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Merken   Drucken   22.09.2009, 13:00 Schriftgröße: AAA

Business-Schule: Wie Insead die MBA-Welt neu ordnete

Am 12. September 1959 traten 57 Männer im Château de Fontainebleau, dem ehemaligen Landsitz französischer Könige, ein Programm an, das die Arbeitsweise von Business Schools grundlegend verändern sollte. Diese Männer waren der erste Jahrgang des Insead-MBA. von Della Bradshaw, London
Das Insead war zwar nicht die erste Business School in Europa - diese Ehre darf die 1819 gegründete ESCP Europe in Paris für sich in Anspruch nehmen. Doch mit der Gründung des Insead vor nunmehr 50 Jahren wurde die Managerausbildung revolutioniert.
Vor allem schuf und etablierte das Insead das einjährige MBA-Programm, führte das Konzept des globalen Managements ein und bewies, dass eine private, unabhängige Business School außerhalb des Universitätssystems in Europa bestehen konnte.
Einjährig und international
Mit dem Wissen aus jahrzehntelanger Erfahrung erscheint die Schaffung eines MBA-Programms, das weniger als ein Jahr dauert - halb so lang und teuer wie ein traditionelles US-amerikanisches -, geradezu genial. Claude Janssen, einer der Insead-Gründer, sagt jedoch, die Entscheidung sei aus der Notwendigkeit heraus geboren worden und nicht beabsichtigt gewesen. "Wir dachten, ein einjähriges MBA-Programm wäre attraktiver. Aber wir hatten auch nicht so viele Dozenten", räumt er ein.
Der Insead-Campus   Der Insead-Campus
Vielleicht noch innovativer war, dass die fünf französischen Gründer des Insead, die allesamt selbst kurz zuvor die Harvard Business School absolviert hatten, von vornherein entschieden, dass das neue Institut international ausgelegt sein müsse. Das Ende des Zweiten Weltkriegs lag noch nicht lange zurück, und die künftige Europäische Union hatte mit der Unterzeichnung der Römischen Verträge 1957 gerade erst ihren Anfang genommen: Für die Gründer war die neue Business School Teil des Heilungsprozesses Europas.
"Wir dachten, wir könnten einen Beitrag leisten", sagt Janssen. "Wir legten fest, dass nicht mehr als ein Drittel der Studenten, der Leitung oder der Dozenten dieselbe Staatsangehörigkeit haben dürften." Tatsächlich fanden sich im ersten Jahrgang 17 unterschiedliche Nationalitäten, und der erste Professor, der ernannt wurde, war Deutscher.
"Alchemie des Lernens"
Auch heute noch kann der Großteil der führenden Business Schools - insbesondere in den USA - in Sachen kultureller Vielfalt dem Insead nicht das Wasser reichen. Nach Ansicht von Daniel Muzyka, Dekan der Sauder School of Business an der Universität von British Columbia in Kanada und ehemaliger MBA-Direktor am Insead, hat das Institut eine "Alchemie des Lernens" hervorgebracht. "Es hat seine Absolventen immer dazu gebracht, die Macht der Vielfalt zu verstehen", so der Amerikaner Muzyka. "Insead hat etwas anderem als der USA-zentrischen Weltsicht eine Plattform geschaffen und diesem eine Stimme gegeben."
Zwar stellte die Pariser Handelskammer dem noch jungen Institut Startkapital bereit, doch mittels Gebühren musste sich das Insead selbst weiter finanzieren. "Wir stellten ein Programm zusammen, das für Europa teuer war, wo Bildung gratis ist. Wir machten uns aber nie Sorgen, dass keine Studenten kommen würden. Es bewarben sich immer mehr Leute, als wir unterbringen konnten", sagt Janssen. Eben diese Unabhängigkeit vom Universitätssystem habe das Insead so erfolgreich gemacht, sagt er. "Es machte uns unternehmerischer und wirtschaftsnäher."
Frank Brown, der derzeitige Dekan, stimmt zu. "Hätte Insead die Freiheit zu tun, was es tut, wenn es zu einer Universität gehörte? Ich glaube nicht."
Enger Kontakt zur Firmen und Alumni
MBA-Studenten am Insead im Gespräch   MBA-Studenten am Insead im Gespräch
Eine eigenständige Business School zu sein, bringt nicht nur Vorteile mit sich, sagt Arnoud de Meyer. Er lehrte 23 Jahre lang am Insead und ist Dekan der Judge Business School der Universität von Cambridge in Großbritannien. Die Arbeit in einer Universität ermögliche die Interaktion zwischen Business School und verschiedenen Fakultäten, so Meyer. "In dieser Hinsicht ist Unabhängigkeit ein wirklicher Nachteil. Das Insead hat versucht, dies zu lösen, indem es engen Kontakt mit Unternehmen und Ehemaligen hält. Und die Ehemaligen sind absolut bereit dazu - das Insead hat fantastische Ehemalige."
Dennoch räumt Meyer ein, dass diese Unabhängigkeit dem Insead Stärke verliehen hat. Das Institut wird wie ein Unternehmen geführt, ist bereit, Risiken einzugehen und beendet eine Sache, wenn diese nicht funktioniert, sagt er. "Es besteht der Drang zu experimentieren und die Bereitschaft, Neues auszuprobieren. Hatte man eine Idee, konnte man sie immer umsetzen. Niemand sagte je 'Eine akademische Einrichtung macht so etwas nicht'", so Meyer.
Prägend: Unabhängigkeit und Innovationskraft
Tom Robertson ist Dekan der Wharton School der Universität von Pennsylvania, mit der das Insead eine Forschungs- und Austauschallianz unterhält. Er sagt, die Unabhängigkeit des Insead bedeute, dass das Institut unternehmerisch und innovativ sein müsse und in der Folge unternehmerisch denkende Dozenten anlocke. Außerdem sei die Gründung eines zweiten Campus in Singapur vor einem Jahrzehnt "sehr, sehr mutig gewesen". Für das Insead ist hier nicht Schluss. Das Institut führt Programme in Abu Dhabi durch, wo wahrscheinlich der dritte volle Campus entstehen wird.
Heute können die MBA-Studenten am Insead alles Mögliche studieren - komplexe Finanzinstrumente, Verbrauchermarketing oder Unternehmertum. 1959 waren die Fächer eingeschränkter. Das Insead führte einen Kurs zu Europa ein, zu den institutionellen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aspekten europäischer Angelegenheiten. Es bezog auch ein vom IT-Konzern IBM gesponsertes Wirtschaftssimulationsspiel ein. Da aber das Institut keinen Computer besaß, mussten die Lochkarten zur Verarbeitung noch über Nacht nach Paris geschickt werden.
Aus der Financial Times, London. www.ft.com
  • FTD.de, 22.09.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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