Auf den Schlips getreten: Schlechte Manieren sind der Karriere nicht förderlich
Adolph Freiherr von Knigge liegt wieder im Trend. Etikette und guter Ton sind allerdings in den deutschen Chefetagen häufig Mangelware, wie eine aktuelle Studie zeigt. Unter dem Titel „Ellenbogenverhalten oder Sozialkompetenz – wie wichtig sind gute Umgangsformen bei Führungskräften?“ fragte die Personalberatung CGC – Claus Goworr Consulting nach dem Verhalten deutscher Manager. Bundesweit antworteten nach CGC-Angaben Führungskräfte aus mehr als 600 Unternehmen, sowohl dazu wie sie die Situation sehen, als auch was wünschenswert wäre.
Dass gutes Benehmen wichtig ist, sehen deutsche Manager durchaus ein. Niemand verneinte den Zusammenhang zwischen guten Umgangsformen und persönlichem Erfolg. Gepflegtes und höfliches Auftreten bringt Sympathiewerte – das wirkt sich auf das Betriebsklima und die Leistungsbereitschaft des Teams aus, bestätigt Personalberater Thomas W. Lux vom Trainingsinstitut Lux & Lux.
Networking und Glaubwürdigkeit
Zwei Drittel der befragten Manager halten Netzwerke für unverzichtbar für eine erfolgreiche Karriere. Doch ohne gute Manieren lassen sich kaum wichtige Verbindungen knüpfen. Hier wird großes Potenzial verschenkt, sagt Lux.
Wer zur Begrüßung nur lasch die Hand seines Gegenübers schüttelt, mit den Augen und Ohren aber schon beim nächsten Geschäftspartner ist, hat den ersten Fettnapf voll erwischt. Zudem reicht der Ranghöhere üblicherweise die Hand. Wer sich vordrängelt, hat daneben gegriffen. Auch, dass es bei Geschäftsessen in Deutschland üblich ist, erst nach dem Dessert zum Geschäftlichen zu kommen, vergessen viele oder wissen es erst gar nicht.
Keine Frage der Lässigkeit
In der Vergangenheit galten solch fehlende Umgangsformen häufig als lässig, zeigen die Erfahrungen aus der Beraterbranche. Doch die Beine beim Telefonieren auf den Tisch zu legen, ist unangebracht und nicht lässig, sagt Lux. Zumal man sehr deutlich hört, wer beim Telefonieren aufrecht sitzt und sich Notizen macht oder im Bürostuhl fläzt. Die Haltung spiegele sich in der Stimme wider, warnt der Personalberater. Man „wirkt“ in jedem Fall, auch wenn der Gesprächspartner einen nicht sieht.
Das Gespür dafür was sich „schickt“ und wie man sich benimmt, scheint manchen Führungskräften abhanden gekommen zu sein. Da merken sich Vorgesetzte die Namen ihrer Mitarbeiter nicht oder lassen die Begrüßung bei Treffen einfach weg. Das kommt durchaus vor, sagt Lux. Ebenso dass Chefs sich keine Zeit für lange anberaumte Gespräche nehmen. Eine weitere Unsitte sei es, jemanden, der in der Hierarchie niedriger steht, nicht ausreden zu lassen.
Mangelnde Ehrlichkeit
Erkenntnis ist der erste Weg zur Besserung: Mehr als 90 Prozent der in der CGC-Studie befragten Führungskräfte zählen Ehrlichkeit und Respekt zu den Verhaltensweisen, die es zu verbessern gilt. Auch eine bessere Kommunikations-, Kritik- und Konfliktfähigkeit wird weit oben angesiedelt. Immerhin mehr als 94 Prozent der befragten Manager sind der Meinung, dass es genau daran in den Chefetagen häufig mangelt.