Mit dem Masterprogramm ist der HAW eine Premiere gelungen: Es ist der erste Abschluss dieser Art, der an einer staatlichen Hochschule erworben werden kann. Andere Anbieter wie das Cologne Game Lab haben zwar ähnliche Masterprogramme aufgelegt, verlangen jedoch vierstellige Kursgebühren pro Semester. "Es geht darum, den wachsenden Bedarf der Branche an Fachkräften zu befriedigen", erklärt Gunther Rehfeld, Professor an der HAW und Mitinitiator des Programms. Als Alleinstellungsmerkmal des Kurses sieht er die Nähe zur Industrie an. "Die Hälfte aller Vorlesungen werden von Lehrbeauftragten aus der Praxis gehalten", wirbt Rehfeld.
Kreative Unternehmer
Teilnehmen am Videospielkurs können alle Bachelorstudenten, die erfolgreich ein Auswahlverfahren bestehen. Die Lerninhalte reichen vom Entwurf einer Hintergrundstory über die Programmierung bis zum Marketing eines fertigen Spiels. Dabei achten die Professoren darauf, dass die Lernenden auch immer über den Rand des Bildschirms hinausgucken. "Die Studenten sollen auf die Selbstständigkeit oder eine Leitungsfunktion vorbereitet werden", sagt Rehfeld. Zum Curriculum gehört deshalb auch, einen Businessplan zu erstellen und zu präsentieren.
Grundsätzlich können die Absolventen des Hamburger Programms mit guten Einstiegschancen in der Spielebranche rechnen. "Die Unternehmen wachsen rapide und suchen ständig gute Leute", sagt Birgit Roth vom Entwicklerverband Game aus Berlin. Sie schätzt, dass die Branche derzeit pro Monat eine hohe zweistellige Anzahl von Vakanzen zu besetzen hat. Rund um Computer- und Videospiele sind in Deutschland 10.000 Menschen fest angestellt oder freiberuflich tätig. Etwa 150 Unternehmen entwickeln oder vermarkten Games.
So gut wie heute war die Stimmung in der Branche aber nicht immer: Noch vor wenigen Jahren prognostizierten Experten der deutschen Spielebranche sogar das finale Game-over. Entwickler gingen reihenweise pleite, Hits produzierten scheinbar nur noch internationale Platzhirsche wie Electronic Arts.