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Merken   Drucken   06.05.2011, 10:36 Schriftgröße: AAA

Forschung an Wirtschaftsunis: Tüfteln für den guten Ruf

Business-Schulen wollen mit Forschung ihr Image verbessern – das soll mehr Studenten anlocken. Experten sehen einen Zusammenhang zwischen Forschungsintensität und Absolventengehältern. von Nava Ebrahim
Charles Eliot, von 1869 bis 1909 Präsident der Harvard-Universität, soll einmal von einem potenziellen Sponsoren gefragt worden sein, was er für eine wirklich gute Universität brauche. 20 Mio. Dollar und 100 Jahre Zeit, soll Eliot geantwortet haben. Weitaus mehr als 20 Mio. Dollar und etwas mehr als 100 Jahre später ist Harvard eine, wenn nicht die, Eliteuniversität mit weltweitem Ruf. Kaum eine andere Hochschule hat so viele Nobelpreisträger hervorgebracht. Dass die Absolventen der Harvard Business School hinsichtlich der Einstiegsgehälter in internationalen Rankings stets einen der vorderen Plätze belegen, ist ein Ergebnis dessen, dass Eliot und seine Nachfolger die besten Leute anwarben und viel Geld in die Forschung steckten.
Bis heute gilt, dass gute Forschungsergebnisse den Bekanntheitsgrad einer Schule erhöhen. Das lockt gute Studenten an, die wiederum gute Abschlüsse machen und auf dem Arbeitsmarkt reüssieren. Das wirkt zurück auf das Renommee der Universität, was deren Attraktivität für motivierte Wissenschaftler erhöht. Die Folge ist eine konstant hohe Forschungsleistung. Der Zusammenhang leuchtet ein. Doch in den vergangenen Jahren häuften sich in der MBA-Welt die Stimmen, die den Gewinn der Forschung für Business-Schulen anzweifelten und teilweise sogar für schädlich hielten, weil sie von den eigentlichen Zielen der Ausbildung ablenkten.
Eine neuere Untersuchung des amerikanischen Ökonomen Peter Golder, Professor an der Tuck School of Business, und seinem Co-Autoren Debanjan Mitra hat nun jedoch ergeben: Der Trend zu mehr Wissenschaft an Business-Schulen, der seit den 60er-Jahren anhält, kommt deren Image zugute. Die Einschätzung des Harvard-Präsidenten Eliot, dass sich Reputation allmählich, mit der Zeit aufbaut, bestätigt die Studie ganz klar. Denn die positiven Effekte auf Bewerber, Wissenschaftler und Personalchefs, so Golder und Mitra, zeigten sich vor allem langfristig - wobei langfristig hier in den meisten Fällen nicht 100, sondern maximal sechs Jahre meint.
Je mehr publiziert wird, desto besser wird geforscht Die European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin wurde 2002 mit dem Ziel gegründet, eine international anerkannte Business-Schule in Deutschland zu etablieren, die in der Wissenschaftswelt mitmischt und deren Professoren in den wichtigsten US-Fachjournalen veröffentlichen. Generell gilt die Zahl der wissenschaftlichen Publikationen des Lehrpersonals als wichtiger Indikator dafür, wie stark die Forschung ist. Je nachdem, was als wissenschaftliche Publikation gezählt wird, fallen Rankings allerdings sehr unterschiedlich aus.
Führend in der Forschung   Führend in der Forschung
Die Datenbank der University of Texas at Dallas (UTD) zum Beispiel wertet nur die 24 führenden Journale der bedeutendsten ökonomischen Fachdisziplinen aus. Der UTD-Erhebung nach hat sich die ESMT in den vergangenen Jahren steil nach oben bewegt. Während die Einrichtung in den Jahren 2005 und 2006 unter den 400 forschungsaktivsten Schulen weltweit nicht einmal auftaucht, steigt sie 2007 und 2008 auf Platz 187 ein, um dann 2009 und 2010 auf Platz 176 hochzuklettern, knapp hinter die Universität Köln. Damit gehört sie in Deutschland zu den Top Fünf.
Jörg Rocholl, Associate Dean of Faculty an der ESMT, erklärt das damit, dass die Hochschule die Forschung von Beginn an großgeschrieben und gefördert habe. "Wir bieten jährlich rund 50 internationale Forschungsseminare an, außerdem unterstützen wir unsere Professoren dabei, an internationalen Konferenzen teilzunehmen und unterstützen das finanziell." Professoren müssten jährlich 100 Stunden Lehre leisten, das sei vergleichbar mit führenden amerikanischen Universitäten.
"Und in den ersten drei Jahren ziehen wir davon bis zu einem Drittel ab, damit junge Professoren die Zeit haben, sich in die Forschung einzufinden", sagt Rocholl. Wer sich als Professor bewerben will, sollte bereits in einem international anerkannten Fachblatt veröffentlicht haben.

Teil 2: Zusammenhang zwischen Forschungsintensität und Absolventengehältern

  • FTD.de, 06.05.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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