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Merken   Drucken   11.05.2011, 11:23 Schriftgröße: AAA

Gehaltstrends: Was Berufseinsteiger verlangen können

Die deutsche Wirtschaft hat sich wieder berappelt und liegt wieder auf Vor-Krisen-Niveau. Davon können auch Berufsanfänger bei ihren Gehaltsverhandlungen profitieren. Je nach Branche gibt es jedoch große Unterschiede. von Sabine Meinert 
Der Fachkräftemangel zeigt sich in diesem Jahr noch ausgeprägter als bisher. Nachdem sich die Unternehmen aber 2010 noch zurückhielten mit Einstellungen, wollen sie nun ihre Mannschaften auffüllen, um mit vollen Segeln im Aufschwung mitzusegeln. Und die "Heuer" steigt derzeit, zeigt eine Studie des Karriereportals Alma Mater, die Daten zu Einstellungen in gut 900 Unternehmen zusammenfasst.
Gut verhandelt, gut verdient   Gut verhandelt, gut verdient
Demnach können Hochschul-Absolventen großenteils mit rund 40.000 Euro pro Jahr rechnen. In der Forschung und im Einkauf ist sogar mehr drin. Damit bewegen sich die Gehälter für Akademiker wieder auf dem Niveau von vor der Finanzkrise. Wer als Trainee einsteigt, muss jedoch gut verhandeln - zwischen 33.000 und 42.000 Euro liegt hier die Mehrzahl der gezahlten Gehälter. Immerhin: 90 Prozent der befragten Unternehmen plant einen Mitarbeiterzuwachs. Sie wollen sich noch in diesem Jahr mit Berufseinsteigern verstärken.
Lieber größer einsteigen
Die Analyse macht zudem deutlich: Der Einstieg in Großunternehmen lohnt sich. Hier werden bessere Gehälter gezahlt. Zum Teil beträgt die negative Abweichung zum Branchen-Durchschnitt rund 15 Prozent in den kleineren Unternehmen. Den Studienautoren zufolge ist das ein Hinweis darauf, dass größere Firmen ihren Marktwert in der Personalplanung geltend machen und so die besten Nachwuchskräfte für sich gewinnen können.
Doch wie können Klein- und Mittelständler dann überhaupt Fachkräfte für sich gewinnen? Was die Berufseinsteiger deutlich mehr motiviert, einen Job anzunehmen, ist eine spannende Aufgabe und eine ausgewogene Work-Life-Balance. Hier können vor allem Unternehmen mit weniger als 100 Mitarbeiter punkten.
Berufsanfängern bieten sie zudem die Möglichkeit, wertvolle Erfahrung zu sammeln und schneller als in Großkonzernen in verantwortliche Positionen aufzusteigen. Der Karriereschub ist vielen Absolventen deshalb einige Jahre des Zurücksteckens beim Gehalt wert. Laut Alma Mater sind die "Kleinen" außerdem deutlich flexibler in Sachen Vergütung. Sie trauen sich häufig, auch in den folgenden Jahren mit deutlichen Gehaltssprüngen die Entwicklung eines jungen Mitarbeiters zu honorieren.
Branchengefälle zwischen Autobau und Tourismus
Eine große Rolle beim Gehalt spielt auch die Branche. Am wenigsten verdienen Einsteiger in Medienunternehmen, in Zeitarbeitsfirmen, im öffentlichen Dienst und in der Dienstleistungsbranche. Auch diejenigen, die ihr Berufsleben im Tourismus beginnen, bekommen häufig keine üppige Vergütung: zwischen 24.000 und 30.000 Euro liegt hier die Mehrzahl der Startgehälter.
Die dicksten Lohntüten bieten Unternehmen im Fahrzeugbau, in der Elektrotechnik und im Maschinenbau. Auch Konsumgüterproduzenten und Chemiekonzerne zahlen gut - mindestens 38.000 Euro pro Jahr, im Schnitt bis knapp 50.000 Euro.
Auffällig ist, dass sich die Gehaltsunterschiede auch in den Funktionen zeigen. So verdient beispielsweise ein Berufseinsteiger in der Fertigung eines Chemieunternehmens im Schnitt 6000 Euro pro Jahr mehr als ein Kommilitone, der im Marketing der gleichen Chemiefirma anheuert. In der Tourismusbranche können die Gehälter eines IT-Mitarbeiters und eines Personalverantwortlichen mehr als 7000 Euro auseinander liegen. In Firmen, die Ingenieurdienstleistungen anbieten, geht ein Neuer in der Fertigung möglicherweise mit gut 31.500 Euro Jahresgehalt nach Hause, während der Berufsanfänger im Vertrieb im Schnitt 52.000 Euro einstreichen kann. Es lohnt sich also, sich über die Vergütungsgepflogenheiten der einzelnen Branchen zu informieren.
Auffällig: Auch das Bundesland spielt eine Rolle. So gehört Schleswig-Holstein zu den Regionen, in denen die höchsten Einstiegsgehälter gezahlt werden, im Schnitt über 41.800 Euro pro Jahr. Auch das Saarland ist neben den üblichen Verdächtigen wie Bayern und Baden-Württemberg weit vorn zu finden. Berlin und Hamburg dümpeln dagegen am Ende des Rankings - mit rund 39.000 Euro. Im Osten wird tendenziell schlechter gezahlt als in westlichen Bundesländern.
Der richtige Abschluss zählt
Bessere Chancen, ein gutes Gehalt auszuhandeln, haben Diplom- und Master-Absolventen. In mittelständischen Unternehmen (100 bis 999 Mitarbeiter) kann das Plus zum Bachelor-Bewerber rund 2000 Euro ausmachen. In Firmen mit weniger als zehn Mitarbeitern punkten dagegen die Bachelor-Kandidaten. Mit steigender Belegschaftszahl geht der Vorteil jedoch an Absolventen mit Master oder Diplom über. Ob ein Berufseinsteiger den Abschluss einer Uni oder Fachhochschule in der Tasche hat, spielt inzwischen nur noch in den wenigsten Unternehmen eine Rolle. Wo der Unterschied gemacht wird, kann die Gehaltsdifferenz allerdings bis zu 17 Prozent betragen.
Für die Studie befragte das Karriereportal Alma Mater 902 Unternehmen aller Branchen zu Einstiegsgehältern und Mitarbeiternachfrage. Bei den aufgeführten Summen handelt es sich um Jahresbruttogehälter inklusive Prämien und finanziellen Zusatzleistungen wie Urlaubsgeld oder ähnliches.
Anzahl der Mitarbeiter durchschnittliches Jahresgehalt
bis 10 34.051 Euro
10 bis 9936.710 Euro
100 bis 99939.439 Euro
1000 bis 500042.074 Euro
über 500043.438 Euro
Branche durchschnittliches Jahresgehalt
Fahrzeugbau48.000 Euro
Elektrotechnik43.000 Euro
Maschinenbau43.000 Euro
Kfz-Zulieferer42.000 Euro
Banken/Finanzservices42.000 Euro
Bauwesen41.000 Euro
Ingenieursdienstleistungen41.000 Euro
Versorger41.000 Euro
Konsumgüterindustrie40.000 Euro
Chemie-/Pharmaindustrie40.000 Euro
Groß-/Außenhandel40.000 Euro
EDV-Dienstleister40.000 Euro
EDV-Produzenten40.000 Euro
Beratungsunternehmen39.600 Euro
Logistik39.000 Euro
NGO36.000 Euro
sonstige Dienstleistungen36.000 Euro
öffentlicher Dienst36.000 Euro
Einzelhandel35.400 Euro
Zeitarbeit35.000 Euro
Medien 33.000 Euro
Tourismus27.000 Euro
Berufsfelddurchschnittliches Jahresgehaltam besten zahlende Brancheweniger gut zahlende Branchen
Einkauf41.308 EuroFahrzeugtechnikTourismus, öffentlicher Dienst, NGO, Medien
Marketing38.693 EuroIngenieur-DienstleistungenTourismus, Medien, Einzelhandel
Vertrieb41.399 EuroIngenieur-DienstleistungenTourismus, Medien, Beratungsunternehmen, NGO
F41.545 EuroBankenTourismus, Versorger, Medien, Dienstleistungen
IT-Bereich40.286 EuroFahrzeugtechnikTourismus, Zeitarbeit, Medien, Dienstleistungen
Fertigung41.959 EuroFahrzeugtechnikMedien, Zeitarbeit, Versorger
Finanzen40.751 EuroFahrzeugtechnikTourismus, Zeitarbeit, Medien, NGO, Einzelhandel
Personal39.065 EuroFahrzeugtechnikTourismus, Medien, NGO, öffentlicher Dienst
Trainee38.864 EuroFahrzeugtechnikDienstleistungen, NGO, Medien, Unternehmensberatungen
Regiondurchschnittliches Jahresgehalt
Schleswig-Holstein41.827 Euro
Bayern41.344 Euro
Saarland41.308 Euro
Baden-Württemberg41.031 Euro
Niedersachsen41.016 Euro
Rheinland-Pfalz40.789 Euro
Hessen40.653 Euro
Nordrhein-Westfalen40.527 Euro
Sachsen40.518 Euro
Mecklenburg-Vorpommern40.066 Euro
Thüringen39.700 Euro
Bremen38.673 Euro
Sachsen-Anhalt39.550 Euro
Brandenburg39.550 Euro
Hamburg39.376 Euro
Berlin38.834 Euro
  • FTD.de, 11.05.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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