen: Wie soll sich das Ganze finanzieren?
Und diesmal würden Maier und Kral eine andere Antwort geben als bei den Hunderten Präsentationen zuvor. Bisher lautete die: Unternehmen zahlen einen Monatsbetrag – je nach Mitarbeiterzahl zwischen 9,90 Euro und 99 Euro im Monat, alle anderen können gratis ein Profil einstellen. Doch seit einiger Zeit drehen sie an den Schrauben ihres Geschäftsmodells. An großen Schrauben.
Kosten, Einnahmen, Kapital- und Schuldenstand:
Hier steht die Bilanz von Wikando für Mai bis Juli 2009: www.ftd.de/Quartalsbilanz
Es muss sich etwas ändern, das ist den beiden im vergangenen Quar­tal klar geworden. Dabei lief ­eigentlich alles gut an. Nach monatelangen Tests war Wikando am 29. Ap­ril online gegangen. Die Technik funktionierte. Schnell meldeten sich die ersten Nutzer und Projekte an, flossen erste kleine Spenden.
Maier und Kral sammelten Feedback ein. Verbesserten hier die Benutzerführung, halfen Projekten da beim Einstellen von Fotos und Videos. Und sie schafften eine CRM-Software zum Verwalten von Kunden-E‑Mails an. So können die Mitarbeiter besser nachvollziehen: Schreibt ein User bereits zum wiederholten Mal? Hat ihm jemand geantwortet? Wenn ja, wer – und wie lautete die Antwort?
Schließlich muss der Laden auch laufen, wenn die Chefs mal nicht da sind. Denn Maier und Kral hetzten von Termin zu Termin, um ihr Unternehmen bekannt zu machen. Sie besuchten Hilfsprojekte und Veranstaltungen, auf denen sich gemein­nützige Organisationen, freiwillige Helfer und Web-Start-ups trafen.
"Was ist das eigentlich - dieses Web 2.0?"
In dieser Zeit kamen einige private Nutzer hinzu. Rund 500 sind es inzwischen. Aber erst elf Firmen haben bislang ein Profil eröffnet, die meisten mit einem kostenlosen mehrmonatigen Schnupperabo. Den Gründern ist klar: "Unternehmen muss man ­akquirieren." Bei den Projekten sieht es mit 75 Registrierungen deutlich besser aus. Aber sie sind nicht so aktiv wie erhofft. Anmelden, schreiben, was man braucht. Das war's meist. Die Gründer lernen: Projekte brauchen Betreuung. "Auf einem Treffen fragte jemand: Was ist das ­eigentlich – dieses Web 2.0?", sagt Kral: "Internet heißt für die meisten, dass man eine Website hat."
Mirjam Maier und Peter Kral   Mirjam Maier und Peter Kral
Allen sei klar, dass man irgendwie im Netz mitspielen müsse, wenn man Spenden einwerben will. In sozialen Netzwerken und in Communities. "Aber es gibt zu viele Möglichkeiten. Das schreckt ab", sagt Maier. Und noch etwas lernen die Gründer. "Wenn man für einen Account zahlen muss, erfährt er eine größere Wertschätzung." Anders formuliert: Was nix kostet, ist nix.
Künftig will Wikando den Usern Arbeit abnehmen, ihnen zusätzliche Funktionen bieten. Und daran verdienen. Ideen haben die Gründer reichlich. Eine Hilfsorganisation will auf Wikando ein Blog betreiben? Sie will über den Kurznachrichtendienst Twitter im Internet verbreiten, wenn sie ein neues Projekt betreibt? Sie will, dass automatisch all ihre Facebook-Kontakte erfahren, wenn eine Spende eingegangen ist? Sie braucht jeman­den, der das Facebook-Profil überhaupt erst einrichtet? Eine Mail genügt, den Rest übernimmt Wikando. "Wir sind die Brücke zum Web 2.0", sagt Kral.
Oder Spendenquittungen. Lästige Sache, das. "Man muss Kontoeingänge sortieren, eine Quittung ausstellen, sie ein­tüten und verschicken." Auch das könnte Wikando übernehmen. Dafür wollen die Gründer eigens einen gemeinnützigen Verein oder eine Stiftung gründen. Sie haben einen Namen dafür gefunden. "Fundraising as a Service" wollen sie anbieten. So wie Dienstleister unter dem Stichwort "Software as a Service" als externe IT-Abteilung für Unternehmen arbeiten. "Eine unbesetzte Nische", sagt Kral. Wer an Spenden denkt, geht auf ­Wikando, lautet die Vision: "Das ist natürlich noch ein langer Weg."
"Wir haben es wirklich geschafft", sagt Mirjam Maier und klingt erstaunt. Immerhin waren es ganze drei Tage Urlaub, in denen es ihr und Peter Kral gelungen ist, den Laptop nicht hochzufahren und nur ab und zu auf das Handy zu sehen. Es waren die ersten freien Tage am Stück nach zwei Jahren Arbeit. Drei Tage Wandern waren geplant, umgesetzt wurde aber nur einer. "Früher waren wir mal fitter", sagt Maier. Trotzdem hat die Auszeit gut getan und ihren Zweck erfüllt: "Jetzt sind wir wieder motivierter".
Die Wikando-Gründer Mirjam Maier und Peter Kral   Die Wikando-Gründer Mirjam Maier und Peter Kral
Das ist gut so, denn auf die beiden Gründer wartet bei ihrer Rückkehr schon ein großes Projekt. Seit Launch der Website im April dieses Jahres hat Wikando viele Rückmeldungen zu deren Aufbau bekommen. Auch die Umfrage zur neuen Startseite war erfolgreich: 200 Besucher beantworteten die Frage, ob diese aussagekräfter als ihre Vorgängerin sei, 20 gaben ausführlicheres Feedback und machten Verbesserungsvorschläge.
Die Beiträge gilt es nun auszuwerten und geeignete umzusetzen. Maier hat aber schon nach einem ersten Blick auf die Kommentare erkannt, dass die Startseite noch immer nicht aussagekräftig genug ist. "Sie soll emotional ansprechen, darf aber nicht zu kitschig oder kindisch sein", sagt sie. Die Projekte weiter in den Vordergrund, aufzeigen, dass auch mit Kleinigkeiten etwas erreicht werden kann, dabei nicht auf die Tränendrüse drücken: Dem Wikando-Team stehen ausführliche Diskussionen ins Haus, bevor die neue Seite in ein bis zwei Wochen online gehen soll.
Ein weiteres Projekt haben die Mitarbeiter in Angriff genommen, während ihre Chefs im Urlaub waren. Kurze Videoanleitungen sollen neuen Nutzern etwa erklären, wie sie ein Projekt anmelden. "Wir haben gemerkt, dass es bei vielen eine Hemmschwelle ist, ihr Projekt anzumelden und das alles selbst zu machen", sagt Maier. Das Medium Video soll das Prozedere lebendiger vermitteln.
Das erste Video ist schon fertig und steht auf der Homepage zur Verfügung. "Man will es vielleicht gar nicht wahrhaben", sagt die zurückgekehrte Urlauberin, "aber es läuft auch ohne einen weiter."
Vorfreude bei Wikando, und das gleich zweimal. Zunächst das Geschäftliche: Mit einer Bank verhandeln die Gründer Mirjam Maier und Peter Kral über ein neues Geschäftsmodell. Wikando soll dem Unternehmen eine eigene, interne Spendenplattform einrichten. Die Mitarbeiter sollen dort eigene Projekte einstellen können, für die sie sich bereits engagieren oder für sie das Interesse der Kollegen wecken wollen.
Am Wochenende kommt der Kaffee aus der Thermoskanne: Mirjam Maier ...   Am Wochenende kommt der Kaffee aus der Thermoskanne: Mirjam Maier gönnt sich einen Kurzurlaub
"Die Bank kam von selbst auf uns zu", sagt Maier: "Sie sagten: Wir hatten bereits die Idee als wir dann sahen, dass es so etwas schon gibt." Warum also das Rad neu erfinden? Erste Vorschläge, wie die Wikando-Technologie am auf das Layout und die Bedürfnisse des Unternehmens angepasst werden könnten, kamen gut an, sagt Maier.
Sie und Kral sehen darin ein Geschäftsmodell, dass sie auch mit anderen Unternehmen umsetzen könnten. Generell planen die beiden, die Produktpalette von Wikando auszuweiten.
Insbesondere für Projekte. Die sollen künftig mehr Angebote nutzen können. Etwa, sich über Wikando auf sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter oder Xing bekannt zu machen. Das Einstellen von Beiträgen, Fotos oder Benachrichtigungen würde Wikando übernehmen. "Alle wissen, dass es wichtig ist, sich dort zu engagieren", sagt Kral, "aber das Internet bietet einfach zu viele Möglichkeiten. Das schreckt viele ab."
Teilnahmerekord bei enable2start
Bei der dritten Staffel der FTD-Gründerinitiative sind 1086 Bewerbungen eingegangen. Mehr Infos gibt es hier.
Und auch im Privatleben der Gründer steht etwas Positives an: ein Urlaub. Maier und Kral werden am Wochenende drei Tage wandern gehen. Nicht viel, sagt Maier, aber drei Tage ohne Wikando habe sie schon lange nicht mehr verbracht. Und wann das letzte Mal? "Puh", sagt Maier und grübelt: "Jedenfalls vor dem Jahr 2008."
Heiß war es in der vergangenen Woche. Auch in Augsburg. Da konnten die Programmierer vom Wikando-Team sich schon mal darauf freuen, dass das Start-up sich räumlich vergrößert. Denn im neuen 30-Quadratmeter-Raum eine Tür weiter gibt es im Unterschied zum bisherigen Büro eine Klimaanlage.
Tische, Stühle und Rechner stehen bereit und in dieser Woche sollen die ersten Mitarbeiter an neuen Plätzen sitzen.
Gute Nachrichten für die Wikando-Gründer Mirjam Maier und Peter Kral   Gute Nachrichten für die Wikando-Gründer Mirjam Maier und Peter Kral
Grund zum Strahlen hatten Mirjam Maier und Peter Kral jedoch nicht nur wegen des blauen Himmels. Es gab auch erfreuliche Neuigkeiten: Madeleine Kraus, bei Wikando in Vollzeit zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, erhält ein Exist-Stipendium. Das bedeutet eine Zahlung von rund 2000 Euro monatlich. Ursprünglich hatte Lorenz Hartung, der kürzlich aus dem Team ausgeschieden war, die Förderung erhalten.
Maier und Kral waren nicht sicher, ob die Umschreibung klappt. Pro Start-up dürfen maximal drei Personen ein Stipendium erhalten. Und schon gar nicht ahnten sie, dass es so schnell gehen würde. "Das hat selbst unseren Exist-Betreuer überrascht."
So wie Hartung damals, erhielt auch Kraus jetzt das Stipendium nur, weil sie mit ihrer Tätigkeit eine elementare Stütze des Gründungsteams darstellt. "Wäre sie von Anfang an dabei gewesen, hätten wir das Stipendium gleich für sie beantragt", sagt Maier.
Wikando hatte eine Präsentation bei einem Investor. Wie ist es gelaufen?
Die Präsentation lief gut, aber wir waren natürlich aufgeregt. Zwar haben wir Wikando und unser Geschäftsmodell schon oft vor Projektverantwortlichen oder Kooperationspartnern präsentiert, doch bisher noch vor keinem potenziellem Investor.
Während der 30-minütigen Präsentation war die Nervosität dann verflogen und wir waren in unserem Element. Die Darstellung und auch die Fragen danach umfassten unser Geschäftsmodell, eine Zielgruppen- und Marktanalyse, unsere Teamstruktur, was wir bisher erreicht haben sowie eine Zukunftsprognose für die nächsten drei bis fünf Jahre. Und darauf waren wir bestens vorbereitet.
Das Wikando-Team mit Gründern Mirjam Maier (l.) und Peter Kral ...   Das Wikando-Team mit Gründern Mirjam Maier (l.) und Peter Kral (zweiter v.r.)
Wie steht es insgesamt um die Finanzen bei Wikando?
Bis Ende dieses Jahres sind wir durch die zweite enable2start-Rate und das Exist-Gründerstipendium finanziert. Um schneller zu wachsen, wäre es optimal, möglichst bald einen Investor mit an Bord zu haben - denn wir haben mit Wikando noch viel vor.
Was war die größte Überraschung des Monats?
Obwohl unser Presseverteiler momentan noch überschaubar ist, stieß unsere Pressemitteilung, in der wir unsere Idee noch mal ausführlich vorstellen und über erste Erfolge auf Wikando berichten, auf großes Interesse. Das hat uns gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind, immer mehr Menschen von Wikando zu begeistern.
Was war der größte Erfolg?
Wir haben unsere Seite in diesem Monat entscheidend erweitert: Wikando ist jetzt auch auf Englisch verfügbar. Internationale Hilfsprojekte, beispielsweise aus Indien, präsentieren sich bereits mit Wikando, und auch Engagierte aus anderen Ländern unterstützen soziale Projekte. Nun können diese sich auch noch leichter auf www.wikando.com zurechtfinden. Das ist ein entscheidender Fortschritt für uns, um bald auch international durchzustarten.
Was ist die größte Aufgabe im kommenden Monat?
Wir haben unser Team um zwei Mitarbeiterinnen erweitert, die sich voll und ganz den Projekten widmen und sich um deren Koordination und Betreuung kümmern. So wollen wir im nächsten Monat gezielt Projekte und Institutionen angehen und den Service für bereits registrierte Hilfsprojekte weiter ausbauen.
Die Fragen beantwortete Wikando-Geschäftsführerin Mirjam Maier
Es geht immer noch ein bisschen besser. Drei Monate nach Start ihres Portals basteln die Wikando-Gründer schon wieder an Verbesserungen.
Von den Wikando-Nutzern kam beispielsweise der Hinweis, dass mehr Infos über Wikando selbst auf die Startseite gehören. "Viele sagten: Wenn man euch noch nicht kennt, ist es schwierig zu erfahren, was ihr eigentlich macht", sagt Gründerin Mirjam Maier. Zudem sollen einzelne Projekte schon auf der Startseite - in wechselnder Reihenfolge - mit Videos oder Fotos präsentiert werden, ohne dass die Nutzer weiterklicken müssten.
Wie führt man Mitarbeiter richtig? Dazu besuchte ...   Wie führt man Mitarbeiter richtig? Dazu besuchte Wikando-Gründerin Mirjam Maier ein Seminar
Voraussichtlich kommende Woche will Maier Screenshots mit möglichen Änderungen auf die Seite stellen. Die User selbst sollen dann entscheiden, sagt Maier: "Ob durch eine Abstimmung oder einen Feedback-Bogen oder irgendwie anders ist aber noch nicht raus."
Verbessern wollen die Wikando-Gründer auch ihre Mitarbeiterführung. Nicht, dass die bislang nicht funktioniert hätte, aber seitdem Maier vor wenigen Tagen ein Seminar zu diesem Thema besucht hat, sieht sie einige Sachen klarer. Sie lernte: Es gibt vier verschiedene Stufen auf denen man Mitarbeiter führen kann. Von der kompletten Vorgabe, wie eine Aufgabe zu lösen ist, bis hin zur völligen Selbstverantwortung des Mitarbeiters.
"Das Entscheidende daran war, dass die passende Stufe von der jeweiligen Aufgabe und vom Mitarbeiter abhängt." Stufe Vier, in der die Mitarbeiter völlig eigenverantwortlich handeln, entlastet die Chefs am meisten. Um diese meistens anwenden zu können, müsse man aber regelmäßig mit den Mitarbeitern sprechen: Was lief bei der letzten Aufgabe gut, was nicht?
"Das haben wir auch bisher schon gemacht", sagt Maier, "aber meist dann, wenn gerade Zeit war." Und noch eines lernte sie: "Wenn man völliges Vertrauen in einen Mitarbeiter hat und nur noch sagt, wann eine Aufgabe erledigt sein soll, muss man am Schluss auch akzeptieren, wie der Mitarbeiter an sein Ziel gelangt ist."
Manchmal ist es unangenehm, wenn etwas länger dauert. Etwa, wenn man wie Wikando für ein neu hinzugekommenes Büro vier Rechner bestellt und drei gleich wieder zurückschicken muss, weil sie Fehler haben.
Angenehm ist hingegen, wenn der Termin bei einem Venture-Capital-Geber länger dauert als erwartet. 20 Minuten Präsentation plus eine Stunde Fragen - so hatten die Gründer Mirjam Maier und Peter Kral sich die Vorstellung vor den potenziellen Geldgebern vorgestellt.
Sind zuversichtlich: Die Wikando-Gründer Mirjam Maier und Peter Kral   Sind zuversichtlich: Die Wikando-Gründer Mirjam Maier und Peter Kral
Stattdessen nahmen sich die drei Zuhörer rund drei Stunden Zeit. Und von Frage-Antwort sei ohnehin nicht viel zu spüren gewesen, sagt Mirjam Maier gutgelaunt: "Das war eher ein Dialog."
Die Investorenrunde interessierte sich für die Zielgruppe und Meilensteine. Und für Prognosen zum Geschäftsverlauf. "Das sind natürlich Annahmen", sagt Mirjam Maier, "wie bei jedem Businessplan".
Aber das Wikando-Team konnte zeigen, aufgrund welcher Zahlen es seine Annahmen traf, beispielsweise basierend auf Userzahlen vergleichbarer Portale im Ausland, vor allem in den USA. Und aufgrund der 40 Millionen Deutschen, die sich laut ihren Recherchen sozial engagieren.
Mitte bis Ende August wollen die Investoren entscheiden, ob sie die Annahmen von Wikando teilen. Maier sieht dem positiv entgegen: "Das ist eigentlich sehr gut gelaufen."
20 Minuten Präsentation. Und - wenn's gut läuft - eine Stunde, um Fragen zu beantworten. In dieser Zeit müssen Mirjam Maier und Peter Kral es schaffen. An diesem Mittwoch wollen sie einen Investoren davon überzeugen, dass Wikando es wert ist, Geld hineinzustecken.
Seit Tagen arbeiten die Gründer an ihrer Präsentation. "Das haben wir zwar inzwischen schon zigmal gemacht, aber da ging es meist nur darum, unsere Idee vorzustellen," sagt Maier, "aber jetzt müssen wir ja auch zeigen, wie unsere Zahlen in ein paar Wochen aussehen. Da muss man sich schon ein bisschen Zeit nehmen."
Auch, wenn sie überzeugen: Bis aus dem Applaus für eine erfolgreiche Präsentation Euro und Cent werden, vergeht einige Zeit, das wissen Maier und Kral: "Andere Gründer haben uns erzählt, dass so etwas Monate Dauer kann."
Das Wikando-Team bei einer Besprechung   Das Wikando-Team bei einer Besprechung
Auch eine andere Finanzlücke lässt sich nicht von jetzt auf gleich stopfen. Denn mit dem Weggang von Marketingberater Lorenz Hartung vor einigen Wochen fehlt nicht nur ein Mitarbeiter. Hartung hatte so wie Maier und Kral als Mitglied des Kernteams von Wikando ein Exist-Gründerstipendium erhalten - 2000 Euro im Monat.
Diesen Betrag möchten Kral und Maier jetzt auf Madeleine Kraus überschreiben lassen, die seit Frühjahr die PR-Arbeit für Wikando leitet. "Wäre sie von Anfang an dabei gewesen, hätten wir das Stipendium auch für sie beantragt", sagt Maier.
Dafür müssen sich Maier und Kral allerdings mit einer Menge Stellen auseinandersetzen. Da gebe es den Exist-Ansprechpartner, der für alle vertraglichen Details zuständig ist und den Exist-Mentoren an der TU München, der alle Rechnungen abzeichnen muss, zählt Maier auf, und als letzte Instanz die Exist-Zentrale in Jülich bei Aachen. "Das kann etwas dauern."
Was war der größte Erfolg in diesem Monat?
Wir können auf einen erfolgreichen Monat zurückblicken.
Wir haben es geschafft, unsere Arbeitsabläufe zu strukturieren, indem wir ein CRM-System, ein System zum Verwalten unserer Community, eingeführt haben. Jetzt haben wir einen besseren Überblick über unsere Kontakte, die eingehenden E-Mails und das Feedback unserer Mitglieder und können viel gezielter und effizienter auf Anregungen eingehen.
Doch nicht nur intern, im Büro, gab es Erfolge, auch "draußen" war dieser Monat erfolgreich. Im Juni haben sich bisher die meisten neuen Projekte angemeldet. Das liegt sicherlich daran, dass wir jetzt rausgehen und die Trommel für Wikando rühren.
Brauchen mehr Leute: die Wikando-Gründer Mirjam Maier und Peter Kral   Brauchen mehr Leute: die Wikando-Gründer Mirjam Maier und Peter Kral
Was war die größte Überraschung für Ihr Start-up?
Wir sind erfreut und auch überrascht, wie viel Feedback wir von Wikando-Mitgliedern und Interessierten bekommen. An manchen Tagen sind wir mehrere Stunden mit deren Beantwortung beschäftigt. Es ist wirklich interessant und vor allem hilfreich zu erfahren, was die Nutzer gut finden, aber auch, was sie sich anders wünschen würden.
Gab es diesem Monat auch negative Erfahrungen?
In diesem Monat wurde uns wieder bewusst: Wir können uns nicht vierteilen. Deshalb müssen wir unser Team schnell erweitern. Obwohl unser CRM-System einige Arbeitsabläufe vereinfacht und erleichtert, benötigen wir trotzdem Mitarbeiter, die es pflegen. Auch die Weiterentwicklung von Wikando kann besser vorangetrieben werden, wenn wir unser Entwicklerteam weiter ausbauen.
Leider ist in diesem Monat ein Mitarbeiter für Marketing ausgeschieden. Das war für uns überraschend, aber zum Glück haben wir zur Zeit sehr gute Bewerber und nun ist diese Stelle ab August wieder besetzt.
Wofür haben Sie am meisten Geld ausgegeben?
Auch in diesem Monat haben wir für unsere Mitarbeiter am meisten ausgegeben. Dadurch, dass wir im Juni sehr viel unterwegs waren und Konferenzen besucht haben, wie die KarmaKonsum in Frankfurt, sind auch die Reisekosten gestiegen. Und sie werden bestimmt weiter ansteigen.
Was ist die größte Aufgabe im kommenden Monat?
Im Juli werden wir unser Baukastensystem erweitern. Wir möchten neue Bausteine in Form von optionalen Zusatzleistungen möglichst bald einführen, beispielsweise ein Medienpaket, mit dem sich Projekte, Stiftungen und Unternehmen umfangreich darstellen können.
Die Fragen beantwortete Wikando-Geschäftsführerin Mirjam Maier
Die gute Nachricht zuerst: Wikando hat eine schmerzlich vermisste Mitarbeiterin wieder. Marie Stöcker, die als freie Webdesignerin für das Portal arbeitet, ist ihren Gips los, besser gesagt ihre Gipse. In denen steckten gleich beide Hände, nachdem Stöcker vor vier Wochen vom Fahrrad gestürzt war. Dabei wollen die Wikando-Gründer Mirjam Maier und Peter Kral seit Wochen ihre Startseite komplett überarbeiten. Die jetzige Form sei nicht selbsterklärend genug, monierten viele User. Jetzt geht es auf dieser Baustelle endlich weiter.
Die schlechte Nachricht: Wikando hat einen Mitarbeiter weniger. Lorenz Hartung war bereits seit vergangenem Sommer im Wikando-Team und zuständig für das Marketing. Die Mitarbeit war Teil seines Executive-Master-Studiums. Im Vorfeld des Online-Starts beriet er Kral und Maier und führte mit anderen Studenten eine Zielgruppenanalyse für Wikando durch.
Haben jetzt eine Baustelle mehr: Die Wikando-Gründer Mirjam Maier ...   Haben jetzt eine Baustelle mehr: Die Wikando-Gründer Mirjam Maier und Peter Kral
In den nächsten Wochen sollte nun aus Marketing-Theorie Praxis werden. "Im Juli oder August wollten wir die ersten großen Aktionen starten", sagt Maier, "das ist schon die Vorbereitung auf die Weihnachtszeit."
Die Aktionen wird es auch geben, sagt Maier. Nur, Hartung wird sie nicht organisieren. Er sagte den Gründern vergangene Woche, dass er ausscheide, um einen anderen Job anzutreten. "Das kam für uns völlig unerwartet", sagen Kral und Maier, sichtlich enttäuscht.
Dabei hatten sie gerade einen Marketing-Praktikanten gefunden, der im August Hartung unterstützen solle. Nun wird er wohl Kral und Maier unterstützen: "Wir sind ja gewohnt, an mehreren Baustellen gleichzeitig zu arbeiten." Und ein Gutes bringe das Ganze ja doch mit sich, scherzt Kral: "Wir wollten gerade Visitenkarten nachbestellen. Jetzt sparen wir immerhin 35 Euro."
Fragen über Fragen haben sie, die Wikando-Nutzer. Solche, mit denen man rechnen kann, etwa: Wie stellt man denn hier Bilder hoch? Und solche, auf die man nicht gleich kommen würde, etwa: "Sind wir interessant für ihre Seite? Würden Sie uns aufnehmen?" Das fragte ein Kindergarten aus München vor wenigen Tagen, erzählt Gründerin Mirjam Maier, fast ein wenig gerührt - schließlich ist Wikando eine offene Community, auf der sich alle Privatleute und Projekte einfach anmelden dürfen.
So oder so, die Fragen sind da. Und damit das Bedürfnis, dass sich jemand um sie kümmert. Zumindest bei der größten Nutzergruppe, den Projekten. Und am besten in Vollzeit. "Das nimmt uns einfach zu viel Zeit weg", sagt Mirjam Maier.
Wie kommt man denn hier rein? Demnächst soll sich ein Mitarbeiter ...   Wie kommt man denn hier rein? Demnächst soll sich ein Mitarbeiter ausschließlich um Projektanfragen kümmern
Überhaupt: Wikando braucht mehr Personal. Für die Entwicklung, fürs Design und für die Pressearbeit. Aus elf Teilzeitkräften sollen bis September 15 Vollzeitmitarbeiter werden. Bis zu zwei Gespräche am Tag führen Maier und ihr Mitgründer Peter Kral derzeit, meist für Praktika, die zwischen zwei und drei Monaten dauern sollen.
Platz für neue Mitarbeiter ist auch vorhanden. Nachdem Wikando erst im Dezember einen größeren Raum angemietet hatte, kommt ab 1. Juli ein weiterer hinzu. 30 Quadratmeter, auf dem gleichen Flur gelegen wie das bisherige Büro. Ein Start-up, das dort bislang arbeitete, vergrößert sich ebenfalls und zieht weg. 450 Euro im Monat kostet die Erweiterung. Angesichts des schmalen Budgets kein völlig unerheblicher Posten, sagt Maier: "Aber da kommen wir nicht drum herum."
Diese Woche hat es wieder in sich für Mirjam Maier und Peter Kral. Am Dienstag waren die Wikando-Gründer auf der Social Business Konferenz in München. Kommendes Wochenende fahren sie für zwei Tage nach Frankfurt zur Karmakonsum-Konferenz. Dort treffen sich nicht etwa rotgewandete Gurus mit ihren Jüngern, sondern Menschen, die am Thema Nachhaltigkeit interessiert sind. Von Konsumgüterproduzenten über Werber bis hin zu Start-ups wie Wikando.
Damit der Laden auch rund läuft, wenn die beiden Chefs - locker ein Drittel der Arbeitskräfte von Wikando - mal nicht da sind, haben Maier und Kral jetzt ein CRM-System angeschafft, also eine Software zum Verwalten von Kunden-E-Mails.
Stellen sich bei der Presse vor: die Wikando-Gründer Mirjam Maier ...   Stellen sich bei der Presse vor: die Wikando-Gründer Mirjam Maier und Peter Kral
Jetzt können Mitarbeiter besser nachvollziehen: Hat der User, der gerade eine Mailanfrage geschickt hat, schon einmal geschrieben? Wenn ja, wie oft? Und wer hat ihm was darauf geantwortet? Außerdem können die Mitarbeiter für häufig gestellte Fragen per Stichwortsuche im Internet schnell die passenden Angaben zusammenstellen.
Die wichtigsten Angaben zu Wikando kommen jetzt auch in eine Pressemitteilung, mit der das Start-up seine PR-Arbeit ankurbelt. In den nächsten Wochen sollen um die 30 Journalisten Post von Wikando erhalten. Die ersten hat PR-Mitarbeiterin Madeleine Kraus schon telefonisch kontaktiert. Von der Überlegung, einen Presseverteiler von Agenturen zu kaufen, haben die Gründer Abstand genommen, sagt Maier: "Ich glaube, es bringt viel mehr, wenn man sich vorstellt und einen persönlichen Kontakt aufbaut."
Öfter mal rausgehen. Damit haben die Wikando-Gründer Mirjam Maier und Peter Kral schon seit langem vorgenommen. Inzwischen ist aus den Vorsätzen Realität geworden. Zum einen, weil die beiden bereits zweimal wieder im Fitnessstudio waren. Mehr als ein Jahr lang war ihre Mitgliedschaft auch eher eine Art Charity-Projekt. Fitness allein sei eigentlich auch ziemlich langweilig, sagt Maier. Aber das Ganze dient als Aufbau, um wieder mal den Sport auszuüben, der den beiden wirklich Spaß macht: "Dann gehen wir klettern."
Aber auch beruflich sind die beiden inzwischen viel unterwegs. Da sind Veranstaltungen wie die Social Bar - ein Treffen von Web-Aktivisten, ehrenamtlichen Helfern, gemeinnützigen Organisationen und sozial orientierten Start-ups.
Sind derzeit selten im Büro: die Wikando-Gründer Mirjam Maier und ...   Sind derzeit selten im Büro: die Wikando-Gründer Mirjam Maier und Peter Kral
Da sind Treffen mit Unternehmen, die erklärt bekommen möchten, wie Wikando funktioniert. Andere wollen sich über mögliche Kooperationen unterhalten.
Und da sind Treffen mit Hilfsprojekten. Einige davon sind als Stiftungen organisiert. "Die werden zum Teil von Unternehmen initiiert, zum Teil aber auch von Privatpersonen", sagt Maier: "Darum finden sie sich in unserer Dreiteilung nicht wirklich wieder. " eine weitere Wikandogruppe zusätzlich zu den jetzigen "Privatpersonen", "Projekte" und "Unternehmen" soll es aber nicht geben. Mögliche Abhilfe bieten daher die Wikando-Bausteine, die Maier und Kral für alle User planen, die sich detaillierter präsentieren wollen.
In der vergangenen Woche kamen Maier und Kral auf einen Termin täglich, in den kommenden Wochen sieht es nicht viel anders aus. Bislang betrieben sie dafür keine Akquise: "Die Leute kommen auf uns zu", sagt Maier, "und im Augenblick hätten wir auch noch keine Ressourcen, um alle abzutelefonieren."
  • FTD.de, 19.08.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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