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Merken   Drucken   01.09.2009, 09:57 Schriftgröße: AAA

Finanzgebaren: Risikofaktor Testosteron

Frauen mit hohem Testosteronspiegel neigen eher zu finanziellen Risiken als Frauen mit niedrigerem Testosteronspiegel. Das hat eine Studie von Forschern aus Chicago ergeben. von Della Bradshaw, London
Die Erkenntnisse der Studie dürften weiteren Zündstoff liefern in der Debatte darüber, ob es zu der jüngsten Finanzkrise gekommen wäre, wenn mehr Frauen an der Wall Street und in der Londoner City beschäftigt gewesen wären.
Nach Ansicht der Forscher der Booth School of Business, der Fakultät für vergleichende menschliche Entwicklung der Universität Chicago sowie der Kellogg School of Management der Northwestern University wurde mit dieser Studie zum ersten Mal die Wirkung von Testosteron auf geschlechtsspezifische Unterschiede bei Risikobereitschaft im Finanzwesen untersucht. Allerdings haben bereits frühere Studien gezeigt, dass Testosteron Konkurrenzdenken verstärkt, Angst mindert und mit riskantem Verhalten wie Glücksspiel in Zusammenhang steht.
Computerspiel als Test-Szenario
Am Computer die Risikoscheu ablegen: Wer mehr Testosteron im Blut ...   Am Computer die Risikoscheu ablegen: Wer mehr Testosteron im Blut hat, geht größere Risiken ein
Im Mittelpunkt der Studie standen MBA-Studenten der Booth School of Business und der Kellogg School of Management. Viele von ihnen werden später im Finanzwesen arbeiten. Rund 500 Studierende wurden aufgefordert, vor und nach einem Computerspiel, mit dem ihre Risikoscheu gemessen wurde, Speichelproben abzugeben. Bei den beiden Speichelproben wurden die Hormonveränderungen gemessen.
Wie erwartet wiesen Männer einen höheren Testosteronspiegel auf und gaben sich bei dem Spiel weniger risikoscheu als Frauen. Bei dem Spiel waren die Studenten aufgefordert, zwischen einer garantierten geldwerten Vergütung zu wählen und einer riskanten Lotterie mit höherer potenzieller Ausschüttung.
Beeinflusst auch Berufswahl
Wichtiger aber noch ist, die Forscher fanden heraus, dass ein höherer Testosteronspiegel bei Frauen mit einer größeren Risikobereitschaft einherging. Hatten Männer und Frauen einen ähnlichen Testosteronspiegel, war auch ihre Risikobereitschaft ähnlich hoch.
Studenten der Chicago Booth ließen für die Studie ihren ...   Studenten der Chicago Booth ließen für die Studie ihren Testosteronspiegel bestimmen
Die Forscher berichteten, dass die Verbindung zwischen Risikoscheu und Testosteron die Berufswahl beeinflusst. Personen mit hohem Testosteronspiegel und niedriger Risikoscheu entschieden sich für eine Karriere im Finanzwesen.
"Bei unserer Auswahl Proben entschieden sich 36 Prozent der weiblichen MBA-Studenten für eine Karriere im Finanzwesen mit hohem Risiko, wie Investmentbanking oder Handel, im Vergleich zu 57 Prozent der männlichen Studenten", sagt Paola Sapienza, außerordentliche Professorin an der Kellogg School of Management. "Wir wollten herausfinden, ob diese geschlechtsspezifischen Unterschiede mit Testosteron in Zusammenhang stehen, von dem Männer im Durchschnitt höhere Konzentrationen besitzen als Frauen."

Quelle: The Financial Times, London.
  • FTD.de, 01.09.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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