Wichtig: Dass Chef und Mitarbeiter im Gespräch bleiben
Gefragt ist ein produktiver Umgang mit dem eigenen Chef - konstruktiv und respektvoll, sagt Spincke. Analog zu erfolgversprechenden Methoden der Mitarbeiterführung, die Chefs empfohlen wird, sollte das Cheffing situativ und individuell erfolgen. "Wichtigster Punkt ist, sich erst einmal klar zu machen: Was ist mein Chef überhaupt für ein Mensch? Wie tickt der, was für Bedürfnisse, Ziele, Stärken, und Schwächen hat er? - Einfach um zu realisieren, mit wem man es eigentlich zu tun hat", sagt der Coach. Dabei gelte es, den Chef zu akzeptieren, wie er ist. Wohl der schwierigste Punkt.
Perfekter Boss - adé!
Spinckes Erfahrung ist: Mitarbeiter müssen in diesem Prozess viel lernen, da sie sich meist einen perfekten Vorgesetzten wünschen. Aber üblicherweise entspricht der reale Boss nicht dem Wunschbild. "Jeder Chef agiert im Rahmen seiner Möglichkeiten. Ihm das Gefühl zu geben, er sei nicht in Ordnung, kann für Mitarbeiter nicht der richtige Weg sein", sagt Spincke. Denn jeder Chef hat im Unternehmen mehr Macht als sein Angestellter, selbst wenn es an fachlicher Kompetenz mangeln sollte. Vielmehr gehe es um Respekt und wertschätzenden Umgang miteinander - in beide Richtungen.
Der Regelfall sei aber leider, dass Mitarbeiter in der Passivität versinken, sagt Spincke und gibt ein Beispiel, wie man Cheffing anwenden könnte. Wenn ein Vorgesetzter besonders entscheidungsunfreudig ist, könnte man - anstatt wochenlang abzuwarten - ihn ganz konkret um die Zusage bitten, die für ein Projekt gebraucht wird. "Außerdem sollte man sich fragen, ob man die Entscheidung selbst treffen könnte und sie dem Chef vorstellen, um ihn zu einer klaren Aussage zu bewegen. Flexible Strategien sind gefragt", sagt der Fachmann.