Im Fadenkreuz der Headhunter ist nicht nur der Lebenslauf
Bei Spitzenpositionen ist die Arbeit des Personalberaters - oder "Executive searchers" - vergleichsweise einfach; der Kandidat hat meist schon in seiner jetzigen Position bewiesen, was er kann. Im mittleren Management braucht es hingegen psychologisches Geschick: In einem, maximal zwei Gesprächen mit dem Kandidaten muss der Berater sowohl die fachliche als auch die persönliche Eignung des Kandidaten auskundschaften. Ein Fehlgriff kommt teuer - sowohl für den Headhunter als auch für das Unternehmen.
Sozialkompetenz ist laut Karsten Wick, Geschäftsführender Gesellschafter bei I.I.C. Partners, eine der wichtigsten Qualifikationen für einen Headhunter. "Wir sehen uns als verlängerten Arm des Unternehmens", sagt Wick. Ein guter Berater muss sowohl seinen Kunden und dessen Wünsche als auch die Eignung des Kandidaten in relativ kurzer Zeit einschätzen können. Den Personalberatern hilft dabei vor allem langjährige Berufserfahrung und Menschenkenntnis. Eine spezielle Ausbildung wird zumindest in Deutschland nicht angeboten. "Es gibt keinen ´zertifizierten Personalberater´, sagt Wolfgang Lichius, Vorsitzender des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater: "Die Fortbildung auf diesem Gebiet ist in Deutschland optimierungsfähig."
"Hat er sich weiterentwickelt?"
Vor allem bei Positionen, für die jüngere Führungskräftegesucht werden, spielt der soziale Hintergrund für viele Berater eine große Rolle. "Viele fragen nach dem Elternhaus: Hat er sich weiterentwickelt von den Voraussetzungen, die ihm mitgegeben wurden", sagt Lichius, Vorsitzender des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater. Überspitzt gesagt: Der 35-Jährige Abteilungsleiter, dessen Vater Vorstand eines global operierenden Konzerns ist, hat manchmal schlechtere Karten als derjenige, dessen Eltern sich mit unqualifizierten Hilfsarbeiten über Wasser gehalten haben.
Der Familienstand ist den meisten Beratern eher unwichtig - aber er gibt den Beratern Anhaltspunkte, worauf sie achten müssen. "Wenn jemand alleinstehend ist, ist das erstmal kein Nachteil. Im Gespräch wird dann aber schon genau hingeschaut, ob da nicht irgendwelche kauzigen Züge dabei sind", sagt Lichius. Bei sehr repräsentativ geprägten Positionen kann die Ehefrau oder der Ehemann aber durchaus mit unter die Lupe genommen werden. "Wenn Sie ein Aschenbrödel als Frau haben, kann einem das negativ angerechnet werden", sagt Wick.
Faktor Unternehmenskultur
Aber auch der Landstrich, aus dem der Kandidat stammt, ist manchmal entscheidend. "Wenn ein schwäbischer Maschinenbauer einen Produktionsleiter sucht, ist die Herkunft nicht unwichtig", so Wick. "In sehr familiären Umgebungen kann das eine Rolle spielen", bestätigt Michael Neumann, Berater bei Alexander Hughes Nexecute. Bei international operierenden Konzernen würde dieser Aspekt dagegen in den Hintergrund treten. Wichtig für alle Berater ist aber immer die Unternehmenskultur, an die der Kandidat gewöhnt ist: "Wir achten sehr darauf, ob der Kandidat konzerngeprägt ist oder noch eine gewisse Flexibilität mitbringt", sagt Lichius.