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Merken   Drucken   17.05.2007, 07:00 Schriftgröße: AAA

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Die Zukunft der Arbeit liegt im Netzwerk, sagt Andreas Weigend. Jedes Unternehmen kann damit spielend leicht den passenden Experten finden. Und ihn auch schnell wieder loswerden. von Andreas Kurz
Andreas Weigend - lehrt an der Stanford University und gilt als ...   Andreas Weigend - lehrt an der Stanford University und gilt als einer der führenden Internettheoretiker.
FTD: Herr Weigend, wir haben nachgezählt: Ihrer Website Weigend.com ist zu entnehmen, dass Sie bei einem halben Dutzend Firmen als Berater tätig sind. Warum kaufen sich Unternehmen Experten nicht mehr mit einer Festanstellung ein, sondern immer häufiger projektbezogen?
Andreas Weigend: In Bereichen, bei denen viel Hintergrundwissen und eine fundierte Vision wichtig sind, ist es für Unternehmen oft günstiger, sich mit Experten für einen richtungsweisenden Workshop zusammenzutun, als jemanden dafür fest anzustellen und dann herumsitzen zu lassen.
Welche Chancen bietet das?
Die virtuellen Mitarbeiter lernen eine Unmenge, weil sie nicht an eine Firma gefesselt sind, sondern parallel bei fünf bis zehn Unternehmen ihre Ideen umsetzen. Dadurch können sie Daten darüber sammeln, welche ihrer Ideen in welchen Kontexten funktionieren.
Schafft das nicht ein virtuelles Prekariat?
Ich weiß nicht genau, was Prekariat bedeutet, ich lebe ja seit 21 Jahren in den USA. Sehen Sie in die Finanzwelt: Wenn ich die Aktien verschiedener Unternehmen kombiniere, trage ich weniger Risiko, als Anteile an nur einer Firma zu besitzen. Dieser Portfolioansatz, also mit mehreren Firmen gleichzeitig zu arbeiten, stellt für den Freelancer eine Risikominderung dar, verglichen mit der Alternative, alles auf eine Karte zu setzen. Auch für Unternehmen ist die Flexibilität höher, wenn sie einem Mitarbeiter mitteilen können, dass er nicht mehr gebraucht wird. Sie wissen ja, dass er noch genug anderes zu tun hat.
Man könnte es auch Verantwortungslosigkeit nennen.
Mir fällt niemand in Kalifornien ein, der viel über die Verantwortung für Mitarbeiter nachdenkt. Es geht nur um die Firma. Wenn sie floriert, geht es den Leuten, die ja fast immer Aktien- optionen besitzen, auch gut. Einige größere Unternehmen entlassen übrigens systematisch jedes Jahr zehn Prozent ihrer Mitarbeiter. Und gerade bei Startups ändern sich Bedürfnisse schnell. Ein Mitarbeiter, der vor einem Jahr noch benötigt wurde, wird nun nicht mehr gebraucht. Der neue, den sie einstellen, erfüllt die Aufgabe besser. Dahinter steckt der Gedanke, einen Mitarbeiter nicht mehr auf Lebenszeit zu brauchen, sondern nur für die Fähigkeiten, die er mitbringt.
  • FTD.de, 17.05.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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