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Merken   Drucken   30.11.2005, 13:07 Schriftgröße: AAA

Im Babyjahr auf den Chefsessel rutschen  

Mutter, berufstätig und dann noch mit Ambitionen auf einen Führungsposten? - Ein Joint Venture der öffentlichen Hochschulen in Hamburg will Frauen mit Karriereplänen über ein internetbasiertes Studienprogramm helfen. Und gleichzeitig ein weiblich geprägtes Netzwerk aufbauen. von Sabine Meinert
Laptop und Kinderwagen - wer beides vereinen will, läuft schnell Gefahr, als Rabenmutter oder unweiblich bezeichnet zu werden. Das Studien- und Weiterbildungsprogramm "Karrierezeit" des Multimedia Kontors Hamburg und der Arbeitsstelle für wissenschaftliche Weiterbildung soll dem ein Ende machen.
Das Angebot richtet sich an die junge Akademikerin ebenso wie die leitende Büroangestellte mit 15 Jahren Erfahrung. Zur Auswahl stehen Kurse wie Managing Projects, Recht: Vertrag und Prozess, Arbeits- und Organisationspsychologie oder Marketing - und zwar als Blended-Learning-Angebote. Die Frauen bearbeiten dabei Themenabschnitte zu Hause am Computer. Nur drei Präsenzveranstalten verlangen Anwesenheit.
Fachliches und Führungsstärke trainieren
Das ermöglicht, auch Elternzeiten flexibel für die Weiterbildung zu nutzen, so Claudia Musekamp, Leiterin von "Karrierezeit". Die Kombination aus eigenständigem Lernen und Arbeiten in der Gruppe bei den Veranstaltungen in Hamburg habe sich für Frauen mit Kindern als optimal herausgestellt. Preise zwischen 900 und 1500 Euro pro Kurs belasten das Familienbudget auch nicht übermäßig.
Unterstützung bei der Bearbeitung der Inhalte bieten mehrere Moderatorinnen, die online zu erreichen sind. Innerhalb der sechs Monate dauernden Programme gilt es aber, nicht nur Lernmodule durchzuackern, sich also fachlich fit zu machen, sondern sich als künftige oder potenzielle Führungskraft auch Führungsstärke zuzulegen, weiß Musekamp. Dafür holt sich "Karrierezeit" Experten wie den Managementtrainer Jens Weidner, der sich u.a. mit Karrierestrategien für Frauen beschäftigt.
Nett? - Besser nicht
Weidner, Professor für Erziehungswissenschaften an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg, rät z.B. dazu, im Beruf nicht unbedingt nur nett zu sein. "Mit nett kommt man gut an, aber nicht gut weiter. Ein einschüchternder strenger Mutterblick hingegen lässt auch viele Männer zittern. Den kennen sie."
Vielmehr empfiehlt Weidner, seine natürliche Aggression konstruktiv einzusetzen. Sprich: Sich in Konflikten zu behaupten und die eigenen Interessen offensiv zu vertreten, Grenzen zu setzen und sich dennoch bei unbequemen Entscheidungen durchzusetzen, freundlich aber bestimmt. Führungskräfte - egal ob männlich oder weiblich - brauchen Biss, so der Erziehungswissenschaftler.
Einstecken lernen, Netzwerke bilden
Die Chance, im Kollegenkreis als Zicke zu gelten, ist dann zwar deutlich größer, als wenn man ewig das angepasste Weibchen gibt. Weidner hat dazu nur einen Kommentar: "Hier sind Einsteckerqualitäten gefragt". Er rät, solche Kollegen auf der persönlichen Abschussliste ganz nach oben zu setzen. Für viele Teilnehmerinnen ist das einer der wichtigsten Trainingspunkte.
Um aus Frauen mit Karrierezielen Erfolgsfrauen zu machen, setzt "Karrierezeit" auch auf Erfahrungsaustausch und Kontakte. Bei Vorträgen und informellen Treffen soll ein Netzwerk entstehen, das auch nach dem Abschluss hilfreich sein kann. Weidner sagt es noch deutlicher: "Frauennetzwerke sind der Albtraum der Männerwelt - das good-old-boys-network gerät in Gefahr." Mit List und Charme kann aber jeder Frau selbst diese Furcht für sich nutzen. Sie sollte herausfinden, wen sie wie für ihre Zwecke einsetzen kann. Auch mit ein bisschen List, sagt Weidner. Dann sollte es mit dem Chefsessel klappen.

Neue „Karrierezeit“-Kurse starten wieder im Januar. Mehr Informationen unter www.karrierezeit.de und bei der Karrierezeit-Lounge am 1. Dezember 2005, 19 Uhr im Gästehaus der Universität Hamburg, Rothenbaumchaussee 34 (Anmeldung unter j.darmstadt@mmkh.de)
  • FTD.de, 30.11.2005
    © 2005 Financial Times Deutschland,
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