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Merken   Drucken   24.08.2011, 13:15 Schriftgröße: AAA

Jagd auf die besten Forscher: Rainer Bischoff - Der Wadlbeißer bei Kuka

Rainer Bischoff hat Biss - ein Grund, warum Roboterhersteller Kuka ihn als Projektleiter holte. Er rettete die Roboterplattform Youbot vor dem Aus und machte sie zum neuen Hoffnungsträger der Augsburger. von Kirsten Bialdiga  Augsburg
Ein Traum in Orange: Youbot und sein Retter Rainer Bischoff. Der ...   Ein Traum in Orange: Youbot und sein Retter Rainer Bischoff. Der Ingenieur will den mobilen Forschungsroboter industrietauglich machen
Viel fürsorglicher könnte ein Vater, der sein Baby ins Bett bringt, auch nicht sein. Rainer Bischoff legt den Joystick beiseite und kniet sich neben dem kleinen Roboter auf den Fabrikboden. Mit dem Zeigefinger streicht er leicht über die metallene Plattform und überzeugt sich, dass der Youbot in Parkposition ist und auch wirklich alle Lämpchen erloschen sind. Dann überprüft er noch einmal, ob der Greifarm richtig eingefahren wurde, also in "Embryostellung" ruht. Zwar ist der kleine Kerl nicht direkt Bischoffs Kind - aber zu dessen geistigen Vätern zählt er sich schon. "Ich bin der Entdecker des Youbot", sagt der 42-jährige Projektleiter. Und sein Retter.
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Wie so viele Forschungsprojekte soll 2009 beim Roboterbauer Kuka  auch die Arbeit am Youbot, einem Greifarm auf fahrbarem Untersatz, eingestellt werden. Aus Kostengründen. Das Augsburger Unternehmen fertigt seine stets orange lackierten Roboter hauptsächlich für die Industrie. Was während der Finanzkrise keinen Spaß macht: Die Automobilbauer - die wichtigsten Kunden- haben wenig Lust auf Investitionen und neue Roboter. Schlechte Zeiten für einen Neuling wie den Youbot.
Bischoff bleibt hartnäckig, doch es sieht nicht gut aus: Dramatische Mails an das Konzern-Controlling mit der Betreffzeile "der Youbot darf nicht sterben" seien ebenso ohne Wirkung geblieben wie sein Weg durch die Hierarchien, erzählt er. Auf der Pensionierungsfeier eines Vorstands sieht der promovierte Ingenieur einen letzten Ausweg: Aufsichtsratschef Bernd Minning ist auch da, Bischoff kennt ihn allerdings bisher nur vom Foto. Nach dem Abendessen spricht er Minning an. Der will sich innerhalb der nächsten drei Tage melden - und tut dies bereits nach einem Tag. Minning, zugleich Chef des Kuka-Großaktionärs Grenzebach, gibt die erforderlichen Mittel frei und lässt den Youbot in den Fabrikhallen des mittelständischen Familienunternehmens zur Produktionsreife weiterentwickeln. Bischoffs Verdienst.
"Das ist typisch für ihn", sagt Arif Kazi, Bischoffs Vorgänger bei Kuka und auch einer derjenigen, der sich dafür aussprach, Bischoff 2004 ins Unternehmen zu holen. "Wenn er sich ein Ziel steckt, setzt er alle Hebel dafür in Bewegung und erreicht es auch." Bischoffs Fachkompetenz und seine Beharrlichkeit seien Gründe dafür gewesen, dass Kuka ihn haben wollte. "In diesem sehr speziellen Bereich arbeiten nur wenige gute Köpfe - die kennt man." Und die holt man. So einen wie Bischoff, einen jungen, ehrgeizigen Forscher, der schon für Unternehmen im In- und Ausland tätig war und zu der Zeit an der Bundeswehr-Universität in München arbeitete.
Dort warb er Forschungsgelder aus der Industrie ein. Bei Kuka sei er auf die andere Schreibtischseite gewechselt, sagt Bischoff. Heute vergibt er die Forschungsgelder für interessante Projekte und treibt bei Kuka Erfolgversprechendes voran. Erfolgversprechendes wie den Youbot: Von dem rollenden Roboter will Kuka dieses Jahr bereits 100 verkaufen, zu einem Stückpreis von rund 20.000 Euro. Das sei vor allem Bischoffs Hartnäckigkeit und Ideenreichtum zu verdanken, meint auch Ralf Koeppe, Chef der Kuka-Entwicklungsabteilung.
Bischoff zweifelt nicht eine Sekunde daran, dass sich sein Einsatz gelohnt hat. Der sonst eher nüchterne Norddeutsche ist kaum zu stoppen, wenn es um die Vorzüge des Youbot geht. Ein "cooler Markenbotschafter" sei der und einzigartig sowieso: "Bisher gibt es sonst von keinem Hersteller ein vergleichbares System aus einem Guss: mit einer Plattform und einem Roboterarm zugleich."

Teil 2: Mobile Manipulatoren auch für den Haushalt

  • FTD.de, 24.08.2011
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