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Merken   Drucken   25.09.2008, 13:00 Schriftgröße: AAA

Falsche Jobentscheidung: Die Qual mit der Berufswahl

Karrieren, in denen man ein Leben lang den gleichen Beruf ausübt, werden seltener. Gefragt sind flexible Arbeitnehmer, die sich fortbilden und ihre Chancen auch in anderen Berufsfeldern suchen. Dabei ist schon jetzt jeder siebte mit seiner ersten Jobwahl unzufrieden. von Sabine Meinert
Mehr als ein Drittel der Deutschen hätte nach der Schule lieber einen anderen Beruf gewählt. Rund 15 Prozent ist heute sogar überzeugt, den falschen Beruf erlernt zu haben. Das zeigt eine internationale Studie des Personaldienstleisters Kelly Services, der 115.000 Jobsuchende in mehr als 30 Ländern befragte.
Die Untersuchung zeigt: Ein großer Teil der Berufstätigen ist mit Ausbildungsweg und Jobwahl nicht glücklich. Fast jeder Dritte hätte gerne seine Ausbildung oder das Studium fortgesetzt. 38 Prozent würden sich aus heutiger Sicht für eine andere Fachrichtung entscheiden. Und ganze 43 Prozent fühlten sich durch die schulische Bildung nicht genug auf das Arbeitsleben vorbereitet. In Bezug auf die Ausbildung empfand das immerhin noch jeder Fünfte so.
Zukunftsfaktor Technik wenig gefragt
Frauen finden seltener Gefallen an moderner Technik als Männer   Frauen finden seltener Gefallen an moderner Technik als Männer
Frauen sind etwas unzufriedener mit der Berufsausbildung als Männer. Dabei meiden weibliche Azubis besonders technische Ausbildungen und Studiengänge, wie der Branchenverband Bitkom regelmäßig feststellt. In den Studienfächern Informatik, Maschinenbau, Elektrotechnik gab es im vergangenen Jahr nur 16 Prozent Studienanfängerinnen. Auch im Bauingenieurwesen ist gerade mal jeder vierte Student weiblich.
Der geringe Frauenanteil verschärft derzeit den Fachkräftemangel in den technischen Berufen noch, so der Verband. Bitkom zählte zuletzt rund 40.000 offene Stellen für IT-Experten und mehr als 90.000 für Ingenieure. Dem Verband zufolge müssten sich bereits die Schulen und Hochschulen stärker um weiblichen Nachwuchs bemühen – beispielsweise über Zusatzangebote für Mädchen, Kooperationen, Mentoring-Programme und Stipendien.
Früher um die richtigen Mitarbeiter werben
Insgesamt gilt es, so Experten, künftig viel stärker in der Berufswahlphase von Jugendlichen aktiv zu werden und hier die geeigneten Nachwuchskräfte herauszufiltern. Denn Unternehmen bekommen immer deutlicher zu spüren, wenn die Unzufriedenheit in der Belegschaft wächst, die Motivation auf Effektivität und Stimmung drückt. Dass ein Teil der Mannschaft nicht mitzieht, kann sich inzwischen kein Unternehmer mehr leisten, warnen Personal- und Unternehmensberater.
Gute Frage: Habe ich die richtige Ausbildung und den richtigen ...   Gute Frage: Habe ich die richtige Ausbildung und den richtigen Berufsweg gewählt? (Archivbild)
Auf der anderen Seite sollten sich Jobeinsteiger intensiver mit Berufswegen und –feldern beschäftigen, um Unzufriedenheit zu vermeiden, so der allgemeine Tenor bei Jobberatern und Arbeitsmarktfachleuten. Praktika, Hospitanzen und Ferienjobs bieten häufig die Gelegenheit, sich auszuprobieren und neben einem realistischen Bild des angestrebten Berufs auch Vorlieben zu entwickeln.
Glückliche Sachsen
Am glücklichsten mit ihrer Jobwahl scheinen die Sachsen zu sein – nur neun Prozent sehen sich hier im falschen Beruf angekommen. Im Saarland gaben dagegen 20 Prozent an, sie hätten lieber einen anderen Berufsweg wählen sollen. Insgesamt sind nur rund 65 Prozent der Befragten glücklich mit dem gewählten Job.
Was hindert die Arbeitnehmer jedoch daran, in einen anderen Beruf zu wechseln, wenn die erste Wahl einfach nicht passt? Vor allem die zu erwartende finanzielle Einbußen sowie die Faktoren Zeit und Familie sind laut der Studie von Kelly Services der Grund, im alten Job zu verharren. Wer sich dagegen entschlossen hat, den Job zu wechseln, ist meist bereit, auch lange Anfahrtswege in Kauf zu nehmen. Drei Viertel würden für einen neuen Job die Stadt wechseln. 68 Prozent der Jobsucher könnten sich sogar vorstellen, für einen neuen Arbeitsplatz ins Ausland zu gehen.
  • FTD.de, 25.09.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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