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  13.10.2009, 09:00    

Business-Education: Querdenker im bunt gemischten Team

An der HPI School of Design Thinking entwickeln Studenten benutzerfreundliche Produkte - und sollen alles anders machen. Teilnehmer und Dozenten entstammen den unterschiedlichsten Fachrichtungen. von Peter Ilg
Steht der frischeste Joghurt nun vorne oder hinten? Eine Frage, die sich wohl jeder schon mal vor dem Kühlregal im Supermarkt gestellt hat - und die überflüssig wäre, wenn die Produkte immer richtig eingeräumt und ordnungsgemäß entnommen würden. Dann nämlich stünde der Joghurt ganz vorne, der als erster verkauft werden muss; so wie es sich der Verkäufer wünscht. Aber welcher Kunde will schon Lebensmittel, deren Verfallsdatum nahe ist? Deshalb greifen viele zum Becher ganz hinten in der Reihe - und bringen auf diese Weise Chaos in die Frische-Reihenfolge.
"Unser Kühlregalsystem sorgt für eindeutige Ordnung", sagt Isabel Gärtner. Die 31-jährige Studentin der Ernährungswissenschaften an der Universität Potsdam hat parallel den Zusatzstudiengang Design Thinking am Hasso-Plattner-Institut (HPI) vor Kurzem abgeschlossen.
Gärtner war Mitglied des fünfköpfigen Teams Metro, das im Juli seine Abschlussarbeit präsentierte: Ein neuartiges Kühlregalsystem für Milchprodukte, das stets von hinten befüllt wird und aus dem der Kunde nur von vorne sein Produkt aus einer Art Röhre entnehmen kann.
Wichtiger Zusatzeffekt: Trotz stärkerer Kühlleistung verbraucht das System weniger Energie als ein herkömmliches Kühlregal. Die Ausbildung in Potsdam orientiert sich am Konzept der D-School der Stanford University in Kalifornien. In einem einjährigen Studium wird die Fähigkeit geübt, in multidisziplinären Teams benutzerfreundliche Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln.
Die Idee
Hasso Plattner, einer der fünf Gründer des Softwarekonzerns SAP, legte 1998 den Grundstein für das HPI für Softwaresystemtechnik an der Universität Potsdam. 2007 kam die HPI School of Design Thinking hinzu. In Stanford hatten sich einige Professoren überlegt, was wohl herauskäme, wenn man Studenten unterschiedlicher Disziplinen gemeinsam an eine Aufgabe setzt.
"Auf dem Campus haben sie den Versuch gewagt, die Ergebnisse waren überzeugend und das Prinzip der D-School geboren", sagt Ulrich Weinberg, Leiter der Potsdamer School of Design Thinking: "Plattner hörte davon, griff die Idee auf, gründete 2005 in Stanford das erste Institute of Design und brachte das Modell zwei Jahre später nach Deutschland." Zum Wintersemester 2007/2008 nahmen hier die ersten 40 Studenten abschlussnaher Semester aus fast 30 unterschiedlichen Fachgebieten ihr Zusatzstudium auf.
Im Studienjahr von Gärtner waren Anzahl und Zusammensetzung der Teilnehmer nahezu identisch. In ihrem multidisziplinären Team waren beispielsweise Studenten der Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation, Innenarchitektur, Ethnologie, Philosophie und Ernährungswissenschaften vertreten. Auch die Professoren kamen aus völlig unterschiedlichen Disziplinen.
Das Potsdamer Angebot
Zusatzstudium Design-Thinking richtet sich an Studenten aller Fachrichtungen, die kurz vor dem Abschluss stehen. Die Teilnehmerzahl ist auf 40 Studierende begrenzt, die Studiendauer beträgt ein Jahr. Studiengebühren fallen nicht an.
Start Der nächste mögliche Studienbeginn ist im Oktober 2010. Interessenten können sich schon jetzt im Internet (www.hpi.uni-potsdam.de) dafür registrieren.
Eine andere Art des Lernens
Ebenfalls typisch für die Ausbildung ist, dass Projekte aus der Wirtschaft mit realem Hintergrund bearbeitet werden. "Es hat wahnsinnig Spaß gemacht, eine Aufgabe zu lösen, die wohl praktische Anwendung finden wird, und das in einem bunt gemischten Team mit unterschiedlichen Meinungen und Ideen", berichtet Gärtner. Diese Erfahrung hatte sie bisher noch nicht gemacht.
Auch die völlig andere Art des Lernens hat sie fasziniert: "Man geht raus in die Welt, spricht mit Verbrauchern, Händlern, Herstellern, sammelt so seine eigenen Erfahrungen und bekommt nicht diejenigen eines anderen in Form einer Vorlesung präsentiert."
Die Arbeitsmethode des Learning by Doing hat sie überzeugt und ihr zugleich wesentliche Softskills vermittelt: Teamfähigkeit, Zeitmanagement, Präsentation und Kommunikation; auch in Englisch, denn das ist die Unterrichtssprache.

Teil 2: Der Beginn einer Bewegung

  • FTD.de, 13.10.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland
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