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Merken   Drucken   02.07.2008, 07:00 Schriftgröße: AAA

Corporate Responsibility: Kaum Firmenethik an der Uni

Deutsche Hochschulen bieten zwar CR-Zusatzangebote für Nachwuchsmanager an. Ethische Unternehmensführung ist aber keine Kerndisziplin der Betriebswirtschaftslehre. Das soll sich ändern von Birgit Obermeier
Textilien bei gleicher Qualität vom günstigsten Anbieter fertigen zu lassen, ist aus ökonomischer Sicht rational. Stellt sich heraus, dass sie von Kindern genäht wurden, wird die kühle Kalkulation aber schnell zur Milchmädchenrechnung; Unternehmen, die ihre gesellschaftliche Verantwortung - Corporate Responsibility (CR) - nicht tragen wollen, kann das teuer zu stehen kommen.
In ihren Lehrbüchern finden angehende Führungskräfte dazu kaum etwas. Etliche Hochschulen bieten zwar interdisziplinäre Studiengänge mit CR-Bezug an, und die Universitäten Lüneburg und München einen Aufbaustudiengang.
Eine Integration in die Kerndisziplinen der Betriebswirtschaftslehre habe bislang aber "nur sehr unzureichend stattgefunden", sagt Anja Schwerk vom Institut für Management der Berliner Humboldt-Universität.
Komplexe Verantwortung
In Zusammenarbeit mit der Robert Bosch Stiftung und dem Centrum für Corporate Citizenship Deutschland (CCCD) fand sie in einer Studie heraus, dass über die Hälfte der deutschen Hochschulen mit wirtschaftswissenschaftlichen Fachbereichen Veranstaltungen zu CR anbieten, meist aber mit einem spezifischen Fokus auf Unternehmensethik oder Umweltmanagement.
Um gesellschaftliche Folgen in einer globalen Wirtschaft zu beurteilen, reichen isolierte Ethikkurse aber nicht aus. Die Zurückhaltung der Ökonomen hat mehrerlei Gründe. Unternehmerische Verantwortung ist komplex, und damit auch das Forschungsfeld.
Ansätze und Instrumente zur Einbindung sozialer und ökologischer Parameter in das Management gibt es viele. Noch aber fehle es an einer Kerntheorie sowie an Methoden zur Erfolgsmessung, sagt Schwerk.
"Moral wird zum Produktionsfaktor"
Auf struktureller Ebene mangelt es an Mitteln für neue Lehrstühle, innerhalb der ökonomischen Fachbereiche herrschen harte Verteilungskämpfe. Vor allem aber: "Viele Wirtschaftswissenschaftlicher akzeptieren CR nicht als Disziplin", weiß Schwerk. Der gängige, schwarz-weiß gedachte Vorbehalt: Ethische Prinzipien stellen das Paradigma des Gewinnstrebens infrage.
Dabei löst sich der scheinbare Widerspruch auf, wenn man verantwortliches Wirtschaften nicht als philanthropischen Akt, sondern als Geschäftszweck versteht. Als Strategie, mittels derer sich neue Märkte identifizieren, Ressourcen sparen, die Bindung der Mitarbeiter erhöhen und Risiken vermeiden lassen.
"Moral wird zum Produktionsfaktor", sagt Professor Ingo Pies, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsethik an der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg. Anders als seine philosophisch oder theologisch argumentierenden Fachkollegen vertritt er eine "ökonomisch fundierte Ethik" und lehrt seine Studenten, in sozialen Dilemmata eine Win-win-Situation zu erkennen.

Teil 2: Führungskräfte - Treiber nachhaltiger Wertschöpfung

  • FTD.de, 02.07.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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