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Merken   Drucken   06.02.2008, 07:31 Schriftgröße: AAA

Arbeiten am Wochenende wird Normalität

Privatleben oder Arbeitszeit? Für viele Finanzmanager ist das nicht entscheidend. Denn ohne ihren Laptop oder PDA in den Urlaub oder zum Ausflug zu fahren, ist für sie inzwischen undenkbar. von Sabine Meinert
Raus aus der Firma und dann nicht mehr an das Projekt denken? Ein Großteil deutscher Finanzprofis erlaubt sich solche Gedankengänge längst nicht mehr. 44 Prozent der Führungskräfte im Finanz-, Rechnungs- und Bankwesen, arbeiten im Rahmen besonderer Projekte auch nach Feierabend zuhause weiter. 22 Prozent der befragten deutschen Finanzexperten rufen jeden Abend ihre E-Mails ab oder machen geschäftliche Anrufe.
Finanzprofis: auch in der Freizeit erreichbar   Finanzprofis: auch in der Freizeit erreichbar
Fast jeder Vierte greift inzwischen auf das mobile Büro zurück, wenn beim Arbeitgeber Projekte oder Veränderungen anstehen, er aber nicht am Arbeitsplatz sitzt. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Personaldienstleisters Robert Half unter Finanzprofis in Europa, den USA und der Asien-Pazifik-Region.
Wochenende nicht mehr arbeitsfrei
Auch das Wochenende ist nicht mehr unantastbar: Immerhin sieben Prozent der befragten Manager in Deutschland arbeiten jedes Wochenende ein paar Stunden zusätzlich. Jeder Vierte hierzulande engagiert sich zumindest jedes zweite Wochenende für den Job.
Im internationalen Vergleich sind die Deutschen damit noch relativ faul: Im Schnitt opfern in den großen Industrienationen fast doppelt so viele Finanzmanager jedes Wochenende einen Teil ihrer Freizeit. Am fleißigsten sind die Mitarbeiter in Hongkong (29 Prozent) und Japan (22 Prozent). Ganz anders in Spanien, wo nur fünf Prozent der Führungskräfte in der Finanzbranche ihre freien Stunden dem Beruf widmen. Zwei Drittel der Spanier arbeitet nie am Wochenende. In Hongkong traut sich das nur eine kleine Minderheit von fünf Prozent.
Steigende Arbeitszeit
Insgesamt beträgt die Wochenarbeitszeit deutscher Finanzprofis derzeit 42,2 Stunden. Rund 64 Prozent der Befragten gaben an, inzwischen länger arbeiten zu müssen als noch vor zwei Jahren. Jeder Dritte verbringt nun fünf bis zehn Stunden mehr im Büro als früher. Deutlich länger arbeiten allerdings die Kollegen in Luxemburg und Japan - mit einer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 47 Stunden.
In Deutschland hat die Mehrarbeit häufig mit einem Karrieresprung zu tun. Auch ein ordentliches Unternehmenswachstum sorgte in vielen Fällen für ein wachsendes Arbeitspensum und höheren Leistungsdruck. Immerhin fast ein Viertel der Finanzmanager gab jedoch auch an, die größere Arbeitsbelastung sei nicht besetzten Stellen in ihrer Abteilung oder ihrem Unternehmensbereich geschuldet.
Nine to five ist passé
Zudem müssen sich die Beschäftigten in der Finanzbranche im Zuge der Globalisierung immer öfter mit Gesprächspartnern und Kollegen in anderen Zeitzonen in Verbindung setzen. Das erfordert arbeitszeitliche Flexibilität. Viele Unternehmen bieten für abendlich ausgedehnte Arbeitsstunden aber einen zeitlichen Ausgleich an. Sie erwarten jedoch, dass Mitarbeiter auch beim Familienausflug für dringende Anfragen per Handy, PDA oder Laptop zur Verfügung stehen. Fazit: Außerhalb der Arbeitszeit nicht erreichbar zu sein, ist inzwischen keine Option mehr. Und Wochenende und Urlaub sind längst nicht mehr heilig.
Die Studie "Workplace Survey" ermittelte im Auftrag von Robert Half Management Resources Karrieretrends und Entwicklungen im Finanz- und Rechnungswesen. Für den Themenkomplex "Working Hours - A Global Comparison" wurden etwa 2300 Finanzmanager aus 17 Ländern befragt.
  • FTD.de, 06.02.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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