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Merken   Drucken   02.08.2007, 08:00 Schriftgröße: AAA

Hilfe, ich muss mich vorstellen!

Ein Bewerbungsgespräch beim neuen Arbeitgeber ist alles andere als eine Routine-Aufgabe. Üblicherweise steigt trotz guter Vorbereitung die Nervosität. Viele wirken dann verkrampft, starr, blockiert. Dabei ist es gar nicht schwer, beim Vorstellungstermin mit der richtigen Körpersprache zu punkten. von Sabine Meinert (Hamburg)
Lampenfieber, Blackout, feuchte Hände - für viele ein Horror, denn beim Bewerbungsgespräch will jeder einen guten Eindruck hinterlassen. Doch die Zeichen von Aufregung und Anspannung gelten nicht als hilfreich, wenn ein Bewerber sich kompetent, engagiert oder führungsstark darstellen will. Häufig versuchen Job-Anwärter deshalb, die verräterischen Anzeichen zu verbergen: Zitternde Lippen werden zusammengepresst, die Finger verknotet, körperliche Aktionen eingeschränkt - nur ja nichts tun, was offensichtlich die Nervosität beweist, ist häufig die Devise.
Was verrät die Körpersprache bei der Bewerbung?   Was verrät die Körpersprache bei der Bewerbung?
"Doch man sollte sich nicht verstellen, denn Körpersprache lügt nie", warnt Professor Ingrid Sanne. Die Personaltrainerin berät und coacht zusammen mit ihrer Schwester Helga Sanne Manager und Nachwuchsführungskräfte in Sachen Stimme, Körpersprache und Ausdruck. "So stark kontrollieren, dass Aufregung nicht mehr erkennbar ist, kann man sich nicht", zeigt ihre Erfahrung.
Inhalte wichtig, aber Körperbild entscheidend
Keine Frage, jeder sollte darauf achten, wie er in einem Bewerbungsgespräch "rüberkommt". Denn wie bereits der Kommunikationswissenschaftler Professor Albert Mehrabian herausfand: Nur sieben Prozent der Überzeugungswirkung geht auf das zurück, was wir inhaltlich gesagt haben. 38 Prozent sind sprecherische und kommunikative Fähigkeiten. Und 55 Prozent beziehen sich auf alles, was mit dem Auge wahrgenommen wird. Oder wie der US-Sprechtrainer Glenn S. Pfau es zusammenfasste: "Words walk. Bodies, vocal variations and gestures talk." (übersetzt etwa: Worte sagen viel. Körper, Stimmvariationen und Gesten sind jedoch aussagekräftiger.)
Körpersprache sollte deshalb in Bewerbungssituationen nicht ignoriert werden. Es gilt allerdings, das Ureigene nicht zu überspielen oder zu unterdrücken, sondern sich authentisch zu zeigen. Selbst wer dem potenziellen neuen Arbeitgeber betont locker gegenüber sitzt, eine innere Anspannung wird sich irgendwie vermitteln. "Manchmal verrät eine verkrampfte Fußhaltung unter dem Tisch, dass die Person sich nicht wirklich wohl fühlt. Das ist genauso deutlich, als wenn jemand - für jeden sichtbar - seine Hände knetet. Als Bewerber sollte man sich klar machen, dass Gesten viel mehr über die handelnde Person offenbaren, als man denkt", sagt Helga Sanne.
Authentisch sein ist das Ziel, sagt Trainerin Ingrid Sanne   Authentisch sein ist das Ziel, sagt Trainerin Ingrid Sanne
Innere Haltung vermittelt sich
Die Körpersprache umfasst neben Haltung, Mimik und Gestik auch den Blick und jegliche Bewegung - eben das gesamte Körperbild. Und dieses ist Ausdruck der inneren Haltung, machen die Expertinnen aufmerksam. Aufgeregt sein ist keine Schande - das sehen auch viele Personalleiter so. Wie jemand damit umgeht, zeigt dem Gesprächspartner aber schon sehr viel über den Menschen.
Die beiden Trainerinnen halten deshalb nichts davon, sich besonders erfolgversprechende Gesten und Körperhaltungen anzutrainieren. Große Armbewegungen oder ein forsches Auftreten passen zu einem zurückhaltenden Menschen zum Beispiel eher nicht. "Egal wie viel Sie geübt haben: Wenn Sie nicht wirklich 'stimmig' auftreten, wird sich das auch nicht vermitteln, völlig unabhängig davon wie groß Sie Ihre Armbewegungen machen."
Für Personalverantwortliche und Arbeitgeber heißt das umgekehrt: Sie sollten nicht versuchen, die Körpersprache eines Bewerbers mit Klischees zu vergleichen und entsprechend "auszulegen". Verschränkte Arme sind nicht grundsätzlich ein Zeichen von Abwehr oder Verschlossenheit. Für manche ist gerade aufrechtes Sitzen mit verschränkten Armen eine relativ entspannte Haltung.
Helga Sanne rät: Persönlichkeit sichtbar machen   Helga Sanne rät: Persönlichkeit sichtbar machen
Besonders seriös?
"Viele sehen Bewerbungsgespräche ganz richtig als besonders wichtige Situationen. Natürlich verhält man sich da anders als in der Kneipe. Aber die meisten meinen, sie müssten besonders seriös erscheinen. Das heißt, sie nehmen körperliche Aktivitäten zurück und setzen eine ernste Miene auf. Nur: Dahinter wird die Persönlichkeit nicht sichtbar", sagt Helga Sanne. Gerade Führungskräfte zeigen sich gern besonders verkopft, sie schalten den "Bauchteil" aus und reduzieren jegliche Bewegung. Sie wollen managen, kontrollieren, beschreibt die Trainerin ein häufig auftretendes Verhalten.
Deshalb müssten viele Führungskräfte erst mal an der inneren Einstellung arbeiten, meint sie. Einerseits sei es wichtig, die Situation mit der nötigen Ernsthaftigkeit anzugehen und dem Gegenüber Respekt zu zeigen, andererseits gehe es keinesfalls darum, einen Test zu absolvieren. Abschlüsse, Doktortitel, spezifisches Fachwissen sind zwar wichtig, sie können aber im Bewerbungsgespräch kaum geprüft oder verifiziert werden, macht die Trainerin deutlich. "Hier geht es um Persönliches, ob der Kandidat in das Unternehmen passt, ob ihm die neue Aufgabe zugetraut wird. Punkten kann man da eigentlich nur mit Offenheit, Aufmerksamkeit und Ausstrahlung."
"Und mit Neugier", fügt Ingrid Sanne hinzu. "Wenn ich versuche, neugierig auf das Gespräch, die potenziellen Kollegen und das neue Unternehmen zu sein, werde ich mich auch besser fühlen, als wenn ich krampfhaft versuche, mich besser darzustellen, als ich bin. Das merkt man einfach."

Teil 2: Was in Bewerbungsrunden am meisten zählt. Außerdem: Die Last-Minute-Tipps.

  • FTD.de, 02.08.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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