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  FTD-Serie: Juristen

Ob Spezialisierung, Marketing oder Ausbildung - es hat sich einiges getan in Kanzleien und Hörsälen. Welcher Fachanwalt besonders gefragt ist, warum Kanzleien Mütter einstellen und wann die Selbständigkeit Sinn macht, lesen Sie hier.

Merken   Drucken   17.03.2008, 14:00 Schriftgröße: AAA

Inflation der Fachanwälte

Die Zahl der Fachanwälte steigt seit Jahren kontinuierlich an. Die Branche befürchtet bei zu vielen Titelträgern aber einen Wertverlust der Spezialausbildung. von Nicola de Paoli
Die Qualifikation zum Fachanwalt zahlt sich längst nicht für alle Anwälte aus. Gerade große Wirtschaftskanzleien bewerten den Nutzen dieser Zusatzausbildung sehr unterschiedlich. Lovells beispielsweise legt bei der Einstellung junger Anwälte wenig Wert auf einen Fachanwaltstitel. "Neueinsteiger werden bei uns intern umfassend geschult", sagt Christoph Hiltl, personalverantwortlicher Partner bei Lovells.
Bei Nörr hingegen sei ein Fachanwaltstitel "hoch geschätzt", sagt der Kanzlei-Sprecher Michael Neumann. Dieser müsse allerdings ins Kanzleiprofil passen. "Sonst kommen ja auch gar nicht die Prozesse zusammen, die ein Anwalt für den Nachweis seiner praktischen Erfahrung braucht."
Nach Angaben der Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) arbeiten in Deutschland derzeit rund 28.000 Fachanwälte, das ist rund ein Fünftel aller zugelassenen Anwälte. Wer einen Fachanwaltstitel erwerben möchte, muss eine schriftliche Prüfung ablegen und praktische Erfahrungen in einem bestimmten Rechtsgebiet nachweisen.
Arbeitsrecht: Anwalts Liebling
Die Zahl der Fachanwaltstitel legt ebenfalls ständig zu. Im vergangenen Sommer wurde der Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht eingeführt, damit stieg die Zahl auf 19 Spezialgebiete.
Dazu gehören unter anderem das IT- und Transportrecht aber auch klassische Rechtsgebiete wie das Arbeits- oder Gesellschaftsrecht sowie der gewerbliche Rechtsschutz. Besonders beliebt ist derzeit der Fachanwalt im Arbeitsrecht. Das gilt sogar für die Kanzlei Lovells. "Wir unterstützen Kollegen, die ihren Fachanwalt im Arbeitsrecht oder im Steuerrecht machen wollen", sagt Hiltl.
Bei Nörr steht neben dem Arbeitsrecht auch das Medizinrecht hoch im Kurs. "Wir haben eine Praxisgruppe Gesundheitswesen und der Fachanwalt für Medizinrecht passt dort hinein, weil er Branchenbezug mit Spezial-Rechtskenntnissen verbindet", sagt Neumann.
Fachanwälte verdienen mehr
Nichtsdestotrotz herrscht in der Branche weiterhin die Meinung vor, dass ein Fachanwaltstitel in großen Kanzleien nur begrenzt Sinn macht. "Der Fachanwalt für Gesellschaftsrecht ist für eine große Wirtschaftskanzlei eigentlich ein Witz", sagt Neumann.
Anders sieht es bei Sozietäten aus, die sich breiter aufgestellt haben. Christian Dahns, Geschäftsführer der BRAK, verweist auf Studien, die ein Einnahmeplus von bis zu 30 Prozent errechnet haben: "Fachanwälte verdienen mehr", sagt er.
Die Ausbildung zum Fachanwalt allein ist aber noch kein Garant für mehr Einkommen. Gerade junge Anwälte überbrücken die Warteschleife zwischen dem zweiten Staatsexamen und dem Berufseinstieg mit der theoretischen Lehrgang - und bekommen dann doch nicht die Fälle für den praktischen Teil der Ausbildung zusammen.

Teil 2: Anwaltstitel stiften bei Kunden Verwirrung

  • FTD.de, 17.03.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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