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Merken   Drucken   18.01.2010, 15:15 Schriftgröße: AAA

Hirndoping: Zweifel am Ritalin-Effekt

Den grauen Zellen mit leistungssteigernden Medikamenten nachzuhelfen, gilt seit Monaten als großer Trend. Doch eine Expertin sagt: Hirndoping wird überschätzt - die Nebenwirkungen dagegen unterschätzt. von Sabine Meinert
Eine Packung des Medikaments Ritalin   Eine Packung des Medikaments Ritalin
Von Ritalin und anderen sogenannten Neuro-Enhancern versprachen sich vor allem Studenten bessere Examensnoten. "Die Hoffnung dabei ist, dass der Wirkstoff hilft, sich besser zu konzentrieren", sagte die Wissenschaftlerin Davinia Talbot von der Universität Münster der Deutschen Presse-Agentur. "Oft schätzen die Menschen ihre Leistungsfähigkeit jedoch nur subjektiv als verbessert ein."
Die Medizinethikerin gibt zu bedenken: Die Wirksamkeit der Neuro-Enhancer sei bisher nicht nachgewiesen. In erster Linie gehe es bei solchen Mitteln um die Steigerung der kognitiven Leistung und emotionalen Befindlichkeit. Das ist das Ergebnis eines interdisziplinären Projekts des Bundesforschungsministeriums, in dem Experten aus Philosophie, Jura und Medizin seit 2006 Vor- und Nachteile des Hirndopings untersuchen.
Besonders beliebt zur Leistungssteigerung ist Ritalin, ein Amphetaminderivat, das bereits in den USA viele Fans hat. Und auch hierzulande hat sich der Absatz des Medikaments innerhalb von zehn Jahren verzwanzigfacht, berichtet die "Zeit". Eine zweite Medikamentengruppe umfasst die Antidepressiva. Talbot warnt, dass gerade bei diesen Präparaten kurzfristige Effekte ausblieben, während Studien über langfristige Effekte weitgehend fehlen.
Glück und Konzentration auf Rezept?
Die Expertin sieht das "Glück auf Rezept" daher eher skeptisch - obwohl es auch an der Universität Münster Untersuchungen mit Neuropushern gab, die eine Konzentrationssteigerung belegen: Verglichen wurden zwei Studentengruppen, von denen eine Dopamin verabreicht bekam. Bei einem Vokabeltest schnitten die Dopamin-Schlucker deutlich besser ab. Sie hatten den Lernstoff offenbar besser abgespeichert.
Ein weiterer Wirkstoff, der beim Hirndoping zum Einsatz kommt, ist Modafinil. Der Wachmacher wird üblicherweise bei Menschen mit Schlafkrankheiten eingesetzt, so Talbot. "Gesunde Probanden bleiben zwar wach, aber ihre Leistungsfähigkeit lässt nach."
Vor allem bei Musikern beliebt sind der Expertin zufolge Betablocker. Eigentlich sollen sie Bluthochdruck senken. Sie helfen aber auch gegen Lampenfieber, starkes Schwitzen und Zittern.

Teil 2: Viele greifen längst regelmäßig zu den Neuropushern.

  • FTD.de, 18.01.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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