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Merken   Drucken   10.12.2008, 12:00 Schriftgröße: AAA

Deutsche im Ausland: Führungskräfte zieht es in die Schweiz

Wenn schon ein Job im Ausland, dann doch bitte in den benachbarten Alpenregionen: Die Schweiz gilt als bevorzugtes Ziel für deutsche Top-Manager. Aber auch bei den Österreichern fühlen sich die Deutschen wohl. von Sabine Meinert
Eine Studie des Karrieredienstes Experteer unter 13.000 Angestellten in 20 europäischen Ländern zeigt, die Schweiz ist für deutsche Expatriates das Wunschziel. Fast ein Viertel der befragten Führungskräfte wagte bereits den Karrieresprung nach Bern, Basel oder Zürich. Fragt man nach weiteren Favoriten, folgen britische Städte (neun Prozent) und österreichische Ziele (acht Prozent). Experteer-Geschäftsführer Christian Göttsch vermutet: "Für die berufliche Weiterentwicklung trauen sich deutsche Führungskräfte nicht weit in die Ferne, sondern gehen in ein Land, dessen Sprache sie sprechen und deren Kultur ihnen nahe ist. Die Schweiz, Großbritannien und Österreich stehen deshalb ganz oben auf der Rangliste der Lieblingsziele deutscher Expatriates." Immerhin mehr als jeder zehnte deutsche Manager hat schon einmal den Sprung über die Landesgrenzen gewagt.
Die Top Ten deutscher Expatriates
1. Schweiz 22,5 Prozent
2. Großbritannien 9,2 Prozent
3. Österreich 8,5 Prozent
4. USA 7,0 Prozent
5. China 5,2 Prozent
6. Frankreich 4,9 Prozent
7. Niederlande 4,8 Prozent
8. Osteuropa 4,7 Prozent
9. Spanien 3,8 Prozent
10. Australien 2,3 Prozent
Quelle: Experteer, 2007/2008
 
Typisch: Berater oder IT-Fachmann
Am häufigsten finden sich in den Auslandsdependancen deutsche Consultants oder IT-Mitarbeiter. Auch in der Finanzbranche entsenden viele Unternehmen Mitarbeiter ins Ausland. Die Erfolgschancen steigen mit dem Ausbildungsgrad und der Erfahrung der Kandidaten. So ergab die Studie: Fast drei Viertel der Auslandsmitarbeiter können auf mindestens fünf Jahre Berufserfahrung zurückblicken. Dagegen wagt sich nur etwa ein Prozent direkt nach der Ausbildung in ein fremdes Land. Vier von zehn Expatriates haben ein Diplom, fast ein Drittel kann auf einen Masterabschluss verweisen.
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Im Ausland selbst sind die deutschen Führungskräfte sehr beliebt. Sie gelten als besonders zuverlässig und genau. "Deutsche sind gut organisiert, arbeiten strukturiert und überlassen nichts dem Zufall. Sie berücksichtigen alle Eventualitäten, zeigen sich flexibel und haben Fall-Back-Lösungen parat", so der Headhunter Klaus Steinmann, der als Partner bei LAB (Lachner Aden Beyer & Company) häufig Deutsche ins Ausland vermittelt. Zudem werde die Qualität ihrer Arbeit und Ausbildung hoch bewertet. Die Chancen für deutsche Arbeitnehmer, die im Ausland arbeiten wollen, schätzt er daher sehr hoch ein. Großer Vorteil zudem: Jüngere deutsche Manager sind sehr flexibel und mobil.
Bereicherung und Sprungbrett
Den LAB-Experten zufolge lohnt sich der Schritt ins Ausland - sowohl kurz- als auch langfristig. Neben einer persönlichen Weiterentwicklung und einer Bereicherung für den Lebenslauf ließen sich auf jeden Fall Sprachkenntnisse und interkulturelles Wissen verbuchen. Headhunter Steinmann ist deshalb der Meinung: "Auslandserfahrene Mitarbeiter finden sich viel leichter in multi-kulturellen und international agierenden Unternehmen zurecht - sie erwerben den so genannten 'cultural fit'."
Bilderserie Bilderserie: Nichts wie weg
Am Geld liegt es den Experten zufolge dagegen nicht. Die Gehaltsstrukturen für Führungskräfte in Deutschland gehören zumindest in Europa zu den besten . Allerdings ist anderswo das Geld häufig mehr wert. Und entscheidungsfördernd ist oft auch der höhere Freizeitwert des neuen Arbeitsortes. Deutschland bietet dagegen oft bessere Aufstiegschancen.
Die gesammelte Auslandserfahrung aber sei dabei häufig das Sprungbrett für weiterführende Management- und Führungsaufgaben im In- und Ausland, so Steinmann. Der LAB-Fachmann warnt jedoch vor zu langen Aufenthalten: "Zwei bis maximal fünf Jahre sind ideal. Wer länger bleibt, setzt sich der Gefahr aus, dass eine Rückkehr und die Reintegration immer schwerer wird."
Ratgeber für zukünftige Expats
Die Top-5-Tipps vom Headhunter
1. Kündigen Sie nicht sofort Ihre Wohnung, verschenken nicht all Ihre Möbel und verkaufen nicht gleich Ihr Auto - sondern:
2. Gehen Sie zunächst ‚auf Probe‘ ins Ausland: z.B. mit einem längeren Urlaub in Ihrem Wunschland oder einer zeitlich befristeten Auszeit.
3. Planen Sie Ihren Auslandsaufenthalt lange im Voraus und sparen Sie ein ausreichendes Startkapital für den Neuanfang.
4. Informieren Sie sich über die Rahmenbedingungen und die notwendigen Voraussetzungen in Ihrem Wunschland: z.B. Berufschancen, Verdienstmöglichkeiten, Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis, Steuern, Krankenversicherung, Lebenshaltungskosten usw.
5. Lernen Sie die Landessprache und/oder perfektionieren Sie Ihr Englisch.
Die Daten stammen aus einer Untersuchung des Karrieredienstes Experteer gemeinsam mit dem britischen Marktforschungsinstitut OMIS Research. Befragt wurden mehr als 13.000 Mitarbeiter von europäischen Unternehmen in 20 Ländern. Der Umfragezeitraum erstreckte sich von Frühjahr 2007 bis Frühjahr 2008.
  • FTD.de, 10.12.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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