"Moral wird zum Produktionsfaktor"Auf struktureller Ebene mangelt es an Mitteln für neue Lehrstühle, innerhalb der ökonomischen Fachbereiche herrschen harte Verteilungskämpfe. Vor allem aber: "Viele Wirtschaftswissenschaftlicher akzeptieren CR nicht als Disziplin", weiß Schwerk. Der gängige, schwarz-weiß gedachte Vorbehalt: Ethische Prinzipien stellen das Paradigma des Gewinnstrebens infrage.
Dabei löst sich der scheinbare Widerspruch auf, wenn man verantwortliches Wirtschaften nicht als philanthropischen Akt, sondern als Geschäftszweck versteht. Als Strategie, mittels derer sich neue Märkte identifizieren, Ressourcen sparen, die Bindung der Mitarbeiter erhöhen und Risiken vermeiden lassen.
"Moral wird zum Produktionsfaktor", sagt Professor Ingo Pies, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsethik an der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg. Anders als seine philosophisch oder theologisch argumentierenden Fachkollegen vertritt er eine "ökonomisch fundierte Ethik" und lehrt seine Studenten, in sozialen Dilemmata eine Win-win-Situation zu erkennen.