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Merken   Drucken   04.09.2006, 13:22 Schriftgröße: AAA

An der Spitze wird es eng

Auf dem MBA-Markt tobt der Konkurrenzkampf. Die Topschulen werden immer größer. Kleinere müssen zusammenarbeiten oder fusionieren, wenn sie ganz oben mithalten wollen. von Bärbel Schwertfeger (Hamburg)
Kooperiert mit der Mannheim Business School: die französische ...   Kooperiert mit der Mannheim Business School: die französische Schule ESSEC
Ohne Unterstützung will sich die Mannheim Business School dem internationalen Konkurrenzkampf unter den Managerschulen nicht mehr aussetzen. Bereits im Oktober 2003 vereinbarte das Institut deshalb mit der französischen Ecole Supérieure des Sciences Economiques et Commerciales (Essec) eine umfangreiche Kooperation in Lehre und Forschung, um gemeinsam in die internationale Spitzengruppe der Business-Schulen aufzurücken. Die französische Regierung hat dem deutsch-französischen Projekt eine jährliche Unterstützung von 1 Mio.Euro versprochen, vorausgesetzt, die deutsche Seite stellt dieselbe Summe bereit. Bisher fehlt diese Zusage jedoch.
"Wer in die internationale Topliga will, braucht Größe", sagt Philippe Naert, Dekan der niederländischen Tias Business School. Da Topschulen wie die französische Insead in Fontainebleau immer größer werden, sei es für die anderen natürlich immer schwieriger, aufzurücken. Sie hätten daher nur zwei Möglichkeiten: Entweder sie haben einen großzügigen Sponsor, oder sie fusionieren mit einer anderen Schule. Nur so könnten sie ein breites Angebot von Vollzeit- und Teilzeitprogrammen und hochwertigen Weiterbildungskursen bieten. "Eine Business-School muss heute viel größer sein als noch vor fünf Jahren", sagt Naert, der vor kurzem die niederländische Schule Nimbas übernommen hat. Nun will der Belgier die beiden MBA-Vollzeitstudiengänge verschmelzen. Aus den beiden internationalen Executive-MBA-Programmen soll langfristig eines werden, und die drei Teilzeit-MBA-Programme in Tilburg, Utrecht und Bonn sollen mehr Teilnehmer anziehen.
Verschmelzung von Tias und Nimbas
"Damit bieten wir mehr Möglichkeiten und haben eine bessere internationale Präsenz", sagt der Tias-Chef, der sich davon auch in Deutschland mehr Geschäft erhofft. Dabei setzt er vor allem auf Manager, die sich weiterbilden wollen. Der deutsche Markt sei zwar schwierig, aber die staatlichen Universitäten seien keine ernsthafte Konkurrenz. "So, wie die organisiert sind, kann man keine starke Business-School aufbauen", sagt Naert. Dazu brauche man mehr Autonomie.
Doch längst ist auch der deutsche MBA-Markt überflutet - insgesamt gibt es 190 verschiedene Programme. "Der Markt wächst weiter und wird immer unübersichtlicher", erklärt Karlheinz Schwuchow, Professor an der Hochschule Bremen. Wer sich abheben wolle, solle sich um ein international anerkanntes Gütesiegel bemühen. Davon gibt es weltweit nur zwei relevante: die Akkreditierung durch die Association to Advance Collegiate Schools of Business (AACSB) und das European Quality Improvement System (Equis). Doch ein solches Siegel haben erst vier deutsche Hochschulen. "Bisher gibt es noch wenige qualitativ hochwertige Anbieter von klassischen MBA-Programmen in Deutschland", sagt Hans Wiesmeth, Rektor der Handelshochschule Leipzig. Sie ist eine der drei deutschen Schulen, die mit dem AACSB-Gütesiegel werben dürfen.
Anbieterzahl wird sinken
Für Neuanbieter wird es immer schwieriger, sich auf dem Markt durchzusetzen. Sie brauchten entweder einen sehr guten Ruf oder einen starken internationalen Kooperationspartner, sagt Stefan Kayser, akademischer Direktor des Executive-MBA-Programms an der Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung (WHU) in Vallendar. Seine Schule arbeitet seit 1997 mit der renommierten amerikanischen Universität Kellogg School of Management zusammen.
"Es wird spätestens dann eine Marktbereinigung geben, wenn die Hochschulen ihre Programme auch unter Kosten- und Erlösaspekten anbieten müssen", sagt MBA-Experte Schwuchow. Bisher nutzen viele MBA-Programme die Infrastruktur der Hochschule und haben so kaum Fixkosten.
Spezialisierung gefragt
Anteil der Schulen, in denen die Bewerberzahlen gestiegen sind   Anteil der Schulen, in denen die Bewerberzahlen gestiegen sind
Experten sind sich einig, dass sich der Markt für Business-Schulen gerade sehr wandelt. Er ist dabei, sich in einzelne, spezialisierte Segmente aufzuteilen. Dieser Trend wird sich voraussichtlich in den nächsten Jahren fortsetzen. "Es gibt zu viele Programme, und alle wollen global sein", kritisiert zum Beispiel Kai Peters, Leiter der britischen Ashridge Business School. Doch eine Schule mit weniger als einem Drittel internationaler Studenten und ein paar ausländischen Gastprofessoren sei noch lange nicht international, sagt er. "Suchen Sie sich lieber eine Marktnische", empfiehlt Peters seinen deutschen Kollegen. So könne es durchaus sinnvoll sein, ein Executive-MBA-Programm für den Großraum Hamburg anzubieten.
Die Universität Augsburg hat ihre Nische bereits gefunden: Seit 1999 bietet sie ein spezielles MBA-Programm für Berufstätige an. "Wir möchten als Qualitätsführer für berufsbegleitende MBA-Programme im süddeutschen Raum wahrgenommen werden", sagt Hanspeter Vietz, Geschäftsführer des MBA-Programms. "Der Markt befindet sich bereits in einer Konsolidierungsphase", sagt er.
Langer Weg zur Topschule
Thomas Heimer, geschäftsführender Dekan der Hochschule für Bankwirtschaft (HfB) in Frankfurt, will daher abwarten. Nachdem das britische Henley Management College die Kooperation beim gemeinsamen MBA-Studiengang beendet hat, wird er in den nächsten drei Jahren kein neues MBA-Angebot mehr starten. "Für uns ist nur der hochwertige Markt für Executive-MBA-Programme interessant", sagt Heimer.
Die European Business School, Schloß Reichartshausen   Die European Business School, Schloß Reichartshausen
Auch Christopher Jahns zögert noch. "Wir prüfen derzeit, ob es Sinn macht, einen Vollzeit- oder einen Executive MBA in General Management anzubieten", sagt der neue Rektor der European Business School (EBS) im hessischen Oestrich-Winkel. "Wenn wir das machen, dann nur mit einem sehr deutlichem eigenen Profil." Trotz des guten Renommees der privaten Hochschule sei er nicht so blauäugig, zu glauben, die EBS könne schon in zwei bis drei Jahren zu den internationalen Topschulen gehören. "Dazu braucht man einen durchfinanzierten Businessplan über acht bis zehn Jahre", sagt der Schulleiter.
  • FTD.de, 04.09.2006
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