Wenn nichts mehr geht ...
Doch selbst wenn die Symptome schnell erkannt werden, müssen sich die Betroffenen eingestehen, dass sie an den äußeren Faktoren oft nur wenig ändern können. Arbeit an den inneren Faktoren impliziert jedoch, sich seiner selbst und der Situation stärker bewusst zu werden, Gefühle und Stimmungen zu erspüren. Und genau darin sind die Deutschen nicht besonders gut, sagt Businesscoach Sabine Mrazek. "Viele spüren am Arbeitsplatz eine gewisse kulturelle Entwurzelung und kämpfen mit den Auswirkungen der Globalisierung. Dazu kommt, dass es Großfamilien nicht mehr gibt und Themen wie Pflege stärker auf die Tagesordnung rücken. Viele dieser Gegebenheiten - im Beruf wie im Privatleben - kann der Betroffene nicht ändern, aber er kann sein Denken, Fühlen und Verhalten beeinflussen."
Ausstieg, Klinik, Coaching
Meist nehmen sich Burn-out-Betroffene nach der Diagnose eine Auszeit vom Job, suchen Rat in spezialisierten Kliniken, versuchen in Coachings die Stressfaktoren und das Gefühl der Überforderung zurückzufahren. Gerade, wo in der Folge einer völligen Erschöpfung psychische Krankheiten wie Depressionen auftreten, ist der Weg zum Facharzt wichtig, sagt Margaretha Alram, Leitende Ärztin einer Klinik für medizinisches Stressmanagement am Bodensee. Ihre Einrichtung versucht jedoch, auch jenen zu helfen, bei denen sich ein Burn-out erst ankündigt. Alram arbeitet zum Beispiel häufig mit Mittelständlern, die die Symptome spüren, sich jedoch kurzfristig nicht aus dem Familienunternehmen zurückziehen können. Sie fühlen ständig die Verantwortung und den Zwang zu arbeiten - und zwar rund um die Uhr. Allein der Schritt, sich tageweise vom Alltag zu lösen und mit fachlicher Unterstützung ihren Perfektionismus zu bekämpfen, sei für sie ein großer Fortschritt.