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Merken   Drucken   24.10.2011, 18:46 Schriftgröße: AAA

Ausgebrannte Mitarbeiter: Leben nach dem Burn-out

Wer hat schuld, wenn Mitarbeiter wegen totaler seelischer, mentaler und körperlicher Erschöpfung aussteigen? Und wie geht's nach der Diagnose weiter? Im Unternehmen und im Leben der Betroffenen zählt Umdenken und Umsteuern. von Sabine Meinert 
Die Schnelllebigkeit unserer Zeit, massive Veränderungen, die überwältigende Fülle an Informationen, der ewige Druck im Job und im Privaten, die ständige Erreichbarkeit durch Handy und Co. sowie die zunehmende Transparenz aller Lebensbereiche - noch vor einigen Jahren hätte sich das kaum jemand vorstellen können. Heute ist all das alltäglich - und wird für manchen zur großen Last. Kommen Perfektionismus und hoher Ehrgeiz dazu droht ein Burn-out. Aktuelle Fälle wie der des Fußballtrainers Ralf Rangnick oder Hannovers Ersatztorwart Markus Miller oder Rosenstolz-Sänger Peter Plate beweisen es.
Wenn nichts mehr geht ...   Wenn nichts mehr geht ...
Doch selbst wenn die Symptome schnell erkannt werden, müssen sich die Betroffenen eingestehen, dass sie an den äußeren Faktoren oft nur wenig ändern können. Arbeit an den inneren Faktoren impliziert jedoch, sich seiner selbst und der Situation stärker bewusst zu werden, Gefühle und Stimmungen zu erspüren. Und genau darin sind die Deutschen nicht besonders gut, sagt Businesscoach Sabine Mrazek. "Viele spüren am Arbeitsplatz eine gewisse kulturelle Entwurzelung und kämpfen mit den Auswirkungen der Globalisierung. Dazu kommt, dass es Großfamilien nicht mehr gibt und Themen wie Pflege stärker auf die Tagesordnung rücken. Viele dieser Gegebenheiten - im Beruf wie im Privatleben - kann der Betroffene nicht ändern, aber er kann sein Denken, Fühlen und Verhalten beeinflussen."
Ausstieg, Klinik, Coaching
Meist nehmen sich Burn-out-Betroffene nach der Diagnose eine Auszeit vom Job, suchen Rat in spezialisierten Kliniken, versuchen in Coachings die Stressfaktoren und das Gefühl der Überforderung zurückzufahren. Gerade, wo in der Folge einer völligen Erschöpfung psychische Krankheiten wie Depressionen auftreten, ist der Weg zum Facharzt wichtig, sagt Margaretha Alram, Leitende Ärztin einer Klinik für medizinisches Stressmanagement am Bodensee. Ihre Einrichtung versucht jedoch, auch jenen zu helfen, bei denen sich ein Burn-out erst ankündigt. Alram arbeitet zum Beispiel häufig mit Mittelständlern, die die Symptome spüren, sich jedoch kurzfristig nicht aus dem Familienunternehmen zurückziehen können. Sie fühlen ständig die Verantwortung und den Zwang zu arbeiten - und zwar rund um die Uhr. Allein der Schritt, sich tageweise vom Alltag zu lösen und mit fachlicher Unterstützung ihren Perfektionismus zu bekämpfen, sei für sie ein großer Fortschritt.
Es sei nicht wichtig, sich völlig zu isolieren von allem, was vorher belastete, sagt die Medizinerin. "Entscheidend ist, sich mit seinem Verhalten auseinander zu setzen, neue Schwerpunkte im eigenen Leben zu setzen. Das geht auch, ohne sich vom Berufsleben völlig zu lösen. Wer sich allerdings ein, zwei Monate aus dem Job herauszieht, kann oft stärker fokussieren und besser loslassen."
Die Ärztin setzt neben Coachings auch auf medizinische Mittel. Eine Blutuntersuchung zeigt, welche Enzyme, Vitamine oder Zellbestandteile wegen der Erkrankung fehlen und wie viele Stresshormone den Körper belasten. Diese Defizite auszugleichen, ist ein leichter Schritt, sagt Alram. Das helfe vor allem, um die allgemeine Erschöpfung oder Schlafstörungen abzubauen. Begleitend könne körperliche Erschöpfung mit Sport, besserer Ernährung oder Stressmanagement deutlich abgebaut werden.

Teil 2: Innere Faktoren nicht länger ausblenden

  • FTD.de, 24.10.2011
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