Und wenn man Zuhause und Büro verwechselt: "Ich saß gestern Abend noch im Büro und habe gearbeitet", sagte ich am Dienstag zu meinem Kollegen Schnabel. "Im Büro?", fragte Schnabel. "Habe ich Büro gesagt? Ich meinte zu Hause", sagte ich. Es sollte der Beginn einer Woche sein, in der Realität und Wahnsinn immer mehr ineinander übergingen.
Am Mittwoch wachte ich mit dem unguten Gefühl auf, eine wichtige E-Mail nicht beantwortet zu haben. Doch plötzlich wusste ich nicht, ob ich diese Mail wirklich bekommen oder es nur geträumt hatte. Ich wusste noch genau, wie die Mail aussah, und gerade das irritierte mich. Ausgeschnittene, aufgeklebte Buchstaben? In einer E-Mail? Das Ganze ähnelte einem Erpresserbrief - und war natürlich nicht in meinem Posteingang, sondern nur in meinem Kopf.
Nachmittags war ich mir nicht mehr sicher, ob ich überhaupt in dem Taxi saß, in dem ich saß. "Hast du die Unterlagen dabei?", fragte ich Schnabel. Keine Antwort. "Hörst du mich?" Keine Antwort. Hilfesuchend wandte ich mich an den Taxifahrer: "Hören Sie mich?" Der Taxifahrer kurbelte das Fenster runter und sagte zu einem Mann, der in die Motorhaube seines kaputten Autos schaute: "Suchen Sie den Motor?" Dann lachte er schallend. Genauso wie Angela Merkel auf dem Wahlplakat.
Ich ging früh schlafen, damit am Donnerstag alles besser würde - doch als ich morgens von zu Hause aufbrach, um ins Büro zu gehen, sagte ich: "Tschüs, ich gehe jetzt nach Hause." Seither freue ich mich wie ein Wahnsinniger auf ein Wochenende im Büro.