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Merken   Drucken   09.11.2006, 08:00 Schriftgröße: AAA

Die Kunst, Menschen zu beeinflussen

Je mehr Berufserfahrung Manager haben, desto größer ist ihr Interesse an weichen Themen. von Bärbel Schwertfeger
Kai Peters, Ashridge Business School   Kai Peters, Ashridge Business School
Die pauschale Kritik, die Ausbildung an den Business-Schulen sei zu praxisfern und analytisch, hält Kai Peters, Chef der britischen Ashridge Business School, für undifferenziert. "Die Bedürfnisse der Teilnehmer ändern sich im Laufe ihrer Karriere", sagt er.
So sei es für Manager am Anfang ihrer Laufbahn wichtig, sich Fachwissen anzueignen. Ein MBA-Absolvent müsse fit in den Kernbereichen wie Finanzierung, Marketing, Produktion und Personalführung sein. "Darin sind die Schulen gut", sagt Peters. Doch alles, was darüber hinausgehe, bereite ihnen Probleme.
Das Thema "Kontext und Strategie" ist ein gutes Beispiel dafür. Denn Manager sollten auch verstehen, wie sich Unternehmensprozesse gegenseitig beeinflussen und in welchem Zusammenhang sie stattfinden.
"Sie müssen sensibel für gesellschaftliche und politische Veränderungen und technologische Entwicklungen sein", sagt Peters. Bisher werde zu diesem Thema aber noch zu wenig interdisziplinär geforscht.
Die Ausbildung reagiert
Einige Schulen haben darauf allerdings schon reagiert und ihre Programminhalte entsprechend verändert. An der Yale University werden beispielsweise Fallstudien künftig nicht mehr nur aus einer Perspektive betrachtet. Berücksichtigt werden auch finanzielle, wirtschaftliche, organisatorische und psychologische Aspekte.
Die Stanford University wiederum bietet einen neuen Kurs in "kritischem und analytischem Denken" an. Im Rahmen des Unterrichts sollen sich die Studenten mit der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen beschäftigen.
An der Saïd Business School der Oxford University setzt man hingegen schon seit Langem auf das "Oxford Tutorial", bei dem die Teilnehmer das Gelernte in einem Einzelgespräch mit einem Professor reflektieren.
"Es ist wichtig, dass Manager nicht nur von Schlagwörtern vereinnahmt werden, sondern die Konzepte auch kritisch analysieren", sagt Owen Darbishire, der für das General-Management-Programm verantwortlich ist.
Schlüssel Selbsreflektion
Das Verständnis allein genügt aber nicht. "Es ist eine Sache, eine Strategie zu formulieren, aber eine ganz andere, sie auch erfolgreich zu implementieren", sagt Ashridge-Chef Peters. Gefragt seien daher die weichen Themen.
"Manager wollen wissen, wie sie Teams motivieren und ihre Strategien mit ihren Mitarbeitern umsetzen können", sagt Peters. Ein Manager müsse daher verstehen, wie man Menschen beeinflussen und überzeugen kann.
Das bestätigt auch Mary Lee Rieley, die die Aus- und Weiterbildung für Führungskräfte an der Insead in Fontainebleau leitet. "Gefragt sind immer stärker auch die Reflexion des eigenen Führungsstils und konkrete Verhaltensänderungen."
Längst gehört es bei vielen Business-Schulen dazu, sich vor Beginn eines Kurses ein Feedback von Kollegen, Mitarbeitern und Vorgesetzten einzuholen. Das Ergebnis wird dann mit einem Coach besprochen.
Je höher die betreffende Person in der Hierarchie stehe, desto wichtiger werde es, sich auch mit den eigenen Bedürfnissen auseinanderzusetzen, sagt Peters. "Dazu braucht man dann Psychologen und professionelle Coaches, aber definitiv keinen Professor für Finanzwirtschaft."
  • FTD.de, 09.11.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
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