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Merken   Drucken   13.04.2010, 07:00 Schriftgröße: AAA

Berufschancen: Karriere lieber daheim

Deutsche Führungskräfte sind auf einen Job im Ausland nicht besonders erpicht. Eine internationale Studie zeigt: 93 Prozent der Manager bleiben bei einem Stellenwechsel im Land. von Sabine Meinert 
Nur sieben Prozent der Führungskräfte in Deutschland wagten im vergangenen Jahr den Sprung ins Ausland. Das ergab eine Untersuchung des Karrieredienstes Experteer in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut OMIS Research. Befragt wurden dabei mehr als 20.000 Führungspersönlichkeiten. Die Auswanderungsquote ist damit gering. Im europäischen Schnitt verlassen jährlich knapp 17 Prozent der Manager ihr Heimatland. Am höchsten sind die Abwanderraten in Osteuropa (bis zu 50 Prozent).
Deutschland scheint allerdings für die international orientierten Manager wenig interessant zu sein: Vergangenes Jahr strebten nur minimal mehr Spitzenkräfte hierher. Und fast jeder zweite Einwanderer war ein Rückkehrer - eine zuvor ausgewanderte Führungskraft mit deutschem Pass. "Es wird spannend, ob sich der Heimkehrertrend und die recht geringe Abwanderung in Managerkreisen wieder umkehrt, sobald die Wirtschaftskrise endgültig überwunden ist", so Christian Göttsch, Geschäftsführer von Experteer.
Wohin deutsche Spitzenkräfte 2009 auswanderten   Wohin deutsche Spitzenkräfte 2009 auswanderten
Das beliebteste Auswanderungsziel bleibt für deutsche Top-Manager die Schweiz. Jeder vierte der Karriereauswanderer zog in das Alpenland. Der Grund: Ähnlich wie in Deutschland werden hier attraktive Gehälter gezahlt. In der deutschen Auswandererstatistik deutlich dahinter liegen Großbritannien, die USA und Österreich. "Wichtiger Faktor bei der Wahl des Auslandsaufenthalts ist offenbar die deutsche oder englische Landessprache ", so Göttsch.
"Einmal raus!"
Eine Umfrage des Personaldienstleisters Monster zeigt jedoch: Auch wenn nur wenige den Schritt nach draußen wagen, fast drei Viertel der Deutschen träumen zumindest von einem Job im Ausland. Nicht nur, weil er ein spannendes Abenteuer und Abwechslung verspricht, sondern auch als Karrierepusher, da internationale Erfahrungen auf dem hiesigen Arbeitsmarkt besonders geschätzt werden. Jeder zweite Deutsche hat deshalb ein paar Jahre als Expatriate auf dem Plan.
Haben Sie schon an eine Karriere im Ausland gedacht?
Ja, ich möchte gerne ein paar Jahre im Ausland  
verbringen. Das würde meinen Lebenslauf sehr verbessern. 49 Prozent
Ja, ich war schon mal im Ausland, würde es  
aber sehr gerne nochmals tun. 24 Prozent
Nein, im Ausland zu arbeiten, finde ich zu  
anstrengend. 4 Prozent
Nein, im Ausland zu arbeiten, interessiert mich nicht. 23 Prozent
Quelle: Monster, März 2010
 
Auffällig ist: Die tatsächlichen Auswanderer kommen der Experteer-Studie zufolge primär aus der Old Economy. So scheinen die Spitzenkräfte aus der deutschen Automobilindustrie - neben ihren Produkten - ein echter Exportschlager zu sein. Im Europavergleich entstammen 36 Prozent der auswandernden Führungskräfte der Branche. Aber auch Spitzenkräfte aus der Elektroindustrie und dem Maschinenbau sind gefragt.
Im Europavergleich am flexibelsten scheinen jedoch Berater zu sein (14 Prozent), auch Banker und Finanzfachleute und IT-Spezialisten (je zehn Prozent) trauen sich häufig ins Ausland. Am auswanderungswilligsten ist allgemein das mittlere Management - Projektleiter, Abteilungs- und Bereichsleiter. Auf dem Top-Level der Unternehmen geht nur jeder 20. Manager in ein anderes Land.
Gemeinsam mit Kollegen aus dem Ausland
Dennoch: Die Überzeugung, dass die Zusammenarbeit mit Kollegen anderer Nationalität die Karriere fördert, ist groß, zeigt der "Global Workforce Index" des Personaldienstleisters Kelly Services. Die Mehrheit hält die Erfahrungen, die sich in einem internationalen Team sammeln lassen, für einen entscheidenden Karrierefaktor. Und rund 86 Prozent sind zudem sicher, die nötigen Fähigkeiten für internationales Arbeiten zu besitzen.
Fast zwei Drittel haben bereits in den vergangenen zwei Jahren mit Kollegen aus einem anderen Kulturkreis zusammengearbeitet. Jeder zweite findet aber, dass die Unternehmen nicht genug tun, um die Mitarbeiter auf die internationale Zusammenarbeit vorzubereiten. 53 Prozent vermissen Weiterbildungsangebote wie Sprachkurse oder Seminare zu interkulturellem Management. Nur jeder Dritte erhält ein entsprechendes Training, bei den älteren Beschäftigten sogar nur etwa jeder Fünfte.
Für die Experteer-Studie erfasste OMIS Research Daten der vergangenen beiden Jahre von 20.826 Managern aus 20 Ländern. Mehr Informationen unter: https://www.experteer.de/about/press
Die Online-Umfrage von Monster basiert auf den Antworten von 5.242 Befragten in Deutschland, Österreich und der Schweiz aus dem März 2010. Mehr Informationen unter: www.monster.de.
Die Global-Workforce-Befragung von Kelly-Services wertet die Angaben von 90.000 Arbeitnehmern in 34 Ländern aus, darunter etwa 2500 in Deutschland. Mehr Informationen unter: www.kellyservices.de.
  • FTD.de, 13.04.2010
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