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Merken   Drucken   31.10.2006, 06:00 Schriftgröße: AAA

Bachelors haben eigene Bedürfnisse

Unternehmen werben um Absolventen, müssen aber noch an Einstiegsprogrammen feilen. Nur in Zusammenarbeit mit den Universitäten kann sich der Bachelor zu einer berufsqualifizierenden Ausbildung entwickeln. von Bärbel Schwertfeger
Die Zahl der Bachelor Abschlüsse stieg 2005 um 66 Prozent   Die Zahl der Bachelor Abschlüsse stieg 2005 um 66 Prozent
Die Resonanz ist äußerst positiv", sagt Katharina Heuer, Leiterin der Management- und Mitarbeiterqualifizierung bei der Deutschen Bahn. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen erstmals fünf Bachelor-Absolventen für ausgewählte Positionen eingestellt.
"Die haben sich schnell integriert, und die Fachabteilungen sind sehr zufrieden", sagt Heuer. Inzwischen sind bereits zehn Bachelor-Absolventen beschäftigt, und das Angebot für sie wird kontinuierlich erweitert.
Ebenso viele Bachelor-Absolventen hat die Boston Consulting Group (BCG) in diesem Jahr eingestellt. Als erstes Top-Beratungsunternehmen hat BCG ein Programm aufgelegt, bei dem die Berufseinsteiger für zwei Jahre als Junior Associates in konkreten Projekten einsteigen und danach einen Master machen können.
"In absehbarer Zeit sollen über 20 Prozent der Neueinstellungen Bachelor-Absolventen sein", sagt Just Schürmann, für Recruiting zuständiger Geschäftsführer bei BCG.
Eine Ausnahme unter den Unternehmen Mit ihren neuen Karrierepfaden sind die beiden Unternehmen jedoch eine Ausnahme. "Viele Unternehmen erwarten, dass die Bachelor-Absolventen die Qualifikationen für ihre bisherigen Einstiegsprogramme mitbringen", sagt Christoph Anz, Hochschulexperte bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA).
Für Martin Möhrle ist das der falsche Weg. "Die Unternehmen müssen ihre Nachwuchsprogramme überprüfen und sie gegebenenfalls durch eine vorgeschaltete Orientierungs- und Trainingsphase anpassen", sagt Möhrle, der im Personalbereich der Deutschen Bank verantwortlich ist für Training, Entwicklung, Aus- und Weiterbildung. Dort gibt es für Bachelor-Einsteiger mehr Training und eine strukturiertere Personalentwicklung.
Doch noch sind die Erfahrungen gering. "Wir suchen in unseren Stellenanzeigen zwar bereits gezielt nach Bachelor-Absolventen", sagt Eva-Maria Pampel, Teamleiterin Personal- und Hochschulmarketing bei Bosch. Aber ihre Zahl sei zu klein, um qualitative Aussagen zu machen.
Bachelor-Studiengänge mit geringem Zuspruch Nach Auskunft des Statistischen Bundesamtes waren zum Wintersemester 2004/05 erst 13,5 Prozent der Studienanfänger in einem Bachelor-Studiengang eingeschrieben. Allerdings stieg die Zahl der Abschlüsse 2005 bereits um 66 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 9800.
Dabei entspricht längst nicht jeder Studiengang den Anforderungen an eine berufsqualifizierende Ausbildung. Diese soll neben den fachlichen Inhalten auch Schlüsselqualifikationen wie Teamfähigkeit und interkulturelle Kompetenz vermitteln.
"Es gibt bisher nur wenige Universitäten mit gut gestalteten und anspruchsvollen Bachelor-Studiengängen", sagt BCG-Geschäftsführer Schürmann. Viele hätten einfach nur ihre bisherigen Angebote umetikettiert. Daher sei auch die Qualität der Bewerbungen extrem heterogen.
Intransparenz wird enorm steigen "Die Intransparenz auf dem Hochschulmarkt wird in den nächsten Jahren noch enorm steigen", warnt Norbert Wangnick, Geschäftsführer des Recruiting-Dienstleisters Access in Köln.
Unternehmen tun daher gut daran, selbst an der Neugestaltung der Studiengänge mitzuwirken. "Unsere Mitarbeiter beraten bei der Umstellung der Lehrinhalte und sitzen in den Akkreditierungsgremien", erläutert Bosch-Personalerin Pampel.
Noch weiter geht die Bahn. Sie hat gemeinsam mit der Technischen Universität Cottbus und der Fachhochschule Erfurt zwei ingenieurwissenschaftliche Bachelor-Studiengänge entwickelt. Für Bahn-Personalerin Heuer ist das der ideale Weg: "Wir unterstützen die Hochschulen und haben ein hohes Interesse daran, die Absolventen zu übernehmen."
  • FTD.de, 31.10.2006
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