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Merken   Drucken   25.08.2011, 11:15 Schriftgröße: AAA

Jagd auf die besten Forscher: Christoph Westphal - Der Seriengründer

Christoph Westphal setzt Ideen in Produkte um - und zwar am laufenden Band. Eine seiner Firmen wurde vom Pharmariesen GlaxoSmithKline geschluckt. Er selbst gilt als eher unverdaulich. von Sascha Karberg, Cambridge
Er riecht nicht nur die frische Luft am Morgen gern, sondern hat ...   Er riecht nicht nur die frische Luft am Morgen gern, sondern hat auch eine Nase für marktfähige Neuheiten: Christoph Westphal, im Garten seines Sommerhauses in South Dartmouth, gründet Biotechfirmen in Serie
Der Mann hat etwas rastloses. Jeden Morgen so um 8 Uhr geht Christoph Westphal zu Fuß zwei Kilometer aus dem Vorort Brookline über die Boston University Bridge zur Arbeit nach Cambridge. Seinen Tag hat er allerdings schon drei Stunden vorher begonnen - nicht nur wegen der fünf Kinder. Er joggt um halb sechs. Seine Wochenarbeitszeit schätzt er auf 55 Stunden, seine Frau sagt: 80. Über seine zwei Blackberrys ist Westphal fast ausnahmslos erreichbar. Nicht erreichbar sei er tatsächlich nur ein einziges Mal gewesen: In den entscheidenden 15 Minuten, in denen er seiner Frau bei der Geburt seines jüngsten Sohnes half.
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  GlaxoSmithKline 1417 GBp  [7.5 +0,53%
Westphal macht immer mehr als andere. Ob als Läufer, Familienvater, Forscher oder Unternehmer. Genauer: als Biotech-Seriengründer. Seit 2001 hat der Deutschamerikaner in Boston neun Firmen ins Leben gerufen, zuletzt Verastem in Cambridge. Das Unternehmen entwickelt Wirkstoffe gegen Krebsstammzellen. Die zehnte Firma ist bereits in Vorbereitung. Westphals Credo: "Wenn Forschung nur Theorie bleibt, dann ist sie eigentlich viel weniger wichtig, als wenn man daraus Medikamente macht."
Ungewöhnlich an seinen Fließband-Gründungen ist nicht nur die schiere Menge: Westphals Startups basieren zumeist auf frisch der Grundlagenforschung entsprungenen Ideen, deren Umsetzung in Produkte langen Atem, viel Geld, und Risikobereitschaft braucht - denn die meisten Biotech-Gründungen scheitern. Aber Westphal versteht es, den Marktwert von Forschungsergebnissen zu erkennen. Etwas, das auch GlaxoSmithKline  (GSK) interessiert: 2008 kauft der Pharmariese Westphals fünfte Gründung Sirtris für rund 720 Mio. Dollar - inklusive dem Innovator selbst.
Der Konzern ist nicht allein an den spektakulären Arzneien von Sirtris interessiert - die sollen gegen altersbedingte Erkrankungen wie Diabetes wirken und haben in Tierversuchen auch einen lebensverlängernden Effekt. GSK-Forschungschef Patrick Vallance will auch Westphals Spürnase und überträgt ihm die Leitung des Centre of Excellence for External Drug Discovery, abgekürzt CEEDD, was sich nicht ohne Grund wie Seed - Keim - spricht. GSK braucht den Seriengründer, um die Zahl seiner Medikamentenzulassungen zu erhöhen. Westphal organisiert GSKs Kooperation mit Biotechfirmen und sichert so den Zugriff des Konzerns auf neue Verfahren.

Teil 2: Netzwerk aus Forschern, Investoren und Beratern

  • Aus der FTD vom 25.08.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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