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16.12.2010, 12:00
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Comeback-Kids (32):
Léo Apotheker - Der Kulturschocker
Es war das Comeback des Jahres: Bei SAP vergrätzte Léo Apotheker Kunden und Mitarbeiter - und wurde zum Rücktritt gezwungen. Nur acht Monate später ist er wieder da: als neuer Chef des weltgrößten IT-Konzerns Hewlett-Packard. Doch was ist seine Mission?
von Annika Graf, Hamburg und Helene Laube, San Francisco
Es gibt viele Dinge, die man den neuen Chef von
Hewlett-Packard fragen kann. Wie es um den geplanten Tablet-PC steht, etwa. Oder wie seine Strategie für das Softwaregeschäft aussieht. Doch bei seinem ersten öffentlichen Auftritt im November lauern einige auf eine ganz andere Information von
Léo Apotheker : Wo genau er gerade ist. Er kennt die Frage, sie nervt ihn. "Ich befinde mich in der Zentrale mit einer Gruppe von Leuten - hätten Sie gerne ein Foto?", ätzt er während der Telefonkonferenz am Konzernsitz in Palo Alto, Kalifornien.
Leo Apotheker
Seine Berufung an die Spitze des US-Technologiekonzerns im vergangenen September war das Comeback des Jahres. Ein neuer Topjob, nur acht Monate nach seinem überraschenden Abgang beim deutschen Softwarehersteller SAP. Doch seine ersten Wochen im neuen Amt glichen eher einem Spießrutenlauf als einem Triumphzug.
Über Apothekers Berufung könne man nur den Kopf schütteln, echauffierte sich die "New York Times", schließlich sei er in einen "der schwersten Fälle von Wirtschaftskriminalität" verwickelt. Gemeint war das illegale Herunterladen von Kundendaten des Rivalen
Oracle durch die SAP-Tochter Tomorrow Now.
Kursinformationen und Charts
Oracle-Chef Larry Ellison nutzte den laufenden Prozess über den Datendiebstahl, um seinen alten Widersacher nach allen Regeln der Kunst vorzuführen. "Ich bin sprachlos. HP hatte mehrere gute interne Kandidaten. Stattdessen wählen sie den Typen, der kürzlich gefeuert wurde, weil er bei SAP so schlechte Arbeit gemacht hat." Ellison ließ Gerichtsbedienstete ausschwärmen, die Apotheker vorladen sollten - obwohl Oracle im Prozess letztlich keine Beweise für eine Beteiligung Apothekers am Datenklau vorlegen konnte.
Der frühere
SAP -Chef musste nicht in den Zeugenstand treten, die Rechnung seines Erzfeinds war trotzdem aufgegangen. Er hatte ihm den Einstand bei Hewlett-Packard (HP) gründlich verdorben. Er sei unterwegs gewesen, sagte Apotheker über seinen Aufenthalt in den fraglichen Wochen. Um Kunden, Partner und Angestellte in aller Welt kennenzulernen. "Im September habe ich gesagt, ich würde womöglich einen neuen Weltrekord im Reisen aufstellen. Ich denke, ich habe es getan."
Das ist der Apotheker, an den man sich in Deutschland gut erinnert. Ein verbindlicher, oft charmanter Manager, der aber auch unnahbar, ungeduldig und schroff sein kann. Apotheker habe sich nie gern in die Karten sehen lassen, sagt einer, der ihn gut kennt. Auch jetzt gibt er nur wohldosierte Einblicke in seine Pläne für HP. In sein Seelenleben gibt er gar keine.
Teil 2: "Im Vergleich zu Bill Gates ist Apotheker ein Sozialarbeiter"
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FTD.de, 16.12.2010
© 2010 Financial Times Deutschland,
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