Eine angehende Ingenieurin vor dem Forschungszentrum Jülich
"Zu Beginn der Umstellung auf die neuen Abschlüsse herrschte zunächst eine große Verunsicherung auf allen Seiten", sagt Gerhard Müller, Leiter des Lehrstuhls für Baumechanik an der TU München und Mitglied des Leitungskreises von 4-Ing, der Fakultätentage der Ingenieurwissenschaften und der Informatik an den Universitäten. Jetzt seien die Abschlüsse von den Unternehmen weitgehend akzeptiert. Dem Bachelor als vollwertigem Abschluss in Ingenieurwissenschaften trauen Unternehmen, zumindest inoffiziell, und auch Absolventen aber trotzdem nicht so recht über den Weg, sagt der Experte: "Die allermeisten Studenten in den Ingenieurfächern machen nach dem Bachelor weiter."
Direkteinstieg als Generalist möglich
Wer nach Abschluss in Bereichen arbeiten möchte, in denen die Anforderungen des Diplom-Ingenieurs galten, tue gut daran, den Master anzuschließen, sagt Müller. Schließlich sei der Bachelor auf sechs Semester angelegt und muss bei den Inhalten gegenüber einem auf neun Semester Regelstudienzeit angesetzten alten Diplom-Studiengang Abstriche machen.
Möglichkeiten für den Direkteinstieg als Bachelor werden aber geboten und sind vielfach auch sinnvoll. "Bachelorabsolventen steigen bei uns häufig als Generalisten in vielfältigen technischen Fachbereichen ein", sagt Anja Baumgartner, Personalerin bei Bosch - um gleich darauf das Pre-Masterprogramm zu preisen. Dabei sollen die Bachelorabsolventen zunächst Berufserfahrung im Unternehmen sammeln und dann ihren Master machen. Währenddessen bleiben die Studierenden weiter in engem Kontakt mit Bosch und werden von einem Mentor begleitet. Danach werde über eine Übernahme verhandelt, sagt Baumgartner: "Ziel bei dem Pre-Masterprogramm ist es, Praxislücken zu schließen, die viele Studierende mittlerweile durch verdichtete Studienpläne aufbauen." Vertrauen ist beim Bachelor offenbar gut, Kontrolle der Studieninhalte allerdings besser.