FTD.de » Management + Karriere » Gründung » Zu zweit geht's besser - die 4. Quartalsreportage von Wikando

Merken   Drucken   02.12.2009, 09:00 Schriftgröße: AAA

Gründertagebuch: Zu zweit geht's besser - die 4. Quartalsreportage von Wikando

02.12.2009 - Wikando: Viele neue Features sollen Wikando viele neue User bringen. Aber das braucht Zeit. Darum schließt sich das Charity-Portal mit einem Mitbewerber zusammen von Claus Hornung
Kalt war es im Odenwald. Kalt, aber schön. Drei Tage stiegen Mirjam Maier und Peter Kral Anfang November im Landgasthaus Schafhof in Höllerbach ab. Mitten in der perfekten Idylle. Wiesen mit Schafen, herbstfarbene Wälder und jede Menge frische Luft. Perfekt, um einen klaren Kopf zu bekommen.
Den brauchten sie auch. Denn die Wikando-Gründer waren nicht im Urlaub. Und sie waren nicht allein. Aus dem 60 Kilometer entfernten Frankfurt waren die drei Geschäftsführer eines anderen Start-ups angereist: Helpedia. Das ist ein Internetportal, über das Privatleute und Firmen für soziale Zwecke spenden können. Genauso wie Wikando. Und weil das so ist, suchten die fünf Gründer im Odenwald die Antwort auf eine Frage: Wenn zwei etwas Ähnliches tun - wäre es dann nicht effektiver, sie täten es gemeinsam?
Langer Weg: Die Wikando-Gründer Mirjam Maier und Peter Kral   Langer Weg: Die Wikando-Gründer Mirjam Maier und Peter Kral
Es war ein langer Weg, den Maier und Kral bis zu diesem Treffen zurückgelegt hatten. Seit Ende 2007 arbeiten sie an ihrer Idee von einer Internetseite, auf der alle zueinanderfinden: Hilfsorganisationen, die Spenden und Helfer benötigen. Privat­leute, die spenden und helfen wollen. Und Unternehmen, die öffentlichkeitswirksam Gutes tun wollen. Letztere sollten das Ganze finanzieren. Mit monatlichen Beträgen zwischen 9,90 Euro und 99 Euro monatlich, abhängig von der Mitarbeiterzahl.
Doch schon beim Start holpert es. Am 1. Dezember 2008 geht es los, das verkünden Maier und Kral schon Monate vorher. Nur Tage vor dem Termin blasen sie die Sache ab - die Technik ist noch nicht so weit. Monatelang feilen sie an der IT. Am 29. April 2009 endlich geht Wikando online. Im Nachhinein betrachtet hätte man locker einen Monat früher starten können, sagt Maier. "Aber wir haben uns selbst unter Druck gesetzt. Diesmal sollte alles perfekt sein. Und je länger wir warteten, umso mehr erwarteten die Leute, dass etwas Perfektes dabei herauskommt."
AUSGABEN, EINNAHMEN, KAPITAL, SCHULDENSTAND
Hier steht die Bilanz von Wikando für August bis Oktober 2009
Letztlich erweisen sich die Befürchtungen als unbegründet. Die Reaktionen der User sind positiv. Weniger positiv ist die Zahl der User. Einige Hundert Anmeldungen von Privatleuten läppern sich in den folgenden Monaten zusammen, dazu eine Handvoll Probemitgliedschaften von Unternehmen. 80 Hilfsprojekte sind auch da. Nur: Die bezahlen nichts für ihre Spendenaufrufe. Drei Monate nach dem Launch liegen die Einnahmen unverändert bei null. Dann eben anders. Maier und Kral erweitern ihr Geschäftsmodell: Sie wollen zusätzliche Features anbieten, die vorrangig auf Hilfsprojekte ausgerichtet sind. Denn die, das erfuhren die Gründer in Akquisegesprächen, wären durchaus bereit, für solche Services zu bezahlen.
Also basteln sie wieder. Peter Kral kommt fast außer Atem, als er aufzählt, was Wikando demnächst alles im Angebot hat: Kostenlos können etwa Organisationen Logos hochladen, Fotoblogs führen, Spendenbenachrichtigungen ausstellen, Fanklubs einrichten und zu ihren Profilen auf sozialen Netzwerken verlinken.
enable2start: Rückblick - Die Sieger von 2008 (00:05:31)
enable2start: Rückblick - Die Sieger von 2008 (00:05:31)
Zahlende Kunden können zudem Videos einstellen, Spendenquittungen mit individueller Anrede erstellen lassen. Sie können nicht nur Spenden für einzelne Projekte einsammeln, sondern für ihre gesamte Organisation. Sie können Spendenabos anbieten. Sie können per Knopfdruck einen Flyer erstellen lassen, mit allen Angaben ihres Wikando-Profils inklusive Logo. Und, und, und.
Kral stockt. "Da stellt sich natürlich die Frage: Braucht man diese ganzen Features überhaupt?" Die Frage stellen sich auch Maier und Kral. Bisher lautet ihre Antwort: Einige bestimmt. Aber welche? Um das herauszubekommen, müssten sie mehr rausgehen, noch mehr Kunden treffen. "Dafür bräuchten wir ein größeres Team", sagt Kral. Und sie bräuchten Zeit. Mal wieder.
Geld werden sie währenddessen nicht einnehmen. Investoren, bei denen sie vor Monaten präsentierten, verschieben ihre Entscheidung wieder und wieder. Eine Bank, für die Wikando eine interne Spendenplattform bauen soll, springt in letzter Sekunde wieder ab. "Denen war wohl das Risiko zu groß, mit einem Start-up zusammenzuarbeiten", sagt Maier.
FÜNF NEUE GRÜNDER
Mit dieser Reportage endet die regelmäßige Berichterstattung über die enable2start-Gewinner von 2008. Ein Buch, in dem alle Quartalsreportagen zusammengefasst sind, wird im Frühjahr 2010 erscheinen. Ab dem 7. Dezember startet an dieser Stelle die Berichterstattung über die Sieger des Jahres 2009.
In dieser Stimmung treffen sie auf einer Konferenz die Helpedia-Gründer. Man kennt sich schon länger und mag einander, sagt Maier: "Wir sahen uns nie als Konkurrenten." Denn bis dahin organisierten die Frankfurter ausschließlich Aktionen, bei denen Privatleute ihre Bekannten animieren können, sich einem Spendenaufruf anzuschließen, etwa dem "Red Nose Day" des Fernsehsenders Pro Sieben.
So eine Aktion planen die Wikando-Gründer aber nun für die Weihnachtszeit. Die Helpedianer wiederum erzählen, dass sie ihren Nutzern kostenpflichtige Features anbieten wollen. Die soll ein externer IT-Dienstleister liefern, die Helpedia-Geschäftsführer sind Vertriebler. Auf einmal merken die Gründer: "Wir würden uns perfekt ergänzen."
Geht da was? Sie verabreden eine Klausurtagung im Odenwald. Um sich über Standorte, Geschäftsführerposten und Gehälter zu unterhalten. Aber auch, um einander richtig kennenzulernen: Wer ist Single, wer liiert? Was für Ziele hat man im Leben? Alles passt zusammen. Das Ergebnis: eine Fusion. Ab Januar 2010 gibt es nur noch Helpedia.
"Den Namen Wikando aufzugeben fällt uns nicht leicht", sagt Maier. "Aber Helpedia ist am Markt etablierter." Maier wird Geschäftsführerin, gemeinsam mit einem Helpedia-Gründer. Die zwei anderen und Peter Kral werden Gesellschafter. Firmensitz ist Frankfurt. Nicht alle Wikando-Mitarbeiter können so einfach umziehen. "Das ist sehr schwer für uns", sagt Maier. Aber die Entscheidung steht. "Wir haben gemerkt, dass das das Richtige ist." Denn letztlich verfolge man die gleiche Idee, sagt sie: Wir wollen den Menschen helfen."
Die große Entscheidung ist gefallen, jetzt geht es an die inhaltliche Umsetzung. Fast täglich telefonieren Mirjam Maier und Peter Kral mit den Geschäftsführern des Portals Helpedia, mit dem Wikando fusionieren wird.
Eine wichtige Frage dabei ist, welche Gesellschaft das fusionierte Unternehmen leiten soll. Geht die Ixenio GmbH von Maier und Kral (Wikando ist nur der Portals- nicht der Unternehmensname) in der Helpedia GmbH auf? Oder umgekehrt? Oder gründet man ein neues Unternehmen? Und wie läuft so etwas rechtlich ab? Das prüft jetzt ein Steuerberater.
Von Augsburg nach Frankfurt: die Wikando-Geschäftsführer Mirjam ...   Von Augsburg nach Frankfurt: die Wikando-Geschäftsführer Mirjam Maier und Peter Kral
Redebedarf gibt es auch bei der Umgestaltung der Seite, sagt Maier: "Man kann ja nicht einfach beide Produkte zusammenschmeißen." Möglicherweise gibt es sogar ein neues Logo. Und der neue Businessplan soll ebenfalls schnell fertig werden, weil sich das neue Unternehmen bald um Investoren bemühen will.
Das vierte Quartal bei Wikando
Am 2. Dezember erscheint an dieser Stelle die vierte und letzte Quartalsreportage von Wikando - inklusive aller wichtigen Zahlen wie Ausgaben, Umsätze und Kontostand. Gleichzeitig endet damit die einjährige Berichterstattung.
Ganz nebenbei suchen Maier und Kral eine Wohnung am neuen Firmensitz Frankfurt. Auch zwei Mitarbeiter gehen dorthin mit: Ein Auszubildender und ein freier Entwickler, der dann eine Festanstellung erhalten soll.
"Unglaublich, wie schnell das jetzt alles geht", sagt Maier. Die Portale selbst werden aber bis Jahresende noch parallel existieren. "Früher wäre unrealistisch", sagt Maier: "Und wir wollen ja auch das Weihnachtsgeschäft noch mitnehmen." Das laufe übrigens gerade gut an, sagt sie, gerade bei den Hilfsorganisationen: "In den vergangenen zwei Wochen hat sich fast jeden Tag jemand bei uns eingestellt."
Es gab auch Kritik an der Fusion, insbesondere in Blogs. Ob die Fusion nicht in Wirklichkeit bedeute, dass Wikando geschluckt würde? "Mir war klar, dass solche Kommentare kommen würden", sagt Maier. "aber wir wissen, dass es einfach Sinn macht. Und ich habe ein sehr gutes Gefühl bei der Sache."
Sie haben sich entschlossen: Wikando und Helpedia werden fusionieren. "Es passt einfach wie die Faust aufs Auge", sagt Mirjam Maier. Zum einen spricht dafür, dass Helpedia schon jetzt Dinge tut, die für Wikando neu sind. Bestes Beispiel: Die Weihnachtkampagne von Wikando. Die läuft seit dieser Woche. Dort können User, die ein Projekt toll finden, für dieses eine eigene Kampagnenseite erstellen und Freunde mit einem Mausklick darauf aufmerksam machen. "Helpedia hat sich bislang auf solche Aktionen konzentriert", sagt Maiers Gründungs- und Lebenspartner Kral
Geben den Namen Wikando auf: Mirjam Maier und Peter Kral   Geben den Namen Wikando auf: Mirjam Maier und Peter Kral
Zum zweiten ist das das neue Geschäftsmodell von Wikando, weitere Features für Hilfsorganisationen anzubieten. Maier und Kral sind überzeugt davon, dass viele Organisationen diese Features benutzen und dafür Geld dafür bezahlen werden.
Aber welche? "Die große Gefahr ist, dass wir zig Baustellen aufmachen und auf allen verdursten", sagt Kral." Man muss herausfinden, welche Features der Markt braucht. Das bedeutet mehr Vertrieb. "Und dafür bräuchten wir ein größeres Team", sagt Kral, "und die Helpedia-Gründer sind im Prinzip alle Vertriebler." Die Helpedia-Gründer wiederum planten ohnehin, ebenfalls weitere Features anzubieten. Viele Organisationen fragten schon nach, ob sie sich etwas umfangreicher auf Helpedia präsentieren könnten. Wikando hätte die dafür nötigen Tools. Bei Helpedia wäre die Technik - wie bislang auch schon - von einem externen IT-Dienstleister gekommen.
Auch über private Dinge redeten die Gründer. Man unterhielt sich über Freundinnen und Freunde. Darüber, wo man hin möchte im Leben und wo man gerade steht. "Das Bauchgefühl passte", sagt Maier.
Was schon feststeht: Es wird zwei Geschäftsführer geben. Mirjam Maier und einen der bisherigen Helpedia-Geschäftsführer. Die beiden anderen Geschäftsführer von Helpedia und Peter Kral werden Gesellschafter.
Und: Das neue Unternehmen wird Helpedia heißen. "Den Namen Wikando aufzugeben, ist emotional schon sehr schwer", sagt Maier, "aber der Name Helpedia ist einfach etablierter am Markt."
Es war ein erster Test für die neuen Angebote von Wikando. Auf dem Vision Summit waren Mirjam Maier, Peter Kral und zwei ihrer Mitarbeiter angetreten, um Kunden zu finden. Und tatsächlich stießen sie auf großes Interesse. Sie sammelten rund 70 Adressen von Ansprechpartnern ein, die mehr über Wikando erfahren möchten.
Die interessierten sich gleichermaßen für White-Label-Produkte wie für die erweiterten Möglichkeiten, die eigene Organisation auf Wikando zu präsentieren. "Es gab eigentlich für jeden etwas", sagt Maier. Und: Niemand schien ein Problem damit zu haben, dass diese neuen Features Geld kosten sollten. "Wir hatten vorher erwartet, dass zumindest der ein oder andere es nicht gut findet."
Sollen wir mit einem anderen Portal fusionieren? Bei Wikando gibt ...   Sollen wir mit einem anderen Portal fusionieren? Bei Wikando gibt es derzeit viel Gesprächsbedarf
Bevor Wikando allerdings tatsächlich mit seinen neuen Features Geld verdienen wird, müssen die Gründer einige elementare Fragen klären. In den vergangenen Tagen führten Maier und Kral intensive Gespräche führten mit Helpedia, einer anderen Charity-Plattform.
Schon länger kennen sich die Gründer der beiden Portale. Bislang aber unterschied sich deren Zielrichtung. Während Wikando anfangs mehr auf Unternehmen zielte, hat Helpedia bereits jetzt Tools, die Wikando noch erstellen möchte. So will Wikando ab diesem Mittwoch eine Weihnachts-Aktion starten, bei der einzelne Personen sich ein bestimmtes Projekt aussuchen und eine eigene Spendenplattform für Freunde anlegen können. Helpedia macht so etwas schon länger. Gleichzeitig plante Helpedia, künftig Features einzurichten, an denen Wikando bereits arbeite, sagt Maier.
Jetzt überlegen die beiden Portale, ob es nicht sinnvoll wäre, beide Unternehmen miteinander zu vereinigen. Dabei geht es allerdings nicht nur um inhaltliche Ziele, sagt Maier. Wo sitzt die Firma? Wie viel Geschäftsführer soll es geben? Wie steht es um die Finanzen? All das stände zur Debatte, sagt Maier: "Da hängt ein ganzer Rattenschwanz dran."
Sie haben einen Relaunch gestartet. Warum war der notwendig?
Bei unserer ersten Startseite haben wir häufig das Feedback bekommen: "Das ist ja alles ganz schön, aber was macht ihr eigentlich?". Es war also dringend notwendig, einen Einstieg zu Wikando zu bieten, der mehr für sich selbst spricht. Und einen, der sowohl für Projekte, Privatpersonen und Unternehmen geeignet ist. Jetzt positionieren wir uns nicht mehr nur als reine Engagement-Plattform, sondern auch als Anbieter für Spendenservices.
Was ist jetzt alles neu?
Statt eine abgeschlossene Webseite zu entwickeln, auf der die Mitglieder an Wikando gebunden sind, haben wir uns für andere Plattformen wie Facebook und Google geöffnet. Jetzt ist es möglich, sich mit bereits bestehenden Accounts bei Wikando einzuloggen. So können die Nutzer ihr Engagement auch in anderen Netzwerken zeigen und noch mehr Reichweite für Wikando und die Projekte, die sie unterstützen, erzielen.
Neue Optik, neues Geschäftsmodell: Die Wikando-Gründer Mirjam ...   Neue Optik, neues Geschäftsmodell: Die Wikando-Gründer Mirjam Maier und Peter Kral
Was bedeutet das für das Geschäftsmodell von Wikando?
Mit dem Relaunch wurde auch unser Geschäftsmodell entscheidend erweitert. Neben den "Corporate Social Responsibility"-Services für Unternehmen, haben wir eine zweite Säule eingeführt: "Fundraising-as-a-Service". Projekte und Organisationen können nun über uns verschiedene Online-Fundraising-Services buchen.
Neben der kostenlosen Online-Präsenz und der automatischen Spendenabwicklung gibt es weitere Bausteine, bei denen es vorwiegend um individuelle Anpassungen, Spendenaktionen durch Fans, Verbreitung der Projekte und verbesserte Kommunikation geht. Zusätzlich gibt es einen Multiprojekt-Baustein, der es Organisationen erlaubt, mehrere Projekte gleichzeitig zu verwalten.
Was ist die größte Herausforderung im kommenden Monat?
Im November starten wir unsere erste Weihnachtskampagne. Unternehmen und Privatpersonen können dabei eigene Weihnachts-Spendenaktionen ins Leben rufen und mit Hilfe ihres Netzwerks ein Projekt ihrer Wahl unterstützen. Sie bekommen eine eigene Aktionsseite, auf der sie sich, ihre Aktion sowie das Projekt vorstellen können. Über die Aktionsseite können sich dann Freunde, Kunden und Mitarbeiter gemeinsam engagieren, Spenden sammeln und auf der Seite auch ihre persönliche Nachricht für das Projekt hinterlassen.
Die Fragen beantwortete Wikando-Gründerin Mirjam Maier
Schön, wenn man seine Nutzer auch mal persönlich kennen lernt. Vergangene Woche hatte Mirjam Maier in Berlin dazu Gelegenheit.
Dort trafen sich Stipendiaten der Initiative Startsocial, die Wikando im September ausgezeichnet hatte. Bei den meisten davon handelt es sich um Projekte, vom Blindenhundverein bis hin zur Tauchtherapie für Behinderte. "Da können wir uns als Plattform natürlich nicht direkt daneben einreihen", sagt Maier.
Traf auf die Zielgruppe: Wikando-Gründerin Mirjam Maier   Traf auf die Zielgruppe: Wikando-Gründerin Mirjam Maier
Aber man kann eine Beziehung zu einem solchen Projekt haben. Wie bei der Bücherbrücke Mongolei, die sich als eines der ersten Projekte überhaupt auf Wikando eingetragen hat. Ein Bücherbrücke-Vertreter war auch auf dem Treffen und erzählte Maier, wie viele Bücher schon über Wikando gespendet wurden. "Toll, wenn man sieht, dass etwas ankommt."
Workshops gab es auch. "Wie nutze ich das World Wide Web?" hießt einer, den Maier besuchte. "Ich dachte, da ginge es um Facebook, Twitter oder ähnliches, aber das Thema war: Wie erstelle ich eine eigene Homepage." Eine gute Erfahrung, um mal wieder die eigene Zielgruppe kennenzulernen: "Da fangen viele erst an, sich mit dem Internet auseinanderzusetzen." Ein riesiger Kontrast zum internetaffinen Socialcamp, das sie neulich besucht."
Mirjam Maier ist ganz aufgeregt. "Irgendwie hat man das Gefühl es geht jetzt...", sie sucht nach Worten: "es geht jetzt leichter."
"Jetzt" - das heißt: Nach dem Relaunch von Wikando. Seitdem neue zusätzliche Angebote auf der Seite stehen und sich das Layout verändert hat. "Das hat uns neuen Schwung gegeben", meint Maier. Auch, weil das Team nun wieder mehr Feedback von seinen Usern erhält. So wie Ende vergangener Woche, als der Server einmal fünf Minuten ausfiel. "Da kamen sofort Mails", sagt Maier, "es ist schön zu sehen: Aha, das merkt einer."
Hier ist was los. Der Relaunch beflügelt die Wikando-Mitarbeiter   Hier ist was los. Der Relaunch beflügelt die Wikando-Mitarbeiter
Obendrein sind nun mehrere Varianten von Wikando-Bannern fertig, die sich andere Websites einbinden können. Das motiviert Maier den neuen Schwung gleich nutzen, um die Vorräte an Marketingmaterialien etwas aufzufüllen. Kurz stand das Obst mit eingelasertem Logo zur Diskussion. Schön weihnachtlich wäre es auch gewesen, aber es wurde aus Kostengründen verworfen: "da kostet eine Nuss fast einen Euro." Kulis hätte Maier gern. Die gäbe es sogar in der ökologischen Holz-Variante für rund 40 Cent das Stück. Kaum teurer als normale Kulis, sagt Maier. Aber eben nur, wenn man eine Mindestmenge von mindestens 1000 Stück abnimmt, sagt Maier: "Was sollen wir denn mit 1000 Kulis?"
Jetzt sollen 500 Postkarten her. Aus dickerem Papier als die Flyer, die Maier auf einer Freiwilligenmesse verteilt hatte. Damals waren die dünnen Zettel auch wegen des missverständlichen Slogans "Spenden 2.0" nicht so gut angekommen wie erhofft. Die Postkarten kosten nur 79 Euro und seien zudem ein Werbemittel, das man ja auch verwenden könne, sagt Maier. Etwa als Weihnachtskarte.
"Gemeinsam mehr bewegen" oder "Die Revolution des Helfens" soll auf den Karten stehen. Und als Motiv? "Luftballons", sagt Maier. Die tauchten schließlich auch auf der Wikando-Seite auf - als Symbol für Posten von Projekten, die durch Spenden abgedeckt werden konnten: "Das passt." Und für Leichtigkeit stehen Luftballons ja auch.
Schön war's auf dem Socialcamp 2009 am vergangenen Wochenende, auf dem sich gleichermaßen Web- wie Sozial-Aktivisten trafen. Zumindest für Wikando-Gründerin Mirjam Maier. "Da haben uns einige auf die Schultern geklopft."
Grund dafür war der Start der neuen Wikando-Seite. Die war in der Nacht vom 1. auf den 2. Oktober online gegangen. "Wir haben nur positives Feedback bekommen", freut sich Maier. Alles laufe schneller und sei einfacher zu bedienen. Und dann die rotierenden Fotos von Projekten anstelle von Zeichnungen auf der Homepage - das sei schon "viel lebendiger", meinten die User. Und Maier meint das auch.
Und was soll das kosten? Mirjam Maier und Peter Kral müssen noch ...   Und was soll das kosten? Mirjam Maier und Peter Kral müssen noch Preise für die neuen Wikando-Leistungen festlegen
Noch wichtiger sind aber für sie die neuen Inhalte. Künftig können Hilfsprojekte zwischen drei Mitgliedschafts-Typen wählen: Basis, Plus und Premium. Noch stehen diese Bezeichnungen nicht endgültig fest. Und erst ab Ende Oktober werden Projekte die Dienstleistungen tatsächlich in Anspruch nehmen können. Denn noch feilt das Wikando-Team an letzten technischen Details. Und an den Preisen. "Das ist ein schwieriges Thema", sagt Maier, "Für Unternehmen hatten wir ja von Anfang an Preise festgelegt. Da können wir bei den Projekten schlecht mehr nehmen."
Interessierte Projekte gibt es aber jetzt schon. Maier hat eine Liste mit den Namen von rund 30 Organisationen, die in jedem Fall die neuen Dienste nutzen möchten. Maier grinst: "Vor dem Socialcamp waren es erst zehn."
Sie waren zum ersten Mal seit zwei Jahren im Urlaub. Wie war's?
Die Auszeit hat uns gut getan. Es war sehr entspannend und wir konnten trotz der wenigen Tage überraschend gut abschalten. Öfters mal Abstand zu gewinnen ist enorm wichtig, damit man reflektieren und wieder frisch und kreativ ans Werk gehen kann. Das Beste am Urlaub war eigentlich, dass wir gemerkt haben, dass es auch ohne uns weiterläuft.
Derzeit überarbeiten Sie die ganze Webseite. Was genau ist geplant?
Im Oktober beendet Wikando eine öffentliche fünfmonatige Testphase und wird in einem neuen Look auftreten. Größere Veränderungen sind unter anderem eine neue Startseite, eine Registrierung, die nur noch zehn Sekunden in Anspruch nimmt und noch mehr Möglichkeiten, sich zu engagieren – das soll viele zum Mitmachen zu bewegen.
Starten einen Relaunch: Die Wikando-Gründer Mirjam Maier und Peter ...   Starten einen Relaunch: Die Wikando-Gründer Mirjam Maier und Peter Kral
Höhepunkt wird die Enthüllung der zweiten Säule unseres Geschäftsmodells sein: Fundraising-as-a-Service: Projekten und Organisationen stehen neben dem kostenlosen Basis-Account, nun auch Premiumdienste zur Verfügung. So können sie noch mehr Fans mobilisieren, sich mit ihnen zu vernetzen und mehr Spenden zu bekommen.
Was war der größte Erfolg in diesem Monat?
Es gab einige Erfolge: wir sind Gewinner des bundesweit ausgeschriebenen Stipendiums von Startsocial . Startsocial hat das Motto "Hilfe für Helfer" und fördert, unter der Schirmherrschaft von Angela Merkel, soziale Unternehmen. Darüber hinaus haben wir eine Kooperation mit dem "Social Awareness Award" der internationalen Sportartikelmesse ISPO, ins Leben gerufen. Dabei geht es darum, soziale Sportprojekte gemeinsam zu fördern.
Haben Sie auch einen Rückschlag erlitten?
Wir waren in Gesprächen mit einer großen Bank, die eine eigene Engagement-Plattform haben wollte. Das Thema White-Label Produkt war von unserer Seite eigentlich erst fürs nächste Jahr geplant, aber so ergab sich die Möglichkeit, das vorzuziehen. Leider kam der Auftrag nicht zustande gekommen, weil wir für die Bank noch als Start-up gelten und nicht als renommiertes Unternehmen. Das wird hoffentlich nächstes Jahr anders sein.
Was ist die größte Aufgabe im kommenden Monat?
Nachdem Wikando während des Sommers weiter entwickelt wurde, beginnt nun wieder das Rausgehen und Trommeln. Wir sind auf zahlreichen Veranstaltungen vertreten, intensivieren unsere Akquisetätigkeiten, suchen geeignete Kooperationspartner und planen unsere Weihnachtsaktion.
Die Fragen beantwortete Wikando-Gründerin Mirjam Maier
Endspurt bei Wikando. Innerhalb der nächsten Woche startet der Relaunch. Noch fehlen ein paar Übersetzungen, testen die Programmierer, ob sich auch bei allen denkbaren Browsern alle Felder öffnen, aber von Nervosität sei nichts zu spüren, sagt Gründerin Mirjam Maier: "Es ist nicht so schlimm wie beim ersten Mal, jetzt haben wir ja schon Erfahrung. Ich freue mich."
Gut, ein wenig aufregend, sei das alles schon. Denn mit dem Relaunch fällt auch der Startschuss für ein neues Geschäftsmodell - eines, das in Basis- und Premiummitgliedschaften unterteilt sein wird.
Wird alles neu: Wikando startet einen Relaunch   Wird alles neu: Wikando startet einen Relaunch
Zunächst kommen zwar nur kostenlose Zusatzangebote auf die Seite - wie die Möglichkeit, Profile per Email zu aktualisieren, Logos hervorzuheben, seine Organisation besser optische darstellen zu können und ein Blog zu führen - aber schon etwa zwei Wochen später folgen weitere Tools, die Geld kosten sollen.
Das muss man den Usern natürlich erstmal schmackhaft machen. Gar nicht so leicht - sagen jedenfalls zwei Unternehmensberater. Von denen werden Maier und ihren Mitgründer Peter Kral in den nächsten Monaten gecoacht, weil sie bei der Initiative Startsocial gewonnen haben.
Die beiden Berater hatten ein ungefähres Bild von dem, was Wikando so macht, sagt Maier: "Aber nach dem ersten Treffen sagten Sie: Das ist schon sehr komplex, was sie machen." Zum einen sei es sehr schwer, mehrere Zielgruppen gleichzeitig anzusprechen. Zum anderen sollten Maier und Kral bei ihren Erklärungen nicht zu technisch werden. "Was heißt denn das eigentlich: Community?", fragen die Coaches provozierend. Und Fundraising, oder gar Fundraising-as-a-Service - das verstünde doch niemand.
Maier seufzt, wenn sie das erzählt: "Eigentlich wissen wir ja, dass wir ja, wie es geht", sagt sie. "Eigentlich wissen wir, dass unsere Zielgruppe nicht die internetaffinen 20-Jährigen sind." Aber wenn man ein Portal mit so vielen technischen Möglichkeiten habe, obendrein noch selbst programmiert, dann wolle man nun mal gern davon erzählen. "Es ist manchmal schwer, sich da zurück zu nehmen."
Noch laufen die Tests für den Start der überarbeiteten Wikando-Seite Anfang Oktober, da testen die Gründer Mirjam Maier und Peter Kral schon wieder etwas anderes: ihre Englischkenntnisse.
Derzeit übersetzen sie ihren Businessplan, denn Wikando bewirbt sich beim AWS Start-up Challenge , einem Wettbewerb, den Amazon ausgeschrieben hat.
Preisverdächtig? Wikando bewirbt sich für mehrere Auszeichnungen   Preisverdächtig? Wikando bewirbt sich für mehrere Auszeichnungen
Dort können sich renommierte Unternehmen ebenso wie Start-ups bewerben, deutsche Projekte ebenso wie amerikanische. Voraussetzung: Man muss einen Webservice von Amazon nutzen. Im Fall von Wikando sind das Server und Speicherplatz. Kurz: Das, was man heute unter dem Namen Cloud Computing versteht. "Wir schreiben in die Bewerbung: Wir machen Fundraising in the cloud", scherzt Maier.
Der Sieger erhält 50.000 $. "Wenn ich es richtig verstanden habe, bekommt man sogar schon für das Einreichen der Unterlagen 25 $", sagt Maier und lacht: "Das ist doch schon mal was."
Gleichzeitig arbeiten Maier und Kral noch an der Bewerbung für die Mission Sustainability . Bei der Aktion können sich Projekte bewerben, die mit dem Thema Nachhaltigkeit zu tun haben. Dabei gibt es kein Geld zu gewinnen, aber einen Marketing-Effekt: Die Sieger werden auf einem Kongress vom Rat für Nachhaltigkeit präsentiert.
Gut, dass der Sommer nun endlich vorbei ist. Findet Gründerin Mirjam Maier. Letzte Zeit war es einfach zu ruhig. Telefonanrufe und Traffic auf der Wikando-Seite - all das war in den vergangenen zwei Monaten stark zurückgegangen. Auch die Entscheidung der potenziellen Wikando-Investoren verzögert sich urlaubsbedingt. Anfang Oktober werden Maier und ihr Partner Peter Kral erfahren, ob sie eine Runde weiter sind.
Allerdings hatte die Ruhe der vergangenen Wochen auch ihre Vorteile. Die Überarbeitung der Wikando-Homepage ging gut voran, sagt Maier. "Neben Erklär-Videos à la "Wie registriere ich mich richtig", gibt es nun beispielsweise weniger Registrierfelder.“Außerdem haben wir uns technisch runtergeschraubt", sagt Maier. So soll Wikando künftig nicht nur mit aktuellen Browsern sondern auch mit älteren perfekt laufen. Selbst mit dem nach Ansicht von Peter Kral von Programmierern meistgehassten Browser Internet Explorer 6.0. "Wir hatten einfach unterschätzt, wie viele Nutzer solche Browser noch verwenden", sagt Maier.
Wollen mal wieder rauskommen: Die Wikando-Gründer Mirjam Maier und ...   Wollen mal wieder rauskommen: Die Wikando-Gründer Mirjam Maier und Peter Kral
Anfang Oktober soll die überarbeitete Seite starten. Ein bisschen Puffer sei dabei eingerechnet, sagt Maier lachend mit Blick auf den lange hinausgezögerten Launch der Homepage: "Daraus haben wir gelernt." Außerdem habe man nun wieder deutlich mehr Manpower. Seit Mitte September sind zwei neue Sechs-Monats-Praktikanten ins Team gekommen, die sich um Marketing und Vertrieb sowie die Betreuung der Hilfsprojekte auf Wikando kümmern sollen.
Ebenfalls ab Oktober beginnt wieder die Konferenzen- und Seminarsaison. Fest gebucht sind bei Maier und Kral bereits das Socialcamp sowie ein Treffen mit anderen Stipendiaten des Programms Startsocial, bei dem die beiden kürzlich ein Stipendium gewonnen haben. Und die ersten Besuche bei potenziellen Kooperationspartnern plant Maier auch schon. Vor ein paar Monaten habe sie sich ein paar Termine weniger im Kalender gewünscht, sagt Maier: "Aber jetzt bin ich froh, dass es wieder rausgeht."
Die schlechte Nachricht zuerst: Die Bank, die sich von Wikando eine eigene interne Spendenplattform programmieren lassen wollte, hat sich für einen anderen Dienstleister entschieden. "Sie haben gesagt, wir hätten technisch einen super Eindruck gemacht und wären auch inhaltlich sehr gut", sagt Mirjam Maier. Aber? "Die haben ein Problem mit einem Start-up. Das Risiko ist ihnen zu hoch. Man kann es vielleicht so sagen: Letztlich haben sie sich nicht getraut."
Maier ist enttäuscht, dass es Wikando nicht gelungen ist, einen solch renommierten Kunden zu gewinnen. Zumindest bleibt ihr der positive Schluss, dass sie viel aus den Gesprächen mit der Bank gelernt habe.
Das Wikando-Team im Augsburger Büro   Das Wikando-Team im Augsburger Büro
Jetzt die gute Nachricht: Das junge Unternehmen hat endlich seinen lang geplanten Ausflug an den Ammersee gemacht. Wanderfreudig, wie die Gründer Maier und Peter Kral sind, haben sie ihre zehn Mitarbeiter den Berg zum Kloster Andechs hinaufgeschickt.
Und jetzt die wirklich Gute: Wikando ist bei der bundesweiten Ausschreibung "Startsocial" unter die besten 100 sozialen Projekte gewählt worden. Die Initiative unter Schirmherrschaft von Kanzlerin Angela Merkel bietet sozialen Projekten und Unternehmen Unterstützung. Für Maier und Kral bedeutet das, dass sie ab kommender Woche für drei Monate ein Beratungsstipendium bekommen. In welchem Bereich sie der Unterstützung bedürfen, konnten sie im Vorfeld angeben.
Die Entscheidung fiel klar auf den sozialen Aspekt ihrer Unternehmung: Welche gesetzlichen Rahmenbedingungen gibt es, wie funktioniert das mit den Spendenquittungen, wie wird soziales Engagement in großen Unternehmen gehandhabt. "Wir kommen aus dem IT-Bereich, das Soziale ist ja eher durch unser privates Umfeld entstanden", begründet Maier. Im Frühjahr 2010 werden die sieben Unternehmen der Stipendiaten gekürt, die sich am stärksten weiterentwickelt haben.
Doch nicht nur von der Beratung erhofft sich Maier einen Mehrwert. "Es geht auch ums Netzwerk. Gerade, weil es sich um einen Wettbewerb handelt, bei dem nur soziale Projekte und Unternehmungen mitmachen."
Über die Freude ist die Enttäuschung über das abgesagte Bank-Projekt vergessen. "Das ist wirklich klasse, da haben wir uns so sehr gefreut."
  • FTD.de, 02.12.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 04.12.2009 18:53:23 Uhr   Joachim Gerbert: Mutig und sinnvoll !

    Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen!
    Großartiges Team mit einer schönen Idee, die hoffentlich so funktioniert, wie es sich die Gründer vorstellen.

    Mein Eindruck in den letzten Monaten war es, das die wikandos vorwiegend als Einzelkämpfer unterwegs agiert haben. Ohne strategische Allianzen zu schließen, große Partner für sich zu begeistern und eine größere Finanzierungsrunde hinzulegen, wird der Weg nicht nur sehr steinern sein,
    sondern es besteht auch die Gefahr des Scheiterns.

    Dass sie hart und fokussiert arbeiten können, haben sie bewiesen. Trotzdem gilt es jetzt das Ding zum Abheben zu bekommen. Ich hoffe, dass dies mit Helpedia jetzt noch näher rückt und drücke die Daumen.

  • 04.12.2009 15:14:04 Uhr   Irene: Fusion
  • 03.12.2009 21:22:39 Uhr   Daniel Schuster: Großes Lob
  • 03.12.2009 11:31:35 Uhr   M.Schulze: Glückwunsch zur Fusion!
  • 19.11.2009 11:45:30 Uhr   Thomas Schulze: Gute Sache!
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