Alles läuft glatt. Aber reicht das schon? Besser, noch mal jemanden von außen zu fragen. Eine Softwareberatung checkt noch einmal alles durch. "Alles bestens", urteilen auch die Experten. Trotzdem: Maier und Kral wollen noch einen letzten Testlauf durchziehen. Zwei Wochen mit knapp 400 Usern, die sich auf einer Warteliste angemeldet haben.
Gearbeitet bis zur Erschöpfung: Die Wikando-Gründer Peter Kral und Mirjam Maier
Der letzte Testlauf beginnt am 15. April um 18.40 Uhr. "Für uns war das wie der endgültige Startschuss", sagt Maier.
Aufgeregt schreibt sie mit. Um 18.42 Uhr geht der erste User online, um 18.46 Uhr der zweite, um 19.11 Uhr haben sich 20 User registriert, um 21.21 Uhr geht das erste Projekt online. Um 22.51 Uhr die erste Spende. 20 Euro. Klar, das ist nicht viel", sagt Maier lächelnd, "aber für uns war das der Wahnsinn."
Einige halten diese Testschlaufe für übertrieben. "Geht doch endlich online", schreiben ein paar Internetuser. "Die wissen einfach nicht, wie viel Arbeit in einem solchen Portal steckt", sagt Maier. Schwerer wiegt die Meinung ihrer Freunde. "Einige meinten: Ihr habt doch schon den Schlüssel im Schloss stecken, aber ihr scheut euch, ihn umzudrehen", sagt Maier, "und ein bisschen stimmt das auch."
Sie und Kral arbeiten bis an den Rand der Erschöpfung, zwölf Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Schließlich müssen sie nebenher auch Praktikanten anheuern, Markenrechte sichern oder sich um Preise bewerben. Und dann ist da noch dieses Gründerseminar, ausgerechnet eine Woche vor dem letzten Testlauf. Das gehört zu dem Exist-Gründerstipendium, das Maier und Kral erhalten. Teilnahme ist Pflicht.
Also fahren sie hin. In einer Übung müssen sie einen fiktiven Jungunternehmer beraten. Der hat einen Sack voller Probleme, wirtschaftliche wie gesundheitliche. Die "Berater" geben ihm Tipps zum Marketing, zu Wettbewerbern und zur Finanzierung.
Doch erst in der abschließenden Beurteilung durch vier Psychologen fällt auf: Zu der Krankheit hat niemand etwas gesagt. Ein heilsamer Schock. "Im Nachhinein war der Zeitpunkt für das Seminar genau richtig", sagt Maier und atmet tief durch. "Man muss auch mal ein bisschen Abstand nehmen, sonst verliert man sich."