Der Insead-Campus
Vielleicht noch innovativer war, dass die fünf französischen Gründer des Insead, die allesamt selbst kurz zuvor die Harvard Business School absolviert hatten, von vornherein entschieden, dass das neue Institut international ausgelegt sein müsse. Das Ende des Zweiten Weltkriegs lag noch nicht lange zurück, und die künftige Europäische Union hatte mit der Unterzeichnung der Römischen Verträge 1957 gerade erst ihren Anfang genommen: Für die Gründer war die neue Business School Teil des Heilungsprozesses Europas.
"Wir dachten, wir könnten einen Beitrag leisten", sagt Janssen. "Wir legten fest, dass nicht mehr als ein Drittel der Studenten, der Leitung oder der Dozenten dieselbe Staatsangehörigkeit haben dürften." Tatsächlich fanden sich im ersten Jahrgang 17 unterschiedliche Nationalitäten, und der erste Professor, der ernannt wurde, war Deutscher.
"Alchemie des Lernens"
Auch heute noch kann der Großteil der führenden Business Schools - insbesondere in den USA - in Sachen kultureller Vielfalt dem Insead nicht das Wasser reichen. Nach Ansicht von Daniel Muzyka, Dekan der Sauder School of Business an der Universität von British Columbia in Kanada und ehemaliger MBA-Direktor am Insead, hat das Institut eine "Alchemie des Lernens" hervorgebracht. "Es hat seine Absolventen immer dazu gebracht, die Macht der Vielfalt zu verstehen", so der Amerikaner Muzyka. "Insead hat etwas anderem als der USA-zentrischen Weltsicht eine Plattform geschaffen und diesem eine Stimme gegeben."
Zwar stellte die Pariser Handelskammer dem noch jungen Institut Startkapital bereit, doch mittels Gebühren musste sich das Insead selbst weiter finanzieren. "Wir stellten ein Programm zusammen, das für Europa teuer war, wo Bildung gratis ist. Wir machten uns aber nie Sorgen, dass keine Studenten kommen würden. Es bewarben sich immer mehr Leute, als wir unterbringen konnten", sagt Janssen. Eben diese Unabhängigkeit vom Universitätssystem habe das Insead so erfolgreich gemacht, sagt er. "Es machte uns unternehmerischer und wirtschaftsnäher."
Frank Brown, der derzeitige Dekan, stimmt zu. "Hätte Insead die Freiheit zu tun, was es tut, wenn es zu einer Universität gehörte? Ich glaube nicht."
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