Neben denen, die nie den richtigen
Zeitpunkt finden, gibt es
eine weitere Gruppe: Kinderlose, die "eher
kein" oder "auf keinen Fall" ein Kind wollen,
also gar keinen Kinderwunsch haben.
Insgesamt sagen das 22 Prozent, bei den
unter 30-Jährigen allerdings mit 8 Prozent
deutlich weniger als bei den 35- bis
39-jährigen (28 Prozent).
Als wichtigsten Grund gegen Kinder
gaben 81 Prozent in dieser Gruppe an,
sie seien auch ohne Kind mit ihrem Leben
zufrieden. "Eine Familie zu gründen
ist heute eben nur eine Lebensform von
vielen", sagt Kerstin Ruckdeschel. "Vor
50 Jahren war es in Deutschland beinahe
selbstverständlich, Kinder zu bekommen,
heute nicht mehr. Anders als zum Beispiel
in Frankreich ist Kinderlosigkeit bei uns
nichts Ungewöhnliches.
Und das moderne Leben
bietet dank Beruf, Reisen
und Hobbys heute
ja auch viele interessante
Alternativen."
Als Grund für eine Entscheidung gegen
Kinder liegt so auch an zweiter Stelle (54
Prozent) die Aussage, man wolle gern
unabhängig sein und nicht an ein Kind
gebunden. Dieser Wert ist mit 76 Prozent
bei den 25- bis 34-Jährigen deutlich
höher als bei den Befragten ab 35
(45 Prozent). Ebenfalls größer ist die
Angst der Jüngeren vor wachsendem
Stress: 53 Prozent der 25- bis 34-Jährigen
sagen, dass andere Eltern auf sie
gestresst wirken und sie so nicht leben
möchten, aber nur 32 Prozent der
Befragten ab 35 Jahre sind der gleichen
Meinung. Geht man davon aus, dass das
Durchschnittsalter für das erste Kind in
Deutschland bei gut 29 Jahren liegt, so
haben die Befragten mit Ende 20, Anfang
30 wahrscheinlich am meisten Kontakt
zu Baby- und Kleinkindeltern - und das,
was sie dabei beobachten, gefällt ihnen
offenbar nicht: Da ist der schwierige
Spagat zwischen Job und Familie, die
nervige Suche nach einem Betreuungsplatz,
Gehetze, Überforderung.
Dabei haben die Kinderlosen im Westen
mit insgesamt 39 Prozent deutlich
häufiger das Bild der gestressten Eltern
vor Augen als im Osten (25 Prozent).
Grundsätzlich danach gefragt, warum
in Deutschland die Geburtenrate
so niedrig ist, sagen übrigens überraschende
79 Prozent, für viele Menschen
sei der Alltag auch ohne Kinder schon
sehr anstrengend. Nicht umsonst nennen
Soziologen jene Jahre zwischen 25
und 35 auch die Rushhour des Lebens
und meinen das kurze Zeitfenster, in
dem wir alles gleichzeitig schaffen sollen:
unsere Ausbildungen, den Jobeinstieg,
Partnersuche, Hausbau, Altersvorsorge,
Kinder. Eine Zeit auch, in der uns
oft noch die Souveränität fehlt, um die
vielen Anforderungen zu bewältigen.
Tatsächlich nimmt das Stressempfinden
mit zunehmendem Alter wieder ab, das
zeigt auch unsere Studie: Bei den über
40-Jährigen haben nur noch 25 Prozent
den Stress junger Eltern vor Augen,
wenn sie nach Gründen für die eigene
Kinderlosigkeit gefragt werden. Möglicherweise
würden manche aus dieser
Altersgruppe die Mühe schlafloser
Nächte jetzt auf sich nehmen, wenn
es denn mit einem Kind noch klappte.