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Merken   Drucken   18.08.2011, 12:54 Schriftgröße: AAA

Jagd auf die besten Forscher: JP Rangaswami - Vorausdenker mit großem Appetit

Kaum jemand erkennt IT-Trends so gut wie JP Rangaswami - darum hat der Softwarekonzern Salesforce den Technikguru von der British Telecom geholt und zum Forschungschef gemacht. Einem Chef ohne Mitarbeiter, Arbeitszeiten und Adresse.
© Bild: 2011 FTD/Andrea Artz
Kaum jemand erkennt IT-Trends so gut wie JP Rangaswami - darum hat der Softwarekonzern Salesforce den Technikguru von der British Telecom geholt und zum Forschungschef gemacht. Einem Chef ohne Mitarbeiter, Arbeitszeiten und Adresse. von Annika Graf, London
Wenn JP Rangaswami nachdenken will, dann kocht er. Am liebsten Bolognesesoße. "Ich kann sie mit verbundenen Augen kochen", sagt der 53-Jährige. Und er kocht viel, denn das Denken ist sein Job. Rangaswami ist Forschungschef bei der Softwarefirma Salesforce . Seine Stellenbeschreibung klingt simpel: "Ich soll dem Unternehmen helfen, den Markt zu verstehen." So schlicht das klingt, so anspruchsvoll ist seine Aufgabe: Er soll in die Zukunft blicken, erkennen, was wichtig wird für die Branche und für Salesforce.
Das US-Unternehmen bot als eines der ersten Firmensoftware an, die nicht mehr gekauft, sondern als Dienstleistung über das Internet gebucht wird - die Programme laufen auf dem Salesforce-Server. Bei diesem "Software as a Service"-Modell spart der Kunde die hohen Lizenzgebühren und Wartungskosten, die beim Kauf eines Programms fällig würden, das er bei sich installiert. Weltweit hat es Salesforce in den vergangenen Jahren unter die Top Fünf der Anbieter von Software für die Verwaltung von Kundenbeziehungen (CRM) geschafft und spielt dort in einer Liga mit Microsoft , SAP  und Oracle .
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Der Konzern setzt als einziger großer Anbieter nur auf Cloud-Lösungen, wie die internetbasierte Software im Fachjargon auch heißt. Salesforce-Gründer Marc Benioff ist überzeugt von der Idee. Bislang mit Erfolg: Im vergangenen Jahr steigerte Salesforce seinen Umsatz um gut ein Drittel auf 1,7 Mrd. Dollar. Doch die Konkurrenz wird härter, die ganze Branche stürzt sich auf die einstige Nische.
Benioff selbst hat sich mit seiner radikalen Einstellung in der Branche einen Ruf als Visionär erarbeitet. Gerade erst wurde sein Unternehmen vom Magazin "Forbes" zur Nummer eins der 50 innovativsten Unternehmen gekürt. Rangaswami soll dafür sorgen, dass es so bleibt. Der gebürtige Inder wurde mehrfach ausgezeichnet, 2010 zählte ihn das Magazin "Wired" zu den 100 einflussreichsten "Digital Powerbrokers" weltweit. Nicht nur deshalb hat Benioff ihn vergangenes Jahr vom Konzern British Telecom abgeworben. Die beiden kennen sich seit mehreren Jahren. Beide sind von Facebook fasziniert und glauben, dass das Onlinenetzwerk auch den Softwaremarkt revolutionieren wird.
Schon 2005, als Facebook gerade erst seinen Siegeszug antrat, bloggte Rangawsami: "Ich glaube schon lange, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis Unternehmenssoftware nur noch aus vier Anwendungen bestehen wird: Veröffentlichung, Suche, Ausführung und Konversation." Das ist seine Arbeitsthese, auch bei Salesforce. Sein Chef Marc Benioff ist von der Bedienerfreundlichkeit des Onlinenetzwerks fasziniert. "Ich glaube, dass in Zukunft alle Unternehmensanwendungen so aussehen werden, weil Facebook die Mitarbeiter dazu erzieht", sagt der Salesforce-Gründer.
Was er beschreibt, ist ein wichtiger IT-Trend: Arbeitnehmer geben ihre lieb gewonnenen Angewohnheiten und Endgeräte nicht mehr am Werkstor ab. Was sie privat benutzen, darauf wollen sie auch im Job nicht verzichten. Handys, Smartphones, Tablets, soziale Netzwerke. Solche Trends soll Rangaswami aufspüren und herausfinden, welche Anwendungen sich daraus ergeben - er liefert die Ideen, andere machen die Software. Als er bei Salesforce anfing, gab Benioff ihm den Auftrag: "Alle sprechen nur noch über das iPad. Wir müssen herausfinden, wie die Menschen damit durch das Leben gehen." Also zog Rangaswami los. Zu einer Ausgrabungsstätte. Voller Archäologen mit iPad, die den Vorteil des Geräts längst erkannt hatten: "Es gibt keine beweglichen Teile, in die Sand geraten könnte, keine Tastatur, die abgelegt werden muss", sagt Rangaswami. "Die Batterie hält lange, und man kann den Bildschirm aus verschiedenen Winkeln lesen."

Teil 2: "Kein Laptop mehr!"

  • Aus der FTD vom 18.08.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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