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Merken   Drucken   09.05.2011, 09:11 Schriftgröße: AAA

Gehaltsentwicklung: Frauen verdienen oft nur drei Viertel

Karrierefrauen können heute fast jeden Chefsessel erklimmen - mit oder ohne Frauenquote. Nur eines können sie offenbar nicht: sich das gleiche Gehalt wie männliche Konkurrenten erstreiten. Sie bekommen oft rund ein Viertel weniger an Vergütung. von Sabine Meinert 
Im Marketing finden sich häufig viele weibliche Fachleute. Ihnen werden hohe Kommunikationsfähigkeit und andere Soft Skills nachgesagt, die hier von Nutzen sein können. Für die Unternehmer scheint ein solcher Frauen-Überschuss eine preisgünstige Angelegenheit: Denn bis heute hat sich der Grundsatz "Gleiches Geld für gleiche Arbeit" im Marketing nicht durchgesetzt. Frauen verdienen in diesem Berufsfeld knapp 28 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Das zeigt eine Auswertung von Jobvermittlungen durch den Personaldienstleister Michael Page zwischen August 2010 und Februar 2011.
Die Grafik zeigt Erfolgsparameter, der Lohnzettel nicht   Die Grafik zeigt Erfolgsparameter, der Lohnzettel nicht
Genau so stellt sich die Situation auch im Vertrieb dar. Wo Frauen sich in den männlich dominierten Positionen durchsetzen konnten, gehen sie mit 28 Prozent weniger in der Lohntüte nach Hause. Im Ingenieurwesen, wo weibliche Spezialisten, noch unterrepräsentierter sind, sind es 22 Prozent weniger Gehalt, ergab die Auswertung.
Keine Angleichung in Sicht
"Diesen großen Gehaltsunterschied beobachten wir schon seit einiger Zeit und sehen derzeit und in naher Zukunft auch keine Angleichung", so Goran Baric, Geschäftsführer bei Michael Page. Er begründet diesen Trend mit den Karriereunterbrechungen bei Frauen. Mutterschutz, Elternzeit, Phasen der Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen seien nicht geeignet, die Entlohnung der Frauen auf einem ähnlichen Niveau zu etablieren wie die Männer in gleichartigen Jobs. Der Gehaltsnachteil wird demnach häufig aus einem angeblichen Mangel an Erfahrung und aktuellen Sichtweisen hergeleitet.
"Allerdings müsste sich der vermeintliche Vorsprung der Männer im Laufe der Zeit wieder aufheben, so haben Männer durch die bislang gültige Wehrpflicht häufig auch später angefangen zu arbeiten", so Baric. Insofern sei dieser massive Gehaltsunterschied bei gleicher Qualifikation nicht nachvollziehbar.
Bis zu 25.000 Euro Unterschied
Zur Veranschaulichung der Zahlen: Im Bereich Vertrieb und Marketing erhalten Männer derzeit ein durchschnittliches Bruttogehalt von 87.000 Euro im Jahr. Frauen haben dagegen im Schnitt 62.000 Euro in der Lohntüte. In die Analyse einbezogen wurden Positionen vom Account Manager bis zu Vertriebsleiter. Bei den Ingenieuren wurden Leiter der Fertigung ebenso wie Konstrukteure erfasst. Männer verdienen aktuell etwa 83.000 Euro pro Jahr im Ingenieurwesen, Frauen rund 65.000 Euro. Auch bei Finanzdienstleistungen zeigte sich ein solcher Trend in den vergangenen Monaten. So werden Jobs als Controller oder Leiter Rechnungswesen bei Frauen mit rund 68.000 Euro vergütet, Männer können gut 10.000 Euro mehr einstreichen.
Eine frühere Umfrage unter 1700 Online-Nutzern des Karriereportals Monster.de hatte bereits gezeigt, dass sich Frauen nur in etwa jeder zehnten Firma in der Führungsebene Chancengleichheit erkämpfen konnten. Nur 13 Prozent der deutschen Beschäftigten sehen demnach in ihrem Umfeld das Verhältnis zwischen männlichen und weiblichen Führungskräften ausgeglichen. Nur in 9 Prozent der Unternehmen geben hauptsächlich weibliche Entscheider den Ton an, so die Teilnehmer.
Bewerbungen gehen zurück
Beide Faktoren zusammen - wenig Chancen auf Führungspositionen, geringere Entlohnung - sind möglicherweise der Grund dafür, dass die Anzahl der weiblichen Bewerber für Aufgaben im mittleren Management zuletzt weiter gesunken ist. Aktuell streben etwa ein Viertel weniger Frauen nach Jobs, die im Gehaltsgefüge zwischen 50.000 und 130.000 Euro Jahresgehalt liegen. Personalfachmann Baric vermutet, dass viele wenig Hoffnung haben, in Chefpositionen Beruf und Familie noch unter einen Hut zu bekommen.
Die interne Studie der Personalberatung Michael Page basiert auf einer Stichprobe von 200 Gehältern vermittelter Jobkandidaten im zweiten Halbjahr 2010/Anfang 2011 und ist nicht repräsentativ. Die Monster-Umfrage erfasste Daten von 1694 Teilnehmern im deutschsprachigen Raum zum Thema Karriere und ist ebenfalls nicht repräsentativ.
  • FTD.de, 09.05.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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