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Merken   Drucken   27.10.2011, 12:50 Schriftgröße: AAA

Bewerbungsschwindel: Unternehmen misstrauen perfekten Lügen bei der Bewerbung

Wer sich für einen neuen Job bewirbt, sollte sich im besten Licht darstellen. Noch viel wichtiger: Er sollte bei der Wahrheit bleiben. Denn Personalmanager sind den Bewerberlügen auf der Spur. von Sabine Meinert 
Perfekte Englischkenntnisse, langjährige Führungserfahrung, dazu eine imposante Liste von spannenden In- und Auslandsjobs - für die meisten Personalveranwortlichen sind solche Angaben ein Grund aufzuhorchen. Ein Großteil der Finanz- und Personalmanager im deutschsprachigen Raum nimmt derart makellose Lebensläufe gar nicht mehr für bare Münze. Das zeigt die Studie Workplace Survey des Dienstleisters Robert Half, bei der 2.400 Führungskräfte in 13 Ländern befragt wurden.
Mit Mogeleien im Bewerbungsschreiben kann man sich viel verscherzen   Mit Mogeleien im Bewerbungsschreiben kann man sich viel verscherzen
Ganz besonders bei Glanzleistungen in Fremdsprachen oder auffällig umfangreichen und ausgefeilten Software-Kenntnissen werden die Führungskräfte skeptisch. Auch die Gründe für einen Jobwechsel hinterfragen sie besonders genau. Und gerade hier sollten Jobkandidaten den wahren Wechselgrund nicht verschleiern, so die Studie. Ein positiver Eindruck geht sonst schnell flöten.
Ebenso im Fokus: die Managementfähigkeiten der Bewerber. Allein 39 Prozent der deutschen Personaler gehen von vornherein davon aus, dass ein Bewerber im alten Job viel weniger Verantwortung inne hatte, als er behauptet. Auch darüber, was genau ein Jobkandidat in früheren Unternehmen getan hat, lassen sich die Verantwortlichen nicht täuschen. Gerade mal ein Drittel der deutschen Führungskräfte glaubt das, was der Bewerber in Sachen Arbeitsaufgaben auftischt. In vielen Fällen dürften allzu märchenhafte Jobbeschreibungen die Verantwortlichen veranlassen, zum Telefonhörer zu greifen und nachzufragen. Notfalls auch im eigentlichen Bewerbungsgespräch.
Zunächst im Fokus: Berufliche Qualifikation
Am wichtigsten ist den Personalverantwortlichen aber zunächst die berufliche Qualifikation. Dorthin fällt der Studie zufolge der erste Blick der Mitarbeiter-Suchenden. Großes Augenmerk legen HR-Manager auch auf Fachwissen und die Berufserfahrung. Nur auf die Angaben des Bewerbers allein, so die Erfahrung der HR-Manager, kann sich das Unternehmen nicht immer verlassen. Deshalb wird zunehmend nachgeprüft. "Eine sehr gute Möglichkeit, die Glaubwürdigkeit des Bewerbers zu evaluieren, sind Referenzen. Personalverantwortliche sollten diese im Vorfeld erfragen oder während des Bewerbungsgespräches darum bitten. Hat der Kandidat nichts zu verbergen, stimmt er dem zu", sagt Sven Hennige, Managing Director Europe von Robert Half International.
Die Fachleute des Personaldienstleisters raten, vor allem in den fünf Punkten Sprach- und Softwarekenntnisse, Führungsverantwortung, Gründe für den Jobwechsel und Aufgaben des letzten Jobs bei der Wahrheit zu bleiben, weil die Personal- und Finanzfachleute genau diese Angaben im Lebenslauf mit besonders großer Skepsis betrachten.
Bewerbungsschwindeleien sind auf jeden Fall kein Kavaliersdelikt, bekräftigt auch Thomas Pütz, Partner und Regionalmanager Outplacement beim Personaldienstleister von Rundstedt HR Partners. "Die wenigsten Lebensläufe sind geradlinig, deshalb sollte man offen und ehrlich die Lücken benennen. Wer dabei Reizworte wie Arbeitslosigkeit vermeidet und dafür darstellt, wie er sich während dieser Phase beruflich neu orientiert hat, muss keine Nachteile befürchten. Es zählen auch kleine Dinge: Wer sich während der Erwerbslosigkeit als Kassenwart des Tennisclubs engagiert hat, zeigt deutlich, dass er sich aktiv am gesellschaftlichen Leben beteiligt und nicht nur rumgesessen hat."
Lebensläufe, in denen dagegen die Arbeitslosigkeit mit erfundenen Sprachurlauben oder angeblicher Selbstständigkeit kaschiert wird, fallen dem Fachmann zufolge schnell auf. Denn die Personalfachleute prüfen inzwischen alles, was ihnen wenig plausibel erscheint. "Wenn zwischen Studium und Berufseinstieg mehr als ein Jahr liegen, muss man schon eine gute Begründung bieten, sonst stellt sich der Arbeitgeber die Frage: Will der überhaupt arbeiten?"

Teil 2: Warum Umwege kein Negativum sind, schwache Begründungen aber schon

  • FTD.de, 27.10.2011
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