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Merken   Drucken   16.02.2010, 11:00 Schriftgröße: AAA

Berufswelt: Toller Job? Nur ein Traum

Der Traumjob bleibt für viele unerreichbar: Neun von zehn Arbeitnehmern arbeiten nicht an dem Platz, an dem sie gerne wären. Zu wenig Zeit und zu wenig Geld, sind die häufigsten Begründungen. von Sabine Meinert 
Die australischen Behörden warben auch mit Tauchern im Great ...   Die australischen Behörden warben auch mit Tauchern im Great Barrier Reef um Kandidaten für den "besten Job der Welt"
"Der beste Job der Welt" - mit diesem Slogan bewarb im vergangenen Jahr die Tourismusbehörde von Queensland eine Stelle als Insel-Ranger auf den Whitsundays. Für den befristeten Job bewarben sich 35.000 Kandidaten, denn die australische Behörde hatte Lukratives zu bieten: Tätigkeiten, die nah an Urlaubsaktivitäten heranreichen, Multimedia-Tests, ein attraktives Haus als Wohn- und Arbeitsplatz in einer wunderschönen Umgebung, freie Zeit- und Aufgabeneinteilung, Entdecker-Projekte und Kontakt mit netten Kollegen. Das berufliche Abenteuer in traumhafter Strandlage gewann der Brite Ben Southall, wenn auch nur befristet.
Zu Recht kritisierten Jobexperten in aller Welt die Bewerbungskampagne als (gelungene) Tourismus-Marketingaktion. Dennoch: Der Traum vom Traumjob - er treibt viele um. Und er zerplatzt oft wie eine Seifenblase. Nicht nur, dass die supertollen Jobs wie der in Australien dünn gesät sind, oftmals verzichten Arbeitnehmer aus Zeit- und Geldmangel darauf, ihre beruflichen Ziele hartnäckiger zu verfolgen. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Karriereportals Monster.
Demnach gehen 92 Prozent der Deutschen derzeit nicht ihrem Traumjob nach. Befragt nach dem "Warum", geben sie vor allem finanzielle Gründe an. "Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wundert es nicht, dass vielen die finanzielle Absicherung wichtig ist, wenn sie sich für einen Job entscheiden", sagt Marco Bertoli, Geschäftsführer Central Europe bei Monster Worldwide. Interessant: In den deutschsprachigen Nachbarländern sieht es ähnlich aus. In Österreich haben nur sieben Prozent und in der Schweiz nur zwölf Prozent ihren Traumjob bereits gefunden.
Warum arbeiten Sie derzeit nicht in Ihrem Traumjob?   Warum arbeiten Sie derzeit nicht in Ihrem Traumjob?
Doch auch der Zeitfaktor spielt eine Rolle. Viele der in der Online-Untersuchung Befragten gaben an, keine Zeit zuhaben, die Traumkarriere anzugehen oder sich die dafür nötigen Kenntnisse anzueignen. Jeder Zehnte wünscht sich Unterstützung bei der Verwirklichung seines Traums.
"Wer in seinem Job nicht zufrieden ist, muss sich zunächst dafür entscheiden, seine Situation selbst verbessern zu wollen", so Bewerbungstrainer Dieter L. Schmich. "Im zweiten Schritt ist es wichtig, die persönlichen Kenntnisse und Fähigkeiten zu analysieren und anschließend festzustellen, welche Arbeitgeberzielgruppe für die Jobsuche relevant ist. Erst dann können vakante Positionen professionell gefunden und aussagekräftige Bewerbungsunterlagen erstellt werden."
Schon alles erreicht - und was dann?
Doch selbst, wer seinen Traumjob ergatterte, merkt manchmal schon nach wenigen Jahren, dass die Herausforderungen nachlassen, der Kollegenkreis nervt, Routine-Aufgaben langweilen. Oder kurz: Der Traumjob hat sich zum wenig attraktiven Gelderwerb mit jeder Menge Alltagstrott entwickelt. Spätestens dann ist die Zeit reif für Veränderungen.
Experten raten, diese gut zu planen. Wer etwa mit speziellen Kenntnissen glänzt, hat bessere Aussichten, auf der Karriereleiter nach oben zu gelangen. Und die Fachleute machen angesichts der leicht optimistischen wirtschaftlichen Aussichten für 2010 Hoffnung: Wer jetzt mit nur ein wenig Aufwand seinen Marktwert erhöht, hat gute Chancen, seiner Karriere den entscheidenden Kick zu verpassen.
"Wer ein Ziel nach dem anderen angeht und nicht alles gleichzeitig erreichen will, tut sich dabei leichter und hat auch größere Erfolgschancen", rät Karl-Joachim Brand von Office Team Interim, einem spezialisiertem Zeitarbeitsvermittler des Personaldienstleisters Robert Half. "Sinnvoll ist es, Prioritäten zu setzen und diese dann Schritt für Schritt und mit voller Konzentration und Leistungsfähigkeit in Angriff zu nehmen - so verliert man den Karriereplan während der alltäglichen Arbeit nicht aus den Augen."
Für Arbeitssuchende hat er folgende vier Tipps parat:
Wenn Sie auf der Suche nach dem Traumjob sind:
Lernen Sie dazu: Weiten Sie Ihre Erfahrungen aus. So sind sie vielseitiger und damit an verschiedenen Stellen eines Unternehmens einsetzbar. Auch Ihre Fachkompetenz sollten Sie ausbauen.
Verbessern Sie Ihre Soft Skills, denn oft sind Teamfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit oder das Engagement eines Bewerbers ausschlaggebend dafür, ob er eingestellt wird oder nicht.
Ziehen Sie Zeitarbeit in Betracht: So bleiben Sie in Ihrem Beruf und verpassen keine neuen Entwicklungen. Bewähren Sie sich bei einem Auftraggeber, gibt es auch die Möglichkeit, übernommen zu werden.
Nutzen Sie Ihr Netzwerk: So werden Sie schnell über neue Stellenangebote informiert. Das hilft Ihnen auch dabei, eine positive Einstellung zu bewahren und selbstbewusst aufzutreten. So haben Sie größere Chancen eine Zusage zu bekommen als ein pessimistischer Jobsuchender.
 
An der Traumjob-Befragung des Karriereportals Monster nahmen 3850 Arbeitnehmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz teil. Die Umfrage wurde über zwei Wochen im Januar 2010 im Internet durchgeführt.
  • FTD.de, 16.02.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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