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Merken   Drucken   06.09.2010, 06:00 Schriftgröße: AAA

Arbeitsstrukturen: Teamarbeit? - Nein Danke!

In Stellenanzeigen wird sie stets eingefordert, im Unternehmensalltag ständig angemahnt - die Teamfähigkeit. Doch, wie Beratungsexperten jetzt herausfanden, sagen viele Beschäftigte ganz klar: Ich hasse Teams! von Sabine Meinert 
Wenn Führungskräfte mit der Integration von Angestellten ins Team nicht wirklich zurande kommen, dann liegt das nicht unbedingt an mangelnden Soft Skills. Viel eher ist der Grund darin zu suchen: Teamarbeit ist in Deutschland unbeliebt. Zu diesem Ergebnis kommen zumindest die Hamburger Unternehmensberater Svenja Hofert und Thorsten Visbal in ihrer jüngsten Studie, für die sie Interviews mit Berufstätigen aller Branchen aus ganz Deutschland führten.
Basierend auf früheren Beobachtungen wollten die Karriere- und Organisationsberater herausfinden, wie stark die Abneigung gegen die Kollegen und die Abkehr vom Gruppenzwang ist. Dazu ließen sie die Teilnehmer Bewertungen zu verschiedenen Aspekten des Teamverhaltens im Arbeitsleben abgeben - von 0 (Einzelkämpfer) bis 10 (Teamliebhaber).
Lieber allein: Eine Geschäftsfrau telefoniert in ihrem Büro   Lieber allein: Eine Geschäftsfrau telefoniert in ihrem Büro
Allein geht's besser
Erstaunliches Ergebnis: Knapp die Hälfte der Befragten gab an, alleine effizienter zu arbeiten als im Team (Durchschnittswert 5,4). Am positivsten bewerteten Angestellte ohne Personalverantwortung die Teamarbeit (5,8). Sie sehen vor allem den Zuwachs an Kreativität als Vorteil, ebenso die Ideenvielfalt und die Möglichkeiten, Gedanken hin- und herzuspielen oder Lösungen überprüfen zu können. Doch obwohl die Angestellten ohne Führungsaufgabe gern mit Kollegen arbeiten, stoßen sie sich an "Nebenwirkungen", wie Geräuschkulisse, unproduktiven Phasen oder Zeitaufwand für Kontaktpflege.
Jeder Dritte ist extrem genervt durch ineffizientes Arbeiten - so zum Beispiel die ineffiziente Umsetzung eines Projekts oder schlechte Kommunikation. An unproduktive Meetings sind die meisten inzwischen wohl schon gewöhnt, denn nur sieben Prozent sehen darin ein weiteres Team-Hemmnis.
Als größte Hindernisse für erfolgreiche Teamarbeit sehen die meisten mangelndes Verantwortungsbewusstsein und versteckte Eigeninteressen. Die Teilnehmer nannten hier vor allem Egospiele, das Festhalten an Meinungen, Profilierungssucht und fehlende Kompromissbereitschaft.
Karriere machen die anderen
"Das Ergebnis zeigt, dass Teamarbeit in der Praxis meist nicht funktioniert", sagt Svenja Hofert. "Schuld daran hat auch die in Deutschland vorherrschende Überzeugung, dass Teamarbeiter zwar in den Stelleninseraten gesucht würden, in Wahrheit aber Einzelkämpfer Karriere machten." Die Ursache dafür liegt laut Hofert darin, dass immer noch vor allem die Leistung des Einzelnen bewertet würde, nicht die des Teams. "Hier muss vor allem eine Veränderung in den Köpfen stattfinden", so Thorsten Visbal. "Ein wichtiger Schritt in Richtung mehr Teamzufriedenheit liegt darin, dass Kollegen die Kompetenzen der anderen Teammitglieder erkennen und schätzen lernen."

Teil 2: Was Führungskräfte tun sollten, um den Teamgeist zu stärken.

  • FTD.de, 06.09.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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