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Merken   Drucken   16.07.2011, 11:00 Schriftgröße: AAA

Führungskräfte: Frauen machen gesünder Karriere

Chefs sind eine Risikogruppe. Sie stehen ständig unter Stress, arbeiten zu lang, riskieren Bluthochdruck, Herzinfarkt und Burn-out. Frauen in Leitungspositionen machen es aber anders. Sie versuchen, dem Raubbau an der eigenen Gesundheit entgegenzuwirken. von Sabine Meinert 
Frauen auf der Karriereleiter setzen nicht nur auf ihren Intellekt und ihr Wissen, erweitern ihre Fachkenntnisse und pflegen ihre Netzwerke, sondern sichern ebenso ihre wichtigste Ressource: die Gesundheit. Das ist das Ergebnis einer Langzeitstudie, des Präventions-Spiegel vom Hamburger Diagnostik-Zentrum Fleetinsel.
Als Chefin gilt es, auch auf die eigene Gesundheit zu achten - zum ...   Als Chefin gilt es, auch auf die eigene Gesundheit zu achten - zum Wohle des Unternehmens
"Frauen in Führungspositionen gehen bewusster mit ihrer Gesundheit um und kennen ihre Risikofaktoren viel besser", sagt Tomas Stein, ärztlicher Direktor und Kardiologe am Diagnostik-Zentrum. Er hat in seiner täglichen Arbeit festgestellt: Chefinnen erzielen bei den auf Führungskräfte zugeschnittenen Gesundheitschecks deutlich bessere Ergebnisse als ihre männlichen Kollegen. Seine Erklärung: Sie sind sich offenbar bewusster, dass nur leistungsfähig bleibt, wer gesund ist.
Druck und Stress nicht weniger hoch
Dabei unterliegen die Frauen einem mindestens ebenso hohen Arbeitspensum und tragen genauso Verantwortung wie männliche Führungskräfte. Sie stehen nicht weniger unter Strom als Schlipsträger. Und sie müssen in der Regel neben der Karriere auch noch Haushalt und Kindererziehung stemmen. Dieser Fakt scheint den weiblichen Vorgesetzten jedoch sehr bewusst zu sein, denn: Sie sorgen vor - mit gezielter Gesundheitsprävention und gesunder Lebensweise.
Die Zahlen der Mediziner sprechen für sich: Stein und Kollegen stellten bei nur 11,3 Prozent der Frauen Bluthochdruck fest. Bei den Männern sind es mit 19,8 Prozent fast doppelt so viele. Übergewicht konnten die Mediziner bei etwa jeder fünften Frau messen. Die Check-ups der männlichen Teilnehmer wiesen dagegen bei jedem zweiten einen Body Mass Index von mehr als 25 aus. Zwölf Prozent der Männer galten nach medizinischen Gesichtspunkten sogar als fettleibig, bei den Frauen waren es nur knapp fünf Prozent.
Auch bei den Bluttfettwerten liegen die Frauen vorn. Rund 57 Prozent der männlichen Führungskräfte müssen sich damit auseinandersetzen, dass sie erhöhte Werte des "schlechten" Cholesterins LDL haben. Bei den weiblichen Vorgesetzten sind es 44 Prozent. Ungünstige Werte beim LDL deuten darauf hin, dass sich in den Blutgefäßen Ablagerungen bilden können, die zu Arteriosklerose führen können. Auch bei Triglyceriden haben Männer schlechtere Werte als Frauen. Die Fette, die das Blut dickflüssiger machen, lagen bei jedem vierten Mann, aber nur bei jeder neunten Frau über dem Normalwert. Die Mediziner führen die Unterschiede auf die unterschiedliche Ernährung zurück: Unter den Männern in Führungsverantwortung sind offenbar immer noch viele, die sich unausgewogen sowie zu fett- und zuckerreich ernähren. Auch Bewegungsmangel beeinflusse die Blutwerte, so die Fachleute.
Frauen füllen noch andere Rollen aus
Tomas Stein sieht einen Grund für die unterschiedlichen Zahlen auch in den Lebensrollen: "Frauen sind häufig die ‚Hüterinnen der Gesundheit' in ihrer Familie. Sie kümmern sich um das Wohl und Wehe aller Familienmitglieder, halten auch ihren Mann an, gesund zu leben und sind gerne Vorbild." Das zeige sich auch in mehr Achtsamkeit für den eigenen Körper und helfe ihnen, gesünder Karriere zu machen. Der Eindruck bei den Check-ups ist: Frauen ernähren sich besser und hören besser auf die Signale ihres Körpers. Öfter knapsen sie sich zudem Zeit für Fitness- oder Wellnessaktivitäten ab. Selbst zur medizinischen Vorsorge gehen sie häufiger.
Die Hamburger Mediziner hatten bereits 2010 herausgefunden, dass drei Viertel aller deutschen Manager Herzkrankheiten riskieren, da sie ihren Körper durch Stress und ungesunde Lebensweise sowie zu wenig Prävention und den Verzicht auf Bewegung stark belasten. Nur ein Drittel der deutschen Führungskräfte nimmt bisher die Angebote des eigenen Unternehmens für regelmäßige Medical Check-ups an.
Der Präventions-Spiegel 2010 des Diagnostik-Zentrums Fleetinsel Hamburg fasst die Angaben von 3333 Teilnehmern eines medizinischen Check-Ups für Führungskräfte aus den Jahren 2002 bis 2008 zum Thema Gesunderhaltung zusammen.
  • FTD.de, 16.07.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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