Es hört sich an wie ein Klischee aus alten Zeiten: Der Azubi muss kopieren, fegen und Kaffee kochen. Zumindest im ersten Jahr. Im zweiten darf er dann endlich auch die Post verteilen. Doch allzu weit von der Wahrheit entfernt ist das offenbar auch heute nicht: Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) stellte am Donnerstag in Berlin das "Schwarzbuch Ausbildung" vor, in dem 77 Fälle dokumentiert sind, in denen junge Auszubildende sich über ausbildungsfremde Tätigkeiten beklagen.
Besonders viele schwarze Schafe gebe es DGB-Vorstandsmitglied Ingrid Sehrbrock zufolge im Einzelhandel, in Büroberufen, in der Medienbranche sowie im Hotel- und Gaststättengewerbe. Eine 19-Jährige im ersten Lehrjahr berichtete der Online-Beratung doktor-azubi.de, sie habe noch keinen Lehrvertrag. Ihren Eltern sei von der Kammer erklärt worden, ihr Chef habe keine Lizenz, um sie in dem Hotel auszubilden.
Ausbildung ohne Ausbilder
Eine Gruppe von fünf Auszubildenden im Hotelbereich schrieben, ihr Ausbilder besuche das Hotel etwa einmal im Jahr. "Ist das erlaubt?", wollten sie wissen. Andere Jugendliche berichteten, sie müssten ständig putzen, die Hunde des Chefs ausführen, ihnen werde der Urlaub gekürzt und kein Weihnachtsgeld gezahlt. Ein Auszubildender zum Fahrzeuglackierer schreibt, bei einer Innentemperatur von drei Grad habe er sich Hände und Schuhe mit einem Fön gewärmt. Er sei gezwungen worden, mit Quarzsand zu entrosten. Der Stoff sei extrem Krebs erregend und laut Arbeitsschutzgesetz verboten.
Sehrbrock forderte die Ausbildungsbetriebe auf, Missstände zu beseitigen und die Qualität der Ausbildung zu erhöhen. Auch müssten die Kammern und Innungen die Betriebe besser kontrollieren und sich mehr um die Qualität der Ausbildung kümmern. Die Berater sollten vor Ort Stichproben machen, forderte Sehrbrock. Sie sehe mit Sorge, dass sich viele Jugendliche offenbar aus Sorge um den Ausbildungsplatz alles gefallen ließen.