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Merken   Drucken   26.11.2010, 14:17 Schriftgröße: AAA

Familie oder Beruf: Deutscher Fiskus bremst Frauenkarrieren aus

Immer mehr Frauen in Deutschland arbeiten in Teilzeit, die Aufstiegschancen sind jedoch viel schlechter als in anderen Ländern. Die Autoren einer Studie fordern deshalb: weg mit dem Ehegattensplitting. von Nikolaus Hammerschmidt, Hamburg
Die deutsche Steuerpolitik blockiert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung. Demnach arbeiten Frauen und Mütter immer noch häufig in Teilzeit. Zudem sei es für Alleinerziehende in Deutschland im internationalen Vergleich schwierig, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren.
Alleinerziehende haben es in Deutschland besonders schwer, einen ...   Alleinerziehende haben es in Deutschland besonders schwer, einen Vollzeitjob zu finden.
Die Steuerpolitik belastet nach Angaben der Studie Haushalte besonders dann, wenn Mütter nach der Babypause wieder in den Beruf zurückkehren oder aus einer geringfügigen Beschäftigung in Tätigkeit mit höherer Stundenzahl oder besserer Entlohnung wechseln wollen. Wegen der Minijobs bestehe die Gefahr einer Geringfügigkeitsfalle. Aus dieser könnten sich Beschäftigte nur schwer befreien, weil der Sprung im Bruttoeinkommen sehr groß sein müsse, damit auch das Nettoeinkommen nennenswert zunimmt. Ähnliches gelte für Alleinerziehende, von denen in Deutschland mehr als drei Viertel entweder in Teilzeit tätig oder arbeitslos seien. Das liege vor allem daran, dass die Betreuung für Kinder bis drei Jahren nicht ausreichend genug ausgebaut ist.
Ein wesentliches Problem sieht die Studie zudem im sogenannten Ehegattensplitting. Ehepartner können in Deutschland gemeinsam steuerlich veranlagt werden. Dabei hänge "die individuelle Steuerlast faktisch nicht nur vom eigenen Einkommen ab, sondern auch von den Einkommen der anderern Familienmitglieder, so dass letztlich Höhe und Struktur des Familieneinkommens für die individuelle Steuerlast ausschlaggebend sind". Der Verdienst der Frau wird somit vom Verdienst des Mannes beeeinflusst. Die Studie schlägt daher anstelle des Ehegattensplittings eine individuelle Besteuerung vor.
Darüber hinaus müssten, um besonders alleinerziehenden Mütter gute Chancen auf eine Karriere zu ermöglichen, die Minijobs so reformiert werden, dass sie neben Einstiegs- auch Aufstiegsmöglichkeiten bieten. Das ginge beispielsweise über die Umwandlung der bisherigen Freigrenze von 400 Euro in einen Freibetrag gleicher Höhe. "Damit wäre zunächst die extrem hohe Grenzbelastung beim Sprung über die 400 Euro-Hürde entschärft", besagt die Studie. Der Freibetrag müsse in Paarhaushalten exklusiv dem potenziellen Zweitverdiener vorbehalten und dürfe nicht übertragbar auf den Erstverdiener sein. "Damit würden Mitnahmeeffekte in Alleinverdienerhaushalten verhindert, und es entstünde ein zielgerichteter zusätzlicher Anreiz für den Zweitverdiener, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen und diese auszudehnen."
Des Weiteren kritisiert die Studie die Defizite bei der Kinderbetreuung. In der Gruppe der Vorschulkinder von drei bis sechs Jahren liegt Deutschland mit 65 Prozent bei der Teilzeitbetreuung zwar hinter den Niederlanden auf Rang zwei. Bei der Ganztagesbetreuung sind es aber nur 31 Prozent. Dänemark hingegen bringt es an der Spitze auf 82 Prozent - und beweist, wie weit die skandinavischen Staaten Deutschland in diesem Punkt voraus sind.
  • FTD.de, 26.11.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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